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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Rheinmetall als Großlieferant der Bundeswehr und größtes Rüstungsunternehmen mit Sitz in Deutschland
(insgesamt 21 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium der Verteidigung
Datum
22.08.2019
Antwortdauer
36 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1172117.07.2019
Rheinmetall als Großlieferant der Bundeswehr und größtes Rüstungsunternehmen mit Sitz in Deutschland
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/11721
19. Wahlperiode 17.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Heike Hänsel, Christine Buchholz,
Dr. Diether Dehm, Andrej Hunko, Stefan Liebich, Dr. Alexander S. Neu,
Eva-Maria Schreiber, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.
Rheinmetall als Großlieferant der Bundeswehr und größtes Rüstungsunternehmen
mit Sitz in Deutschland
Von den im Verteidigungshaushalt 2018 getätigten Ausgaben von rund
38,88 Mrd. Euro wurden rund 5,75 Mrd. Euro für Rüstungsinvestitionen
(Forschung, Entwicklung und Erprobung sowie militärische Beschaffungen)
verausgabt. Davon waren 4,78 Mrd. Euro für militärische Beschaffungen und ca.
1 Mrd. Euro für Forschung, Entwicklung, Erprobung ausgegeben (9. Bericht des
Bundesministeriums der Verteidigung – BMVg – zu Rüstungsangelegenheiten,
Teil 1, Berlin, Juni 2019, S. 7). Im Vergleich zum Haushaltssoll 2018 wurde der
Verteidigungsetat 2019 um rund 4,7 Mrd. Euro auf rund 43,2 Mrd. Euro erhöht.
Für rüstungsinvestive Ausgaben sind insgesamt rund 8,3 Mrd. Euro veranschlagt
(9. Bericht des BMVg, Teil 1, Berlin, Juni 2019, S. 57).
Steigende Rüstungsausgaben schlagen sich auch in den Geschäftszahlen der
Militärsparte des Düsseldorfer Konzerns Rheinmetall – Rheinmetall Defence –
nieder. Der von den 11 832 Mitarbeitern, die Kanonen für Panzer – etwa für den
Leopard – und Artillerie sowie Munition und andere Waffentechnik herstellen,
erwirtschaftete Umsatz stieg 2018 auf 3,22 Mrd. Euro und damit um 6,1 Prozent.
Der Betriebsgewinn (Ebit) in diesem Bereich ging sogar um fast 50 Prozent auf
254 Mio. Euro in die Höhe (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 41 f.).
Im ersten Quartal 2019 verbuchte Rheinmetall ein Umsatzplus um 6,6 Prozent
auf 1,343 Mrd. Euro und einen Anstieg des operativen Ergebnisses (Ebit) um
15 Prozent auf 54 Mio. Euro. Der Auftragsbestand erreicht mit einem Anstieg um
26 Prozent auf 9,1 Mrd. Euro ein neues Rekordniveau (Reuters vom 9. Mai
2019).
Der Umsatzanstieg bei Rheinmetall Defence wurde laut Geschäftsbericht unter
anderem durch die erhöhten Lkw-Auslieferungen für das Großprojekt „Land 121“
mit dem australischen Kunden und der ausgelasteten Serienfertigung des
Schützenpanzers Puma für die Bundeswehr erzielt. Weiterhin trug der Anlauf des
Großprojekts „Infanterist der Zukunft“ mit dem deutschen Kunden zu einem
erheblichen Umsatzanstieg bei der Division Electronic Solutions bei. Die Division
Weapon and Ammunition musste dagegen aufgrund des Wegfalls von
Handelsumsätzen im Jahr 2018 einen Umsatzrückgang von 10,1 Prozent oder 119 Mio.
Euro gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Der deutsche Markt wuchs als
regionaler Arbeitsschwerpunkt von 28,6 Prozent im Jahr 2017 auf 34,6 Prozent im Jahr
2018 (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 60).
Relevante Umsätze im Jahr 2018 der Division Electronic Solutions von
Rheinmetall Defence (Tätigkeitsfelder: Flugabwehrsysteme, Soldatensysteme,
Führungs- und Aufklärungssysteme, Feuerleitsysteme, Sensoren sowie Simulation
für Heer, Luftwaffe, Marine und zivile Anwendungen) resultierten unter anderem
aus dem Betrieb eines Gefechtsübungszentrums (GÜZ) Altmark, Letzlingen
(Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 60).
Rheinmetall verspricht sich laut Geschäftsbericht durch das von den NATO-
Mitgliedstaaten postulierte Ziel, die nationalen Verteidigungsbudgets bis 2024 auf
das Niveau von 2 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts zu bringen und
von den Gesamtausgaben 20 Prozent in Ausrüstung zu investieren, neues
Marktpotenzial. Darüber hinaus setzt Rheinmetall im Rahmen der „Verantwortung der
Bundeswehr als Führungsnation im Rahmen der schnellen NATO-Eingreiftruppe
(Very High Readiness Joint Task Force) zur Absicherung der Ostgrenze im
Bündnis“ auf einen in den kommenden Jahren insbesondere bei den Landstreitkräften
erhöhten Bedarf an neuen und zusätzlichen Systemen. Damit würde sich bei
einem insgesamt weiter steigenden Geschäftsvolumen von Rheinmetall Defence
der Inlandsanteil des Umsatzes wieder deutlich steigern (Geschäftsbericht
Rheinmetall Group 2018, S. 32).
Laut Geschäftsbericht der Rheinmetall AG 2018 ist für den Konzern strategisch
auch „das zwischen der deutschen und französischen Regierung vereinbarte
Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung eines neuen Kampfpanzers (Main Ground
Combat System), bei dem Deutschland militärisch und industriell die
Führungsrolle übernehmen soll“ von besonderer Bedeutung. In diesem Projekt sieht
Rheinmetall das bislang umfangreichste in der europäischen Landsystemindustrie, das
ein möglicher Ausgangspunkt einer weiteren „Branchenkonsolidierung“ in
Europa werden könnte (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 32). Der
Rüstungskonzern hat entsprechend gegenüber der französischen Regierung bezüglich
des Vorhabens der Übernahme des 50-Prozent-Anteils des Panzerbauers Krauss-
Maffei Wegmann (KMW) an der deutsch-französischen Rüstungsholding KNDS,
die zur anderen Hälfte dem französischen Staatsunternehmen Nexter gehört,
Interesse angemeldet (dpa vom 13. März 2019).
