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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Einsatz von Eiweißpflanzen für eine nachhaltige Landwirtschaft

(insgesamt 17 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

06.05.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/913808.04.2019

Einsatz von Eiweißpflanzen für eine nachhaltige Landwirtschaft

der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Dr. Gesine Lötzsch, Lorenz Gösta Beutin, Heidrun Bluhm, Jörg Cezanne, Kerstin Kassner, Caren Lay, Sabine Leidig, Ralph Lenkert, Michael Leutert, Amira Mohamed Ali, Victor Perli, Ingrid Remmers, Andreas Wagner, Hubertus Zdebel und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Leguminosen sind Pflanzen, die über Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Stickstoff binden. Je nach Temperatur und Wasserverfügbarkeit können Leguminosen im Durchschnitt 133 kg Stickstoff pro Hektar binden (vgl. www.researchgate.net/ publication/316640168_Grain_Legume_Production_and_Use_in_European_ Agricultural_Systems). Diese Stickstoffbindung sorgt zum einen dafür, dass die Pflanze selbst mit diesem Nährstoff versorgt wird. Zum anderen können nachfolgende oder gleichzeitige Anbaukulturen vom gespeicherten Stickstoff profitieren. Dadurch können regional geeignete Leguminosen bei sorgfältig geplanten Fruchtfolgen zu einem reduzierten Einsatz von Stichstoffdünger und somit einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen (vgl. www.researchgate.net/publication/ 316640168_Grain_Legume_Production_and_Use_in_European_Agricultural_ Systems). Ein Problem von Stickstoffdünger sind die Treibhausgasemissionen, weshalb dessen Reduktion auch zu weniger Treibhausgasen führen kann (vgl. www.researchgate.net/publication/316640168_Grain_Legume_Production_and_ Use_in_European_Agricultural_Systems). Auf diese Weise lässt sich auch die Grundwasserkontamination eindämmen, die sonst durch zu hohen Einsatz von Stickstoffdünger entsteht. Diese Vorteile müssen aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller noch konsequenter genutzt werden.

Eine Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an Leguminosen kann aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller die oft sehr enge Fruchtfolge verbreitern, Biodiversität stärken und kommt bestäubenden Insekten als wichtiger Teil des Ökosystems zugute. Der Anbau einer größeren Bandbreite von Leguminosen in Deutschland hilft aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller dabei, die Ackerkulturvielfalt zu bewahren und die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Auch die Koalitionsfraktionen haben die Bedeutung des Anbaus von Leguminosen erneut bestätigt und in ihrem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 19. Wahlperiode eine Weiterentwicklung der Eiweißpflanzenstrategie angekündigt (vgl. www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Ackerbau/_Texte/ Eiweisspflanzenstrategie.html).

Insgesamt ist der Anbau von Leguminosen in Europa in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zurückgegangen (vgl. www.bund.net/fileadmin/user_upload_ bund/publikationen/landwirtschaft/landwirtschaft_sojareport.pdf). Im Dürrejahr 2018 sind nach bisherigen Schätzungen in Deutschland 28 Prozent weniger Leguminosen verarbeitet worden als im Vorjahr (www.agrarheute.com/ markt/futtermittel/koernerleguminosen-fast-drittel-weniger-deutschland-548776).

In ihrer dritten Auflage des Berichts zur globalen Marktversorgung teilt die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) die Sorge, dass der Anbau von Ölsaaten in Zukunft noch stärker außerhalb der EU stattfindet. Dadurch werden zusätzlich große Mengen Soja und damit die entsprechenden Anbauflächen in Drittstaaten benötigt (vgl. www.ufop.de/presse/aktuelle-pressemitteilungen/ wirtschaftlich-tragfaehigen-ackerbau-mit-sachgerechter-agrarmarkt-bzw-klima schutzpolitik-verbinden/). Diese Anbauflächen stehen anschließend für die dringend vor Ort benötigte Produktion nicht mehr zur Verfügung. Zudem kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND e. V. in seinem im Januar 2019 veröffentlichten Sojareport, dass zollfreie Importe von Ölsaaten und Eiweißpflanzen sowie die mangelnde Förderung des einheimischen Anbaus von Leguminosen dazu geführt haben, dass europäische Landwirtinnen und Landwirte weniger Interesse und Kapazitäten an ihrem Anbau haben (vgl. www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/landwirtschaft/land wirtschaft_sojareport.pdf). Darüber hinaus fehlen aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller durch die jahrzehntelange Vernachlässigung dieser traditionellen Ackerkulturen in der konventionellen Landwirtschaft regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen und es sind Züchtungsfortschritt, Anbauwissen und Erntetechnik verloren gegangen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen17

1

Sieht die Bundesregierung die Aufnahme von Leguminosen in die Fruchtfolgedefinition der erweiterten Konditionalität für Direktzahlungen an Agrarbetriebe als notwendig an (bitte begründen)?

2

Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bisher unternommen bzw. plant sie, um die Attraktivität des Anbaus von Eiweißpflanzen zu erhöhen?

