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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Ausbildungslosigkeit von jungen Erwachsenen
(insgesamt 11 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
23.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1228812.08.2019
Ausbildungslosigkeit von jungen Erwachsenen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12288
19. Wahlperiode 12.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Birke Bull-Bischoff, Dr. Petra Sitte, Doris Achelwilm,
Simone Barrientos, Klaus Ernst, Brigitte Freihold, Nicole Gohlke, Pascal Meiser,
Norbert Müller (Potsdam), Katrin Werner, Sabine Zimmermann (Zwickau) und
der Fraktion DIE LINKE.
Ausbildungslosigkeit von jungen Erwachsenen
Derzeit haben über 2 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren
keine abgeschlossene Berufsausbildung. Damit sind über 14 Prozent der jungen
Menschen ausbildungslos, obwohl die „Allianz für Aus- und Weiterbildung
2015 – 2018“ sich zum Ziel gesetzt hatte, die Quote nicht formal qualifizierter
junger Erwachsener bis zum Jahr 2018 auf 8 Prozent zu senken. Seit 2013 ist die
Quote trotz guter wirtschaftlicher Lage sogar noch steigend. Die Benachteiligung
Jugendlicher ohne Berufsausbildung ist also nicht nur ein konjunkturelles
Problem, sondern nach Ansicht der Fragesteller ein weiterer Anhaltspunkt für soziale
Ungleichheiten im Bildungssystem. Die Ursachen für die Ausbildungslosigkeit
von jungen Menschen können nach Ansicht der Fragesteller daher keineswegs
nur beim Individuum zu suchen sein, sondern müssen sich vor allem auf das
Bildungssystem und die fehlende Chancengerechtigkeit beziehen.
Ausbildungslosigkeit trägt zu einem erhöhten Risiko bei, langzeitarbeitslos zu
sein, deutlich geringere Einkommen als formal Qualifizierte zu erzielen oder
prekärer Beschäftigung nachgehen zu müssen. Ausbildungslosigkeit geht aber nicht
nur mit persönlichen Nachteilen auf dem Arbeitsmarkt einher. Junge Menschen
ohne abgeschlossene Berufsausbildung fehlen auch als Fachkräfte.
Bisher wurde nach Ansicht der Fragesteller der Ausbildungslosigkeit seitens der
Bundesregierung und Wirtschaft nicht strukturell, sondern mit Einzelmaßnahmen
begegnet. So werden jährlich fast 270 000 Jugendliche in den zahllosen
Maßnahmen des Übergangsbereichs geparkt. Diese münden aber selten in eine
vollqualifizierende Ausbildung und tragen somit nicht zu einer grundsätzlichen Lösung
des Problems bei. Ein allgemeiner Rechtsanspruch auf das Nachholen einer
Berufsausbildung besteht nach wie vor nicht und Teilzeit- bzw. berufsbegleitende
Angebote sind immer noch rar.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele junge Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren sowie im Alter von
20 bis 24, 25 bis 29 und 30 bis 34 Jahren waren in den Jahren 2010 bis 2018
ohne abgeschlossene Berufsausbildung und befanden sich nicht in einer
Maßnahme oder Ausbildung (Umschulung, Berufsausbildung, Schule,
Studium, Wehrdienst oder Ähnlichem; bitte nach absoluten Zahlen und als
Anteil an allen jungen Erwachsenen in den jeweiligen Alterskohorten, nach
Jahren und differenziert nach Bundesländern aufschlüsseln)?
a) Wie viele von diesen jungen Ausbildungslosen sind männlich bzw.
weiblich (bitte nach absoluten Zahlen und Prozentangaben in den jeweiligen
Alterskohorten aufschlüsseln)?
b) Wie viele von diesen jungen Ausbildungslosen haben Handicaps bzw.
Behinderungen (bitte nach absoluten Zahlen und Prozentangaben in den
jeweiligen Alterskohorten aufschlüsseln)?
c) Wie viele von diesen jungen Ausbildungslosen haben einen
Migrationshintergrund bzw. sind Ausländer (bitte nach absoluten Zahlen und
Prozentangaben in den jeweiligen Alterskohorten aufschlüsseln)?
2. Wie viele der jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung
verfügen über keinen Schulabschluss, einen Hauptschulabschluss,
Realschulabschluss bzw. mittleren Schulabschluss, über eine
Hochschulzugangsberechtigung, über eine nicht abgeschlossene Berufsausbildung und über einen im
Ausland erworbenen Schulabschluss mit Anerkennung in Deutschland und
über einen im Ausland erworbenen Schulabschluss ohne Anerkennung in
Deutschland (bitte nach absoluten Zahlen und als Anteil an allen jungen
Erwachsenen in den jeweiligen Alterskohorten 20 bis 34 Jahre, sowie im Alter
von 20 bis 24, 25 bis 29 und 30 bis 34 Jahren nach Jahren 2010 bis 2018
aufschlüsseln)?