Eine Fusion von Unternehmen im Zusammenhang mit der Entwicklung des Main
Ground Combat Systems wäre auch aus Sicht der Bundesregierung ein denkbarer
Schritt hin zu der auch von ihr befürworteten Konsolidierung der europäischen
Verteidigungsindustrie. Inwieweit die Bundesregierung den Rüstungskonzern
Rheinmetall gegenüber der französischen Regierung in dessen Bemühungen
unterstützt, lässt sie aber unausgesprochen (Plenarprotokoll 19/88, Antwort auf die
Mündliche Frage 48). Produktionsstart des neuen Systems, das ein
Auftragsvolumen von rund 100 Mrd. Euro haben soll, wird zwischen 2030 und 2035
sein (www.finanznachrichten.de/nachrichten-2019-03/46192165-
rheinmetallwerden-entscheidende-rolle-bei-neuem-panzerprojekt-spielen-015.htm). Bislang
kooperieren die Rheinmetall und KMW in zahlreichen Projekten und mit
gemeinsamen Tochterunternehmen, unter anderem beim Kampfpanzer Leopard.
Rheinmetall konzentriert sich auf Gefechtstürme, Bewaffnung und Munition.
Zusammengearbeitet wird auch bei den Rheinmetallprodukten Schützenpanzer Puma,
Panzerhaubitzen oder dem Radpanzer Fuchs und Boxer (www.gevestor.de/
details/rheinmetall-ag-waffen-fuer-krisen-und-klimaschutz-763346.html).
Allerdings könnte laut Medienberichten die alte Rivalität von Rheinmetall und KMW
der Bildung des Konsortiums für den Großauftrag entgegenstehen, außerdem die
auch seit Jahren nicht wirklich umgesetzte Fusion von KMW mit der
französischen Panzerschmiede Nexter (www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/
kommentar-deutschland-muss-endlich-faehig-werden-ruestungsprojekte-umzusetzen/
24419466.html?ticket=ST-766159-JbjlvKz3s6IpnbZe1i1T-ap6).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch sind die bisherigen sowie die weiteren geplanten Ausgaben für die
Beschaffung der Hauptwaffensysteme
a) Schützenpanzer (SPz) PUMA,
b) geschütztes Transportkraftfahrzeug (GTK) BOXER,
c) Kampfpanzer (KPz) LEOPARD 2,
d) Transporthubschrauber NH90,
e) Kampfflugzeug EUROFIGHTER mit AESA,
f) Transportflugzeug A400M mit DIRCM,
g) Lastkraftwagen GTF ZLK 15t,
h) Korvette K130,
i) Fregatte F125,
j) Unterstützungshubschrauber (UH) TIGER,
k) Seefernaufklärer P-3C ORION und
l) C-130J HERCULES (bitte jeweils unter Angabe der ursprünglich
geplanten Gesamtausgaben, geschätzten Gesamtausgaben, Ist-Ausgaben bis
31. Dezember 2018, vorgesehen 2019 ff. auflisten)?
2. Wie hoch sind die bisherigen sowie die weiteren geplanten Ausgaben für die
Forschung und Entwicklung der Hauptwaffensysteme
a) Schützenpanzer (SPz) PUMA,
b) geschütztes Transportkraftfahrzeug (GTK) BOXER,
c) Kampfpanzer (KPz) LEOPARD 2,
d) Transporthubschrauber NH90,
e) Kampfflugzeug EUROFIGHTER mit AESA,
f) Transportflugzeug A400M mit DIRCM,
g) Lastkraftwagen GTF ZLK 15t,
h) Korvette K130,
i) Fregatte F125,
j) Unterstützungshubschrauber (UH) TIGER,
k) Seefernaufklärer P-3C ORION und
l) C-130J HERCULES (bitte jeweils unter Angabe der ursprünglich
geplanten Gesamtausgaben, geschätzten Gesamtausgaben, Ist-Ausgaben bis
31. Dezember 2018, vorgesehen 2019 ff. auflisten)?
3. Bei welchen der in Frage 1 aufgeführten Hauptwaffensysteme obliegen
wegen fehlender Zeichnungsrechte der Bundeswehr entsprechende
Instandhaltungs- bzw. Wartungsmaßnahmen und Reparaturen – auch bezogen auf
Komponenten und Baugruppen – vertraglich Rheinmetall?
4. An wie vielen der 1 360 Projekte des Bundesamtes für Ausrüstung,
Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) ist Rheinmetall
Hauptauftragnehmer oder als Unterauftragnehmer beteiligt (bitte
entsprechend getrennt angeben; 9. Bericht des BMVg, Teil 1, Berlin, Juni 2019,
S. 8)?
5. Wie viele der 10 241 durch das BAAINBw geschlossenen
Beschaffungsverträge wurden mit Rheinmetall als Hauptauftragnehmer oder als
Unterauftragnehmer geschlossen (bitte getrennt angeben; 9. Bericht des BMVg, Teil 1,
Berlin, Juni 2019, S. 8)?
6. Wie viele der 782 Forschungs- und Technologievorhaben des BAAINBw
werden mit Rheinmetall durchgeführt (9. Bericht des BMVg, Teil 1, Berlin,
Juni 2019, S. 8)?
7. An welchen der in Frage 1 aufgeführten Beschaffungsvorhaben von
Hauptwaffensystemen ist Rheinmetall als Hauptauftragnehmer oder als
Unterauftragnehmer beteiligt (bitte getrennt nach Laufzeit des Vertrages, Lieferzeit,
Gesamtauftragswert bzw. Anteil am Gesamtauftragswert auflisten)?
