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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Umwelt- und Klimaschutz im Tourismus

(insgesamt 20 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Datum

17.09.2019

Aktualisiert

24.10.2024

BT19/1242115.08.2019

Umwelt- und Klimaschutz im Tourismus

Kleine Anfrage

Volltext (unformatiert)

[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12421 19. Wahlperiode 15.08.2019 Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Marcel Klinge, Michael Theurer, Markus Herbrand, Renata Alt, Jens Beeck, Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Konstantin Kuhle, Michael Georg Link, Oliver Luksic, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly, Katja Suding, Nicole Westig und der Fraktion der FDP Umwelt- und Klimaschutz im Tourismus Zunehmend wird deutlich, dass die Bereiche Tourismus, Naherholung und Freizeit einen nicht unbeachtlichen direkten oder indirekten Einfluss auf unsere Umwelt und das Klima haben. Gerade in diesen Bereichen gibt es nach Ansicht der Fragesteller daher Potenzial, um einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bis zum Jahr 2050 soll Deutschland klimaneutral sein. Dann noch ausgestoßene Treibhausgase müssen der Atmosphäre an anderer Stelle entzogen werden. Vor allem im Sektor Verkehr und nachhaltige Mobilität liegt Deutschland hier aber noch weit hinter den angestrebten Zielen zurück. Den notwendigen Wandel nicht nur mitzugehen, sondern als Chance für Innovation und nachhaltigen Erfolg bei den verschiedenen Stakeholdern zu sehen, ist eine Haltung, die insbesondere deutsche Tourismusunternehmen auszeichnet (Klimaschutz in der deutschen Reisebranche, DRV 2017). Nachhaltige Beschaffungen und Energiemanagement können darüber hinaus einen wichtigen Beitrag leisten. Klimaschutz und Tourismus sind und werden in Zukunft noch intensiver miteinander verwoben sein (difu.de/publikationen/2018/klimaschutz-tourismus.html). Mobilität und Verkehr spielen grade im Tourismus eine zentrale Rolle für die An- und Abreise der Urlauber. So reisten im Jahr 2018 79,4 Prozent der Übernachtungsgäste in Deutschland im ländlichen Raum per PKW an (www.dwif.de/ newsevents/zahl-der-woche/kpi/item/nachhaltige-mobilitaet-tourismus.html). Neben dem PKW ist auch das Flugzeug bei 56 Prozent der Auslandsreisen, die die Deutschen im Jahr 2018 unternommen haben, Spitzenreiter bei der Wahl des Verkehrsmittels (Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. – FUR – 2019). Wir fragen die Bundesregierung: 1. Wie schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen des Tourismus in Deutschland auf Umwelt und Klima ein, und inwiefern wird die Umwelt durch das Urlaubsverhalten der Deutschen stärker in Anspruch genommen, als während routinierter Lebensphasen? a) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, inwiefern sich das touristische Angebot im Inland auf den Erhalt der Umwelt auswirkt und einen positiven oder negativen Beitrag mit Blick auf lebenswerte Verhältnisse und eine intakte Natur leistet? b) Welche Rolle spielt nach Auffassung der Bundesregierung der Outgoing- Tourismus bei den Auswirkungen auf die Umwelt und bei der Bewahrung ökologisch intakter Gebiete? c) Welchen relativen Anteil hat der Tourismus bezogen auf den globalen Output an Treibhausgasen nach Kenntnis der Bundesregierung? d) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über Maßnahmen der Tourismusindustrie, den Ausstoß von CO2 zu verringern, und sind diese Bemühungen bezifferbar? e) Inwiefern sieht es die Bundesregierung als geboten an, dass sich die Tourismusindustrie an einer Weiterführung der Reduzierung des CO2- Ausstoßes beteiligt? f) Welche Rolle soll nach Ansicht der Bundesregierung der Tourismus bei der CO2-Reduzierung spielen? 2. Welche Informationen liegen der Bundesregierung darüber vor, in welchem Umfang Angebote zur Kompensation des „ökologischen Fußabdrucks“ von Seiten der Tourismusindustrie angeboten werden, und wie bewertet die Bundesregierung diese? a) Wie stark wurden diese Angebote zur CO2-Kompensation nach Kenntnis der Bundesregierung von deutschen Urlaubern in den Jahren 2015 bis 2018 genutzt? b) Gibt es nach Auffassung der Bundesregierung Anhaltspunkte dafür, welche Merkmale besonders erfolgreiche Kompensationsmodelle kennzeichnen? 3. Welche Projekte oder Maßnahmen deutscher Unternehmen innerhalb der touristischen Wertschöpfungskette zum Umwelt- oder Klimaschutz sowie zur CO2-Reduzierung sind der Bundesregierung bekannt? a) Welche dieser Projekte werden oder wurden nach Kenntnis der Bundesregierung vom Bund oder den Ländern in welcher Art und Weise gefördert? b) Fand oder findet eine Evaluierung der Förderungen statt? Wenn ja, wie fallen die Ergebnisse der Evaluierung aus? Wenn nein, aus welchen Gründen wird auf eine Evaluierung verzichtet? c) Plant die Bundesregierung, weitere Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz im Tourismus zu fördern? Wenn ja, wie gestalten sich diese aus? 4. Teilt die Bundesregierung die Auffassung weiter Teile der deutschen Reisewirtschaft, dass das Abdrucken von sog. Preisteilen in Reisekatalogen nicht nur ökonomisch sondern auch ökologisch fragwürdig ist? Plant die Bundesregierung, die Verpflichtung zu gedruckten Preisteilen im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes analog zu den Nachbarländern Niederlande und Großbritannien aufzuheben? Wenn ja, wann? Wenn nein, aus welchen Gründen wird von einer Aufhebung abgesehen? 