Horten von Bargeld durch Banken und Privatpersonen im Zuge negativer Zinsen für die Einlagefazilität
der Abgeordneten Frank Schäffler, Christian Dürr, Dr. Florian Toncar, Bettina Stark-Watzinger, Markus Herbrand, Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Christian Sauter, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Katja Suding, Stephan Thomae, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der Rat der Europäischen Zentralbank hat in seiner letzten Sitzung am 12. September 2019 den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 0,00 Prozent belassen. Zudem wurde der Zinssatz für die Einlagefazilität auf –0,5 Prozent gesenkt.
Als Folge des negativen Zinssatzes für die Einlagefazilität halten laut verschiedener Presseberichte Kreditinstitute und deren Kunden zunehmend Bargeld in Tresoren (siehe u. a. „Tresor statt Zentralbank“, Handelsblatt vom 1. Oktober 2019).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Bargeldumlauf von Euros in Deutschland bzw. in der Eurozone?
Wie hat sich der Euro-Bargeldumlauf in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Wie viel Bargeld wird nach Kenntnis der Bundesregierung von Kreditinstituten in Deutschland bzw. in der Eurozone gehalten?
a) Wie hat sich der Bargeldbestand bei den Kreditinstituten in den letzten zehn Jahren entwickelt?
b) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Kosten, die den Kreditinstituten in Deutschland bzw. in der Eurozone durch die Bargeldaufbewahrung entstehen?
c) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Kosten, die den Kreditinstituten in Deutschland bzw. in der Eurozone durch den negativen Zinssatz für die Einlagefazilität entstehen?
d) Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der anhaltenden Niedrigzinsphase und einem erhöhten Bargeldbestand bei Kreditinstituten?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie viel Bargeld gehalten wird, um Negativzinsen zu vermeiden?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob Kreditinstitute bzw. andere Marktteilnehmer (zunehmend) Bargeld bei externen Dienstleistern (z. B. bei Edelmetallhandelshäusern) einlagern?
Wenn ja, in welchem Umfang?
Wie viel Bargeld wird nach Kenntnis der Bundesregierung von Privatpersonen in Deutschland bzw. in der Eurozone gehalten?
Wie hat sich der Bargeldbestand bei den Privatpersonen in den letzten zehn Jahren entwickelt?
a) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Kosten, die Privatpersonen in Deutschland bzw. in der Eurozone durch die Bargeldaufbewahrung entstehen?
Wie hoch sind z. B. die Kosten für Ein- und Auszahlung von Bargeld in Deutschland bzw. in der Eurozone?
b) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Kosten, die Privatpersonen in Deutschland bzw. in der Eurozone im Zuge negativer Zinsen auf Einlagen entstehen?
c) Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen der anhaltenden Niedrigzinsphase und einem erhöhten Bargeldbestand bei Privatpersonen?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie viel Bargeld von Privatpersonen gehalten wird, um Negativzinsen zu vermeiden?
Wie viele Schließfächer gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung bei Banken in Deutschland bzw. in der Eurozone?
a) Wie hat sich die Anzahl der Schließfächer in den letzten zehn Jahren entwickelt?
b) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Kosten, die Privatpersonen durch die Haltung von Schließfächern entstehen?
c) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über den Wert, der in Schließfächern in Deutschland bzw. in der Eurozone aufbewahrt wird?
Wie viel Euro-Bargeld wird nach Kenntnis der Bundesregierung außerhalb der Eurozone gehalten?
Wie viel Bargeld in Fremdwährungen wird nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland bzw. in der Eurozone gehalten?
Plant die Bundesregierung neue gesetzgeberische Maßnahmen bezüglich Bargeld?
Wenn ja, mit welchem Zeitplan?