[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
13. März 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/8551
19. Wahlperiode 15.03.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Reinhard Houben, Michael Theurer,
Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/7804 –
Teilnahme von Vertretern mittelständischer Unternehmen bei Delegationsreisen
der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag die wichtige Rolle
mittelständischer Unternehmen für die Wirtschaft Deutschlands betont: „Der
Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und steht weltweit für hohe
Qualitätsstandards. […] Der Mittelstand prägt Kultur und Selbstverständnis der
deutschen Wirtschaft und leistet einen starken Beitrag zur internationalen
Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Viele kleine und mittlere Unternehmen sind
weltweit Innovationsführer. Das zeigen die ca. 2 000 deutschen „Hidden
Champions“ mit ihrer Spitzenstellung auf bestimmten Technologiefeldern“ („Ein
neuer Aufbruch für Europa – Eine neue Dynamik für Deutschland – Ein neuer
Zusammenhalt für unser Land. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
SPD“, S. 61).
Gerade mittelständische Unternehmen können von politischer Rückendeckung
durch die Bundesregierung bei Auslandsgeschäften enorm profitieren.
Gleichwohl hat die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
„Unternehmensvertreter auf Delegationsreisen“ (Bundestagsdrucksache 18/13509) für die
letzte Legislaturperiode belegt, dass bei Delegationsreisen der vorherigen
Bundesregierung mittelständische Unternehmen kaum vertreten waren. Ziel der
aktuellen Bundesregierung sollte es nach Ansicht der Fragesteller daher sein, eine
breitere Vertretung mittelständischer Unternehmen bei Delegationsreisen zu
gewährleisten.
1. Sieht die Bundesregierung Bedarf für eine breitere Vertretung
mittelständischer Unternehmer bei Delegationsreisen?
2. Was hat die Bundesregierung unternommen, um eine breitere Vertretung
mittelständischer Unternehmer bei Delegationsreisen zu erreichen?
3. Inwieweit hat sich der Prozess zur Auswahl der Wirtschaftsvertreter bei
Delegationsreisen gegenüber der letzten Legislaturperiode verändert?
Die Fragen 1 bis 3 werden gemeinsam beantwortet.
In Anlehnung an die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. betreffend Unternehmensvertreter auf Delegationsreisen
auf Bundestagsdrucksache 18/13509, auf die sich die Fragesteller in der
vorliegenden Kleinen Anfrage explizit beziehen, werden Delegationsreisen hier und im
Nachfolgenden verstanden als Reisen der Bundeskanzlerin, der
Bundesministerinnen und Bundesminister, der (Parlamentarischen) Staatssekretärinnen und
Staatssekretäre sowie der Staatsministerinnen und Staatsminister mit Beteiligung
von Wirtschaftsvertretern.
Delegationsreisen führen die Bundesressorts regelmäßig auf der Grundlage eines
offenen Interessenbekundungsverfahrens und unter Beteiligung von Verbänden
durch. Im Interessenbekundungsverfahren werden die Interessenten auf Ziel,
Zweck und Schwerpunkte der Reise hingewiesen. Die Größe der Delegation
richtet sich ebenfalls nach Ziel und Zweck der Reise sowie der Reisedauer. Unter
Berücksichtigung der Vorschläge der Verbände entscheidet das
Bundeskanzleramt bzw. entscheiden die Bundesministerien über die Auswahl der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um nach Ziel, Zweck und Schwerpunkten der Reise eine
möglichst repräsentative Auswahl zu erreichen, die nach Regionen und Branchen
ausgewogen ist und auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)
angemessen berücksichtigt. Neben Vertreterinnen und Vertretern von
Einzelunternehmen sind oftmals auch Verbände und/oder Vereine Teil der
Wirtschaftsdelegation, die regelmäßig auch die Interessen von KMU repräsentieren. Im Ergebnis
erlaubt das Interessenbekundungsverfahren eine zielgerichtete Auswahl der
Delegationsteilnehmerinnen und Delegationsteilnehmer bei
Wirtschaftsdelegationsreisen, so dass die Bundesregierung an diesem Instrument festhält.
