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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Rechtsextreme Aufmärsche im zweiten Quartal 2019
(insgesamt 7 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Datum
21.08.2019
Antwortdauer
8 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1235013.08.2019
Rechtsextreme Aufmärsche im zweiten Quartal 2019
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12350
19. Wahlperiode 13.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut,
Sevim Dağdelen, Amira Mohamed Ali, Niema Movassat, Martina Renner,
Kersten Steinke, Friedrich Straetmanns, Dr. Kirsten Tackmann und der
Fraktion DIE LINKE.
Rechtsextreme Aufmärsche im zweiten Quartal 2019
Unter der Losung „Kampf um die Straße“ gehören Kundgebungen und
Demonstrationen zum typischen Aktionsrepertoire der extremen Rechten. Die Größe
solcher Aufmärsche reicht von einer Mahnwache mit einem Dutzend bis zu
Großdemonstrationen von mehreren tausend Teilnehmern und Teilnehmerinnen.
Insbesondere an jährlich wiederkehrenden Daten, wie der alliierten Bombardierung
bestimmter Städte, dem 1. Mai oder dem 1. September als Antikriegstag,
mobilisiert die extreme Rechte zu regionalen und bundesweiten Aufmärschen.
„Die nach außen gerichtete Wirkung der neofaschistischen
Demonstrationspolitik dient dem Nachweis der Existenz einer neofaschistischen
beziehungsweise einer neonazistischen Bewegung, die ihre politische Ideologie bis hin zur
offen(siv)en Verherrlichung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen
verbreitet sowie der Ausübung einer Machtpolitik gegenüber staatlichen
Institutionen und politischen Gegnern, die den Handlungsspielraum dieser Bewegung
erweitern soll“ (Fabian Virchow, Demonstrationspolitik, in: Andreas Klärner/
Michael Kohlstruck: Moderner Rechtsextremismus in Deutschland, Hamburg
2006, S. 94 f.). Rechtsextreme Aufmärsche dienen auch zur Einschüchterung all
derjenigen, die zum Feindbild ernannt wurden, wie Migrantinnen und Migranten,
politisch Andersdenkende oder alternative Jugendliche. Ein weiterer
beabsichtigter Effekt ist nach Ansicht der Fragesteller die Zermürbung der demokratischen
Öffentlichkeit, die an die scheinbare Normalität rechtsextremer Aufmärsche
gewöhnt werden soll.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Aufmärsche, Mahnwachen oder sonstige öffentliche Auftritte der
extremen Rechten fanden nach Kenntnis der Bundesregierung im zweiten
Quartal 2019 statt, wer trat bei diesen Aufmärschen als Anmelder in
Erscheinung, und wo fanden die Demonstrationen statt (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
2. Mit welchem Motto bzw. Thema wurden die in der Antwort zu Frage 1
genannten Aufzüge nach Kenntnis der Bundesregierung angemeldet, wie viele
Personen nahmen an den einzelnen Aufzügen teil, und fand eine
überregionale Mobilisierung statt?
3. An welchen der in der Antwort zu Frage 1 genannten Aufzüge war nach
Kenntnis der Bundesregierung die NPD oder eine ihrer Unterorganisationen
organisatorisch beteiligt?
4. Welche der in der Antwort zu Frage 1 genannten Aufzüge wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung aus dem Spektrum der Kameradschaften bzw.
sonstigen Neonaziszene organisiert, und um welche Kameradschaften bzw.
sonstigen Organisationen handelte es sich hierbei?
5. Bei welchen Aufmärschen, Mahnwachen oder sonstigen öffentlichen
Auftritten der extremen Rechten kam es nach Kenntnis der Bundesregierung im
zweiten Quartal 2019 zu Straftaten, und um welche Art von Straftaten
handelt es sich hierbei?
6. Hat es zu den in den Fragen 1 bis 5 erfragten Sachverhalten Nachmeldungen
für das erste Quartal 2019 gegeben, und welche Nachmeldungen hat es im
Einzelnen gegeben?