3

Wann plant die Bunderegierung die Veröffentlichung der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbarten Weiterentwicklung der Eiweißpflanzenstrategie, und wie wird diese unter Beteiligung welcher Akteurinnen und Akteure erarbeitet?

4

Welche Ergebnisse hat aus Sicht der Bundesregierung die am 21. Dezember 2012 veröffentlichte Eiweißpflanzenstrategie, und welche Schlussfolgerungen zieht sie aus den Ergebnissen der zurückliegenden sechs Jahre?

5

Wie groß ist aus Sicht der Bundesregierung die so genannte Eiweißlücke für einheimische produzierte Futtermittel in Deutschland (bitte getrennt für konventionellen und Ökolandbau beantworten)?

a) Wieviel Anbaufläche wird nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell in Deutschland genutzt für den Anbau einheimisch verwendeter Eiweißfuttermittel, und wie hat sich diese in den vergangenen zehn Jahren verändert, und welche Faktoren haben das wie beeinflusst?

b) Welchen Einfluss haben Veränderungen der Nutztierbestände auf den Anbau einheimischer Eiweißfutterpflanzen?

c) Welche Anbaufläche würde unter Berücksichtigung durchschnittlicher Erträge und Ausbeutesätze benötigt, um Nutztierbestände mit einheimischen Eiweißfuttermitteln zu versorgen, deren Größe an der Selbstversorgung und den verfügbaren Flächen für die Versorgung und die Nutzung von Wirtschaftsdüngern orientiert sind (bitte unter Angabe von Eiweißpflanzen Luzerne, Klee, Futtererbse, Ackerbohne, Lupine, Wicke, Soja und der gesamten Anbaufläche auflisten)?

6

Wie groß war aus Sicht der Bundesregierung der Umfang von Leguminosen, die im Jahr 2018 angebaut worden sind (bitte in Hektar und getrennt nach Bundesländern auflisten)?

7

Wie groß war aus Sicht der Bundesregierung der Umfang von Leguminosen, die im Jahr 2018 als Ökologische Vorrangfläche deklariert worden sind (bitte in Hektar und getrennt nach Bundesländern auflisten)?

8

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Import von Leguminosen (inklusive Soja) für die Futtermittel- und Tierproduktion in den Jahren 2009 bis 2018 (bitte detailliert nach Exportländern und Jahren aufschlüsseln)?

9

Welcher Anteil des importierten Sojas ist nach Kenntnis der Bundesregierung gentechnisch verändert?

10

Wie groß war nach Kenntnis der Bundesregierung die Fläche, die in Drittländern zum Anbau von für die deutsche Futtermittel- und Tierproduktion produzierten Leguminosen (inklusive Soja) genutzt wurde?

a) In welchem Verhältnis steht diese Fläche zur gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche bzw. der für Leguminosenanbau genutzten Anbauflächen in der Bundesrepublik Deutschland, und wie hat sich das in den vergangenen zehn Jahren verändert?

b) Wie viel Anbaufläche wird in Drittländern für den Anbau von Soja für Exporte in die EU genutzt, und wie hat sich das in den vergangenen zehn Jahren verändert?

11

Welche Alternativen sieht die Bundesregierung zum Sojaanbau für eine eiweißhaltige Futterversorgung?

12

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Jahresanbaufläche für Leguminosen in Deutschland und den einzelnen Bundesländern in den vergangen zehn Jahren entwickelt (bitte die Kulturen Luzerne, Klee, Futtererbse, Ackerbohne, Lupine, Wicke, Soja in Hektar pro Jahr und nach Bundesländern auflisten)?

13

Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem EU- Proteinplan, der am 22. und 23. November 2018 in Wien vorgestellt wurde?

14

Welche Forschungsprogramme zu Leguminosen werden in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung von öffentlich geförderten Einrichtungen mit welchem Ziel durchgeführt (bitte mit Laufzeit, Finanzierungsquelle und Projektnehmerinnen und Projektnehmern auflisten), und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus bereits abgeschlossenen Forschungsprogrammen zu Leguminosen?

15

Welche Hemmnisse sieht die Bundesregierung für die Nutzung der Potenziale des einheimischen Leguminosenanbaus, und welche Maßnahmen wird sie ergreifen, um diese zu überwinden?

16

Welche konkreten Maßnahmen werden zur Unterstützung des Anbaus von Leguminosen in der von der Bundesregierung angekündigten Ackerbaustrategie enthalten sein?

17

Hat die Dürreperiode 2018 aus Sicht der Bundesregierung Auswirkungen auf den Rückgang der Leguminosen im Vergleich zum Vorjahr?

a) Wenn ja, wie groß sind die Auswirkungen (bitte in Tonnen pro Kultur angeben), und was plant die Bundesregierung, um den Leguminosenanbau klimabeständiger zu machen?

b) Wenn nein, woran lag der Rückgang bei der Leguminosenernte 2018?

Berlin, den 22. März 2019

Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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