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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Unabhängigkeit des health innovation hub
Diese Kleine Anfrage von DIE LINKE an Bundesministerium für Gesundheit gehört zur 19. Wahlperiode und hat den Stand „Beantwortet“.
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Gesundheit
Datum
03.09.2019
Antwortdauer
18 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
Offizielle Quellen und Volltext
Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.
BT19/1242816.08.2019
Unabhängigkeit des health innovation hub
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12428
19. Wahlperiode 16.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Achim Kessler, Susanne Ferschl, Doris Achelwilm,
Matthias W. Birkwald, Klaus Ernst, Sylvia Gabelmann, Nicole Gohlke,
Sören Pellmann, Harald Weinberg, Katrin Werner und Pia Zimmermann
und der Fraktion DIE LINKE.
Unabhängigkeit des health innovation hub
Das Bundesministerium für Gesundheit hat den health innovation hub (hih) ins
Leben gerufen. Dieser soll laut eigener Aussagen, die digitale Transformation im
deutschen Gesundheitswesen zum Wohle der Patientinnen und Patienten
beschleunigen: „Unsere Aufgabe ist es, Innovationen frühzeitig zu erkennen, ihren
Nutzen zu bewerten, und ihre Umsetzung in die Regelversorgung zu befördern.
Es gilt diagnostische und therapeutische Patientenpfade über bestehende
Sektorengrenzen hinwegeinfacher und effizienter zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen
Lösungen, die den Alltag der Patient*innen-, Pflegenden und Behandelnden
spürbar verbessern“ (https://hih-2025.de/about/).
So begrüßenswert der Patientenfokus nach Ansicht der Fragestellenden ist, so
sehr bezweifeln sie die Ernsthaftigkeit dieses Anliegens. Für fast alle Mitglieder
des hih sind Interessekonflikte vorhanden, etwa weil sie selbst in entsprechenden
Unternehmen arbeiten oder kurz zuvor arbeiteten. So führt das hih
Veranstaltungen durch, in denen das richtige Werben für eigene Gesundheitsanwendungen
vermittelt wird und veranstaltet eine „Roadshow“ für IT-Start-up-Unternehmen
(https://hih-2025.de/veranstaltungen/). Wer die beschworene
Patientenperspektive einbringen soll, bleibt dagegen ebenso unklar wie die Vertretung berechtigter
Interessen der Solidargemeinschaft und der Beschäftigten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Mitglieder des health innovation hub (hih) arbeiten oder arbeiteten
bis vor kurzem in Unternehmen der IT-Branche, deren Verbänden oder
entsprechenden Beratungsunternehmen?
2. Welche Mitglieder arbeiten oder arbeiteten bis vor kurzem nicht in
Unternehmen der IT-Branche, deren Verbänden oder entsprechenden
Beratungsunternehmen?
3. Welche Mitglieder des hih nehmen explizit die Patientenperspektive ein?
4. Welche Mitglieder des hih nehmen explizit die Beschäftigtenperspektive
ein?
5. Welche Mitglieder des hih nehmen explizit die Versichertenperspektive ein?
6. Welche Mitglieder des hih sind Experten in der evidenzbasierten Bewertung
von Gesundheitstechnologien?
7. Wie definiert die Bundesregierung Interessenkonflikt im Zusammenhang mit
dem hih, und wie stellt sie Transparenz über bestehende Interessenkonflikte
her?
8. Welche Kriterien für Unabhängigkeit hat die Bundesregierung für die
Besetzung des hih definiert, und wie wurde deren Einhaltung überprüft?
9. Wie wird sichergestellt, dass Gesetzgebungsverfahren oder sonstiges
Regierungshandeln durch Interessenskonflikte nicht einseitig beeinflusst werden?
10. Inwiefern werden die Beratungen des hih öffentlich sein?
11. Wie viel Geld ist für die Mitglieder und die Arbeit des hih im Bundeshaushalt
eingeplant?