7. An welchen sonstigen Demonstrationen im zweiten Quartal 2019 haben sich
Organisationen bzw. Gruppen der extremen Rechten in welcher
Größenordnung nach Kenntnis der Bundesregierung beteiligt (bitte nach Ort, Datum
und Thema der Demonstration aufschlüsseln)?
Berlin, den 29. Juli 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1254821.08.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/12350 - Rechtsextreme Aufmärsche im zweiten Quartal 2019
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat
vom 19. August 2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12548
19. Wahlperiode 21.08.2019
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Dr. André Hahn,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/12350 –
Rechtsextreme Aufmärsche im zweiten Quartal 2019
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Unter der Losung „Kampf um die Straße“ gehören Kundgebungen und
Demonstrationen zum typischen Aktionsrepertoire der extremen Rechten. Die Größe
solcher Aufmärsche reicht von einer Mahnwache mit einem Dutzend bis zu
Großdemonstrationen von mehreren tausend Teilnehmern und
Teilnehmerinnen. Insbesondere an jährlich wiederkehrenden Daten, wie der alliierten
Bombardierung bestimmter Städte, dem 1. Mai oder dem 1. September als
Antikriegstag, mobilisiert die extreme Rechte zu regionalen und bundesweiten
Aufmärschen.
„Die nach außen gerichtete Wirkung der neofaschistischen
Demonstrationspolitik dient dem Nachweis der Existenz einer neofaschistischen
beziehungsweise einer neonazistischen Bewegung, die ihre politische Ideologie bis hin zur
offen(siv)en Verherrlichung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen
verbreitet sowie der Ausübung einer Machtpolitik gegenüber staatlichen
Institutionen und politischen Gegnern, die den Handlungsspielraum dieser Bewegung
erweitern soll“ (Fabian Virchow, Demonstrationspolitik, in: Andreas Klärner/
Michael Kohlstruck: Moderner Rechtsextremismus in Deutschland, Hamburg
2006, S. 94 f.). Rechtsextreme Aufmärsche dienen auch zur Einschüchterung all
derjenigen, die zum Feindbild ernannt wurden, wie Migrantinnen und
Migranten, politisch Andersdenkende oder alternative Jugendliche. Ein weiterer
beabsichtigter Effekt ist nach Ansicht der Fragesteller die Zermürbung der
demokratischen Öffentlichkeit, die an die scheinbare Normalität rechtsextremer
Aufmärsche gewöhnt werden soll.
1. Wie viele Aufmärsche, Mahnwachen oder sonstige öffentliche Auftritte der
extremen Rechten fanden nach Kenntnis der Bundesregierung im zweiten
Quartal 2019 statt, wer trat bei diesen Aufmärschen als Anmelder in
Erscheinung, und wo fanden die Demonstrationen statt (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
2. Mit welchem Motto bzw. Thema wurden die in der Antwort zu Frage 1
genannten Aufzüge nach Kenntnis der Bundesregierung angemeldet, wie viele
Personen nahmen an den einzelnen Aufzügen teil, und fand eine
überregionale Mobilisierung statt?
3. An welchen der in der Antwort zu Frage 1 genannten Aufzüge war nach
Kenntnis der Bundesregierung die NPD oder eine ihrer Unterorganisationen
organisatorisch beteiligt?
4. Welche der in der Antwort zu Frage 1 genannten Aufzüge wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung aus dem Spektrum der Kameradschaften bzw.
sonstigen Neonaziszene organisiert, und um welche Kameradschaften bzw.
sonstigen Organisationen handelte es sich hierbei?
Die Fragen 1 bis 4 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
In der nachfolgenden Tabelle sind die der Bundesregierung bekannt gewordenen,
im zweiten Quartal 2019 durchgeführten Veranstaltungen von Rechtsextremisten
mit überregionaler Teilnehmermobilisierung aufgeführt. Hinsichtlich der
Teilnehmerzahl wird darauf hingewiesen, dass die Anzahl der an den Veranstaltungen
teilnehmenden Rechtsextremisten von der in der Tabelle aufgeführten
Gesamtzahl der Teilnehmer abweicht.