Unabhängig davon sind bei der Förderung der Export- und Investitionstätigkeit
von KMU deren spezifische Herausforderungen auf Auslandsmärkten,
insbesondere mit Blick auf die Markterschließung und Finanzierung, zu berücksichtigen,
so dass Delegationsreisen für eine zielgerichtete Förderung von KMU nur als ein
Instrument unter vielen anzusehen sind. Die Bundesregierung unterstützt die
Aktivitäten deutscher Unternehmen auf ausländischen Märkten deshalb durch eine
breite Palette von bewährten Instrumenten der Außenwirtschaftsförderung, die
primär auf KMU zugeschnitten sind und vor allem auch von diesen nachgefragt
werden. Im Einzelnen wird hierzu auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen. Zu
diesen Instrumenten zählt auch das Markterschließungsprogramm für KMU, im
Rahmen dessen Markterkundungs- und Geschäftsanbahnungsreisen ins Ausland
gefördert werden. Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung die Forderung,
den Zuschnitt der Außenwirtschaftsförderungsinstrumente mit Blick auf die
Förderung von KMU stetig weiterzuentwickeln.
4. Welche Delegationsreisen mit Begleitung durch Wirtschaftsvertreter hat es
bislang in der 19. Legislaturperiode gegeben (bitte nach Bundesministerien
gliedern und die Delegationsreisen jeweils einzeln unter Angabe von
Reiseziel, Zeitraum, Größe der Delegation und berücksichtigten Branchen
auflisten)?
6. Welche größeren Projekte haben bislang in der 19. Legislaturperiode im
Rahmen einer Delegationsreise die besondere Unterstützung der
Bundesregierung erfahren?
Die Fragen 4 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die nachstehende Tabelle verwiesen, in der die Delegationsreisen mit
Wirtschaftsbeteiligung in der 19. Legislaturperiode aufgeführt sind (nach
Ressorts gegliedert sowie unter Nennung des Reiseziels und -zeitraums, der Anzahl
der Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertreter sowie der vertretenen
Branchen) sowie größere Projekte, soweit diese in der 19. Legislaturperiode im
Rahmen einer der in nachstehender Tabelle aufgeführten Delegationsreisen die
besondere Unterstützung der Bundesregierung erfahren haben.
Zu der nachstehenden Tabelle ergehen folgende Hinweise: Die Auflistung ist
beschränkt auf solche Delegationsreisen in der 19. Legislaturperiode, die zum
Zeitpunkt der Beantwortung der Kleinen Anfrage bereits abgeschlossen waren.
Daneben führt die Arbeitsebene Markterschließungsreisen durch, mit der KMU
gezielt der Zugang zu Auslandsmärkten erleichtert werden soll. Diesbezüglich wird
auf die Antworten zu den Fragen 1 bis 3 sowie 7 verwiesen. Größere Projekte,
die im Rahmen einer Delegationsreise die besondere Unterstützung der
Bundesregierung erfahren haben, werden hier definiert als solche Projekte, zu denen
zwischen der Bundesregierung und der Regierung des Ziellandes der
Delegationsreise ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet wurde.