Berlin, den 31. Juli 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
BT19/1296103.09.2019
auf die Kleine Anfrage - Drucksache 19/12428 - Unabhängigkeit des health innovation hub
AntwortAntwort
Volltext (unformatiert)
[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Achim Kessler, Susanne Ferschl,
Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/12428 –
Unabhängigkeit des health innovation hub
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesministerium für Gesundheit hat den health innovation hub (hih)
ins Leben gerufen. Dieser soll laut eigener Aussagen, die digitale
Transformation im deutschen Gesundheitswesen zum Wohle der Patientinnen und
Patienten beschleunigen: „Unsere Aufgabe ist es, Innovationen frühzeitig zu
erkennen, ihren Nutzen zu bewerten, und ihre Umsetzung in die Regelversorgung
zu befördern. Es gilt diagnostische und therapeutische Patientenpfade über
bestehende Sektorengrenzen hinwegeinfacher und effizienter zu gestalten. Im
Mittelpunkt stehen Lösungen, die den Alltag der Patient*innen-, Pflegenden
und Behandelnden spürbar verbessern“ (https://hih-2025.de/about/).
So begrüßenswert der Patientenfokus nach Ansicht der Fragestellenden ist, so
sehr bezweifeln sie die Ernsthaftigkeit dieses Anliegens. Für fast alle
Mitglieder des hih sind Interessekonflikte vorhanden, etwa weil sie selbst in
entsprechenden Unternehmen arbeiten oder kurz zuvor arbeiteten. So führt das
hih Veranstaltungen durch, in denen das richtige Werben für eigene
Gesundheitsanwendungen vermittelt wird und veranstaltet eine „Roadshow“ für IT-
Start-up-Unternehmen (https://hih-2025.de/veranstaltungen/). Wer die
beschworene Patientenperspektive einbringen soll, bleibt dagegen ebenso unklar
wie die Vertretung berechtigter Interessen der Solidargemeinschaft und der
Beschäftigten.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Der health innovation hub (hih) verfügt neben Wissen aus dem ambulanten und
klinischen Alltag über einen breiten Erfahrungsschatz aus unterschiedlichen
Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologie, wie
beispielsweise den Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz, der Entwicklung
von digitalen Anwendungen, der Funktionsweise von Arzt- und
Krankenhausinformationssystemen oder den grundsätzlichen, internationalen
medizintechnologischen Trends. Grundlage dieses umfangreichen Knowhows ist der
interdisziplinäre Erfahrungshintergrund der im hih tätigen Personen. Gerade
dieses Wissen ermöglicht es, Chancen und Grenzen digitaler Innovationen zu
analysieren und zu bewerten. Dadurch wird zugleich sichergestellt, dass die Di-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12961
19. Wahlperiode 03.09.2019
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 30. August
2019 übermittelt.
Die Drucksache enthält – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
gitalisierung im Gesundheitswesen nicht als Selbstzweck erfolgt, sondern sich
auf die Bereiche konzentriert, in denen sie dazu beitragen kann, die
Gesundheitsversorgung besser und effizienter zu gestalten.
1. Welche Mitglieder des health innovation hub (hih) arbeiten oder
arbeiteten bis vor kurzem in Unternehmen der IT-Branche, deren Verbänden
oder entsprechenden Beratungsunternehmen?
Bis vor ihrer Tätigkeit für den hih waren fünf Personen in Unternehmen der IT-
Branche, deren Verbänden oder entsprechenden Beratungsunternehmen
beschäftigt.
2. Welche Mitglieder arbeiten oder arbeiteten bis vor kurzem nicht in
Unternehmen der IT-Branche, deren Verbänden oder entsprechenden
Beratungsunternehmen?
Fünf Personen arbeiteten bis vor kurzem nicht in Unternehmen der IT-Branche,
deren Verbänden oder entsprechenden Beratungsunternehmen.
3. Welche Mitglieder des hih nehmen explizit die Patientenperspektive ein?
Alle für den hih tätigen Personen nehmen aufgrund der persönlichen
Erfahrungen und der Ausrichtung des hih die Patientenperspektive ein. Vertieft und
ergänzt wird diese Perspektive durch die Erfahrung dreier Personen als Ärztinnen
bzw. Arzt.
4. Welche Mitglieder des hih nehmen explizit die Beschäftigtenperspektive
ein?
