Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Pläne der Bundesregierung zur Bewältigung von Waldschäden und zur Waldbrandbekämpfung
(insgesamt 39 Einzelfragen)
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Datum
09.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1303209.09.2019
Pläne der Bundesregierung zur Bewältigung von Waldschäden und zur Waldbrandbekämpfung
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Harald Ebner, Steffi Lemke, Dr. Irene Mihalic, Lisa Badum,
Dr. Bettina Hoffmann, Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar, Oliver Krischer,
Christian Kühn (Tübingen), Stephan Kühn (Dresden), Dr. Ingrid Nestle,
Markus Tressel, Dr. Julia Verlinden, Daniela Wagner und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Pläne der Bundesregierung zur Bewältigung von Waldschäden und zur
Waldbrandbekämpfung
Das Ausmaß der Waldschäden durch die Folgen der Klimakrise ist nach
Ansicht der Fragesteller höchst besorgniserregend. Die Bundesministerin für
Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner hat ein „Mehrere-Millionen-
Bäume-Programm“ zur Aufforstung angekündigt, das aus dem Energie- und
Klimafonds finanziert werden soll (siehe www.zdf.de/nachrichten/heute/
mehrere-millionen-baeume-kloeckner-will-aufforstungsprogramm-100.html).
Der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat Horst Seehofer hat eine
Task Force zur Waldbrandbekämpfung in munitionsbelasteten Gebieten
angekündigt (siehe www.spiegel.de/panorama/justiz/horst-seehofer-
kuendigtnationale-taskforce-zur-brandbekaempfung-an-a-1276797.html).
Zu beiden Bereichen stellen sich Fragen hinsichtlich der Finanzierung und
Ausgestaltung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Förderprogramme und Förderinstrumente (u.a. im Rahmen der
Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz – GAK –, des
Energie-und Klimafonds etc.) bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung
zur Förderung des Waldumbaus und zur Anpassung von Wäldern an die
Folgen der Klimakrise sowie deren Bewältigung auf Bundes- und
Länderebene (ggf. mit EU-Kofinanzierung), und wie hoch sind die einzelnen
Volumina der Förderungen (bitte detailliert nach einzelnen Projekten und
Programmen aufschlüsseln)?
2. Welche sonstigen Fördermöglichkeiten seitens des Bundes und der Länder
bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung für die Eigentümer von
Privat- und Körperschaftswald (bitte detailliert aufschlüsseln)?
3. Welche Einnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den
Jahren 2016, 2017 und 2018 durch Holzverkauf in der Bundesrepublik
Deutschland erwirtschaftet, und welche Holzerlöse sind für die Jahre2019
und 2020 zu erwarten?
4. Welche steuerlichen Begünstigungen seitens des Bundes und der Länder
bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung für die Eigentümer von
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13032
19. Wahlperiode 09.09.2019
Privat- und Körperschaftswald (bitte detailliert aufschlüsseln), und auf
welche Gesamthöhe belaufen sich diese?
5. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich des Waldumbaus
hin zu naturnahen Mischwäldern in den einzelnen Bundesländern (bitte
Förderprogramme und Anteil an Mischwäldern je Bundesland in Prozent
angeben)?
6. Welchen finanziellen Umfang hat das von Bundeslandwirtschaftsministerin
Julia Klöckner geplante „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“ zur
Aufforstung (siehe www.spiegel.de/wissenschaft/natur/julia-kloeckner-will-
deutschlands-waelder-aufforsten-a-1276094.html)?
7. Inwieweit ist für den Haushalt 2020 sichergestellt, dass der
Waldklimafonds (als Teil des Energie- und Klimafonds) mit aktueller Höhe von
24,5 Mio. Euro, davon 2,1 Mio. Euro für Projekte zur Anpassung an die
Klimakrise (siehe www.forstpraxis.de/waldklimafonds-foerdert-110-
projekte/), entsprechend dem Umfang des geplanten „Mehrere-Millionen-
Bäume-Programm“ aufgestockt wird?
8. Welche Voraussetzungen bzw. Förderkriterien (etwa existenzbedrohende
Schadenshöhe eines Forstbetriebs, Sicherstellung angepasster
Wildbestände gegen Verbissschäden sowie Vorgaben zur Schaffung von
standortgerechten Mischwäldern) sehen die Pläne für die geplante aufgestockte
Förderung der Aufforstung im Rahmen des Waldklimafonds vor?
9. Welche Bedeutung in den geplanten Förderkonzepten hat der Rückbau von
Entwässerungsmaßnahmen im Wald, und inwieweit werden solche
Renaturierungsmaßnahmen im Rahmen der Förderprogramme finanziert?