Ressort
Ressortvertreter
Reisezeitraum
Reiseziel(e)
Anzahl der
Wirtschaftsvertreter
Vertretene
Branchen
Ggf. Thema
MoU
AA Bundesminister
Heiko Maas
24.06.-
26.06.2018
Japan,
Republik
Korea
4 Finanzen
Informationstechnologie
Internet- und Technologie-
Startups
Mobilität, Cloud Services,
Location Intelligence
AA Bundesminister
Heiko Maas
11.11.-
13.11.2018
China 5 Automobilindustrie
Finanzen
Maschinen-, Anlagenbau
Verband, Verein
AA Staatssekretär
Walter Lindner
30.10.-
01.11.2018
Pakistan 10 Baugewerbe
Erneuerbare Energie
Finanzen
Groß- und
Lebensmittelhandel
Informationstechnologie
Maschinen-, Anlagenbau
Mess-, Prüftechnik
Nutzfahrzeuge
Verband, Verein
BK-
Amt
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
23.05.-
25.05.2018
China 19 Bergbau, Bau und
Maschinenbau
Bergbau und
Metallgewerbe
Biotechnologie, Chemie,
Pharmazie und Medizin
Dienstleistungen
Elektronik, Elektrotechnik
und Technik
Finanzen, Versicherung
Land- und Forstwirtschaft
Lebensmittelindustrie
Logistik, Transport,
Verkehr
Maschinen und Anlagenbau
Umwelt, Entsorgung,
Recycling
Verband, Verein
Zulieferer
Automobilindustrie
Ressort
Ressortvertreter
Reisezeitraum
Reiseziel(e)
Anzahl der
Wirtschaftsvertreter
Vertretene
Branchen
Ggf. Thema
MoU
BK-
Amt
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
20.06.-
22.06.2018
Jordanien,
Libanon
8 Dienstleistungen
Elektronik, Elektrotechnik
und Technik
Logistik, Transport,
Verkehr
Metallgewerbe
Solarindustrie
Umwelt, Entsorgung,
Recycling
Verband, Verein
BK-
Amt
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
23.08.-
25.08.2018
Georgien,
Armenien,
Aserbaidschan
7 Baugewerbe, Handwerk,
Fertigung
Dienstleistungen
Forschung, Lehre und
Bildung
Land- und Forstwirtschaft
Logistik, Transport,
Verkehr
Metallgewerbe
BK-
Amt
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
29.08.-
31.08.2018
Senegal,
Ghana,
Nigeria
12 Baugewerbe, Handwerk
und Fertigung
Elektronik, Elektrotechnik
und Technik
Dienstleistungen
Fruchthandel
Maschinen- und
Anlagenbau
Pharmazie und Medizin
Solartechnik
Verband, Verein
BK-
Amt
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
03.10.-
04.10.2018
Israel 12 Baugewerbe, Handwerk
und Fertigung
Biotechnologie, Chemie,
Pharmazie und Medizin
IT, Telekommunikation,
und Datenverarbeitung
Logistik, Transport und
Gewerbe
Maschinen- und
Anlagenbau
Medien
Medizintechnik
Zulieferer
Automobilbranche
Ressort
Ressortvertreter
Reisezeitraum
Reiseziel(e)
Anzahl der
Wirtschaftsvertreter
Vertretene
Branchen
Ggf. Thema
MoU
BK-
Amt
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
03.02.-
05.02.2019
Japan 11 Banken, Finanzen und
Versicherung
Maschinen und Anlagenbau
Biotechnologie, Chemie,
Pharmazie und Medizin
Verband und Verein
IT, Telekommunikation,
und Datenverarbeitung
Elektronik, Elektrotechnik
und Technik
BMAS Staatssekretär
Björn Böhning
10.09.-
12.09.2018
Singapur 2 Steuerberatung
Unternehmensberatung
Wirtschaftsprüfung/E-
Commerce-Software und -
Dienstleistungen
BMBF Parlamentarischer
Staatssekretär Dr.
