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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Diskussionsstand zur Umbenennung der Lent-Kaserne
(insgesamt 11 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium der Verteidigung
Datum
10.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1349524.09.2019
Diskussionsstand zur Umbenennung der Lent-Kaserne
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ulla Jelpke, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut,
Christine Buchholz, Andrej Hunko, Amira Mohamed Ali, Niema Movassat,
Dr. Alexander S. Neu, Petra Pau, Martina Renner, Kersten Steinke,
Friedrich Straetmanns, Dr. Kirsten Tackmann und der Fraktion DIE LINKE.
Diskussionsstand zur Umbenennung der Lent-Kaserne
Vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass die Lent-Kaserne in Rotenburg-
Wümme umbenannt werden soll (vgl. www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/
rotenburg-ort120515/lent-kaserne-bekommt-einen-neuen-namen-
10203565 .h tml und die Antwort zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache
19/8046). Damit folgt die Bundeswehr einer Forderung, die von kritischen
Bürgerinnen und Bürgern und auch Politikerinnen und Politikern von der Fraktion
und Partei DIE LINKE. seit Langem erhoben wurde.
Oberst Helmut Lent, der am 7. Oktober 1944 durch einen Unfall zu Tode kam,
hatte sich bis dahin als treuer Gefolgsmann Adolf Hitlers und des
verbrecherischen NS-Regimes erwiesen. In einem Brief an seine Kommandeure führte er
im Juni 1944 aus, Soldaten, die „keine Erfolge bringen“, seien „zuerst zu
ermahnen, dann aber unter Umständen zu bestrafen. Feiglinge müssen
erbarmungslos ausgerottet werden.“. Lent versuchte, die „Endsieg“- und
Durchhaltepropaganda zu unterstützen, indem er behauptete, angesichts neuer Waffen sei
das Vertrauen von Bevölkerung und Frontsoldaten „zur Führung und vor allem
auch zum Endsieg unerhört gewachsen“ (vgl. die Ausarbeitung Helmut Lent –
Mythen und Fakten, Ausarbeitung von Michael Quelle, Stade, die auch der
Bundesregierung vorliegt (Antwort zu Frage 5 auf Bundestagsdrucksache
19/2200)).
Im August 1944 forderte Lent, „feige“ Soldaten müssten „ausgerottet werden“.
Es gelte, „in leidenschaftlicher und fanatischer Weise bis zum letzten
Blutstropfen“ zu kämpfen.
Dass nach einem solchen Offizier überhaupt jemals eine Bundeswehrkaserne
benannt worden ist, ist aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller schon
ein Skandal. Dass er bis zum vorigen Jahr Kasernenpatron und Vorbild für die
Bundeswehr war, verschärft den Eindruck der Fragesteller, dass die
Bundeswehr bis heute keine eindeutige Abkehr von Wehrmachtstraditionen
vorgenommen hat. Für bedenklich halten die Fragestellerinnen und Fragesteller auch,
dass diese Entscheidung nach Presseberichten „von oben“ gegen den Willen
der Belegschaft in der Kaserne selbst getroffen werden musste, die eine
Umbenennung abgelehnt hatte (www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/
rotenburgort120515/lent-darf-bleiben-9739081.html).
Ein Jahr nach der Verkündung der Umbenennung ist die Kaserne immer noch
nach Lent benannt.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13495
19. Wahlperiode 24.09.2019
Wir fragen die Bundesregierung:
1. An welchem Datum genau hat der Inspekteur des Heeres die
Umbenennung der Lent-Kaserne angewiesen?
2. Wie gestaltet sich nach Kenntnis der Bundesregierung der
Namensfindungsprozess in der Lent-Kaserne?
3. Welche Veranstaltungen, Vorträge, Filmvorführungen usw. haben seit
Anweisung zur Umbenennung (vgl. Frage 1) nach Kenntnis der
Bundesregierung in der Lent-Kaserne im Rahmen des Namensfindungsprozesses
stattgefunden (bitte vollständig mit Datum, Titel und Namen darstellen)?
Welche Diskussionsangebote wurden dabei vom Bundesministerium der
Verteidigung, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der
Bundeswehr (ZMSBw) oder Inspekteur des Heeres unterbreitet?
4. Auf welche Resonanz stößt der Diskussionsprozess nach Kenntnis der
Bundesregierung bei Offizieren und Mannschaften in der Lent-Kaserne?
5. Welche Vorschläge für neue Namen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung bislang von den beteiligten Gremien der Lent-Kaserne unterbreitet
worden?
6. Ist vonseiten des Standorts dem ZMSBw bereits ein Vorschlag für einen
Namen zur Prüfung unterbreitet worden?
Falls ja, wie lautet dieser Name, und welchen Bearbeitungsstand hat die
Prüfung (sollte sie bereits abgeschlossen sein, bitte das Ergebnis
mitteilen)?
Falls nein, wie bewertet die Bundesregierung dies, und was will sie
gegebenenfalls unternehmen, um einer aus Sicht der Fragesteller denkbaren
Verschleppungstaktik des Standorts entgegenzuarbeiten?
7. Ist ein neuer Name bereits dem zuständigen Organisationsbereich vorgelegt
oder von diesem gebilligt worden, und wenn ja, welcher?
8. Liegt bereits ein förmlicher Antrag auf Umbenennung vor, und wenn ja,
auf welchen Namen, und wie ist der Bearbeitungsstand?
9. Inwiefern ist die Verwaltung und Bevölkerung der Stadt Rotenburg in den
Diskussionsprozess eingebunden, und welche Diskussionsangebote wurden
dieser nach Kenntnis der Bundesregierung gemacht?
10. Wird nach Kenntnis der Bundesregierung angestrebt, bis zum 75. Todestag
Lents am 7. Oktober 2019 einen Namensvorschlag unterbreiten zu können?
11. Sind im Umfeld des 7. Oktober 2019 Veranstaltungen in der Lent-Kaserne
geplant, und wenn ja, welche (bitte ggf. Thema und Akteure angeben)?
Berlin, den 26. August 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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