5. Welche Anreize und Förderungen, Projekte und Maßnahmen bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung für Umwelt- und Klimaschutz, CO2- Reduzierung sowie für die energetische Sanierung von Betrieben des Gastgewerbes? a) Seit wann bestehen diese Förderungen und Anreize nach Kenntnis der Bundesregierung, und wie verlief der jeweilige Mittelabfluss? b) Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die Beantragungen vor? Wenn ja, welche? c) Fand eine Evaluierung der Förderungen statt? Wenn ja, wie fällt diese aus? Wenn nein, aus welchen Gründen wurde auf eine Evaluierung verzichtet? d) Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über Beratungs- und Informationsprogramme zum Umwelt- und Klimaschutz, CO2-Reduzierung sowie der energetischen Sanierung von Betrieben des Gastgewerbes vor? 6. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Erreichbarkeit von Urlaubsregionen sowie die Mobilität vor Ort vom PKW unabhängig zu gestalten? 7. Welche Projekte zur Förderung der Nachhaltigkeit, CO2-Reduzierung sowie Klima- und Umweltschutz in der Kreuzfahrt (Fluss und See) sind der Bundesregierung bekannt? a) Welche dieser Projekte werden nach Kenntnis der Bundesregierung gefördert, und wo befinden sich diese Projekte? b) Plant die Bundesregierung, die bestehenden Projekte zu verstetigen oder auszubauen? c) Findet oder fand eine Evaluation der Projekte statt? Wenn ja, welche Ergebnisse hatten diese Evaluationen? 8. Wie bewertet die Bundesregierung den Einsatz von Flüssigerdgas LNG, Landstrom oder Abgasreinigungssystemen in der Kreuzschifffahrt zur Senkung von Emissionen? 9. Welcher Strategie folgt die Bundesregierung zur Förderung, Erforschung und weiteren Entwicklung innovativer Antriebstechnologien (beispielsweise Brennstoffzellen, Power-to-Gas und Batterietechnologie) in der Kreuzfahrt? a) Welche konkreten Projekte oder Forschungspartnerschaften, die den Einsatz dieser Technologien in der Kreuzfahrt fördern, wurden seitens der Bundesregierung bisher initiiert? b) Sind der Bundesregierung Projekte, die den Einsatz dieser Technologien an Bord von Kreuzfahrtschiffen zum Ziel haben, bekannt? Wenn ja, welche? 10. Wie bewertet die Bundesregierung den Entwicklungsstand der Power-to- Liquid-Technologie? 11. Bestehen seitens des Bundes bereits Pläne zur Förderung der Anreize, synthetisches Kerosin, das durch die Power-to-Liquid-Technologie erzeugt wurde, in den Markt einzuführen, oder plant die Bundesregierung diese? 12. Wie bewertet die Bundesregierung den Entwicklungsstand der Power-to- Gas-Technologie? 13. Welche direkten und indirekten Auswirkungen hätte nach Kenntnis der Bundesregierung eine CO2-Steuer, wie sie die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze vorschlägt, auf den deutschen Reisemarkt? 14. Welchen klimapolitischen Effekt hat und hatte nach Kenntnis der Bundesregierung die Luftverkehrsteuer, und welchen zusätzlichen Effekt erhofft sich die Bundesregierung von einer CO2-Steuer? 15. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag, die Luftverkehrsteuer anzuheben? 16. In welcher Höhe müsste nach Kenntnis der Bundesregierung eine Anhebung der Luftverkehrsteuer erfolgen, damit hierdurch ein positiver Effekt auf die Nutzung des Schienenverkehrs eintrifft? Hat die Bundesregierung alternativ geprüft, ob nicht auch niedrigere Beförderungsentgelte bei der Bahn zu einem positiven Effekt auf die Nutzung des Schienenverkehrs führen? Wenn ja, zu welchem Ergebnis ist die Bundesregierung gekommen? 17. Wie bewertet die Bundesregierung die Sinnhaftigkeit einer CO2-Steuer auf den innereuropäischen Luftverkehr, der bereits am Europäischen Emissionshandel teilnimmt und für jeder Tonne CO2 ein Zertifikat vorweisen muss? 18. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung darüber, wie sich das Preis- Leistungs-Verhältnis zwischen stark frequentierten Urlaubsangeboten im Inland und Ausland unterscheidet? 19. Inwiefern spielen nach Auffassung der Bundesregierung finanzielle Erwägungen bei der Planung von Familienurlaub eine Rolle bei der Wahl des Zielgebietes? 20. Inwiefern sieht es die Bundesregierung als erstrebenswert an, dass Urlaubsreisen auch künftig für Haushalte mit geringem Einkommen möglich bleiben? Berlin, den 31. Juli 2019 Christian Lindner und Fraktion Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de ISSN 0722-8333]

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