Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Extremwetterlagen und ihre Auswirkungen auf die Energieversorgung in Deutschland und der EU
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
10.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1242315.08.2019
Extremwetterlagen und ihre Auswirkungen auf die Energieversorgung in Deutschland und der EU
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12423
19. Wahlperiode 15.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Martin Neumann, Michael Theurer, Renata Alt, Jens Beeck,
Mario Brandenburg (Südpfalz), Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke,
Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen,
Karsten Klein, Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle, Michael Georg Link,
Oliver Luksic, Alexander Müller, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly,
Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Manfred Todtenhausen,
Dr. Andrew Ullmann, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Extremwetterlagen und ihre Auswirkungen auf die Energieversorgung in
Deutschland und der EU
Die in den vergangenen Jahren häufiger auftretenden extremen Wetterlagen lösen
nicht nur bei vielen Personen Reaktionen aus, sondern beeinflussen nach Ansicht
der Fragesteller zunehmend auch die Sicherheit des Energieversorgungssystems.
Neben Versorgungssicherheit spielen hierbei ebenfalls wettbewerbsfähige
Energiepreise eine tragende Rolle. Dies gilt auch unter Beachtung des europäischen
Energieversorgungssystems. So wurde in dieser Woche im Hörfunk berichtet,
dass ein Großteil der Kernkraftwerke in Frankreich ihre Leistungen reduzieren
könnten, weil das zur Verfügung stehende Kühlwasser die vorgegebene
Höchsttemperatur zu überschreiten droht („Dürre in Frankreich: Bauern und
Atomkraftwerke lechzen nach Wasser“, Deutschlandfunk, Informationen am Morgen,
Sendung vom 17. Juli 2019, abrufbar unter www.deutschlandfunk.de/informationen-
am-morgen.1764.de.html). Auch vereinzelte Abschaltungen sind demnach im
Gespräch. Ähnlich stellte sich die Situation im Vorjahr auch in Kraftwerken in
Deutschland dar.
Experten zufolge ist die Versorgungssicherheit nicht gefährdet, da ersatzweise
Gaskraftwerke zur Verfügung stehen. Gleichwohl sind diese teurer im Betrieb –
mit den entsprechenden Folgen für die Stromkosten.
Volatile Energieträgersysteme (Windkraftanlagen und Solarsysteme) sind in ihrer
Leistung eingeschränkt (www.solaranlage.eu/photovoltaik/technik-komponenten/
solarmodule/leistungsabfall-hitze).
Als Extremwetterlagen werden aus Sicht der Fragesteller
Temperaturen unter -10 Grad Celsius sowie über 30 Grad Celsius,
Hitzeperioden,
Trockenperioden,
Niederschlagsepisoden,
Starkniederschlagsereignisse sowie
Sturmereignisse
gemäß Deutschem Wetterdienst (DWD) definiert.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
1. Welche Auswirkungen auf die Energieversorgung in Deutschland und
Europa hatten wetterbedingte Reduktionen von Kraftwerksleistungen (sofern
vorhanden, bitte konkrete Fälle auflisten)?
2. Welche wetterbezogenen Faktoren haben Einfluss auf die Leistungsfähigkeit
von Photovoltaikanlagen?
3. Wie hat sich die Leistungsbilanz der in Deutschland installierten
Photovoltaikanlagen im Zeitraum 2016 bis zum ersten Halbjahr 2019 bei den eingangs
definierten Extremwetterlagen entwickelt?
4. Mittels welcher Energieträger sind die daraus resultierenden Energiemengen
reguliert worden?
5. Welche Auswirkungen auf die Produktionskosten für Strom und die
Strompreise hatten etwaige Ersatzzuschaltungen, etwa von Gaskraftwerken?
6. Welchen Einfluss auf die Leistungsbilanzen von Windenergieanlagen
(WEA) haben Extremwetterlagen gemäß der in der Vorbemerkung der
Fragesteller genannten Definition nach Kenntnis der Bundesregierung?
7. Wie stellten sich die Leistungsbilanzen von in Deutschland installierten
WEA bei seit dem Jahr 2016 aufgetretenen Extremwetterlagen dar?
8. Welchen Einfluss hatten Extremwetterlagen gemäß der in der Vorbemerkung
der Fragesteller genannten Definition auf die Leistungsbilanzen der in
Deutschland arbeitenden Kohlekraftwerke (bitte nach Braun- und Steinkohle
differenzieren)?
9. In welchem Umfang haben die Kernkraftwerke in Deutschland in den Jahren
2016 bis 2018 sowie in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres Strom
produziert?
10. Wie häufig musste die Leistung von in Deutschland arbeitenden
Kernkraftwerken seit dem Jahr 2016 wetterbedingt reguliert werden?
11. Welchen Umfang, bezogen auf Dauer und Leistung, hatten die jeweiligen
Eingriffe (bitte kraftwerksscharf darstellen)?
12. Welche Temperaturstandards bezogen auf die Nutzung öffentlicher
Gewässer für Kühlwasser gelten für die einzelnen Kernkraftwerke in Deutschland,
und wie oft wurden diese seit dem Jahr 2016 überschritten?
13. Welche Informationen über die Häufigkeit von durch Extremwetterlagen
bedingte Leistungsregulationen in Kraftwerken im EU-Ausland liegen der
Bundesregierung vor (bitte länderscharf auflisten)?
14. Welchen Umfang hatten entsprechende Eingriffe in die Energiesysteme im
EU-Ausland?
15. Welche Auswirkungen hatten die entsprechenden Eingriffe auf
a) die Stabilität der Energieversorgung in Deutschland und der EU und
b) die Kosten für Stromkunden in Deutschland?
16. Ausgehend von der Erkenntnis, dass sowohl konventionelle und, nach
Ansicht der Fragesteller ungleich stärker, auch volatile Energieträger von
Extremwetterlagen beeinflusst werden und Letztgenannte damit einen
merklichen Einfluss auf die Versorgungssicherheit und Energiepreise haben, wie
gedenkt die Bundesregierung, künftig wetterunabhängig eine sichere und
bezahlbare Energieversorgung sicherzustellen?
Berlin, den 31. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Geplante Kooperation zwischen Siemens Energy und Rosatom im Zusammenhang mit dem Atomkraftwerk Paks
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN28.01.2026
Mögliche Handelsvorteile durch Zugang zu Aktivierungssignalen im Regelenergiemarkt
AfD22.01.2026
Transparenz über Rüstungsexportgenehmigungen nach Israel
DIE LINKE22.01.2026
Erhöhung der Lebensmittelpreise zum Nachteil der Verbraucher durch hohe Pachten für Windparks
AfD26.01.2026