Kraftwerke mit Schwarzstartfähigkeit
der Abgeordneten Hagen Reinhold, Michael Theurer, Dr. Martin Neumann, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen , Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Till Mansmann, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Dr. Stefan Ruppert, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Florian Toncar, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich, Nicole Westig, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Kraftwerke mit Schwarzstartfähigkeit sind nach Ansicht der Fragesteller besonders wichtig für die strategische Energieversorgung. Insbesondere bei einem flächendeckenden Stromausfall in ganzen Regionen oder auch ganzen Ländern sind große Kraftwerkskapazitäten notwendig, um nach einem Stromausfall überhaupt wieder ans Netz zu gelangen. Viele Kraftwerke sind dafür nicht ausgelegt oder an nicht strategischer Stelle. Um das Energienetz nach einem Blackout wieder in Betrieb zu nehmen, muss ein Initial-Anfahren und somit Energie von schwarzstartfähigen Erzeugungseinheiten mobilisiert werden. So können auch die nicht schwarzstartfähigen Kraftwerke wieder ans Netz gehen. In jedem Energienetz muss eine ausreichende Anzahl von Kraftwerken mit Schwarzstartfähigkeit vorhanden sein, um für ein Wiederhochfahren nach einem Zusammenbruch eine Wiederaufnahme zu gewährleisten (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzstart).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
Wie definiert die Bundesregierung schwarzstartfähige Kraftwerke?
Hat die Bundesregierung eine Definition, und wenn ja, wie lautet diese?
Hat die Bundesregierung eine Übersicht der strategisch wichtigen und im Falle eines Blackouts schwarzstartfähigen Kraftwerke in Deutschland?
Wie viele schwarzstartfähige Kraftwerke gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland?
Wo befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung die schwarzstartfähigen Kraftwerke in Deutschland?
Wer ist nach Kenntnis der Bundesregierung dafür zuständig, dass im Falle eines Blackouts ausreichend schwarzstartfähige Kraftwerkskapazitäten vorhanden sind?
Welche Herausforderungen stellen Kraftwerke mit Schwarzstartfähigkeit nach Kenntnis der Bundesregierung an die Stromnetze?
Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung das Stromnetzsystem in Deutschland auf eine mögliche Einbindung entsprechender Kraftwerke vorbereitet, und wer trägt die Verantwortung für das diesbezügliche Netzmanagement?
Mit welchen Energieträgern wird der Strom in den schwarzstartfähigen Kraftwerken in Deutschland erzeugt (hier bitte Aufzählung nach Hauptenergieträger und Ersatzbrennstoff)?
Welche Energieträger werden für die Energiegewinnung genutzt, und wie hoch ist der prozentuale Anteil der jeweiligen Energieträger am jeweiligen schwarzstartfähigen Kraftwerke „am Netz“?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wo sich in Europa schwarzstartfähige Kraftwerke befinden?
Werden in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung momentan Steinkohlekraftwerke mit alternativen Konzepten zu schwarzstartfähigen Kraftwerken aus- bzw. umgebaut?
a) Wenn ja, wo gibt es entsprechende Überlegungen und Konzepte?
b) Wenn nein, warum nicht?
Welche schwarzstartfähigen oder bisher mit Kohle genutzten Kraftwerke innerhalb Deutschlands haben Auswirkungen auf das Wiederhochfahren der Stromversorgung bei einem Blackout europäischer Nachbarländer bzw. sind für deren Energieversorgung dann zu Hilfe zu ziehen?
Plant die Bundesregierung, strategisch wichtige Kraftwerke in Deutschland mit Auswirkungen für Europa in besonderem Maße zu fördern und sicherheitsrelevant auszubauen?
Plant die Bundesregierung eine Überprüfung, in deren Verlauf eine Reihenfolge der weniger relevanten Kraftwerke und ein Zeitplan erstellt wird, diese Kraftwerke vom Netz zu nehmen?
a) Wenn ja, wann ist mit den Ergebnissen der Evaluation zu rechnen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Welche Kraftwerke könnten bei Fehlen eines schwarzstartfähigen Kraftwerks für ein vergrößerndes Inselnetz herangezogen werden?
Welche Energieträger können zur Schaffung einer Schwarzstartfähigkeit miteinander gekoppelt werden?
Welche Potenziale an kombinierbaren Kraftwerken auch unterschiedlicher Energieträger gibt es in Deutschland?
Warum gibt es in der Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur den Kraftwerkstatus „Sonderfälle“, und welche Fälle werden darunter gefasst?
Welche Gründe liegen der Bundesregierung vor, warum die Kraftwerke „Dampfkraftwerk Marbach am Neckar“ (EnBW) und das Kraftwerk „Ingolstadt“ (Uniper) mit dem Energieträger Mineralöl an der Stilllegung gehindert wurden (www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Erzeugungska pazitaeten/Kraftwerksliste/kraftwerksliste-node.html)?
Mit welchem zusätzlichen Bedarf an Kraftwerks- und Netzkapazitäten rechnet die Bundesregierung an den Hafenstandorten, wenn dort Landstrom verpflichtend wird (bitte nach Hafenstandorten und zu erwartender Abnahmemenge auflisten)?
Mit welchem zusätzlichen Bedarf an Kraftwerks- und Netzkapazitäten rechnet die Bundesregierung bei der Bereitstellung von Wasserstoff und synthetischen strombasierten Kraftstoffen (E-Fuels), und wo und wie wird die Energie für die steigende Nachfrage bereitgestellt?