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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Position Spaniens zur Finanztransaktionssteuer
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
10.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1346224.09.2019
Position Spaniens zur Finanztransaktionssteuer
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Bettina Stark-Watzinger, Christian Dürr, Dr. Florian Toncar,
Frank Schäffler, Markus Herbrand, Katja Hessel, Renata Alt,
Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke,
Katrin Helling-Plahr, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Pascal Kober,
Konstantin Kuhle, Michael Georg Link, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Dr. Stefan Ruppert, Christian Sauter, Matthias Seestern-Pauly,
Dr. Hermann Otto Solms, Katja Suding, Michael Theurer, Gerald Ullrich,
Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Position Spaniens zur Finanztransaktionssteuer
Am 25. Juli 2019 meldete EURACTIV unter dem Titel „Spanien blockiert
Einigung auf Finanztransaktionssteuer“ (www.euractiv.de/section/eu-innenpoli
tik/news/spanien-blockiert-einigung-auf-finanztransaktionssteuer/), nach
Angaben von EU-Beamten würde sich Spanien gegen die bisher geplante
Umverteilung der eingenommenen Steuereinnahmen (sog. Mutualisierung)
wehren. Nach einem deutsch-französischen Vorschlag sollen die aus einer künftigen
Finanztransaktionssteuer (FTT) eingenommenen Gelder zumindest auch
entsprechend den Bruttonationaleinkommen der an der Verstärkten
Zusammenarbeit beteiligten Mitgliedstaaten aufgeteilt werden. Die Mutualisierung
garantiert den kleineren Mitgliedstaaten gewisse Mindeststeuereinnahmen. Dieser
europäische „Länderfinanzausgleich“ war notwendig geworden, weil
Deutschland und Frankreich entgegen vorher anderslautender
Bundesministerverständigungen ein nach Ansicht der Fragesteller für die kleineren Mitgliedstaaten
nachteiligeres Besteuerungsprinzip durchsetzten (Ausgabeprinzip anstelle eines
vorrangigen Residenzprinzips; vgl. www.bundesfinanzministerium.de/Con
tent/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Finanztransak
tionsteuer/2014-01-27-ftt-statement.html; www.bundesfinanzministerium.de/
Content/DE/Glossareintraege/F/2015-12-08-Finanztransaktionsteuer-Gemeinsa
me-Erklaerung-zur-Finanztransaktionssteuer.pdf?__blob=publicationFile&v=2;
www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/
Steuern/Weitere_Steuerthemen/Finanztransaktionsteuer/2015-01_27-ftt-
statement-anlage.pdf?__blob=publicationFile&v=3; www.bundesfinanzministe
rium.de/Content/DE/Glossareintraege/F/2014-05-06-Finanztransaktionsteuer-
Gemeinsame-Erklaerung-zur-Finanztransaktionssteuer.pdf?__blob=publication
File&v=2).
EURACTIV nimmt damit auf einen von den an der Verstärkten
Zusammenarbeit als „confidential“ eingestuften, geänderten Richtlinienvorschlag zur FTT
Bezug.
EURACTIV berichtete, Italien und Spanien seien mit der aktuellen, von
Deutschland und Frankreich vorgelegten Umverteilungsformel nicht einver-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13462
19. Wahlperiode 24.09.2019
standen. Spanien sei hierbei der größte Verlierer. Von den prognostizierten
498 Mio. Euro an Einnahmen verblieben den Mitgliedstaaten lediglich
406 Mio. Euro.
Weiter sollen Deutschland und Frankreich laut EURACTIV in einem
Schreiben eine geänderte Mutualisierungsformel vorgeschlagen haben, die die
Verluste der „Geberländer“ bei der Mutualisierung minimiert. Damit nimmt
EURACTIV auf ein Schreiben des Bundesministers der Finanzen Olaf Scholz
und des französischen Ministers für Wirtschaft und Finanzen Bruno Le Maire
Bezug.
