Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Sprengstoffbesitz und Sprengstoffeinsatz von und durch Neonazis
(insgesamt 15 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Datum
16.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1329318.09.2019
Sprengstoffbesitz und Sprengstoffeinsatz von und durch Neonazis
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martina Renner, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut, Ulla Jelpke,
Amira Mohamed Ali, Niema Movassat, Petra Pau, Kersten Steinke,
Friedrich Straetmanns, Dr. Kirsten Tackmann und der Fraktion DIE LINKE.
Sprengstoffbesitz und Sprengstoffeinsatz von und durch Neonazis
Immer wieder finden Ermittlungsbehörden bei Durchsuchungsmaßnahmen, die
sich gegen Neonazis richten, Sprengstoffe, Teile zum Bau von
Sprengvorrichtungen, Zünder und Zündvorrichtungen sowie entsprechende Attrappen. Im
Januar 2017 wurden über 100 Kilo Sprengstoff bei einer Durchsuchung in
Rheinland-Pfalz gefunden (www.zeit.de/gesellschaft/2017-01/
sprengstoffrheinland-pfalz-untersuchung-neonazi-oldschool-society). Ebenfalls im Januar
2017 wurden bundesweit Objekte von Rechtsextremen durchsucht, die
Anschläge gegen Juden und Flüchtlinge geplant haben sollen. Dabei wurde neben
Waffen auch Sprengstoff gefunden (vgl. www.stuttgarter-nachrichten.de/in
halt.rechte-szene-bundesweite-razzia-gegen-rechtsradikale.5b689085-
e5c2-4559-a338-52ef85ad16dd.html sowie www.belltower.news/
uebersichtwaffenfunde-bei-rechtsextremen-86787/). Neben den Erkenntnissen des
Kriminalpolizeilichen Meldedienstes (KPMD) werden in diesem Zusammenhang
relevante Erkenntnisse auch vom Tatmittelmeldedienst für Spreng- und
Brandvorrichtungen (TMD) beim Bundeskriminalamt (BKA) erfasst.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Sicherstellung von
Sprengstoffen bzw. zu Gegenständen, die geeignet sind, ein
Sprengstoffverbrechen zu begehen sowie zu entsprechenden Attrappen im Rahmen von
Durchsuchungsmaßnahmen bei Neonazis oder in von Neonazis genutzten
Objekten und Fahrzeugen in den Jahren 2018 und 2019, und zu welchen
Nachmeldungen ist es in diesem Zusammenhang für 2017 gekommen
(bitte nach Bundesland, Art und Menge des Sprengstoffes bzw. Art der
Sprengvorrichtung, Datum der Durchsuchung, Ausgang des
Ermittlungsverfahrens und Anlass der Maßnahme aufschlüsseln)?
2. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Sicherstellung von
Zündvorrichtungen, die geeignet sind, bei Sprengstoffverbrechen
eingesetzt zu werden, im Rahmen von Durchsuchungsmaßnahmen bei und von
Neonazis oder in von Neonazis genutzten Objekten und Fahrzeugen in den
Jahren 2018 und 2019, und zu welchen Nachmeldungen ist es in diesem
Zusammenhang für 2017 gekommen (bitte insbesondere Art, Herkunft,
Anzahl der Zündvorrichtungen sowie Datum und Bundesland der
Sicherstellung benennen)?
3. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu den in den Jahren 2017
bis 2019 aufgefundenen Sprengstoffen, Gegenständen, die geeignet sind,
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13293
19. Wahlperiode 18.09.2019
Sprengstoffverbrechen zu begehen, entsprechenden Attrappen und Zündern
jeder Art, bei denen im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen dem
Verdacht nachgegangen wurde, dass Neonazis oben Genanntes an den
entsprechenden Orten deponiert haben?
4. Welche Straftaten mit neonazistischem Hintergrund oder durch Personen,
die in der Vergangenheit durch entsprechende Straftaten (z. B. nach §§ 86,
86a, 130, 129 und 129a des Strafgesetzbuches – StGB) in Erscheinung
getreten sind, wurden nach Kenntnis der Bundesregierung unter Einsatz von
Sprengmitteln in den Jahren 2018 und 2019 begangen, und zu welchen
Nachmeldungen ist es in diesem Zusammenhang für 2017 gekommen
(bitte nach Bundesland, Datum und Art der Straftat, Art und Menge des
Sprengstoffes, Ausgang des Ermittlungsverfahrens aufschlüsseln)?
5. Zu wie vielen Tatverdächtigen im Zusammenhang mit dem Einsatz von
Sprengmitteln wurden in den Jahren 2017 bis 2019 Vorerkenntnisse aus
dem Bereich Politisch motivierte Kriminalität-rechts (PMK-rechts) an die
Fachdienststellen weitergegeben?