8. An welchen der in der Antwort zu Frage 2 aufgeführten Ausgaben für
Forschung und Entwicklung der Hauptwaffensysteme ist Rheinmetall als
Hauptauftragnehmer oder als Unterauftragnehmer beteiligt (bitte getrennt nach
Laufzeit des Vertrages, Lieferzeit, Gesamtauftragswert bzw. Anteil am
Gesamtauftragswert auflisten)?
9. Welche Ausgaben wurden im Jahr 2018 von der Bundesregierung getätigt,
die als Empfänger Unternehmungen der Rheinmetall AG hatten (bitte nach
Ressort mit Datum, Art und Volumen der Zahlung, sowie kurzer
Beschreibung des geförderten Projekts auflisten; Bundestagsdrucksache 19/913,
Frage 27)?
10. Welche Ausgaben sind im Jahr 2019 von der Bundesregierung eingeplant,
die als Empfänger Unternehmungen der Rheinmetall AG haben (bitte nach
Ressort mit Datum, Art und Volumen der Zahlung, sowie kurzer
Beschreibung des geförderten Projekts auflisten; Bundestagsdrucksache 19/913,
Frage 27)?
11. Wie viele der bei Rheinmetall durch das BAAINBw in Auftrag gegebenen
68 Zugsysteme „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES) im
Wert von 369 Mio. Euro, die insbesondere für die Integration in die von
Rheinmetall produzierten Schützenpanzer PUMA und GTK BOXER
ausgelegt sind, wurden bereits ausgeliefert (Pressemitteilung „Bundeswehr bestellt
neue Infanterieausrüstung und Kräne“ des BAAINBw 13/2017 vom 27. Juni
2017)?
12. Wie viele Zugsysteme IdZ-ES sind aktuell bereits in der Bundeswehr im
Einsatz, und wie viele Soldatinnen und Soldaten sind damit ausgerüstet?
13. Ist die Rheinmetall Dienstleistungszentrum Altmark GmbH aktuell für die
industrielle Betriebsunterstützung im Gefechtsübungszentrum Heer (Gef-
ÜbzH) in der Altmark, Sachsen-Anhalt, verantwortlich (www.griephan.de/
griephan-aktuell/politik/detail/news/rheinmetall-defence-erhaelt-grossauftrag-
der-bundeswehr.html)?
Wenn ja, seit wann, und wie lange läuft der Betreibervertrag?
Wenn nein, wer ist der neue Betreiber?
14. In welcher Höhe sind für den Geschäftsbereich Simulation und Training von
Rheinmetall Defence Kosten im Rahmen des aktuellen Leistungszeitraumes
angefallen, die abhängig vom Nutzungsumfang durch die Bundeswehr
während der insgesamt vierjährigen Vertragslaufzeit auf rund 70 Mio.
Euro beziffert wurde (www.griephan.de/griephan-aktuell/politik/detail/news/
rheinmetall-defence-erhaelt-grossauftrag-der-bundeswehr.html)?
15. Welcher Leistungsgegenstand, Leistungszeitraum und welches
Auftragsvolumen sind für die Sicherstellung des Betriebs im GefÜbZH etc. im Falle des
bereits 2018 ausgelaufenen bzw. 2019 auslaufenden Betreibervertrags für die
Fortführung des Betriebes vorgesehen?
16. Inwieweit ist die Einbindung der Ausstattung „IdZ-ES“, für die Rheinmetall
ebenfalls Verantwortung trägt, in das GefÜbZH auch unabhängig vom
Betreiber Rheinmetall ohne Leistungsstörungen möglich?
17. Inwieweit trifft es zu, dass das BAAINBw die bis dato lediglich
projektbezogene Zusammenarbeit der bislang konkurrierenden Rüstungsunternehmen
MBDA Deutschland und Rheinmetall bei Laserwaffen forciert und ein
Gemeinschaftsunternehmen in Zukunft vor dem Hintergrund befürwortet, eine
deutsche Laserwaffe zu produzieren, die ohne US-Technologie auskommt
und insofern beim Export auch nicht von der Zustimmung der USA abhängig
wäre (www.welt.de/wirtschaft/article195106081/Bundeswehr-Marine-erprobt-
die-deutsche-Laserwaffe.html)?
18. Inwieweit trifft es zu, dass in einem ersten Schritt auf einer Korvette K130
der deutschen Marine im nächsten Jahr ein Hochenergielaser zur
kurzreichweitigen Luftverteidigung und eventuell auch die Speedboot-Bekämpfung
installiert werden soll (www.welt.de/wirtschaft/article195106081/Bundeswehr-
Marine-erprobt-die-deutsche-Laserwaffe.html)?
19. Inwieweit gibt es bereits einen detaillierten Anforderungskatalog bezüglich
der Laserwaffe seitens des BAAINBw (www.welt.de/wirtschaft/article
195106081/Bundeswehr-Marine-erprobt-die-deutsche-Laserwaffe.html)?
20. An welchen Terminen, Gesprächen, Veranstaltungen, Sitzungen etc. des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nahmen ab Oktober 2018
Vertreter und Vertreterinnen der Rheinmetall AG teil, und wann genau (bitte
die entsprechenden Veranstaltungen, die Themen, die besprochen wurden,
das Datum sowie die Namen der Vertreterinnen und Vertreter der
Bundesregierung und des Unternehmens auflisten)?
21. An welchen Veranstaltungen, Gesprächen oder anderweitigen Terminen der
Rheinmetall AG nahmen Vertreter und Vertreterinnen des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ab Oktober 2018 wann und wo teil (bitte
Titel, Datum und Ort der Veranstaltung oder Termin sowie die Namen der
Mitglieder bzw. teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter nennen)?
Berlin, den 27. Juni 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1263422.08.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/11721 - Rheinmetall als Großlieferant der Bundeswehr und größtes Rüstungsunternehmen mit Sitz in Deutschland
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung
vom 20. August 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12634
19. Wahlperiode 22.08.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Heike Hänsel,
Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/11721 –
Rheinmetall als Großlieferant der Bundeswehr und größtes Rüstungsunternehmen
mit Sitz in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Von den im Verteidigungshaushalt 2018 getätigten Ausgaben von rund
38,88 Mrd. Euro wurden rund 5,75 Mrd. Euro für Rüstungsinvestitionen
(Forschung, Entwicklung und Erprobung sowie militärische Beschaffungen)
verausgabt. Davon waren 4,78 Mrd. Euro für militärische Beschaffungen und ca.
