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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Niedriglöhne in der Bundesrepublik Deutschland
(insgesamt 18 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Datum
29.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1229013.08.2019
Niedriglöhne in der Bundesrepublik Deutschland
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12290
19. Wahlperiode 13.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald, Sylvia Gabelmann,
Dr. Achim Kessler, Katja Kipping, Jutta Krellmann, Pascal Meiser,
Cornelia Möhring, Sören Pellmann, Jessica Tatti, Harald Weinberg,
Pia Zimmermann, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Niedriglöhne in der Bundesrepublik Deutschland
Außer durch Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung geraten viele Menschen in
Deutschland durch niedrige Löhne in soziale Not und werden von
gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Soziale Not und Abstiegsängste wiederum werden
auch als mit ursächlich für die gestiegene politische Radikalisierung, Hass auf
Ausländer und Flüchtlinge angesehen (vgl. Thomas Fricke, Sinkende
Wählergunst, Absturzrisiko macht Bürger wütend, in: SPIEGEL ONLINE vom 31.
August 2018, www.spiegel.de/wirtschaft/rente-und-grosse-koalition-waehler-brauchen-
mehr-sicherheit-statt-geld-a-1225774.html). Am 12. September 2018 hat das
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Rahmen einer Studie auf
Umfragebasis festgestellt, dass eine überwältigende Mehrheit der Befragten
untere Arbeitseinkommen als zu niedrig wahrnimmt. Das DIW stellt fest: „Sollen
die Menschen in Deutschland das Gefühl bekommen, dass es gerechter zugeht,
sind die niedrigen Arbeitseinkommen auf jeden Fall ein prioritäres
Handlungsfeld“ (vgl. DIW, Niedrige Löhne empfindet die große Mehrheit als ungerecht,
Pressemitteilung vom 12. September 2018, www.diw.de/de/diw_01.c.597905.de/
themen_nachrichten/niedrige_loehne_empfindet_die_grosse_mehrheit_als_un
gerecht.html).
Eine wichtige Größe, um festzustellen, wie sich der Niedriglohnsektor, dessen
Bedeutung laut Bundesagentur für Arbeit „seit 1999 merklich zugenommen hat“,
in Deutschland entwickelt, ist die so genannte Niedriglohnschwelle
(Bundesagentur für Arbeit, Bericht der Statistik der BA, November 2010,
Beschäftigungsstatistik. Sozialversicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelte, https://statistik.
arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Methodenberichte/Beschaeftigungs
statistik/Generische-Publikationen/Entgeltstatistik.pdf). Als Geringverdiener gilt
laut Bundesagentur für Arbeit, „wer als sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigter weniger als 2/3 des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten erzielt (Niedriglohnschwelle)“ (ebd., S. 24). Der
Medianverdienst ist jener Bruttoverdienst, welcher die Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer in zwei gleich große Gruppen einteilt. Die eine Hälfte verdient weniger
und die andere Hälfte mehr als den Medianverdienst. Bitte bei der Beantwortung
der Fragen sowohl Daten der Bundesagentur für Arbeit als auch des Statistischen
Bundesamtes berücksichtigen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl
sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) seit 1999 bis
2018 entwickelt (bitte Anzahl und jährliche Zuwachsrate differenziert nach
Bund, nach Ost- und Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und nach
kreisfreien Städten, nach soziodemographischen Merkmalen: insgesamt,
Männer, Frauen, unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre und älter,
nach beruflicher Qualifikation, nach Berufsbereichen, nach
Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008 angeben und zum Vergleich die Werte seit 1999 jeweils
zum Stichtag 31. Dezember ausweisen bzw. für die Ausweisung nach
Wirtschaftsabschnitten nach WZ 2008 seit Beginn der Veröffentlichung der
zugrunde liegenden Statistik auflisten)?
2. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro in Deutschland (bitte zum
Vergleich auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember
ausweisen)?
3. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro in Westdeutschland (bitte zum
Vergleich auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember
ausweisen)?
4. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro in Ostdeutschland (bitte zum
Vergleich auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember
ausweisen)?
5. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro in den Kreisen und kreisfreien
Städten (bitte zum Vergleich auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag
31. Dezember ausweisen)?
6. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro differenziert nach
soziodemographischen Merkmalen (bitte differenzieren nach: insgesamt, Männer, Frauen,
unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre und älter; bitte zum Vergleich
auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember ausweisen)?
7. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro differenziert nach beruflicher
Qualifikation (bitte zum Vergleich auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag
31. Dezember ausweisen)?
8. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro differenziert nach Berufsbereichen
(bitte zum Vergleich auch die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31.
Dezember ausweisen)?
9. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Median der
monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig
Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) in Euro differenziert nach
Wirtschaftsabschnitten (WZ 2008; bitte zum Vergleich auch die Werte seit Beginn der
Veröffentlichung der zugrunde liegenden Statistik auflisten)?
10. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung die aktuelle
Niedriglohnschwelle der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte für
sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) in Euro (bitte – wie in
Frage 1 bis 9 erbeten – differenziert nach Bund, nach Ost- und
Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und nach kreisfreien Städten, nach
soziodemographischen Merkmalen: insgesamt, Männer, Frauen,
Staatsangehörigkeit, unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre und älter, nach beruflicher
Qualifikation, nach Berufsbereichen, nach Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008
angeben und zum Vergleich die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31.