6. In wie vielen Fällen wurde bei Straf- und Gewalttaten gegen
Asylunterkünfte, die sich in den Jahren 2018 und 2019 ereigneten, Sprengstoff bzw.
Sprengmittel durch die Täterinnen und Täter verwendet, und zu welchen
Nachmeldungen ist es in diesem Zusammenhang für 2017 gekommen
(bitte nach Datum, Art des Sprengstoff- bzw. Sprengmitteleinsatzes, Tatort,
Bundesland auflisten)?
7. In wie vielen Fällen wurde bei Straf- und Gewalttaten gegen Asylbewerber
außerhalb von Unterkünften, die sich in den Jahren 2018 und 2019
ereigneten, Sprengstoff bzw. Sprengmittel durch die Täterinnen und Täter
verwendet, und zu welchen Nachmeldungen ist es in diesem Zusammenhang für
2017 gekommen (bitte nach Datum, Art des Sprengstoff- bzw.
Sprengmitteleinsatzes, Tatort, Bundesland auflisten)?
8. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zum Erwerb oder Handel
mit Sprengstoffen durch Neonazis infolge grenzüberschreitender Kontakte
insbesondere nach Italien, Tschechien, Österreich, Belgien und in die
Schweiz?
9. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur genauen Spezifizierung
der gefundenen bzw. eingesetzten Sprengmittel in den Fragen 1 bis 8 als
Selbstlaborat, gewerblicher oder militärischer Sprengstoff oder sonstiges
Sprengmittel?
10. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu Plänen von Neonazis,
Sprengmittel im Rahmen der Begehung von Straftaten einzusetzen, zu bei
Neonazis aufgefundenen bzw. verbreiteten Anleitungen zum Einsatz von
Sprengmitteln bzw. zu Übungen im Umgang mit derartigen Stoffen und
Vorrichtungen in den Jahren 2018 und 2019, und zu welchen
Nachmeldungen ist es in diesem Zusammenhang für 2017 gekommen?
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die in der Datei
Tatmittelmeldedienst zu Brand- und Sprengvorrichtungen beim BKA
gespeicherten Ermittlungsvorgänge der Jahre 2017 bis 2019 im Hinblick auf die
Verwendung (im Sinne der Katalogbegriffe „Anschlag“, „Benutzung“,
„Explosion“, „Herstellung“, „Übersendung“, „Zünden“ sowie „Umgang“) der
sichergestellten Tatmittel im Bereich von Straftaten der PMK-rechts (bitte
nach Bundesland, Art und Menge der Spreng- und Brandstoffe bzw. der
Spreng- und Zündvorrichtungen, Datum der Ereignismeldung im TMD und
Ausgang etwaiger Ermittlungsverfahren aufschlüsseln)?
12. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die in der Datei
Tatmittelmeldedienst zu Brand- und Sprengvorrichtungen beim BKA
gespeicherten Ermittlungsvorgänge der Jahre 2017 bis 2019 im Hinblick auf den
Besitz (im Sinne der Katalogbegriffe „Sicherstellung“ und „Fund“) der
sichergestellten Tatmittel durch Personen aus dem Bereich der PMK-rechts (bitte
nach Bundesland, Art und Menge der Spreng- und Brandstoffe bzw. der
Sprengvorrichtung, Datum der Ereignismeldung im TMD und Ausgang
etwaiger Ermittlungsverfahren aufschlüsseln)?
13. Wie viele Ermittlungsverfahren nach § 89a StGB wurden in den Jahren
2017 bis 2019 im Zusammenhang mit Brand- und Sprengvorrichtungen
eingeleitet (bitte nach Phänomenbereichen aufschlüsseln)?
14. Wie viele dieser Ermittlungsverfahren richteten bzw. richten sich jeweils
gegen wie viele mutmaßliche Angehörige des Phänomenbereichs
Rechtsextremismus (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
15. In wie vielen der Fälle der in Frage 13 gegenständlichen
Ermittlungsverfahren wurde zugleich wegen Straftaten nach den §§ 129, 129a StGB
ermittelt (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Berlin, den 26. August 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Lizenzkosten der Bundesverwaltung für Produkte von Microsoft und anderen US-amerikanischen Techkonzernen
DIE LINKE14.04.2026
Kenntnisse der Bundesregierung über das Epstein-Netzwerk und Konsequenzen für die deutsche Sicherheits- und Finanzaufsicht
DIE LINKE26.03.2026
Proteste gegen und Übergriffe auf Geflüchtetenunterkünfte im ersten Quartal 2026
DIE LINKE29.04.2026
Berichte über rechtsextreme Bezüge des Fördervereins Berliner Schloss e.V. und die Haltung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
DIE LINKE11.03.2026