Zugleich wollten sie laut EURACTIV den kleineren Mitgliedstaaten garantierte
Mindesteinnahmen von 20 Mio. Euro zubilligen. Deutschland und Frankreich
sollen dies damit begründet haben, dass so sichergestellt werden solle, dass
kleinere Länder die Fixkosten im Zusammenhang mit dem Aufbau und der
Wartung der Infrastruktur für die Erhebung einer EU-weiten FTT decken
könnten.
EURACTIV vermeldete, nach der neuen Formel würden sich die endgültigen
Einnahmen wie folgt verteilen:
Spanien, 491,52 Mio. Euro (minus 6,48 Prozent von den prognostizierten
Gesamteinnahmen);
Italien, 468,86 Mio. Euro (minus 9,14 Prozent);
Frankreich, 987,20 Mio. Euro (minus 12,80 Prozent);
Deutschland, 1.224,93 Mio. Euro (minus 19,07 Prozent).
Laut EURACTIV sei Spanien auch von dieser neuen Mutualisierungsformel
nicht überzeugt und Italien habe zudem eine alternative Mutualisierungsformel
vorgeschlagen.
Weiter berichtete EURACTIV, Estland habe seine (Wieder-)Beitrittsbereitschaft
signalisiert.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Treffen auf Arbeitsebene haben zur FTT seit Juni 2019
stattgefunden?
a) Wann haben diese Treffen jeweils stattgefunden?
b) Wo haben diese Treffen jeweils stattgefunden, bzw. welche Ständige
Vertretung hat diese jeweils ausgerichtet?
c) Hat die Bundesregierung zu den Treffen jeweils gesonderte Drahtberichte
angefertigt, und wenn ja, wie lautet jeweils das Erstellungsdatum?
d) Wann hat die Bundesregierung diese gesonderten Drahtberichte jeweils
dem Deutschen Bundestag übermittelt?
2. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass derzeit insbesondere Spanien
und Italien noch Nachbesserungsbedarf im Hinblick auf die sog.
Mutualisierungsformel angemeldet haben?
a) Wenn ja, haben Spanien und Italien diesen Nachbesserungsbedarf auch
auf Bundesministerebene angezeigt?
Wenn ja, in welchen Bundesministertreffen?
b) Wenn ja, haben Spanien und Italien diesen Nachbesserungsbedarf auch
auf Arbeitsebene angezeigt?
Wenn ja, in welchen Treffen der Arbeitsebene?
3. Welches Ausstellungsdatum trägt das gemeinsame Schreiben von
Bundesfinanzminister Olaf Scholz und dem französischen Finanzminister Bruno
Le Maire zur Mutualisierung?
a) Wann, und auf welche Weise wurde dieses an die anderen, an der
Verstärkten Zusammenarbeit beteiligten Mitgliedstaaten übermittelt?
b) Kann die Bundesregierung bestätigen, dass Deutschland und Frankreich
die Zubilligung der Mindesteinnahmen von 20 Mio. Euro mit dem
Umstand begründet haben, dass sinngemäß so sichergestellt werden könne,
dass kleinere Länder die Fixkosten im Zusammenhang mit dem Aufbau
und der Wartung der Infrastruktur für die Erhebung einer EU-weiten FTT
decken könnten (www.euractiv.de/section/eu-innenpolitik/news/
spanienblockiert-einigung-auf-finanztransaktionssteuer/)?
c) Wenn ja, wie würden sich nach der neuen Mutualisierungsformel die bei
den Mitgliedstaaten verbleibenden Einnahmen im Vergleich zur
vorherigen Mutualisierungsformel verändern (bitte in einer Tabelle angeben)?
4. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass Estland seine (Wieder-)
Eintrittsbereitschaft angezeigt hat?
Wenn ja, wann, auf welcher Ebene, und wem gegenüber wurde dieses
Interesse angemeldet?
Berlin, den 14. August 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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