Michael Meister
18.11.-
21.11.2018
China 2 Maschinen- und
Anlagenbau
BMEL Parlamentarischer
Staatssekretär
Hans-Joachim
Fuchtel
11.11.-
17.11.2018
China,
Japan
3 Fleischwirtschaft
BMU Parlamentarische
Staatssekretärin
Rita
Schwarzelühr-Sutter
09.07.-
18.07.2018
USA 2 Chemie Hochrangiges
politisches Forum für
nachhaltige Entwicklung
(HLPF)
BMU Bundesministerin
Svenja Schulze
13.02.-
14.02.2019
Indien 16 Chemie Deutsch-Indisches
Umweltforum
Energie- und
Umwelttechnik
Maschinen- und
Anlagenbau
Ressort
Ressortvertreter
Reisezeitraum
Reiseziel(e)
Anzahl der
Wirtschaftsvertreter
Vertretene
Branchen
Ggf. Thema
MoU
BMWi Bundesminister
Peter Altmaier,
Parlamentarischer
Staatssekretäre
Thomas Bareiß
und Oliver Wittke
25.10.-
26.10.2018
Türkei 32 Automobilzulieferer
Berufliche Aus- und
Weiterbildung
Chemie
Einkauf und Logistik
Energie
Finanzen/Banken
Gesundheit/
Medizintechnik
Groß- und
Lebensmittelhandel
Infrastruktur
Künstliche Intelligenz
Luft- und Raumfahrt
Marine/Schiffbau
Maschinenbau
Staatliche
Investitionsberatung (ISPAT)
Technologiedienstleister
Textil
Transport
Umwelttechnik
BMWi Bundesminister
Peter Altmaier
31.10.-
04.11.2018
Japan,
Indonesien
20 Additive Fertigung
Elektroindustrie
Energie- und
Umwelttechnik
Finanzdienstleistungen
Handel
Informations- und
Kommunikationswirtschaft
Kanzleien
Maschinen- und
Anlagenbau
Transport und Logistik
Verbände
BMWi Parlamentarischer
Staatssekretär
Thomas Bareiß
30.01.-
31.01.2019
Aserbaidschan
8 Consulting
Energie
Infrastruktur
Landwirtschaft
Verband
Ressort
Ressortvertreter
Reisezeitraum
Reiseziel(e)
Anzahl der
Wirtschaftsvertreter
Vertretene
Branchen
Ggf. Thema
MoU
BMWi Bundesminister
Peter Altmaier,
Parlamentarischer
Staatssekretär
Thomas Bareiß
02.02.-
04.02.2019
Ägypten 23 Architektur, Bauwesen,
Infrastruktur
Automobil, Fahrzeugbau
Beratung, Consulting, Recht
Energie, Wasser, Umwelt
Feuerwehr/ Brandschutz/
Sicherheit
Industrie, Maschinen- und
Anlagenbau
Öffentlicher Dienst/Verbände
Raumfahrt
Telekommunikation,
Informationstechnologie
Tourismus
BMZ Bundesminister
Dr. Gerd Müller
10.10.-
12.10.2018
Tunesien,
Süditalien
1 Tourismus Absichtserklärung über
die Zusammenarbeit im
Tourismussektor
zwischen BMZ und dem
Ministerium für
Tourismus und dem
traditionellen Handwerk in
Tunesien
BMZ Bundesminister
Dr. Gerd Müller
10.02.-
12.02.2019
Ghana 2 Afrikaverein der Deutschen
Wirtschaft
Pharma/Medizintechnik
5. Wie hoch war bislang in der 19. Legislaturperiode der durchschnittliche
Anteil von Vertretern kleiner und mittelständischer Unternehmen an der
Gesamtzahl der teilnehmenden Wirtschaftsvertreter (bitte getrennt nach
Bundesministerien auflisten)?
Die durchschnittlichen Anteile von Vertreterinnen und Vertretern kleiner und
mittelständischer Unternehmen (KMU) an der Gesamtzahl der
Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertreter bei Delegationsreisen der Bundesregierung in
der 19. Legislaturperiode sind nachstehender Tabelle zu entnehmen (nach
Ressorts gegliedert).
Zu der nachstehenden Tabelle ergehen folgende Hinweise: Die Auflistung ist
beschränkt auf solche Delegationsreisen in der 19. Legislaturperiode, die zum
Zeitpunkt der Beantwortung der Kleinen Anfrage bereits abgeschlossen waren. Bei
der Berechnung der durchschnittlichen Anteile von KMU-Vertretern wurde die
KMU-Definition des IfM Bonn zugrunde gelegt (Jahresumsatz ≤ 50 Mio. Euro
und Beschäftigtenzahl < 500 Mitarbeiter). Es wird allerdings darauf hingewiesen,
dass die Bundesregierung zum Zeitpunkt der Zusammenstellung von
Wirtschaftsdelegationen keine Daten zu Jahresumsatz und Beschäftigtenzahl erhebt und dazu
auch nicht verpflichtet ist. Die Berechnung der durchschnittlichen Anteile basiert
daher auf den zum Zeitpunkt der Antwort zur Kleinen Anfrage verfügbaren
Daten. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass Verbände und Vereine nicht in
die Berechnung der durchschnittlichen Anteile einbezogen sind, gleichwohl aber
regelmäßig auch die Interessen von KMU repräsentieren. Die
Berechnungsgrundlage für die nachstehend aufgeführten KMU-Anteile entspricht daher nicht
notwendigerweise der in der Antwort zu Frage 4 genannten Anzahl der
Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertreter bei Delegationsreisen, da diese Verbands-
und Vereinsvertreterinnen und Verbands- und Vereinsvertreter einschließt.
