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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Menschliche Schadstoffbelastung
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Datum
17.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1257422.08.2019
Menschliche Schadstoffbelastung
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12574
19. Wahlperiode 22.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Bettina Hoffmann, Oliver Krischer,
Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Lisa Badum, Annalena Baerbock,
Matthias Gastel, Kai Gehring, Erhard Grundl, Sylvia Kotting-Uhl,
Stephan Kühn (Dresden), Steffi Lemke, Dr. Ingrid Nestle, Margit Stumpp,
Markus Tressel, Daniela Wagner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Menschliche Schadstoffbelastung
Das Umweltbundesamt (UBA) führt seit 1985 Human-Biomonitoring (HBM)-
Studien durch (www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-
desmenschen-ermitteln/human-biomonitoring). Dabei handelt es sich um
gesundheitsbezogene Umweltbeobachtungen, bei denen, nach Alter- und
Bevölkerungsgruppen differenziert, die menschliche Schadstoffbelastung untersucht wird.
Diese Untersuchungen können Hinweise dazu geben, inwiefern sich bestehende
Regulierungen auf die menschliche Schadstoffbelastung ausgewirkt haben und
inwiefern weitere Schadstoffminderungsmaßnahmen eingeleitet werden sollten.
Die „Kommission Human-Biomonitoring” des Umweltbundesamtes erarbeitet,
auf Grundlage epidemiologischer und toxikologischer Daten, Bewertungen zur
Wirksamkeit eines Stoffes im menschlichen Körper, so genannte
Beurteilungswerte (HBM-Werte). Diese Beurteilungswerte geben an, ob eine Belastung noch
tolerabel ist (unterhalb HBM-I) oder ob mit gesundheitlichen Schäden zu rechnen
ist (oberhalb HBM-II).
Zwischen 2003 und 2006 analysierte das Umweltbundesamt in der Deutschen
Umweltstudie zur Gesundheit GerES IV (German Environmental Survey)
ausschließlich die Belastung von Kindern (www.umweltbundesamt.de/themen/
gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/umwelt-survey/umwelt-surveys-1985-
bis-2006/kinder-umwelt-survey-2003-bis-2006#textpart-1). In der darauffolgenden
Studie GerES V (Laufzeit 2014 bis 2017) bezog sich die Belastungsuntersuchung
auf Kinder und Jugendliche. Im Rahmen der GerES V-Studie wurden zusätzlich
zu Urin- und Blutproben auch Trinkwasser-, Hausstaub- und
Innenraumluftproben untersucht (www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-
desmenschen-ermitteln/umwelt-survey/5-umwelt-survey-von-2013-bis-2016). In
der aktuell laufenden Studie GerES VI (Laufzeit 2018 bis 2021) werden Daten
von Erwachsenen im Alter von 18 bis 9 Jahren erhoben (www.umweltbundesamt.
de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/deutsche-
umweltstudiezur-gesundheit-geres/deutsche-umweltstudie-zur-gesundheit-von). Letztmals
waren in der GerES-III-Studie, die zwischen 1997 und 1999 durchgeführt wurde,
Erwachsene im Fokus. Die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit ist in das
Gesundheitsmonitoring des Robert-Koch-Instituts eingebettet. Auf europäischer
Ebene gibt es die Europäische Human-Biomonitoring Initiative (HBM4EU), die
von der EU-Kommission im Rahmen des Förderprogramms „Horizon 2020“
gefördert wird und durch die sowohl bereits vorhandene Daten zusammengeführt
als auch gemeinsame Studien durchgeführt werden sollen. Geleitet wird auch
diese Initiative vom Umweltbundesamt.
Nach Ansicht der Fragesteller sind Human-Biomonitoring-Studien von enormer
Wichtigkeit, um Aufschlüsse über die Schadstoffbelastung des Menschen zu
erhalten, auf deren Grundlage Maßnahmen zur Belastungsreduktion eingeleitet
werden können. Für eine Auswertung ist es zentral, dass die Ergebnisse
entsprechend aufbereitet werden. Zur GerES-V-Studie wurden bisher jedoch keine
Ergebnisse veröffentlicht, obwohl die Feldarbeit bereits 2017 abgeschlossen wurde.
Darüber hinaus ist unklar, wie systematisch auch in Zukunft Daten zur
menschlichen Schadstoffbelastung erhoben werden sollen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, ob im Rahmen der
Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit GerES IV (Laufzeit 2003 bis 2006)
Umweltgerechtigkeitsaspekte, das heißt zur Korrelation zwischen
soziökonomischem Status und Schadstoffbelastung, ausgewertet wurden?