Datum Land Ort Veranstalter Zuordnung Anmelder Motto TN*
06.04.2019 ST Magdeburg „Bürgerinitiative
Magdeburg/
MAGIDA“,
NPD/JN
Rechtsextremisten/
Neonazis
Dennis ROSNER „Für sichere Städte
und die Zukunft
unserer Kinder“,
„Gegen die
Islamisierung
Magdeburgs“
200
13.04.2019 TH Gotha „Bündnis Zukunft
Landkreis Gotha“
Rechtsextremisten/
Neonazis
Marco ZINT „Überfremdung
stoppen! Unseren
Kindern eine
Zukunft sicheren“
75
13.04.2019 ST Stendal „Bürgerbewegung
Altmark“
Rechtsextremisten/
Neonazis
Jessica RUPP „Baustopp ZASt
Stendal“
40
14.04.2019 HH Hamburg Rechtsextremisten/
Neonazis
„Michel, wach
endlich auf!“
130
20.04.2019 NI Göttingen,
Hannover,
Lüneburg,
Hamburg
NPD/JN Parteien Karsten DICTY „Widerstand ist
wählbar“ – „Festung
Europa –
Schutzzone Deutschland“
20
20.04.2019 NW Wuppertal Die Rechte Parteien Kevin KOCH „Schluss mit der
feigen Symbolpolitik –
schützt endlich die
Grenzen Europas!“
75
20.04.2019 RP Ingelheim Die Rechte Parteien „Heimat erhalten,
Familien fördern,
Zukunft gestalten!“
n. b.
22.04.2019 SN Bautzen Rechtsextremisten/
Neonazis
Marco WRUCK
„Gedenkveranstaltung“
60
27.04.2019 NI Salzgitter Die Rechte Parteien Europawahlkampf 20
Datum Land Ort Veranstalter Zuordnung Anmelder Motto TN*
01.05.2019 HE Hanau NPD/JN Parteien „Hanau und
Frankfurt sind unsere
Städte! Asylbetrüger
und kriminelle
Ausländer raus!“
180
01.05.2019 MV Wismar NPD/JN Parteien Stefan KÖSTER „Arbeit – Zukunft –
Heimat | Sozial geht
nur national!“
250
01.05.2019 SN Dresden NPD/JN Parteien Jens BAUR „NPD-
Demonstration zum 1. Mai –
Sozial geht nur
national!“
175
01.05.2019 BB
Eisenhüttenstadt, Guben
NPD/JN Parteien „Sozial geht nur
national – Deutschland
ist nicht der
Selbstbedienungsladen der
ganzen Welt!“
50
01.05.2019 NW Duisburg Die Rechte Parteien Michael BRÜCK Tag der Arbeit 293
01.05.2019 SN Plauen Der III. Weg Parteien Rico DÖHLER Arbeiterkampftag 500
03.05.2019 NW Dortmund Die Rechte Parteien „Gegen
Polizeirepressionen!
Gegen die
Durchsuchung der
Emscherstr. 2 und
Thusneldastr. 2“
140
04.05.2019 BW Sinsheim NPD/JN Parteien „Sinsheim braucht
mehr Sicherheit und
Heimatliebe“
25
08.05.2019 MV Demmin NPD/JN Parteien Tino MÜLLER Gedenkmarsch
„8. Mai 1945 – kein
Grund zum Feiern.
Vergessen wir Tod,
Leid und Besatzung
nicht.“
200
11.05.2019 BY Karlstein Bad
Reichenhall
NPD/JN Parteien Florian THALER Charlemagne-
Gedenkveranstaltung
39
11.05.2019 BW Pforzheim Die Rechte Parteien „Festung Europa –
Für den Erhalt
unserer Kulturen“
80
11.05.2019 SN Plauen Der III. Weg Parteien Rico DÖHLER „Soziale
Gerechtigkeit für alle
Deutsche“
n. b.