1 Mrd. Euro für Forschung, Entwicklung, Erprobung ausgegeben (9. Bericht
des Bundesministeriums der Verteidigung – BMVg – zu
Rüstungsangelegenheiten, Teil 1, Berlin, Juni 2019, S. 7). Im Vergleich zum Haushaltssoll 2018
wurde der Verteidigungsetat 2019 um rund 4,7 Mrd. Euro auf rund 43,2 Mrd.
Euro erhöht. Für rüstungsinvestive Ausgaben sind insgesamt rund 8,3 Mrd.
Euro veranschlagt (9. Bericht des BMVg, Teil 1, Berlin, Juni 2019, S. 57).
Steigende Rüstungsausgaben schlagen sich auch in den Geschäftszahlen der
Militärsparte des Düsseldorfer Konzerns Rheinmetall – Rheinmetall Defence –
nieder. Der von den 11 832 Mitarbeitern, die Kanonen für Panzer – etwa für den
Leopard – und Artillerie sowie Munition und andere Waffentechnik herstellen,
erwirtschaftete Umsatz stieg 2018 auf 3,22 Mrd. Euro und damit um 6,1
Prozent. Der Betriebsgewinn (Ebit) in diesem Bereich ging sogar um fast 50
Prozent auf 254 Mio. Euro in die Höhe (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018,
S. 41 f.). Im ersten Quartal 2019 verbuchte Rheinmetall ein Umsatzplus um
6,6 Prozent auf 1,343 Mrd. Euro und einen Anstieg des operativen Ergebnisses
(Ebit) um 15 Prozent auf 54 Mio. Euro. Der Auftragsbestand erreicht mit einem
Anstieg um 26 Prozent auf 9,1 Mrd. Euro ein neues Rekordniveau (Reuters vom
9. Mai 2019).
Der Umsatzanstieg bei Rheinmetall Defence wurde laut Geschäftsbericht unter
anderem durch die erhöhten Lkw-Auslieferungen für das Großprojekt „Land
121“ mit dem australischen Kunden und der ausgelasteten Serienfertigung des
Schützenpanzers Puma für die Bundeswehr erzielt. Weiterhin trug der Anlauf
des Großprojekts „Infanterist der Zukunft“ mit dem deutschen Kunden zu einem
erheblichen Umsatzanstieg bei der Division Electronic Solutions bei. Die
Division Weapon and Ammunition musste dagegen aufgrund des Wegfalls von
Handelsumsätzen im Jahr 2018 einen Umsatzrückgang von 10,1 Prozent oder
119 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Der deutsche Markt wuchs
als regionaler Arbeitsschwerpunkt von 28,6 Prozent im Jahr 2017 auf 34,6
Prozent im Jahr 2018 (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 60).
Relevante Umsätze im Jahr 2018 der Division Electronic Solutions von
Rheinmetall Defence (Tätigkeitsfelder: Flugabwehrsysteme, Soldatensysteme,
Führungs- und Aufklärungssysteme, Feuerleitsysteme, Sensoren sowie Simulation
für Heer, Luftwaffe, Marine und zivile Anwendungen) resultierten unter
anderem aus dem Betrieb eines Gefechtsübungszentrums (GÜZ) Altmark,
Letzlingen (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 60).
Rheinmetall verspricht sich laut Geschäftsbericht durch das von den NATO-
Mitgliedstaaten postulierte Ziel, die nationalen Verteidigungsbudgets bis 2024
auf das Niveau von 2 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts zu bringen
und von den Gesamtausgaben 20 Prozent in Ausrüstung zu investieren, neues
Marktpotenzial. Darüber hinaus setzt Rheinmetall im Rahmen der
„Verantwortung der Bundeswehr als Führungsnation im Rahmen der schnellen NATO-
Eingreiftruppe (Very High Readiness Joint Task Force) zur Absicherung der
Ostgrenze im Bündnis“ auf einen in den kommenden Jahren insbesondere bei den
Landstreitkräften erhöhten Bedarf an neuen und zusätzlichen Systemen. Damit
würde sich bei einem insgesamt weiter steigenden Geschäftsvolumen von
Rheinmetall Defence der Inlandsanteil des Umsatzes wieder deutlich steigern
(Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 32).
Laut Geschäftsbericht der Rheinmetall AG 2018 ist für den Konzern strategisch
auch „das zwischen der deutschen und französischen Regierung vereinbarte
Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung eines neuen Kampfpanzers (Main Ground
Combat System), bei dem Deutschland militärisch und industriell die
Führungsrolle übernehmen soll“ von besonderer Bedeutung. In diesem Projekt sieht
Rheinmetall das bislang umfangreichste in der europäischen
Landsystemindustrie, das ein möglicher Ausgangspunkt einer weiteren „Branchenkonsolidierung“
in Europa werden könnte (Geschäftsbericht Rheinmetall Group 2018, S. 32).
Der Rüstungskonzern hat entsprechend gegenüber der französischen Regierung
bezüglich des Vorhabens der Übernahme des 50-Prozent-Anteils des
Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) an der deutsch-französischen
Rüstungsholding KNDS, die zur anderen Hälfte dem französischen
Staatsunternehmen Nexter gehört, Interesse angemeldet (dpa vom 13. März 2019).