Dezember ausweisen bzw. für die Ausweisung nach Wirtschaftsabschnitten
nach WZ 2008 seit Beginn der Veröffentlichung der zugrunde liegenden
Statistik auflisten)?
11. Wie viele Beschäftigte erhalten nach Kenntnis der Bundesregierung ein
Einkommen, das unter der jeweiligen Niedriglohnschwelle liegt (bitte sowohl
absolute als auch anteilige Werte – wie in Frage 1 bis 9 erbeten – differenziert
nach Bund, nach Ost- und Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und
nach kreisfreien Städten, nach soziodemographischen Merkmalen:
insgesamt, Männer, Frauen, Staatsangehörigkeit, unter 25 Jahre, 25 bis unter
50 Jahre, 50 Jahre und älter, nach beruflicher Qualifikation, nach
Berufsbereichen, nach Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008 angeben und zum Vergleich
die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember ausweisen bzw. für
die Ausweisung nach Wirtschaftsabschnitten nach WZ 2008 seit Beginn der
Veröffentlichung der zugrunde liegenden Statistik auflisten)?
12. Um wie viel Euro und um wie viel Prozent hat sich nach Kenntnis der
Bundesregierung gemessen am Median das mittlere Bruttomonatsentgelt der
sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) seit
1999 erhöht, und um wie viel Prozent ist seit 1999 jeweils der
Verbraucherpreisindex insgesamt, der Verbraucherpreisindex für Wohnungsmieten und
der Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel gestiegen (bitte, wenn
möglich, nach Bund, nach Ost- und Westdeutschland und nach Ländern, Kreisen
und kreisfreien Städten differenzieren)?
13. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl ausschließlich
geringfügig Beschäftigter seit 1999 bis 2018 entwickelt (bitte Anzahl und
jährliche Zuwachsrate differenziert nach Bund, nach Ost- und
Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und nach kreisfreien Städten, nach
soziodemographischen Merkmalen: insgesamt, Männer, Frauen,
Staatsangehörigkeit, unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre und älter, nach beruflicher
Qualifikation, nach Berufsbereichen, nach Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008
angeben und zum Vergleich die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31.
Dezember ausweisen bzw. für die Ausweisung nach Wirtschaftsabschnitten
nach WZ 2008 seit Beginn der Veröffentlichung der zugrunde liegenden
Statistik auflisten)?
14. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl im Nebenjob
geringfügig Beschäftigter seit 1999 bis 2018 entwickelt (bitte Anzahl und
jährliche Zuwachsrate differenziert nach Bund, nach Ost- und
Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und nach kreisfreien Städten, nach
soziodemographischen Merkmalen: insgesamt, Männer, Frauen,
Staatsangehörigkeit, unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre und älter, nach beruflicher
Qualifikation, nach Berufsbereichen, nach Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008
angeben und zum Vergleich die Werte seit 1999 jeweils zum Stichtag 31.
Dezember ausweisen bzw. für die Ausweisung nach Wirtschaftsabschnitten
nach WZ 2008 seit Beginn der Veröffentlichung der zugrunde liegenden
Statistik auflisten)?
15. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung gemessen am Median das
mittlere monatliche Entgelt von ausschließlich geringfügig entlohnt
Beschäftigten in Euro (bitte – wie in Frage 1 bis 9 erbeten – differenziert nach Bund,
nach Ost- und Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und nach
kreisfreien Städten, nach soziodemographischen Merkmalen: insgesamt, Männer,
Frauen, Staatsangehörigkeit, unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre
und älter, nach beruflicher Qualifikation, nach Berufsbereichen, nach
Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008 angeben und zum Vergleich die Werte seit
1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember ausweisen bzw. für die Ausweisung
nach Wirtschaftsabschnitten nach WZ 2008 seit Beginn der Veröffentlichung
der zugrunde liegenden Statistik auflisten)?
16. Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung gemessen am Median das
mittlere monatliche Entgelt von im Nebenjob geringfügig entlohnt Beschäftigten
in Euro (bitte – wie in Frage 1 bis 9 erbeten – differenziert nach Bund, nach
Ost- und Westdeutschland, nach Ländern, nach Kreisen und nach kreisfreien
Städten, nach soziodemographischen Merkmalen: insgesamt, Männer,
Frauen, Staatsangehörigkeit, unter 25 Jahre, 25 bis unter 50 Jahre, 50 Jahre
und älter, nach beruflicher Qualifikation, nach Berufsbereichen, nach
Wirtschaftsabschnitten: WZ 2008 angeben und zum Vergleich die Werte seit
1999 jeweils zum Stichtag 31. Dezember ausweisen bzw. für die Ausweisung
nach Wirtschaftsabschnitten nach WZ 2008 seit Beginn der Veröffentlichung
der zugrunde liegenden Statistik auflisten)?
17. Um wie viel Euro und um wie viel Prozent hat sich gemessen am Median das
mittlere monatliche Entgelt von ausschließlich geringfügig entlohnt
Beschäftigten seit 1999 erhöht (bitte, wenn möglich, nach Bund, nach Ost- und
Westdeutschland und nach Ländern differenzieren)?
18. Um wie viel Euro und um wie viel Prozent hat sich gemessen am Median das
mittlere monatliche Entgelt von im Nebenjob geringfügig entlohnt
Beschäftigten seit 1999 erhöht (bitte, wenn möglich, nach Bund, nach Ost- und
Westdeutschland und nach Ländern differenzieren)?
Berlin, den 23. Juli 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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