Reisemarkt in Deutschland
der Abgeordneten Dr. Marcel Klinge, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Carina Konrad, Ulrich Lechte, Oliver Luksic, Till Mansmann, Roman Müller-Böhm, Christian Sauter, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Benjamin Strasser, Katja Suding, Stephan Thomae, Sandra Weeser und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der Tourismus ist ein sehr bedeutender und stetig wachsender Wirtschaftszweig in der Bundesrepublik Deutschland. Laut der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie aus Juni 2017 leistet die deutsche Tourismuswirtschaft mit 3,9 Prozent einen großen Beitrag zum deutschen Bruttoinlandsprodukt. Zudem gehört die Tourismuswirtschaft mit einem Beschäftigungsanteil von 6,8 Prozent zu den größten Arbeitgebern der Bundesrepublik Deutschland.
Mit 1,68 Milliarden privaten Reisetagen allein im Jahr 2017 zeigen sich die Bundesbürger sehr reisefreudig und erreichten damit den bisher höchsten Wert.
Am 1. Juli 2018 trat die EU-Pauschalreiserichtlinie in Kraft. Diese bringt dem Verbraucher einige Vorteile. Jedoch wurden seitens der Reisewirtschaft die Befürchtungen von erhöhtem bürokratischem Aufwand vorgebracht. Auch die Digitalisierung bietet der deutschen Tourismuswirtschaft viele Chancen aber auch Herausforderungen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen26
Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der in Deutschland ansässigen stationären Reisebüros jeweils in den Jahren 2012 bis 2017 (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der in Deutschland ansässigen Onlinereisebüros jeweils in den Jahren 2012 bis 2017 (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Wie viele dieser Reisebüros waren nach Kenntnis der Bundesregierung unabhängig, wie viele an Veranstalter oder Franchisesysteme gebunden (bitte nach Jahren 2012 bis 2017 und Bundesländern aufschlüsseln)?
Wie schätzt die Bundesregierung die Perspektiven für den stationären Reisevertrieb in den kommenden Jahren ein?
Wie bewertet die Bundesregierung die bürokratischen Herausforderungen für Reisebüros, die die Pauschalreiserichtlinie mit sich gebracht hat?
Wie bewertet die Bundesregierung die Herausforderungen der Digitalisierung der Reisebranche in deutschen Reisebüros?
Welchen Beitrag zum Steueraufkommen leisteten die in Deutschland ansässigen Reiseveranstalter nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils in den Jahren 2012 bis 2017?
Betrachtet die Bundesregierung das zu erwartende Urteil des Bundesfinanzhofs (Aktenzeichen III R 22/16) über die gewerbesteuerliche Hinzurechnung beim Reisevorleistungseinkauf, trotz der erheblichen Bedenken der Reiseveranstalter, weiterhin als hypothetischen Sachverhalt, zu dem die Bundesregierung nicht Stellung bezieht (vergleiche die Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 6 des Abgeordneten Markus Herbrand auf Bundestagsdrucksache 19/1979)?
Wie will die Bundesregierung konkret auf mögliche Insolvenzen und Abwanderungen von Reiseveranstaltern, im Falle der Bestätigung der bisherigen Rechtslage durch den Bundesfinanzhof, reagieren?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Bareiß, dass es sich bei der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Urlaubsreisen um ein „Unding“ handelt und dringend eine Lösung zur Entlastung der betroffenen Reiseveranstalter gefunden werden muss?
Wie viele Personen waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den deutschen Reisebüros jeweils in den Jahren 2012 bis 2017 beschäftigt?
Wie viele hiervon waren sozialversicherungspflichtig, und wie hoch war der jeweilige Anteil an Frauen?
Wie hoch lag nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei den in Deutschland ansässigen Reiseveranstaltern jeweils in den Jahren 2012 bis 2017, und wie hoch war der jeweilige Anteil an Frauen?
Wie viele Menschen schlossen nach Kenntnis der Bundesregierung ihre Ausbildung in den Jahren 2012 bis 2017 zu Reiseverkehrskaufleuten ab?
Wie viele Menschen absolvierten nach Kenntnis der Bundesregierung ihre Ausbildung in einem Reisebüro, und wie viele bei einem Reiseveranstalter?
Wie viele der Berufsanfänger wurden nach Kenntnis der Bundesregierung von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen, und wie viele fanden direkt im Anschluss an die Ausbildung eine Beschäftigung in ihrem erlernten Beruf?
Wie viele Berufsanfänger fanden nach abgeschlossener Ausbildung nach Kenntnis der Bundesregierung keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in ihrem gelernten Beruf?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Studiengänge mit entsprechendem touristischen Schwerpunkt und die Zahl der in diesen Studiengängen eingeschriebenen Studierenden sowie Bewerbern um einen Studienplatz in den Jahren 2012 bis 2017 entwickelt (bitte nach Jahren und Hochschulen aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die finanzielle Förderung der Studiengänge mit touristischem Schwerpunkt in den Jahren 2012 bis 2017 entwickelt (bitte nach Jahren und Hochschulen aufschlüsseln)?
Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der im stationären Vertrieb gebuchten Pauschalurlaubsreisen (ab fünf Tagen) von Deutschen im Zeitraum von 2012 bis 2017 im Vergleich zu den direkt beim Veranstalter gebuchten Pauschalurlaubsreisen sowie zu den online gebuchten Pauschalurlaubsreisen (ab fünf Tagen)?
Wie viele der gebuchten Reisen führten nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils ins europäische Ausland, ins außereuropäische Ausland oder fanden im Inland statt?
Wie entwickelten sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Ausgaben für Auslandsurlaube der Deutschen pro Kopf von 2012 bis 2017?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Feriendestinationen der deutschen Urlauber in den jeweiligen Jahren 2012 bis 2017 verändert?
Lassen sich nach Kenntnis der Bundesregierung bei den Veränderungen der Feriendestinationen Rückschlüsse auf regionale oder politische Gegebenheiten in den Zielländern ziehen?
Inwiefern tragen deutsche Urlauber in Entwicklungsländern nach Kenntnis der Bundesregierung zu der dortigen wirtschaftlichen Entwicklung und Stabilität bei?
Sollen die Vereinbarungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Reformpartnerland Tunesien, die den Tourismussektor explizit mit einbinden, auch auf weitere Länder ausgeweitet werden?
Falls ja, für welche Länder ist dies geplant?
Erwartet die Bundesregierung in Bezug auf den Vertrieb, vor allem bezüglich der Digitalisierung und des Buchungsverhaltens im Internet Veränderungen?
Wenn ja, welche Veränderungen werden erwartet?
Welche Gründe sieht die Bundesregierung dafür, dass sich Onlineplattformen wie z. B. Amazon oder Google derzeit noch nicht im deutschen Reisevertrieb engagieren, und erwartet die Bundesregierung, dass dies zukünftig der Fall sein wird?