Eine Fusion von Unternehmen im Zusammenhang mit der Entwicklung des
Main Ground Combat Systems wäre auch aus Sicht der Bundesregierung ein
denkbarer Schritt hin zu der auch von ihr befürworteten Konsolidierung der
europäischen Verteidigungsindustrie. Inwieweit die Bundesregierung den
Rüstungskonzern Rheinmetall gegenüber der französischen Regierung in dessen
Bemühungen unterstützt, lässt sie aber unausgesprochen (Plenarprotokoll
19/88, Antwort auf die Mündliche Frage 48). Produktionsstart des neuen
Systems, das ein Auftragsvolumen von rund 100 Mrd. Euro haben soll, wird
zwischen 2030 und 2035 sein (www.finanznachrichten.de/nachrichten-2019-03/
46192165-rheinmetall-werden-entscheidende-rolle-bei-neuem-panzerprojekt-
spielen-015.htm). Bislang kooperieren die Rheinmetall und KMW in
zahlreichen Projekten und mit gemeinsamen Tochterunternehmen, unter anderem beim
Kampfpanzer Leopard. Rheinmetall konzentriert sich auf Gefechtstürme,
Bewaffnung und Munition. Zusammengearbeitet wird auch bei den
Rheinmetallprodukten Schützenpanzer Puma, Panzerhaubitzen oder dem Radpanzer Fuchs
und Boxer (www.gevestor.de/details/rheinmetall-ag-waffen-fuer-krisen-und-
klimaschutz-763346.html). Allerdings könnte laut Medienberichten die alte
Rivalität von Rheinmetall und KMW der Bildung des Konsortiums für den
Großauftrag entgegenstehen, außerdem die auch seit Jahren nicht wirklich
umgesetzte Fusion von KMW mit der französischen Panzerschmiede Nexter (www.
handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-deutschland-muss-
endlichfaehig-werden-ruestungsprojekte-umzusetzen/24419466.html?ticket=ST-766159-
JbjlvKz3s6IpnbZe1i1T-ap6).
1. Wie hoch sind die bisherigen sowie die weiteren geplanten Ausgaben für die
Beschaffung der Hauptwaffensysteme
a) Schützenpanzer (SPz) PUMA,
b) geschütztes Transportkraftfahrzeug (GTK) BOXER,
c) Kampfpanzer (KPz) LEOPARD 2,
d) Transporthubschrauber NH90,
e) Kampfflugzeug EUROFIGHTER mit AESA,
f) Transportflugzeug A400M mit DIRCM,
g) Lastkraftwagen GTF ZLK 15t,
h) Korvette K130,
i) Fregatte F125,
j) Unterstützungshubschrauber (UH) TIGER,
k) Seefernaufklärer P-3C ORION und
l) C-130J HERCULES (bitte jeweils unter Angabe der ursprünglich
geplanten Gesamtausgaben, geschätzten Gesamtausgaben, Ist-Ausgaben bis
31. Dezember 2018, vorgesehen 2019 ff. auflisten)?
2. Wie hoch sind die bisherigen sowie die weiteren geplanten Ausgaben für die
Forschung und Entwicklung der Hauptwaffensysteme
a) Schützenpanzer (SPz) PUMA,
b) geschütztes Transportkraftfahrzeug (GTK) BOXER,
c) Kampfpanzer (KPz) LEOPARD 2,
d) Transporthubschrauber NH90,
e) Kampfflugzeug EUROFIGHTER mit AESA,
f) Transportflugzeug A400M mit DIRCM,
g) Lastkraftwagen GTF ZLK 15t,
h) Korvette K130,
i) Fregatte F125,
j) Unterstützungshubschrauber (UH) TIGER,
k) Seefernaufklärer P-3C ORION und
l) C-130J HERCULES (bitte jeweils unter Angabe der ursprünglich
geplanten Gesamtausgaben, geschätzten Gesamtausgaben, Ist-Ausgaben bis
31. Dezember 2018, vorgesehen 2019 ff. auflisten)?
Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.
Die Antworten sind der als Anlage 1 beigefügten Tabelle zu entnehmen, die als
„VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft ist.*
Die Einstufung ist erforderlich, da die in der Tabelle enthaltenen Zahlen u. a. dem
entsprechend eingestuften Teil 2 des 9. Rüstungsberichts entnommen wurden.
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft.
Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
3. Bei welchen der in Frage 1 aufgeführten Hauptwaffensysteme obliegen
wegen fehlender Zeichnungsrechte der Bundeswehr entsprechende
Instandhaltungs- bzw. Wartungsmaßnahmen und Reparaturen – auch bezogen auf
Komponenten und Baugruppen – vertraglich Rheinmetall?
Aufgrund fehlender Zeichnungsrechte obliegt nur beim Schützenpanzer PUMA
und beim NH90 (inkl. Sea Lion) die Instandhaltung und Wartung dem
Unternehmen Rheinmetall. Beim SPz PUMA obliegen die Rechte der PSM Projekt
System & Management GmbH, einem Joint Venture von Rheinmetall und Krauss-
Maffei Wegmann.
4. An wie vielen der 1 360 Projekte des Bundesamtes für Ausrüstung,
Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) ist Rheinmetall
Hauptauftragnehmer oder als Unterauftragnehmer beteiligt (bitte
entsprechend getrennt angeben; 9. Bericht des BMVg, Teil 1, Berlin, Juni 2019,
S. 8)?
Die im 9. Rüstungsbericht genannte Gesamtzahl von 1 360 Projekten setzt sich
zusammen aus 571 Projekten in der Analyse- und Realisierungsphase sowie
789 Produkten in der Nutzungsphase.
Diese werden in unterschiedlichen Datenquellen erfasst. Für die 571 Projekte in
der Analyse- und Realisierungsphase wird Rheinmetall bei 17 Projekten als
Hauptauftragnehmer und bei sieben als Unterauftragnehmer geführt.
Bei den 789 Produkten in der Nutzungsphase werden die Daten nicht statistisch
erfasst, sodass in dem zur Verfügung stehenden Zeitrahmen keine Angaben
gemacht werden können, in wie vielen Fällen Rheinmetall als Auftragnehmer oder
Unterauftragnehmer tätig ist.
5. Wie viele der 10 241 durch das BAAINBw geschlossenen
Beschaffungsverträge wurden mit Rheinmetall als Hauptauftragnehmer oder als
Unterauftragnehmer geschlossen (bitte getrennt angeben; 9. Bericht des BMVg,
Teil 1, Berlin, Juni 2019, S. 8)?
Von den 10 241 Beschaffungsverträgen des BAAINBw wurden 527 Verträge mit
dem Unternehmen Rheinmetall geschlossen.
