[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Justiz und für
Verbraucherschutz vom 22. Februar 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/8045
19. Wahlperiode 27.02.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Stephan Brandner und der Fraktion
der AfD
– Drucksache 19/7397 –
Treffen der Bundesjustizministerin Dr. Katarina Barley mit George Soros
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Wie Verlautbarungen der Bundesministerin der Justiz und für
Verbraucherschutz Dr. Katarina Barley in sozialen Netzwerken zu entnehmen war
(Twittereintrag vom 21. November 2018, abrufbar unter
https://twitter.com/
katarinabarley/status/1065290364205056000?lang=de sowie Facebookeintrag
vom 21. November 2018), traf sich diese bereits im November 2018 mit dem
nach Ansicht des Fragestellers umstrittenen George Soros. Sie habe, so heißt es
auf ihren Auftritten in den sozialen Netzwerken, mit ihm über die „Bedeutung
einer lebendigen #Zivilgesellschaft für die Zukunft unserer #Demokratie
gesprochen“.
V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung ist bestrebt, Regierungshandeln transparent und damit für
die Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbar zu gestalten. Daher hat sich die
Bundesrepublik Deutschland im Dezember 2016 der internationalen Initiative „Open
Government Partnership“ angeschlossen.
Die Mitglieder der Bundesregierung, Parlamentarische Staatssekretärinnen/
Staatssekretäre bzw. Staatsministerinnen/Staatsminister und Staatssekretärinnen/
Staatssekretäre pflegen in jeder Wahlperiode im Rahmen der
Aufgabenwahrnehmung Kontakte mit einer Vielzahl von Akteuren aller gesellschaftlichen Gruppen.
Unter diesen ständigen Austausch fallen Gespräche und auch Kommunikation in
anderen Formen (schriftlich, elektronisch, telefonisch). Es ist weder rechtlich
geboten noch im Sinne einer effizienten und ressourcenschonenden öffentlichen
Verwaltung leistbar, entsprechende Informationen und Daten (z. B. sämtliche
Veranstaltungen, Sitzungen und Termine nebst Teilnehmerinnen und
Teilnehmern) vollständig zu erfassen oder entsprechende Dokumentationen darüber zu
erstellen oder zu pflegen.
1. Durch wen und wann wurde die Initiative zu einem Treffen zwischen George
Soros und Bundesministerin Dr. Katarina Barley ausgelöst?
2. Welche Gründe gab es für ein Treffen zwischen George Soros und der
Bundesministerin?
Die Fragen 1 und 2 werden wegen des Zusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Anlass des Treffens war die Eröffnung einer Zweigstelle der Open Society
Foundation in Berlin im Herbst 2018.
3. Welche Demokratie ist bzw. war mit „unsere“ gemeint?
Gemeint ist die Demokratie als verfassungsrechtliches Grundprinzip, wie es im
Grundgesetz verankert ist (Artikel 20 Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes).
4. Was bedeutete nach Auffassung der Bundesregierung der Begriff der
„Zivilgesellschaft“?
Auf die Antwort zu Frage 6 wird verwiesen.
5. Hat Dr. Katarina Barley das Gespräch mit George Soros in ihrer Eigenschaft
als Bundesjustizministerin durchgeführt?
a) Falls ja, wo und wie hat das Bundesjustizministerium über Inhalt und
Ergebnisse des Gesprächs informiert?
Welche Gründe gab es gegebenenfalls dafür, auf eine öffentliche
Dokumentation des Treffens durch das Bundesjustizministerium zu verzichten?
b) Falls nein, weshalb wurde das Gespräch fotografisch durch das
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) begleitet?
Ja.
Das Bundesjustizministerium hat das Treffen dokumentiert und in üblicher
Weise, etwa im Rahmen von Presseanfragen, über seinen Inhalt informiert. Auf
die Antwort zu Frage 10 wird Bezug genommen.
6. Welche Bedeutung hat nach Ansicht der Bundesregierung eine lebendige
Zivilgesellschaft für die Zukunft unserer Demokratie?
Die Zivilgesellschaft bezeichnet den Bereich, in dem sich bürgerschaftliches
Engagement entfaltet, wie z. B. im Rahmen von Vereinen, Verbänden, Stiftungen
Netzwerken, informellen Zirkeln, sozialen Beziehungen und Bewegungen sowie
Nichtregierungsorganisationen. Eine lebendige Zivilgesellschaft ist nach
Auffassung der Bundesregierung wesentliche Voraussetzung für die Verwirklichung
von Demokratie, wenn und soweit zivilgesellschaftliches Engagement auch selbst
demokratischen Grundprinzipien verpflichtet bleibt.