10. Besteht bereits eine Einigung mit den anderen Ressorts über die von
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorgeschlagene Finanzierung
von Waldschadensbehebung und Wiederaufforstung aus Mitteln des
Energie- und Klimafonds, und wenn nein, wann wird die
Ressortabstimmung dazu abgeschlossen sein?
11. Wie hoch war die Gesamtsumme der nicht ausgeschöpften Mittel des
Energie- und Klimafonds im Schnitt der letzten fünf Jahre?
12. Hat nach Kenntnis der Bundesregierung die (in Frage 11 angegebene
mögliche) Nichtausschöpfung der Mittel des Energie- und Klimafonds ihre
Ursache in einem geringeren Bedarf an Förderung von
Klimaschutzmaßnahmen in den entsprechenden Bereichen?
Wenn nein, welche Änderungen wird die Bundesregierung an den
Förderkonzeptionen vornehmen, um die Attraktivität der Fördermaßnahmen zu
steigern und einen möglichst vollständigen Einsatz der Fördermittel zu
erreichen?
13. Wie hoch ist die im Regierungsentwurf für den BMEL-Haushalt (BMEL =
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) 2020 geplante
verdoppelte Gesamtsumme der GAK-Mittel zur Bewältigung von
Extremwetterfolgen im Wald (vgl. Essay von Julia Klöckner vom 1. August 2019 in
der Zeitung „Die Welt“)?
14. Welche Kriterien bzw. Förderbedingungen bestehen hinsichtlich der
Zweckbindung der GAK-Mittel zur Bewältigung von Extremwetterfolgen
im Wald vor dem Hintergrund, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia
Klöckner explizit sowohl eine Finanzierung von Räumung und Lagerung
von Schadholz als auch die Bekämpfung von Schädlingen sowie die
Vorbeugung von Waldbränden aus diesem Fördertopf in Aussicht gestellt hat
(siehe Essay von Julia Klöckner vom 1. August 2019 in der Zeitung „Die
Welt“)?
15. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Gewährung finanzieller
Unterstützung zur Beräumung von Schadholz an Waldumbaumaßnahmen und
bodenschonende Verfahren zu koppeln?
Wenn nein, warum nicht?
16. Welche Umschichtungen von Eigenmitteln plant das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft für seinen Haushalt 2020 zugunsten der
Aufforstung, um dem von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner
konstatierten dramatischen Waldschäden zu begegnen (vgl. www.zeit.de/
politik/deutschland/2019-08/julia-kloeckner-waldsterben-
duerreaufforstung-subventionen-nothilfe-klimawandel)?
17. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen hohen
Wilddichten und erschwerenden Bedingungen (z. B. Ausbleiben einer
Naturverjüngung insbesondere mit Laubbaumarten durch starken Verbiss) für einen
beschleunigten Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern?
18. Welche nichtheimischen Baumarten sieht die Bundesregierung für welche
Regionen bzw. Waldstandorte der Bundesrepublik Deutschland als
definitiv zukunftsfähig, klimastabil und kompatibel mit den jeweiligen
Waldökosystemen an?
Inwieweit werden die Auswirkungen invasiver Arten bei dieser
Beurteilung der Bundesregierung berücksichtigt?
19. Welches Potenzial haben heimische Baumarten in ihrer genetischen
Vielfalt zur Bildung klimastabiler Wälder?
Inwieweit ist die Anpassungsfähigkeit heimischer Baumarten im Vergleich
zu nichteinheimischen Baumarten geprüft worden bzw. welche
Forschungsaktivitäten sind der Bundesregierung in diesem Bereich bekannt
(bitte auflisten)?
20. Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung klimastabiler Wälder
durch Naturverjüngung?
21. Welche Erkenntnisse zieht die Bundesregierung aus den in der
Bundesrepublik Deutschland bestehenden Wald-Naturschutzgebieten und
Nationalparken hinsichtlich der Klimastabilität von natürlichen Wäldern, und wie
plant sie diese Erkenntnisse in der Zukunft anzuwenden?
22. Welche Rolle spielen Naturwälder und neue Wildnis mit natürlicher
Dynamik, insbesondere naturnahe Buchenwälder als unser europäisches
Naturerbe, in der Klimaanpassungsstrategie der Bundesregierung für den Wald?
23. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den Zustand und die
Entwicklung der Waldböden insbesondere in Bezug auf die Artenvielfalt, die
Versauerung und die Verdichtung?
Welche Gefahren ergeben sich aus den angegebenen Entwicklungen für die
Gesundheit der Wälder insbesondere im Hinblick auf das sich
verschärfende Problem der Trockenheit als Folge der Klimakrise?
24. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Auswirkungen der
Einsätze von großen Erntemaschinen und Lastfahrzeugen der
Forstwirtschaft auf die Verdichtung der Böden und die daraus resultierenden
Konsequenzen für den Wasserhaushalt der Bäume?
25. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Flächenanteil von
Rückegassen und Maschinenwegen in deutschen Forsten?
26. Welche Fördermöglichkeiten des Bundes und der Länder gibt es nach
Kenntnis der Bundesregierung für den bodenschonenden Einsatz von
Rückepferden in der Forstwirtschaft?
27. Welche konkreten Aufstockungen bei der Ausrüstung (Zahl neuer
Hubschrauber, Löschpanzer oder speziell geschützter Löschfahrzeuge etc.) in
den Budgets der Bundespolizei und des Technischen Hilfswerks plant die
Bundesregierung für die bundesweite Task Force zur Bekämpfung von
Waldbränden in munitionsbelasteten Gebieten (siehe www.ndr.de/
nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Seehofer-verspricht-Katastrophen-
Task-Force,waldbrand570.html)?
28. Wann wird die Gründung der Task Force spätestens umgesetzt und die
Einsatzbereitschaft hergestellt sein?
29. Inwieweit umfasst die geplante Task Force auch spezialisierte und
entsprechend ausgerüstete Wald- und Vegetationsbrandbekämpfungseinheiten?
Wenn nein, warum nicht?
30. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der Häufung von
Waldbränden im Hinblick auf die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und
Katastrophenhilfe ausgesprochene Empfehlung, Löschflugzeuge zu
beschaffen (vgl. Bundestagsdrucksache 19/9521), und ist der
Bundesregierung zwischenzeitlich bekannt, dass die Länder eine solche Beschaffung in
Erwägung ziehen (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche
Frage 24 der Abgeordneten Dr. Irene Mihalic auf Bundestagsdrucksache
19/10041)?
31. Inwieweit sieht die Bundesregierung Verbesserungsbedarf in der
persönlichen Schutzausrüstung der Feuerwehrangehörigen sowie der Ausrüstung
im Allgemeinen zur effektiven Bekämpfung von Wald- und
Vegetationsbränden auf Ebene der Kommunen und Länder?
32. Inwiefern plant die Bundesregierung im Rahmen der Ergänzenden
Ausstattung des Bundes, die Länder bei der Beschaffung von
Ausrüstungsgegenständen zur Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden zu
unterstützen?
33. Inwieweit unterstützt der Bund die Länder und Kommunen hinsichtlich der
Ausbildung und Schulung von Angehörigen der Feuerwehren in Bezug auf
die Waldbrandbekämpfung?
34. Wie erklärt die Bundesregierung, dass in der Antwort auf die Schriftliche
Frage 20 der Abgeordneten Lisa Badum auf Bundestagsdrucksache
19/11515 die Verantwortung für den Katastrophenschutz den Ländern
zugewiesen wird, Bundesinnenminister Horst Seehofer jedoch nur wenige
Tage später die Einrichtung einer bundesweiten Katastrophen-Task-Force zu
Bekämpfung von Waldbränden in munitionsbelasteten Gebieten
ankündigte (www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/
Seehoferverspricht-Katastrophen-Task-Force,waldbrand570.html)?
Wie ist die aktuelle Position der Bundesregierung hinsichtlich der
Zuständigkeit von Bund und Ländern bei der Waldbrandbekämpfung?
35. Welche Maßnahmen bzw. Verbesserungsansätze erachtet die
Bundesregierung als sinnvoll, um bei Waldbränden von regionalen Ausmaßen bzw. in
großen schwer zugänglichen Gebieten wie ehemaligen
Truppenübungsplätzen die Koordination zwischen Bund, Ländern, Landkreisen und
Kommunen sowie zwischen Zivilschutz, Katastrophenschutz und kommunaler
Gefahrenabwehr zu verbessern?
36. Welche Präventionsmaßnahmen gegen Waldbrände bzw. deren starke
Ausbreitung erachtet die Bundesregierung als besonders wichtig, und
inwieweit unterstützt die Bundesregierung solche Ansätze konkret?
37. Welche Anstrengungen wird die Bundesregierung unternehmen, um die
Klimakrise als Ursache des Waldsterbens wirksamer als bisher zu
bekämpfen?
38. Wird die Bundesregierung den Kohleausstieg beschleunigen, und wenn
nein, warum nicht?
39. Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung die
Emissionsreduktionsziele in den Sektoren Verkehr und Landwirtschaft erreichen?
Berlin, den 13. August 2019
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Umstrukturierung des Bundesprogramms "Demokratie Leben!"
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN15.04.2026
Rechtliche und soziale Schutzlücken für internationale Studierende an privaten Hochschulen in Deutschland
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN23.04.2026
Erhalt und Ausbau von Straßenbäumen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN29.04.2026
Fragen zur Maskenbeschaffung an die Bundesregierung
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN20.01.2026