[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Dietmar Friedhoff,
Dr. Harald Weyel, Stefan Keuter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/23337 –
Entwicklungspolitische Kooperation mit religiösen Autoritäten zur
Wasserverbrauchreduzierung in Jordanien
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit islamischen Geistlichen zusammen, um die
Bevölkerung zum Wassersparen anzuregen (
https://www.giz.de/de/presse/391
99.html). Der Projekttitel lautet: „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz
durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“ (ebd.). Dort
hat die GIZ GmbH nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung mit Stand April 2017 1 300 Imame und
390 Predigerinnen in zweitägigen Trainings zu sogenannten
Wasserbotschaftern ausgebildet (ebd.). Außerdem unterstützt die GIZ die jordanischen
Moscheen mit der Ausstattung wassersparender Anlagen (ebd.). Diese Moscheen
bezeichnen die GIZ GmbH und das BMZ als sogenannte blaue Moscheen
(ebd.). Das Vorhaben ist Teil der BMZ-Sonderinitiative zur Stabilisierung und
Entwicklung in Nordafrika und Nahost (
https://www.bmz.de/de/zentrales_do
wnloadarchiv/sonderinitiative-nordafrika-nahost/Factsheet_Jordanien_Wasse
r_und_Islam.pdf).
1. Wie lautet die Projektnummer von „Verbesserung kommunaler
Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Hinsichtlich der Angabe der Projektnummer des Vorhabens wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage der
Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 19/16828 verwiesen.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/23665
19. Wahlperiode 27.10.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 23. Oktober 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. Auf welche Höhe belaufen sich jeweils das Gesamtvolumen, das
jährliche Volumen, die etwaigen Aufstockungen und der Finanzierungsanteil
jeweils welcher Geldgeber von „Verbesserung kommunaler
Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“?
Das Gesamtvolumen des Vorhabens beträgt 7,8 Mio. Euro und wird finanziert
aus dem Einzelplan 23. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der
Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion der AfD auf
Bundestagsdrucksache 19/21800 verwiesen.
3. Mit welchen Partnern kooperiert die Bundesregierung im Rahmen von
„Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit
religiösen Autoritäten in Jordanien“?
Der politische Partner des Projekts ist das Jordanische Wasserministerium.
Weitere Umsetzungspartner sind u. a. das Ministerium für Religiöse Stiftungen,
Islamische Angelegenheiten und Heilige Stätten, das Ministerium für Bildung
und wissenschaftliche Forschung und das Ministerium für Höhere Bildung,
religiöse Institutionen sowie Universitäten.
4. Wie beurteilt die Bundesregierung die Erfolge und Misserfolge von
„Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit
religiösen Autoritäten in Jordanien“ abschließend?
Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, insofern wird auf die Vorbemerkung
der Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion der
AfD auf Bundestagsdrucksache 19/21800 verwiesen.
5. Wurde das Vorhaben „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch
Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“ ex post
evaluiert, und wenn ja, mit welchem Ergebnis (bitte vollständig zitieren)?
Nein.
6. Wie viele sogenannte blaue Moscheen gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Um welche Moscheen handelt es sich (bitte alle Moscheen unter Angabe
des Ortes und der Umrüstungsmaßnahmen angeben)?
Als „Blaue Moscheen“ werden solche Moscheen bezeichnet, an denen
zusätzliche größere Bau- und Umrüstungsmaßnahmen getätigt wurden, um den
Wasserverbrauch zu reduzieren. Zum Stand 15. Oktober 2020 sind drei Moscheen
entsprechend technisch nachgerüstet worden, vier befinden sich im Bau.
Bereits umgewandelte Moscheen:
1. Abu-Ubaidah-Moscheekomplex – Jordantal, Gouvernorat Balqa,
2. Jafar Bin Abo Talib-Moscheekomplex – Gouvernorat Karak,
3. Salahuddin-Al-Ayoubi-Moschee – Gouvernorat Mafraq, Stadtzentrum.
Folgende Maßnahmen wurden durchgeführt:
– Bau einer sogenannten Grauwasser-Aufbereitungsanlage für leicht
verschmutztes Wasser,
– Rehabilitierung des internen Wasser- und Abwassernetzes,
– Rehabilitierung der Wasserversorgungsanlagen und Sanitäranlagen (Frauen,
Männer, Menschen mit Behinderungen),
– Einsatz neuer unterschiedlicher Technologien zur Wassereinsparung
(Belüftungseinrichtungen für Wasserhähne, Tropfbewässerungsnetz, Pflanzen von
Bäumen, die sich für die Umgebung eignen, Kampagnen zur lokalen
Bewusstseinsschaffung),
– Verbesserung der Kenntnisse über die Wasser- und Abwasserarten und die
Technologien der Grauwasserbehandlung in ländlichen Gebieten.
