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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Plastikmüll an Stränden der Nord- und Ostsee

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Datum

16.09.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2204102.09.2020

Plastikmüll an Stränden der Nord- und Ostsee

der Abgeordneten Steffi Lemke, Dr. Bettina Hoffmann, Lisa Badum, Harald Ebner, Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Stephan Kühn (Dresden), Dr. Ingrid Nestle, Markus Tressel, Dr. Julia Verlinden, Gerhard Zickenheiner und der Fraktion BÜNDNIS 90/-DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Mehr als 10 Millionen Tonnen Plastikmüll verschmutzen jedes Jahr unsere Weltmeere: Die Vereinten Nationen schätzen, dass sich schon jetzt in jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18 000 Plastikmüllpartikel befinden (UNEP, 2006: Ecosystems and Biodiversity in Deep Waters and High Seas via https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/13602/rsrs178.pdf?sequence=1&isAllowed=y), nach Einschätzung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) landet jede Minute eine LKW-Ladung Plastikmüll in den Weltmeeren (Infografik des BMU unter https://www.bmu.de/wenigeristmehr/). Diese Verschmutzung unserer Meere lässt jedes Jahr bis zu 135 000 Meeressäuger und bis zu 1 Million Meeresvögel verenden (vgl. NABU: Plastikmüll und seine Folgen, via https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/muellkippemeer.html). Auch die deutschen Meere Nord- und Ostsee leiden unter dem massenhaften Eintrag von Plastikmüll: An der Nordsee finden sich durchschnittlich fast 400 Müllteile pro 100 Meter Küstenlinie, an der Ostsee bis zu 150 Müllteile. Rund 80 Prozent des gefundenen Mülls an deutschen Stränden sind Plastik und Kunststoffe. Der Eintrag dieses Plastikmülls erfolgt über Zufluss aus dem Land, aus der Schifffahrt, der Fischerei und der Offshore-Industrie (NABU, 2019: Müllkippe Meer via https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/meeresschutz/19-05-müllkippe_meer-5-2019-final.pdf). Die Bundesregierung hat mehrfach angekündigt, gegen die Verschmutzung der Weltmeere vorgehen zu wollen (siehe z. B. BMU, via https://www.bmu.de/wenigeristmehr/unsere-politik-fuer-weniger-plastikmuell/).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Welche Menge von Plastikmüll wurde in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung an deutschen Stränden der Nord- und Ostsee aufgefunden (bitte nach Jahren und Regionen, zusätzlich Gesamtwert, aufschlüsseln)?

2

Welche zehn Produkte kamen nach Kenntnis der Bundesregierung im Plastikmüll an Nord- und Ostsee besonders gehäuft und mit welchen Mengen jeweils vor (bitte nach Produkten mit bekanntem Gewicht aufschlüsseln)?

3

Hat die Bundesregierung die Menge an Plastikmüll an Stränden der Nord- und Ostsee bewertet, und welchen Trend sieht die Bundesregierung hinsichtlich der jährlichen Menge, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?

4

Welche Gefahren und Bedrohungen für die marine Flora und Fauna sieht die Bundesregierung durch Plastikverschmutzung der Nord- und Ostsee?

5

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu der konkreten Bedrohung von Meeres- und Küstenvögeln durch Plastikmüll in der Nord- und Ostsee vor?

a) Wie viele Vögel sind nach Kenntnis oder Schätzungen der Bundesregierung an Plastikmüll in den letzten zehn Jahren an den deutschen Küsten verendet?

b) Welche Vogelarten sind nach Kenntnis der Bundesregierung durch Plastikverschmutzung an den Stränden der Nord- und Ostsee besonders bedroht?

6

Welche Arten nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands sind von der Verschmutzung der Meeresumwelt mit Plastikmüll besonders betroffen?

7

Wie hoch belaufen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Kosten der Reinigungsarbeiten an deutschen Stränden der Nord- und Ostsee in den letzten zehn Jahren?

8

Inwieweit sind die zehn am häufigsten an Stränden der deutschen Nord- und Ostsee gefundenen Plastikprodukte bereits durch die Maßnahmen der EU-Einwegplastikrichtlinie erfasst?

9

Falls nicht alle zehn am häufigsten an Stränden der deutschen Nord- und Ostsee gefundenen Plastikprodukte durch die Maßnahmen der EU-Einwegplastikrichtlinie erfasst sind, welche zusätzlichen Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Hersteller solcher Produkte im Rahmen einer erweiterten Produktverantwortung für die Reinhaltung der Strände in die Pflicht zu nehmen?

Berlin, den 31. August 2020

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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