Ressort Durchschnittlicher Anteil von KMU-Vertreterinnen und -Vertretern an der
Gesamtzahl der Wirtschaftsvertreterinnen und Wirtschaftsvertreter bei Delegationsreisen der
Bundesregierung in der 19. Legislaturperiode (ohne Berücksichtigung von Verbands-
und Vereinsvertreterinnen und Verbands- und Vereinsvertreter, sofern diese nicht
zugleich Unternehmensvertreterinnen bzw. Unternehmensvertreter sind)
AA 6 %
BKAmt 20 %
BMAS 50 %
BMBF 0 %
BMEL 0 %
BMU 50 %
BMWi 32 %
BMZ 33 %
7. Welche Angebote der Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung,
zum Beispiel die Beteiligung an Auslandsmessen und
Markterschließungsprogrammen, werden vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen
nachgefragt?
Die Bundesregierung unterstützt deutsche Unternehmen bei der Erschließung
ausländischer Märkte durch eine breite Palette von Instrumenten der
Außenwirtschaftsförderung. Hierzu gehören insbesondere die Exportkreditgarantien des
Bundes, das Markterschließungsprogramm (MEP) mit den integrierten
Exportinitiativen zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen,
Umwelttechnologien und Maßnahmen für die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft, die
Exportinitiative Energie, das Auslandsmesseprogramm, die bundeseigene Germany
Trade & Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing
(GTAI), das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte
Netzwerk der Auslandshandelskammern (AHK-Netz) sowie das
Managerfortbildungsprogramm. Diese Instrumente richten sich in erster Linie an KMU und
werden vor allem von diesen nachgefragt, wie folgende Beispiele belegen:
Exportkreditgarantien: Sie bieten Exporteuren die Möglichkeit, Lieferungen und
Leistungen gegen die finanziellen Risiken eines Exportgeschäftes abzusichern
und ein wettbewerbsfähiges Gesamtpaket zu schnüren. Dabei bietet der Bund eine
Vielzahl von unterschiedlichen Deckungsprodukten an, auch solche, die speziell
auf den Mittelstand zugeschnitten sind. KMU profitieren darüber hinaus von der
Absicherung einzelner Großprojekte, da sie häufig als Zulieferer in solche
Projekte eingebunden sind. Der KMU-Anteil an den Deckungsanträgen liegt über die
vergangenen Jahre in der Regel bei rund 75 Prozent.
MEP: Bislang haben über 6 000 KMU an den Projekten des MEP teilgenommen.
Laut dem Monitoringbericht für das Projektjahr 2017 waren rund 80 Prozent der
Teilnehmer KMU, davon 26 Prozent Kleinst-KMU.
Exportinitiative Energie: Von den verschiedenen Förderangeboten der
Exportinitiative Energie wurden 2018 mit 360 deutschen Teilnehmern zahlenmäßig die
Geschäftsreisen am meisten in Anspruch genommen
(Informationsveranstaltungen 190, Informationsreisen 190, Webinare 130). Der KMU-Anteil an diesen
Fördermaßnahmen betrug 79 Prozent (2017: 82 Prozent).
Auslandsmesseprogramm: 2011 und 2012/2013 waren nach einer repräsentativen
Umfrage 87 bzw. 82 Prozent der Teilnehmer des Auslandsmesseprogramms
KMU. Laut einer Erhebung im Rahmen einer Evaluation des
Auslandsmesseprogramms lag der Anteil der KMU 2014 bis 2016 bei rund 85 Prozent.