Zu Unteraufträgen können keine Angaben gemacht werden. Die Auftragnehmer
von Beschaffungsverträgen ab einem Auftragswert von 5 Mio. Euro werden erst
seit Kurzem verpflichtet, jeden Unterauftragnehmer der ersten Ebene mit einem
Unterauftragswert ab 50 000 Euro zu benennen.
6. Wie viele der 782 Forschungs- und Technologievorhaben des BAAINBw
werden mit Rheinmetall durchgeführt (9. Bericht des BMVg, Teil 1, Berlin,
Juni 2019, S. 8)?
Von den 782 Forschungs- und Technologievorhaben (F&T-Vorhaben) wurden
52 Vorhaben mit Rheinmetall durchgeführt.
7. An welchen der in Frage 1 aufgeführten Beschaffungsvorhaben von
Hauptwaffensystemen ist Rheinmetall als Hauptauftragnehmer oder als
Unterauftragnehmer beteiligt (bitte getrennt nach Laufzeit des Vertrages, Lieferzeit,
Gesamtauftragswert bzw. Anteil am Gesamtauftragswert auflisten)?
Die Antwort ist der als Anlage 2 beigefügten Tabelle zu entnehmen, die als „VS –
Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft ist.*
Die Einstufung ist erforderlich, da in dem zur Verfügung stehenden Zeitraum
nicht die Zustimmung von Rheinmetall zur Offenlegung der Vertragsdaten
eingeholt werden konnte und mithin die vom Grundgesetz geschützten Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse des Auftragnehmers zu wahren sind.
8. An welchen der in der Antwort zu Frage 2 aufgeführten Ausgaben für
Forschung und Entwicklung der Hauptwaffensysteme ist Rheinmetall als
Hauptauftragnehmer oder als Unterauftragnehmer beteiligt (bitte getrennt
nach Laufzeit des Vertrages, Lieferzeit, Gesamtauftragswert bzw. Anteil am
Gesamtauftragswert auflisten)?
Die Antwort ist der als Anlage 3 beigefügten Tabelle zu entnehmen, die als „VS –
Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft ist.*
Die Einstufung ist erforderlich, da in dem zur Verfügung stehenden Zeitraum
nicht die Zustimmung von Rheinmetall zur Offenlegung der Vertragsdaten
eingeholt werden konnte und mithin die vom Grundgesetz geschützten Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse des Auftragnehmers zu wahren sind.
9. Welche Ausgaben wurden im Jahr 2018 von der Bundesregierung getätigt,
die als Empfänger Unternehmungen der Rheinmetall AG hatten (bitte nach
Ressort mit Datum, Art und Volumen der Zahlung, sowie kurzer
Beschreibung des geförderten Projekts auflisten; Bundestagsdrucksache 19/913,
Frage 27)?
Es wurden lediglich vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)
Ausgaben im Jahr 2018 an die Rheinmetall AG getätigt. Der nachfolgenden
Tabelle können auch die in diesem Jahr vom BMWi geplanten Ausgaben an die
Rheinmetall AG, Antwort auf Frage 10, entnommen werden.
* Das Bundesministerium der Verteidigung hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft.
Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
a) Thema
b) Laufzeit von / bis
Auszahlung
in 2018
Auszahlung
in 2019
Art der Zahlung
a) Förderung der Heizungsoptimierung
durch hocheffiziente Pumpen und
hydraulischen Abgleich
b) 12.02.2018 / 31.08.2018
2.900,53 Euro -
Projektförderung
a) Förderung der Heizungsoptimierung
durch hocheffiziente Pumpen und
hydraulischen Abgleich
b) 09.05.2018 / 18.01.2019
- 9.073,78 Euro
Projektförderung
a) Förderung des Absatzes von elektrisch
betriebenen Fahrzeugen
(Umweltbonus)
b) 04.04.2018 / 15.05.2018
2.000,00 Euro -
Projektförderung
a) Verbundprojekt: MEmBran –
Modellierung von Emissionen und
Brennstoffverbrauch beim Manövrieren von
Schiffen; Vorhaben: Modellierung des
instationären Motor- und
Schiffsverhaltens
b) 01.11.2016 / 31.10.2019
74.976,37 Euro geplant:
35.027,20 Euro
Projektförderung
a) Entwicklung eines neuen Infrarot-
Detektors für spektrale und
hyperspektrale Anwendungen in der Raumfahrt
b) 01.07.2016 / 31.08.2019
292.065,39 Euro geplant:
407.146,96 Euro
Projektförderung
a) Verfahren zur automatischen
Erkennung und Verfolgung von
Flugobjekten mit visuellen (TV) und Infrarot
(IR) Kameras für Remote Tower
Anwendung
b) 01.11.2016 / 30.06.2019
149.929,67 Euro 116.647,95 Euro
Projektförderung
a) Verbundprojekt: GreenREX –
Elektrofahrzeug mit regenerativ
betriebenem On-Board-Energiewandler
b) 01.01.2014 / 30.09.2018
4.614,23 Euro 34.192,84 Euro
Projektförderung
10. Welche Ausgaben sind im Jahr 2019 von der Bundesregierung eingeplant,
die als Empfänger Unternehmungen der Rheinmetall AG haben (bitte nach
Ressort mit Datum, Art und Volumen der Zahlung, sowie kurzer
Beschreibung des geförderten Projekts auflisten; Bundestagsdrucksache 19/913,
Frage 27)?
Neben den in der Antwort zu Frage 9 bereits dargestellten Ausgaben des BMWi
in diesem Jahr an die Rheinmetall AG für Projektförderung werden vom
Bundesministerium f��r Bildung und Forschung im Jahr 2019 Ausgaben (Zuwendungen)
an eine Unternehmung der Rheinmetall AG im Rahmen des Forschungsprojekts
„FAST – Entwicklung einer Prozesskette für einen ferritischen,
ausscheidungshärtenden Stahl im Antriebsstrang“ in Höhe von rund 4 000 Euro geplant.