Alle für den hih tätigen Personen nehmen aufgrund der persönlichen
Erfahrungen und der Ausrichtung des hih die Beschäftigtenperspektive ein.
5. Welche Mitglieder des hih nehmen explizit die Versichertenperspektive
ein?
Alle für den hih tätigen Personen nehmen aufgrund der persönlichen
Erfahrungen und der Ausrichtung des hih die Versichertenperspektive ein.
6. Welche Mitglieder des hih sind Experten in der evidenzbasierten
Bewertung von Gesundheitstechnologien?
Vier im hih tätigen Personen verfügen über die Expertise,
Gesundheitstechnologien evidenzbasiert zu bewerten.
7. Wie definiert die Bundesregierung Interessenkonflikt im Zusammenhang
mit dem hih, und wie stellt sie Transparenz über bestehende
Interessenkonflikte her?
8. Welche Kriterien für Unabhängigkeit hat die Bundesregierung für die
Besetzung des hih definiert, und wie wurde deren Einhaltung überprüft?
9. Wie wird sichergestellt, dass Gesetzgebungsverfahren oder sonstiges
Regierungshandeln durch Interessenskonflikte nicht einseitig beeinflusst
werden?
Die Fragen 7 bis 9 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Mit dem hih soll die digitale Transformation des Gesundheitswesens zum
Wohle der Patientinnen und Patienten weiter befördert werden. Ziel ist es, ein
tieferes Verständnis für die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu fördern,
Innovationen frühzeitig zu erkennen und im Hinblick auf Ihre Anwendung im
Gesundheitswesen zu bewerten sowie in den Dialog über deren technologische,
gesellschaftliche und rechtliche Auswirkung zu treten.
Der hih ist eine zentrale Anlaufstelle und bietet damit allen Akteuren im
Gesundheitswesen eine Dialogplattform. Aufgrund dieser Ausrichtung des hih,
als öffentlich adressierbarer und unabhängiger Diskussionsraum wesentlicher
Aspekte der Digitalisierung des Gesundheitswesens, werden mögliche
Interessenskonflikte verhindert.
Für die im hih tätigen Personen wurden zudem verschiedene, unterschiedliche
Kompetenzprofile definiert, die sich an der Programmatik des hih ausrichten.
Im Rahmen des Besetzungsprozesses wurde sichergestellt, dass die
verschiedenen Personen, die Anforderungen dieser Kompetenzprofile erfüllen.
Darüber hinaus ist vertraglich abgesichert, dass zusätzliche Arbeitsverhältnisse,
Nebenbeschäftigungen oder Beteiligungen angezeigt bzw. offengelegt werden
müssen. Zudem wurden Regelungen für die Annahme von Belohnungen und
Geschenken sowie Verschwiegenheit bzgl. interner Angelegenheiten getroffen.
Die Geltung der Korruptionspräventionsrichtlinie der Bundesverwaltung ist
sichergestellt.
Zudem stellt die Bundesregierung durch eine pluralistische Meinungsbildung
und Entscheidungsfindung sowie durch die der Bundesverwaltung inhärenten
Expertise sicher, dass Gesetzgebungsverfahren oder sonstiges
Regierungshandeln nicht einseitig beeinflusst werden.
10. Inwiefern werden die Beratungen des hih öffentlich sein?
Der hih bietet eine Reihe regelmäßig stattfindender Veranstaltungen an. Diese
finden sowohl unmittelbar in der Geschäftsstelle des hih als auch
deutschlandweit statt und dienen ausdrücklich dazu, Arbeitsergebnisse darzustellen, zu
erläutern, zu diskutieren und Ideen untereinander auszutauschen. Daneben wird
in den sozialen Medien ein öffentlicher Diskurs geführt. Die Geschäftsstelle
des hih wurde bewusst so gewählt, dass jederzeit ein Austausch mit der
Öffentlichkeit stattfinden kann.
11. Wie viel Geld ist für die Mitglieder und die Arbeit des hih im
Bundeshaushalt eingeplant?
Für die Finanzierung des hih sind insgesamt 4.300 TEUR pro Jahr im
Bundeshaushalt eingeplant.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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