AHK-Netz: Im Jahr 2017 wurden im weltweiten AHK-Netz insgesamt
275 000 Unternehmensanfragen bearbeitet. Dabei kamen rund 75 Prozent dieser
Anfragen von KMU.
GTAI: Die GTAI stellt insbesondere für KMU Außenwirtschaftsinformationen
zur Verfügung. Im Jahr 2018 wurden die entsprechenden Internetseiten 4,9
Millionen Mal aufgerufen, über Fachvorträge und Webinare wurden 18 700 Kunden
erreicht. Darüber hinaus wurden Informationen durch 210 Partner wie Kammern,
Fachverbände und Verlage verbreitet. Zusätzlich unterstützt die GTAI die
Internationalisierung von KMU in den neuen Ländern insbesondere durch
Delegationsreisen und Clustervermarktungen.
Managerfortbildungsprogramm: Im Rahmen des
Managerfortbildungsprogramms werden jedes Jahr fast 1 000 ausländische Managerinnen und Manager
für einen vierwöchigen Trainingsaufenthalt nach Deutschland eingeladen. In
dieser Zeit haben sie vielfältige Unternehmenskontakte. Jede Teilnehmerin bzw.
jeder Teilnehmer trifft durchschnittlich auf drei bis vier deutsche
Unternehmerinnen und Unternehmer, von denen mehr als zwei Drittel aus KMU kommen.
Auch das Programm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
(BMEL) zur Förderung der Exportaktivitäten der vorwiegend klein- und
mittelständisch strukturierten deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft zielt primär
darauf, KMU den Eintritt in ausländische Märkte zu erleichtern.
Programmschwerpunkte sind etwa 20 Markterkundungs- und Geschäftsanbahnungsreisen
pro Jahr, Maßnahmen zur Information deutscher Unternehmen (z. B.
Exportforen, Export-Workshops, Marktstudien) sowie imagefördernde Maßnahmen.
Darüber hinaus leistet das BMEL mit seinem Auslandsmesseprogramm (AMP)
seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur bedarfs- und situationsgerechten
Erschließung der Zielmärkte. Das Programm wird jährlich eng mit den
Fachverbänden der Wirtschaft und den deutschen Vertretungen im Ausland abgestimmt
und zielt insbesondere auf KMU. Mit ca. 40 BMEL-Beteiligungen ist das AMP
2019 breit aufgestellt und klar an den Anforderungen und dem Bedarf der KMU
der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft einschließlich Landtechnik und
Gartenbau orientiert.
8. Wie haben sich Zahl und Umfang der Exportkreditgarantien der
Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Die Höhe des neu in Deckung genommenen Exportgeschäfts schwankt
traditionell stark und wird maßgeblich von einzelnen abgesicherten Großgeschäften
geprägt. Außergewöhnlich hoch war die Nachfrage nach Exportkreditgarantien
während der Finanzkrise. In Phasen mit einer hohen Liquidität im Markt, ist die
Nachfrage nach Exportkreditgarantien systembedingt dagegen eher geringer. In
den vergangenen zehn Jahren hat sich das Deckungsvolumen wie folgt
entwickelt:
Jahr Gesamt Deckungsvolumen (Mio. Euro)
2009 22.379,6
2010 32.462,5
2011 29.833,6
2012 29.057,1
2013 27.899,6
2014 24.750,8
2015 25.832,2
2016 20.615,1
2017 16.862,4
2018 19.795,6
Auch die Entwicklung der Antragszahlen wurde seit 2009 maßgeblich durch die
Finanzkrise geprägt. Inzwischen liegt die Zahl der Anträge wieder auf dem
Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise.
Jahr Anzahl Neuanträge
2009 28.489
2010 26.212
2011 15.965
2012 16.560
2013 14.901
2014 12.979
2015 10.832
2016 10.908
2017 9.379
2018 9.679
9. Wie hoch war jeweils der Anteil der Exportkreditgarantien für
mittelständische Unternehmen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
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