7. Wie hat sich der Wasserverbrauch der sogenannten blauen Moscheen seit
Beginn des in der Vorbemerkung der Fragesteller beschriebenen
Vorhabens bis heute nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt?
Es wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
8. Gibt es, von Moscheen abgesehen, weitere Gebäude, die im Rahmen des
Vorhabens mit energiesparenden Anlagen ausgestattet werden?
Wenn ja, um was für Gebäude handelt es sich, und in welchem
Zahlenverhältnis stehen sie zu den Moscheen?
Nein.
9. Wie viele Imame und Predigerinnen wurden insgesamt zu
„Wasserbotschaftern“ ausgebildet (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, insofern wird auf die Vorbemerkung
der Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion der
AfD auf Bundestagsdrucksache 19/21800 verwiesen.
10. Erhielten „Wasserbotschafter“ eine Aufwandsentschädigung oder eine
andere Form der monetären Zuwendung, und wenn ja, in welcher
durchschnittlichen Höhe jeweils pro „Wasserbotschafter“ und insgesamt?
Es werden keine Aufwandsentschädigungen für die Teilnahme an Trainings
gezahlt. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhielten jeweils 5,00 JOD
(umgerechnet ca. 6 Euro) für Transportkosten.
„Wasserbotschafter“, die eigene Trainings durchführten, bekamen eine
Aufwandsentschädigung in Höhe von 20,00 JOD /Tag (24 Euro/Tag).
11. Auf welche Höhe belaufen sich die Kosten für die Ausbildungen zu
„Wasserbotschaftern“ insgesamt?
Es wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
12. Wie beurteilt die Bundesregierung speziell das Wirken der
„Wasserbotschafter“ im Rahmen des Vorhabens?
Imame, Waithat (Islamische Predigerinnen) und christliche
Führungspersönlichkeiten sind religiöse Führungspersönlichkeiten, denen von Seiten ihrer
Gemeinden großes Vertrauen entgegengebracht wird. Ihr religiöser Hintergrund
und ihre Kompetenzen im Bereich der Theologie und Lehre ermöglichen es
ihnen, offene Dialoge über die Verantwortung der Menschen für den Erhalt der
Schöpfung zu führen und ihre Gemeindemitglieder zu einem nachhaltigen
Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu bewegen. Des Weiteren wird auf die
Antwort zu Frage 4 verwiesen.
13. Wurden im Rahmen von „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz
durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“
Mittelfehlverwendungen seitens der lokalen Träger, Mitarbeiter, der GIZ
GmbH oder des BMZ festgestellt, und wenn ja, welche?
Nein.
14. Wurden bei der GIZ GmbH im Rahmen von „Verbesserung kommunaler
Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in
Jordanien“ mögliche Mittelfehlverwendungen nach Kenntnis der
Bundesregierung gemeldet?
Wenn ja, welche?
Nein.
15. Wurden durch die GIZ GmbH mögliche Mittelfehlverwendungen unter
einem Wert von 5 000,00 Euro im Rahmen von „Verbesserung
kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten
in Jordanien“ gemeldet und/oder festgestellt?
Nein.
16. Welche Beiträge hat das Projekt „Verbesserung kommunaler
Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“
bisher zum Programmziel der Sonderinitiative zur Stabilisierung und
Entwicklung in Nordafrika und Nahost geleistet (bitte qualitative und
quantitative Einschätzung des Beitrags darlegen)?
Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des BMZ zur Stabilisierung und
Entwicklung in Nordafrika und Nahost (SI MENA). Die Sonderinitiative hat zum
Ziel wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region
zu schaffen. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und
Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die
Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen. Die hohe Anzahl an
syrischen Flüchtlingen hat in Jordanien den Druck auf die Wasserressourcen
erhöht und führt gerade im Norden Jordaniens partiell zu Spannungen. Das
Projekt soll dem durch Information und Dialog sowie konkrete Maßnahmen für
Wassereinsparungen vorbeugen und die gemeinsame Verantwortung für den
Schutz der Wasserressourcen in den Vordergrund stellen. Des Weiteren wird auf
die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
17. Gibt es ein Nachfolgevorhaben zu „Verbesserung kommunaler
Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten in Jordanien“
oder wird ein Nachfolgevorhaben geplant (wenn nein, bitte die Gründe
angeben), und wenn ja,
a) wie lauten Titel und Projektnummer des Nachfolgevorhabens,
b) auf welche Höhe belaufen sich jeweils das Gesamtvolumen, das
jährliche Volumen, die etwaigen Aufstockungen und der
Finanzierungsanteil jeweils welcher Geldgeber des Nachfolgevorhabens,
c) mit welchen Partnern kooperiert die Bundesregierung im Rahmen
des Nachfolgevorhabens,
d) wie beurteilt die Bundesregierung bisherige Erfolge und Misserfolge
des Nachfolgevorhabens insbesondere im Vergleich zu
„Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit
religiösen Autoritäten in Jordanien“?
Die Fragen 17 bis 17d werden gemeinsam beantwortet.
Nein. Planungen stehen unter dem Vorbehalt künftiger Haushaltsaufstellungen.
18. Seit welchem Jahr fördert die Bundesregierung generell Vorhaben in
Jordanien, die die Reduzierung des Wasserverbrauchs zum Ziel haben?
Vorhaben und Maßnahmen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs in Jordanien
werden seit 2013 gefördert.
a) Um welche Vorhaben mit welchen Titeln und Projektnummern handelt
es sich?
Es handelt sich um die Vorhaben „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz
durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten“ (siehe Antworten zu
Fragen 1 bis 17) sowie „Good Governance im jordanischen Wassersektor durch
Aufbau und Umsetzung einer Kommunikationsstrategie“.
b) Auf welche Höhe belaufen sich jeweils das Gesamtvolumen, das
jährliche Volumen, die etwaigen Aufstockungen und der
Finanzierungsanteil jeweils welcher Geldgeber dieser Vorhaben?
Das Gesamtvolumen des Vorhabens „Good Governance im jordanischen
Wassersektor durch Aufbau und Umsetzung einer Kommunikationsstrategie“
betrug 736.203,09 Euro, die jährlichen Ausgaben beliefen sich auf:
2013: 88.956,10 Euro
2014: 438.880,85 Euro
2015: 208.366,14 Euro
Es gab keine Aufstockungen. Neben dem BMZ waren keine anderen Geber an
diesem Vorhaben beteiligt.
Bezüglich des Vorhabens „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch
Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten“ wird auf die Antwort zu Frage 2
verwiesen.
c) Mit welchen Durchführungsorganisationen und Partnern kooperiert die
Bundesregierung bei diesen Vorhaben jeweils?
Durchführungsorganisation des Vorhabens „Good Governance im jordanischen
Wassersektor durch Aufbau und Umsetzung einer Kommunikationsstrategie“
war die GIZ. Wesentliche Partner waren das Jordanische Ministerium für
Wasser und Bewässerung und die Yarmouk Water Company. Weiterhin wurde mit
nationalen und internationalen Journalistinnen und Journalisten
zusammengearbeitet.
Bezüglich des Vorhabens „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch
Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten“ wird auf die Antwort zu Frage 3
verwiesen.
d) Wie beurteilt die Bundesregierung die Erfolge und Misserfolge dieser
Vorhaben jeweils?
Das Vorhaben „Good Governance im jordanischen Wassersektor durch Aufbau
und Umsetzung einer Kommunikationsstrategie“ hat Grundlagen für eine
zielgruppenspezifische und professionelle Kommunikation zur Wasserthematik in
Jordanien geschaffen. „Wasserknappheit“ und die Notwendigkeit zum Sparen
waren zentrale Inhalte, die im Rahmen der Kommunikationsstrategie vielen
Menschen niedrigschwellig zugänglich gemacht wurden.
Bezüglich des Vorhabens „Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch
Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten“ wird auf die Antwort zu Frage 4
verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]