11. Wie viele der bei Rheinmetall durch das BAAINBw in Auftrag gegebenen
68 Zugsysteme „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES) im
Wert von 369 Mio. Euro, die insbesondere für die Integration in die von
Rheinmetall produzierten Schützenpanzer PUMA und GTK BOXER
ausgelegt sind, wurden bereits ausgeliefert (Pressemitteilung „Bundeswehr
bestellt neue Infanterieausrüstung und Kräne“ des BAAINBw 13/2017 vom
27. Juni 2017)?
Bislang wurde noch kein Zugsystem Infanterist der Zukunft – Erweitertes System
(IdZ-ES) aus der angefragten Optionsauslösung ausgeliefert.
12. Wie viele Zugsysteme IdZ-ES sind aktuell bereits in der Bundeswehr im
Einsatz, und wie viele Soldatinnen und Soldaten sind damit ausgerüstet?
Aktuell sind 24 Zugsysteme IdZ-ES im Einsatz, was 825 Mannausstattungen
entspricht. Mithin sind 825 Soldatinnen und Soldaten ausgerüstet.
13. Ist die Rheinmetall Dienstleistungszentrum Altmark GmbH aktuell für die
industrielle Betriebsunterstützung im Gefechtsübungszentrum Heer (Gef-
ÜbzH) in der Altmark, Sachsen-Anhalt, verantwortlich (www.griephan.de/
griephan-aktuell/politik/detail/news/rheinmetall-defence-erhaelt-grossauftrag-
der-bundeswehr.html)?
Wenn ja, seit wann, und wie lange läuft der Betreibervertrag?
Wenn nein, wer ist der neue Betreiber?
Seit dem 1. September 2014 ist die Rheinmetall Electronics GmbH (RME) der
Vertragspartner der Bundeswehr für den Betrieb und die Betreuung des
Gefechtsübungszentrums Heer (GefÜbZH). Der Unterauftragnehmer Rheinmetall
Dienstleistungszentrum Altmark GmbH (RDA) ist verantwortlich für die vertraglich
vereinbarte Leistungserbringung vor Ort. Zur Aufrechterhaltung des
unterbrechungsfreien Betriebs des GefÜbZH wurde der ursprünglich mit einer Laufzeit
bis 31. August 2018 begrenzte Vertrag um ein Jahr bis 31. August 2019
verlängert. Aktuell wird in einem Änderungsvertrag die Laufzeit um weitere fünf
Monate bis zum 31. Januar 2020 verlängert.
Der im Wettbewerb ermittelte neue Vertragspartner kann erst nach Beendigung
des anhängigen Nachprüfungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf
und der Billigung des Deutschen Bundestages verpflichtet werden.
14. In welcher Höhe sind für den Geschäftsbereich Simulation und Training von
Rheinmetall Defence Kosten im Rahmen des aktuellen Leistungszeitraumes
angefallen, die abhängig vom Nutzungsumfang durch die Bundeswehr
während der insgesamt vierjährigen Vertragslaufzeit auf rund 70 Mio.
Euro beziffert wurde (www.griephan.de/griephan-aktuell/politik/detail/news/
rheinmetall-defence-erhaelt-grossauftrag-der-bundeswehr.html)?
Für den ursprünglich vereinbarten vierjährigen Vertragszeitraum (1. September
2014 bis 31. August 2018) wurde ein Auftragswert von rund 68,33 Mio. Euro,
incl. Umsatzsteuer, vereinbart.
Der für den Betrieb und die Betreuung des GefÜbZH angefallene Aufwand wurde
durch die RME der Bundeswehr wie folgt in Rechnung gestellt und gezahlt:
Jahr 1 (1. September 2014 bis 31. Dezember 2014): rund 1,06 Mio. Euro
Jahr 2 (1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2015): rund 16,0 Mio. Euro
Jahr 3 (1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2016): rund 14,7 Mio. Euro
Jahr 4 (1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2017): rund 16,05 Mio. Euro
Jahr 5 (1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018): rund 19,0 Mio. Euro
Summe der Zahlungen von 2014 bis 2018: rund 66,81 Mio. Euro
15. Welcher Leistungsgegenstand, Leistungszeitraum und welches
Auftragsvolumen sind für die Sicherstellung des Betriebs im GefÜbZH etc. im Falle des
bereits 2018 ausgelaufenen bzw. 2019 auslaufenden Betreibervertrags für
die Fortführung des Betriebes vorgesehen?
Der zu vergebende Leistungsgegenstand ist grundsätzlich unverändert. Der
Leistungszeitraum ist in Abhängigkeit der Beendung des anhängigen
Nachprüfungsverfahrens und der Billigung des Deutschen Bundestages für den Zeitraum vom
1. Februar 2020 bis 31. August 2025 mit einer Verlängerungsoption für ein
weiteres Jahr vorgesehen. Das Auftragsvolumen des hier beschriebenen
Leistungszeitraums beträgt rund 117,6 Mio. Euro, incl. Umsatzsteuer und ohne
Verlängerungsoption.
16. Inwieweit ist die Einbindung der Ausstattung „IdZ-ES“, für die Rheinmetall
ebenfalls Verantwortung trägt, in das GefÜbZH auch unabhängig vom
Betreiber Rheinmetall ohne Leistungsstörungen möglich?
Die vollumfängliche Integration der Ausstattung IdZ-ES in das GefÜbZH mit
dem Ausbildungsgerät Duellsimulator (AGDUS) soll mit der Lieferung noch
fehlender AGDUS-Systeme gemäß Vertrag bis Ende 2020 abgeschlossen sein.
Für die simulationsspezifische Technik, welche im GefÜbZH zum Einsatz
kommt, ist der industrielle Betreiber an die logistischen Vorgaben des Herstellers
gebunden. Hierzu waren und sind eigenverantwortlich Leistungsverträge
zwischen den beteiligten Unternehmen abzuschließen.
Die Einbindung der Ausstattung IdZ-ES in die Simulationssystemtechnik des
GefÜbZH ist mit nicht mehr und nicht weniger Risiken behaftet als die
Integration von anderen neuen Übungsteilnehmern, wie beispielsweise dem SPz PUMA.
