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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Mögliche Verfehlung der Energieeinsparziele für 2020

Beibehaltung der Ziele des Energiekonzeptes 2020, Auswirkungen des steigenden Energieverbrauchs in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr, Entwicklung von Treibhausgas-Emissionen, Energieverbrauch und wichtigen Rahmenbedingungen, Energiemix, Energiebedarf im Flugverkehr, Energieeinsparung sowie Gebäudewärmeverbrauch bis 2020, jeweils im Vergleich zur aktuellen Entwicklung, Auswirkungen, Bewertung des prognostizierten Rückgangs von Endenergiebedarf und Bruttostromverbrauch für die Transformation des Energiesystems<br /> (insgesamt 14 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Datum

20.04.2018

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/139115.03.2018

Mögliche Verfehlung der Energieeinsparziele für 2020

der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Lisa Badum, Annalena Baerbock, Dr. Bettina Hoffmann, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Steffi Lemke, Ingrid Nestle und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Laut dem Energiekonzept der Bundesregierung 2010 soll der Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2008 um 20 Prozent gesenkt werden. Neben diesem übergeordneten Ziel werden noch fünf weitere Ziele benannt. So soll die Energieproduktivität bis 2050 jährlich um 2,1 Prozent steigen, der Bruttostromverbrauch soll um 10 Prozent sinken (Basis 2008), der Wärmebedarf für Gebäude soll um 20 Prozent sinken (Basis 2008) und der Endenergieverbrauch im Verkehr um 10 Prozent (Basis 2005). Für den Primärenergiebedarf existiert nur ein Ziel von 80 Prozent Einsparung bis 2050 ohne Zwischenschritte (www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/E/energiekonzept-010.pdf?__blob= publicationFile&v=3).

Entgegen diesen Zielen ist der Diesel- und Ottokraftstoffverbrauch im Straßenverkehr, laut den Zahlen des Bundesamtes für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in den letzten drei Jahren um 6 Prozent gewachsen. Der Flugverkehr hat im gleichen Zeitraum sogar um 10 Prozent zugenommen (www.bafa.de/Shared Docs/Downloads/DE/Energie/Mineraloel/moel_amtliche_daten_2017_dezember.html; www.bafa.de/SharedDocs/Downloads/DE/Energie/Mineraloel/moel_amtliche_ daten_2014_dezember.html). Auch der Gebäudewärmebedarf verzeichnet einen Anstieg, der temperaturbereinigt bei rund 3 Prozent für den Zeitraum von 2014 bis 2016 liegt (nicht temperaturbereinigt 8 Prozent, www.destatis.de/DE/Zahlen Fakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Umwelt/UmweltoekonomischeGesamt rechnungen/MaterialEnergiefluesse/Tabellen/EnergieverbrauchHausalte.html).

Der Bruttostromverbrauch liegt mit 600 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2017 fast 10 TWh höher als im Jahr 2014 (https://ag-energiebilanzen.de/index.php? article_id=29&fileName=20171221_brd_stromerzeugung1990-2017.pdf).

Erdgas ist der Energieträger, dessen Verbrauch am deutlichsten in den letzten Jahren zugenommen hat. Der gesamte Erdgasverbrauch ist in Deutschland nach den Energiedaten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zwischen 2014 und 2017 um 20 Prozent gewachsen (www.bmwi.de/Redaktion/DE/Binaer/ Energiedaten/energiedaten-gesamt-xls.xls?__blob=publicationFile&v=73).

Der gesamte Endenergiebedarf lag im Jahr 2017 etwa auf dem Niveau von 2010. Als Folge sind die Treibhausgasemissionen zwischen 2014 und 2016 um 6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gestiegen und im Jahr 2017 nach vorläufigen Schätzungen auf dem gleichem Niveau verblieben (www.bmwi.de/Redaktion /DE/Binaer/Energiedaten/energiedaten-gesamt-xls.xls?__blob=publication File&v=73).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Steht die neue Bundesregierung auch weiterhin zu den Zielen des Energiekonzeptes 2010 (Antwort bitte begründen)?

2

Wie wirken sich die in der Vorbemerkung der Fragesteller benannten Verbrauchsentwicklungen nach Einschätzung der Bundesregierung auf die Treibhausgasminderung in 2020 und die Erreichung der Klimaschutzziele aus?

3

Wie werden sich mit diesen neuen Erkenntnissen zum Energieverbrauch die Treibhausgasemissionen in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr nach den Prognosen der Bundesregierung entwickeln?

4

Wie entwickeln sich nach den Prognosen der Bundesregierung das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Bevölkerungszahl und andere, für den Energieverbrauch wichtige, Rahmenbedingungen bis 2020 im Vergleich zur aktuellen Entwicklung (Durchschnitt der vergangenen drei Jahre bzw. der letzten drei zurück liegenden Jahre mit verfügbaren Daten)?

5

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Bruttoendenergieverbrauch (2017)?

6

Wie hoch ist der gesamte, klimabereinigte Bruttoendenergieverbrauch nach den Prognosen der Bundesregierung im Jahr 2020 im Vergleich zur aktuellen Entwicklung (Dreijahresdurchschnitt)?

7

Wie hoch ist der klimabereinigte Energieverbrauch nach den Prognosen der Bundesregierung in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr im Jahr 2020 im Vergleich zur aktuellen Entwicklung (Dreijahresdurchschnitt)?

8

Von welchen „zahlreichen Faktoren“ (vgl. die Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 86 der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden auf Bundestagsdrucksache 19/1126) hängt der künftige Energiemix in Deutschland nach Ansicht der Bundesregierung ab (bitte auflisten)?

9

Wie wird sich nach Prognosen der Bundesregierung der Energiebedarf im Flugverkehr bis 2020 im Vergleich zur aktuellen Situation (Dreijahresdurchschnitt) entwickeln?

10

Welche Auswirkungen hat der Flugverkehrssektor auf den Bruttoendenergieverbrauch aktuell (2017) und nach Prognosen der Bundesregierung im Jahr 2020?

11

Wie entwickelt sich die Energieeinsparung in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr bis 2020 (spezifisch pro Einheit BIP, Bevölkerung etc. und absolut) im Vergleich zur aktuellen Entwicklung (Dreijahresdurchschnitt)?

12

Wie entwickelt sich nach Prognosen der Bundesregierung der spezifische, klimabereinigte Gebäudewärmeverbrauch (pro Quadratmeter und pro Wohnung) bis 2020 im Vergleich zur aktuellen Entwicklung (Dreijahresdurchschnitt)?

13

Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Verbrauchsentwicklungen die prognostizierte Entwicklung des Endenergiebedarfs im Basisszenario der Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems, das einen Rückgang um 11 Prozent zwischen 2010 und 2020 annimmt (www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/B/berichtsmodul- 3-referenzszenario-und-basisszenario.pdf?__blob=publicationFile&v=4)?

14

Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Verbrauchsentwicklungen die prognostizierte Entwicklung des Bruttostromverbrauchs im Basisszenario der Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems, das einen Rückgang um 42 Terawattstunden zwischen 2017 und 2020 annimmt (von 600 auf 558 TWh, www.bmwi.de/Redaktion/ DE/Downloads/B/berichtsmodul-3-referenzszenario-und-basisszenario.pdf?__ blob=publicationFile&v=4)?

Berlin, den 13. März 2018

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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