7. Welche konkreten Inhalte waren Gesprächsinhalt?
War (auch) der globale Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre
Migration Inhalt des Gesprächs?
Falls ja, mit welchen Ergebnissen?
In dem Treffen wurde über die Bedeutung einer lebendigen Zivilgesellschaft und
den möglichen Beitrag von Stiftungen in diesem Zusammenhang gesprochen. Im
Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
8. Wie viele Treffen zwischen Vertretern der Bundesregierung und George
Soros gab es seit Januar 2010, und was waren jeweils die Inhalte der
Gespräche (bitte nach Datum, Teilnehmern und Inhalt des Gesprächs sowie Ort des
Treffens einzeln auflisten)?
Eine Verpflichtung zur Erfassung sämtlicher geführter Treffen besteht nicht, und
eine solche umfassende Dokumentation wurde auch nicht durchgeführt (siehe
dazu die Vorbemerkung der Bundesregierung). Die nachfolgenden Ausführungen
beziehungsweise aufgeführten Angaben erfolgen auf der Grundlage der
vorliegenden Erkenntnisse sowie vorhandener Unterlagen und Aufzeichnungen.
Diesbezügliche Daten sind somit möglicherweise nicht vollständig.
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat zu der Frage
eine Ressortabfrage durchgeführt. Diese Ressortabfrage hat folgende Treffen
ergeben:
Datum des
Termins
Teilnehmer
Bundesregierung
Teilnehmer extern
(außer George Soros)
Ort des
Treffens
Inhalte des Gesprächs
31.05.2012 Bundesminister
Dr. Philip Rösler
Michael Vachon (Chief
Advisor)
Berlin Europa, Hedgefonds
24.01.2019 Bundesminister
Peter Altmaier
Davos Politische Situation in
Deutschland und Europa
08.06.2017 Staatsminister
Michael Roth
Vertreterinnen und Vertreter des
Auswärtigen Amtes, der Open
Society Foundation und des
Europarates
Berlin Minderheitsrechte in Europa
29.05.2018 Staatsminister
Michael Roth
Vertreterinnen und Vertreter des
Auswärtigen Amtes, der Open
Society Foundation
Paris Politische Lage auf dem
Westbalkan, ERIAC
European Roma Institute for Arts
and Culture
24.09.2018 Staatsminister
Michael Roth
Vertreterinnen und Vertreter des
Auswärtigen Amtes, der Open
Society Foundation
New
York
Politische Lage auf dem
Westbalkan, ERIAC
European Roma Institute for Arts
and Culture
26.06.2018 Staatssekretär
Wolfgang
Schmidt
Berlin Allgemeiner Austausch
sowie Austausch zur
wirtschaftlichen Zusammenarbeit
mit Afrika
21.11.2018
Bundesministerin Dr. Katarina
Barley
Vertreterinnen und Vertreter des
Bundesministeriums der Justiz
und für Verbraucherschutz und
der Open Society Foundation
Berlin Bedeutung einer lebendigen
Zivilgesellschaft und der
mögliche Beitrag von
Stiftungen
Im Übrigen wird bezüglich des Bundesministeriums der Finanzen und des
Auswärtigen Amts zusätzlich auf die Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin
Christine Lambrecht auf die Schriftliche Frage 17 des Abgeordneten Enrico
Komning auf Bundestagsdrucksache 19/1634 verwiesen.
9. Inwieweit beurteilt es die Bundesregierung als notwendig, dass sich
Vertreter der Bundesregierung mit Lobbyisten, wie George Soros nach Ansicht des
Fragestellers bezeichnet werden kann, zu Gesprächen treffen, und wie
bewertet sie die Gefahr der übermäßigen Einflussnahme von Lobbyisten auf
politische Entscheidungen?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen.
10. Wie bewertet die Bundesregierung den Umstand, dass Bundesministerin
Dr. Barley ihren privaten „Facebook-Account“, auf dem sie auch Werbung
der SPD-Bundestagsfraktion verbreitet, mit dem aus staatlichen Mitteln
finanzierten und offiziellen Internetauftritt des BMJV verknüpft?
Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass durch diese Praxis der sogenannte
PageRank des Auftrittes von Bundesministerin Dr. Barley erhöht wird, und
dass sich Bundesministerin Dr. Barley damit gegenüber ihren
Abgeordnetenkollegen einen Vorteil verschafft, und wie begründet die
Bundesregierung ihre Ansicht?
Falls ja, warum wird dies geduldet bzw. gemacht?
Falls nein, warum nicht?
Wie wird die Bundesregierung gegen diese Praxis vorgehen?
Die in der Fragestellung unterstellte Verknüpfung von Accounts besteht nicht.
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