Wenn ja, was sind die Ergebnisse (bitte ausführlich darlegen)?
2. Auf welche Stoffe wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die
Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer in der Deutschen
Umweltstudie zu Gesundheit GerES V (Laufzeit 2014 bis 2017) untersucht?
3. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, nach welchen
Kriterien die zu untersuchenden Stoffe der GerES-V-Studie (Laufzeit 2014 bis
2017) ausgewählt wurden (wenn ja, bitte erläutern, warum genau diese
Kriterien gewählt wurden)?
4. Bei welchen Stoffen, die im Rahmen der GerES-V-Studie erhoben wurden,
werden gesundheitsbezogene Beurteilungswerte überschritten (bitte
entsprechende Ergebnisse nach Stoffen und Altersgruppen differenzieren)?
Gibt es Gruppen mit auffällig hoher Belastung?
Gibt es Unterschiede bei der Belastung von Mädchen und Jungen?
5. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Belastung von Kindern mit
Weichmachern (bitte nach Altersgruppen aufschlüsseln)?
6. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Belastung mit bereits
verbotenen Phthalaten (DEHP, DnBP, DiBP, BBzP)?
7. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Belastung mit für verbotene
Phthalate (DEHP, DnBP, DiPB, BBzP) eingesetzten Ersatzstoffen (u. a.
DINCH, DPHP; bitte nach Altersgruppen aufschlüsseln)?
8. Welche Ergebnisse gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung zu
Umweltgerechtigkeitsaspekten im Rahmen der GerES-V-Studie?
Gibt es sozioökonomische Unterschiede bei der Belastung mit Schadstoffen
(bitte entsprechende Ergebnisse nach Stoffen und Gruppen differenzieren)?
9. Wie weit sind die Arbeiten zur Ableitung eines HBM-II-Wertes für die
perfluorierten Verbindungen Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und
Perfluoroctansäure (PFOA) vorangeschritten, für die es bisher lediglich einen HBM-I-
Wert gibt?
10. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der
Trinkwassermessungen der GerES-V-Studie auch Messungen von PFOS und PFOA in
Trinkwasser durchgeführt?
Wenn ja, was sind die Ergebnisse, und geht die begleitende toxikologische
Bewertung durch die Human-Biomonitoring-Kommission in die Ableitung
eines Trinkwasser-Richtwerts für PFOS und PFOA ein?
11. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, ob sich anhand der
letzten GerES-Studien Rückschlüsse darauf ableiten lassen, wie wirksam
bisherige Regulierungen auf europäischer Ebene waren (bitte insbesondere auf
Plastikinhaltsstoffe, wie beschränkte Weichmacher und deren Ersatzstoffe
eingehen)?
12. Welche Stoffe werden nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der
Deutschen Umweltstudie zu Gesundheit GerES VI (Laufzeit 2018 bis 2021)
untersucht?
13. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, nach welchen
Kriterien diese Stoffe ausgewählt wurden (wenn ja, bitte erläutern, warum genau
diese Kriterien gewählt wurden)?
14. Inwiefern werden nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der
GerES-VI-Studie Chemikalienmischungen in die Belastungsbewertung
einbezogen, um eine realitätsnähere Belastungsbetrachtung sicherzustellen?
15. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag zur Einführung von
Mixture Risk Assessments (MRAs), den Koordinatoren und Vertreter mehrerer
EU-finanzierter Forschungsprojekte in einem Positionspapier vom 17. April
2018 dargelegt haben, und wie könnten diese ausgestaltet sein (https://
edcmixrisk.ki.se/wp-content/uploads/sites/34/2018/05/Position-paper-180417-
for-the-EC.pdf)?
16. Wie viele Stellen sind im UBA für Human-Biomonitoring-Studien und deren
öffentliche Kommunikation besetzt?
Wie soll sich die entsprechende Personalstruktur zukünftig entwickeln?
17. Hat die Bundesregierung Pläne zur Verstetigung der Durchführung von
Studien wie den Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit oder HBM4EU?
18. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Belastung in Deutschland
mit den im Rahmen der GerES-Studien untersuchten Stoffen im Vergleich
zu anderen europäischen Ländern (bitte ausführlich darlegen)?
Berlin, den 7. August 2019
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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ISSN 0722-8333]
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