18.05.2019 TH Leinefelde NPD/JN Parteien Gianluca BRUNO Eichsfeldtag 130
18.05.2019 BY Bayerischer
Wald
Der III. Weg Parteien Kundgebungstour
„Europa erwache!“
n. b.
19.05.2019 ST Köthen Rechtsextremisten/
Neonazis
„Für Gerechtigkeit –
gegen Kuscheljustiz
mit Tottretern und
Messermännern“
300
23.05.2019 ST Halle Rechtsextremisten/
Neonazis
Kinderschutz vor
grünem Eigennutz
n. b.
25.05.2019 ST Stendal „Bürgerbewegung
Altmark“
Rechtsextremisten/
Neonazis
Jessica RUPP Sternmarsch
„Baustopp ZASt Stendal“
50
Datum Land Ort Veranstalter Zuordnung Anmelder Motto TN*
25.05.2019 NW Dortmund Die Rechte Parteien
„Wahlkampfabschluss zur
Europawahl 2019. 70 Jahre
Bundesrepublik:
Wir fordern endlich
nationale
Souveränität statt EU-
Zentralisierung!“
184
01.06.2019 SN Chemnitz JN Parteien Maik MÜLLER TDDZ „Tag der
deutschen Zukunft“
273
02.06.2019 NW
Mönchengladbach
„Bürgerinitiative
Mönchengladbach
steht auf“
Rechtsextremisten/
Neonazis
Dominik
ROESELER
„Wir wollen keine
Salafisten-
Schweine“
260
09.06.2019 ST Dessau-
Roßlau
Rechtsextremisten/
Neonazis
„Schützt unsere
Kinder“
120
15.06.2019 ST Dessau-
Roßlau
Rechtsextremisten/
Neonazis
„Schützt unsere
Kinder! Härtere
Strafen für
kriminelle Ausländer!“
110
16.06.2019 NW Olpe Der III. Weg Parteien Tag der Heimattreue 30
26.06.2019 NW Siegen Der III. Weg Parteien Julian BENDER „Ausländerterror
stoppen! – Den
Opfern eine Stimme
geben“
20
* Teilnehmer
Weiterhin registrierten die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der
Länder verschiedene Kundgebungen gegen eine vermeintliche Islamisierung
Deutschlands, bei denen eine überwiegend rechtsextremistische Einflussnahme
bzw. Steuerung erkennbar war:
Datum Land Ort Organisation Teilnehmer
01.04.2019 BE Berlin BÄRGIDA n. b.
08.04.2019 BE Berlin BÄRGIDA n. b.
13.05.2019 BE Berlin BÄRGIDA n. b.
5. Bei welchen Aufmärschen, Mahnwachen oder sonstigen öffentlichen
Auftritten der extremen Rechten kam es nach Kenntnis der Bundesregierung im
zweiten Quartal 2019 zu Straftaten, und um welche Art von Straftaten
handelt es sich hierbei?
Auf die Antwort der Bundesregierung vom 26. Mai 2008 zu Frage 5 der Kleinen
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. „Rechtsextreme Aufmärsche im ersten Quartal
2008“ auf Bundestagsdrucksache 16/9268 wird verwiesen.
6. Hat es zu den in den Fragen 1 bis 5 erfragten Sachverhalten Nachmeldungen
für das erste Quartal 2019 gegeben, und welche Nachmeldungen hat es im
Einzelnen gegeben?
Für das erste Quartal 2019 wurden keine rechtsextremistischen
Kundgebungen oder (rechts-)extremistisch beeinflussten bzw. gesteuerten Veranstaltungen
nachträglich bekannt.
7. An welchen sonstigen Demonstrationen im zweiten Quartal 2019 haben sich
Organisationen bzw. Gruppen der extremen Rechten in welcher
Größenordnung nach Kenntnis der Bundesregierung beteiligt (bitte nach Ort, Datum
und Thema der Demonstration aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen. Weitere Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung nicht vor.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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