17. Inwieweit trifft es zu, dass das BAAINBw die bis dato lediglich
projektbezogene Zusammenarbeit der bislang konkurrierenden Rüstungsunternehmen
MBDA Deutschland und Rheinmetall bei Laserwaffen forciert und ein
Gemeinschaftsunternehmen in Zukunft vor dem Hintergrund befürwortet, eine
deutsche Laserwaffe zu produzieren, die ohne US-Technologie auskommt
und insofern beim Export auch nicht von der Zustimmung der USA abhängig
wäre (www.welt.de/wirtschaft/article195106081/Bundeswehr-Marine-erprobt-
die-deutsche-Laserwaffe.html)?
Dies ist nicht zutreffend. Im Rahmen des Projekts „Hochpräzise und skalierbare
Wirkung gegen agile/signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich
schwimmender Systemträger der Marine – HoWiSM“ soll in einem ersten Schritt ein
Laserwaffensystemdemonstrator gebaut und auf einer Korvette K130 als
Erprobungsträger integriert werden.
MBDA und Rheinmetall sind zum Ergebnis gekommen, dass der vorgesehene
Zeitplan für dieses Projekt nur gehalten werden kann, wenn beide Unternehmen
ihre personellen Ressourcen sowie ihre Expertise bündeln. Vor diesem
Hintergrund wurde Anfang Juni 2019 eine Arbeitsgemeinschaft beider Unternehmen
gegründet, um in einem ersten Schritt ein gemeinsames Angebot für den Bau und
die Integration des Laserwaffensystemdemonstrators abzugeben. Mittel- und
langfristig ist nach Verlautbarung beider Unternehmen ein Joint Venture denkbar,
um in Europa und darüber hinaus wettbewerbsfähig zu sein.
Der Zugang zu Technologien aus den USA, die den International Traffic in Arms
Regulations (ITAR-Regularien) unterliegen, kann durch die US-Regierung
versagt oder erst mit zeitlicher Verzögerung gewährt werden. Das betrifft nicht erst
den Export von Waffensystemen, sondern auch Technologien, die zu
Forschungsoder Entwicklungszwecken eingesetzt werden. Deshalb werden bereits
Forschungsaktivitäten so angelegt, dass eine solche Abhängigkeit weitestgehend
vermieden wird. Das trifft auch auf den Laserwaffensystemdemonstrator zu.
18. Inwieweit trifft es zu, dass in einem ersten Schritt auf einer Korvette K130
der deutschen Marine im nächsten Jahr ein Hochenergielaser zur
kurzreichweitigen Luftverteidigung und eventuell auch die Speedboot-Bekämpfung
installiert werden soll (www.welt.de/wirtschaft/article195106081/Bundeswehr-
Marine-erprobt-die-deutsche-Laserwaffe.html)?
Der Laserwaffendemonstrator soll nach gegenwärtigem Zeitplan im nächsten
Jahr in eine K130 eingerüstet werden. Hierbei handelt es sich um einen F&T-
Demonstrator, der die prototypische Herstellbarkeit eines solchen Waffensystems
nachweisen soll. Die Einrüstung ist temporär auf ca. ein Jahr begrenzt.
19. Inwieweit gibt es bereits einen detaillierten Anforderungskatalog bezüglich
der Laserwaffe seitens des BAAINBw (www.welt.de/wirtschaft/article
195106081/Bundeswehr-Marine-erprobt-die-deutsche-Laserwaffe.html)?
Integraler Bestandteil des Dokuments Fähigkeitslücke und Funktionale
Forderung HoWiSM ist ein priorisierter Forderungskatalog, in dem die funktionalen
Forderungen an ein Laserwaffensystem zur Abwehr von agilen und
signaturarmen Zielen im Nah- und Nächstbereich von schwimmenden Plattformen
formuliert sind.
20. An welchen Terminen, Gesprächen, Veranstaltungen, Sitzungen etc. des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nahmen ab Oktober 2018
Vertreter und Vertreterinnen der Rheinmetall AG teil, und wann genau (bitte
die entsprechenden Veranstaltungen, die Themen, die besprochen wurden,
das Datum sowie die Namen der Vertreterinnen und Vertreter der
Bundesregierung und des Unternehmens auflisten)?
Datum Veranstaltung Themen Vertreter BReg Vertreter
Rheinmetall
25.10.2018
Branchendialog
Verteidigungswirtschaft
1. Weiterentwicklung des
Strategiepapiers der
Bundesregierung zur Stärkung der
Verteidigungsindustrie in Deutschland
2. BREXIT Auswirkungen auf
die Branche
3. Kooperation Bundeswehr/
Industrie
Sts Dr. Nußbaum Armin Papperger
(CEO)
Dagmar Muth
(Betriebsrätin)
15.3.2019 Gespräch 1. Aktuelle Fragen der
Exportkontrolle
2. Konsolidierung der
Landsystemindustrie in Deutschland und
Europa
Sts Dr. Nußbaum Armin Papperger
(CEO),
Dr. Niebel, BM a. D.;
Leiter Internationale
Strategieentwicklung
und
Regierungsbeziehungen
15.3.2019 Gespräch 1. Aktuelle Fragen der
Exportkontrolle
2. Konsolidierung der
Landsystemindustrie in Deutschland und
Europa
PSts Wittke Armin Papperger
(CEO)
16.7.2019 Gespräch Konsolidierung der
Rüstungsindustrie
Sts Dr. Nußbaum Armin Papperger
(CEO)
18.7.2019 Telefonat Kurze Rückmeldung im
Nachgang zum Gespräch vom
16.7.2019
Sts Dr. Nußbaum Armin Papperger
(CEO)
21. An welchen Veranstaltungen, Gesprächen oder anderweitigen Terminen der
Rheinmetall AG nahmen Vertreter und Vertreterinnen des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ab Oktober 2018 wann und wo teil (bitte
Titel, Datum und Ort der Veranstaltung oder Termin sowie die Namen der
Mitglieder bzw. teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter nennen)?
Datum Veranstaltung, Ort Vertreter
BReg
Vertreter
Rheinmetall
14.3.2019 Parlamentarischer Abend, Parlamentarische
Gesellschaft in Berlin
PSts
Wittke
Armin Papperger (CEO)
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]