3. Wie viele der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss waren arbeitslos
(bitte nach absoluten Zahlen und als Anteil an allen jungen Erwachsenen in
den jeweiligen Alterskohorten 20 bis 34 Jahre, sowie im Alter von 20 bis 24,
25 bis 29 und 30 bis 34 Jahren nach Jahren 2010 bis 2018 aufschlüsseln)?
4. Wie viele der jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung
waren in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung, in einer
sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung, in einem
geringfügigen Beschäftigungsverhältnis und als Selbstständige erwerbstätig (bitte nach
absoluten Zahlen und als Anteil an allen jungen Erwachsenen in den
jeweiligen Alterskohorten 20 bis 34 Jahre, sowie im Alter von 20 bis 24, 25 bis 29
und 30 bis 34 Jahren nach Jahren 2010 bis 2018 aufschlüsseln)?
5. Wie viele der jungen Ausbildungslosen haben an Maßnahmen des
sogenannten Übergangssystems teilgenommen (bitte nach absoluten Zahlen und als
Anteil an allen jungen Erwachsenen in den jeweiligen Alterskohorten 20 bis
34 Jahre, sowie im Alter von 20 bis 24, 25 bis 29 und 30 bis 34 Jahren nach
Jahren 2010 bis 2018 aufschlüsseln)?
6. Wie viele der als ausbildungsreif geltenden jungen Menschen, die sich um
einen Ausbildungsplatz bemüht haben, sind in den Jahren 2010 bis 2018 in
eine vollqualifizierende Ausbildung gemündet (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
Wie viele von ihnen sind in das sogenannte Übergangssystem gemündet
(bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
Von wie vielen ist nicht bekannt, wo sie verblieben sind (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
7. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über die Anzahl junger
Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Vergleich zu anderen
europäischen Mitgliedstaaten sowie der OECD-Staaten vor (bitte nach den Jahren
2010 bis 2018 sowie nach Geschlecht, in absoluten Zahlen und
Prozentangaben und als Anteil an der Alterskohorte aufschlüsseln)?
8. Aus welchen Gründen konnte das Ziel der „Allianz für Aus- und
Weiterbildung 2015 – 2018“, die Quote nicht formal qualifizierter junger Erwachsener
bis zum Jahr 2018 auf 8 Prozent zu senken, nicht erreicht werden?
Welche Konsequenzen will die Bundesregierung daraus ziehen, und welche
konkreten Maßnahmen sollen getroffen werden?
Plant die Bundesregierung, in diesem Zusammenhang ein Sonderprogramm
für die Reduzierung der Ausbildungslosigkeit aufzulegen?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
9. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass auch das Bildungssystem mit
seinen Ungleichheiten ein Grund für die Nichtausbildung vieler junger
Erwachsener ist?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
Inwieweit sieht die Bundesregierung die Wirtschaft mit in der
Verantwortung, dass die Zahl der ausbildungslosen jungen Menschen stetig steigt?
10. Plant die Bundesregierung, zur Schaffung ausreichender Ausbildungsplätze
einen Gesetzentwurf für eine Umlagefinanzierung bzw.
Ausbildungsplatzabgabe vorzulegen?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
Welche konkreten Maßnahmen will die Bundesregierung ergreifen, um die
Ausbildungskapazitäten zu erhöhen?
11. Teilt die Bundesregierung das Rahmenkonzept für eine öffentlich geförderte
Berufsausbildung der Bertelsmann Stiftung (www.bertelsmann-stiftung.de/
fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/LL_Ausbildungsangebot_
Konzept.pdf, S. 15 ff.)?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
a) Sieht die Bundesregierung hierbei die Gefahr, dass sich durch öffentliche
Förderprogramme zur Schaffung von Ausbildungsplätzen Wirtschaft und
Unternehmen noch weiter aus der Ausbildungsverantwortung ziehen?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
b) Teilt die Bundesregierung den Vorschlag der Bertelsmann Stiftung, dass
Übergänge in die auszubildenden Betriebe durch monetäre Anreize wie
z. B. durch Zuzahlungen zur Ausbildungsvergütung in der Probezeit des
betrieblichen Ausbildungsverhältnisses zusätzlich gefördert werden
sollten?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht (vgl. www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/
files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/LL_Ausbildungsangebot_
Konzept.pdf, S. 20)?
c) Teilt die Bundesregierung den Vorschlag der Bertelsmann Stiftung, dass
die Ausbildungsvergütungen bei öffentlich geförderter Ausbildung
geringer oder ganz entfallen sollten (vgl. www.bertelsmann-stiftung.de/
fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/LL_Ausbildungs
angebot_Konzept.pdf, S. 25)?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
d) Welches Finanzvolumen müssten Bund und Länder jährlich aufbringen,
wenn sie dem Rahmenkonzept für eine öffentlich geförderte
Berufsausbildung der Bertelsmann Stiftung folgen würden (bitte nach Bund und
Ländern aufschlüsseln)?
Berlin, den 26. Juli 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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