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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Erstnachweis einer Infektion mit dem Seoul-Orthohantavirus in Deutschland

(insgesamt 8 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

16.02.2021

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2598418.01.2021

Erstnachweis einer Infektion mit dem Seoul-Orthohantavirus in Deutschland

der Abgeordneten Stephan Protschka, Berengar Elsner von Gronow, Peter Felser, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg, Thomas Ehrhorn, Johannes Huber, Enrico Komning, Detlev Spangenberg, Dr. Robby Schlund, Uwe Witt, Jörg Schneider, Paul Viktor Podolay, Jürgen Braun, Dr. Heiko Wildberg, Ulrich Oehme, Dr. Christian Wirth und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Erstmals ist in Deutschland die Übertragung des in Asien verbreiteten und hochinfektiösen Seoulvirus von einer Hausratte auf den Menschen nachgewiesen worden (https://www.pharmazeutische-zeitung.de/erste-ansteckung-mit-seoulvirus-in-deutschland-121834/). Entdeckt wurde das Virus von Forschern der Berliner Charité und des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems. Eine junge Frau aus Niedersachsen hatte sich bereits 2019 bei ihrer als Haustier gehaltenen Ratte angesteckt und musste infolge hohen Fiebers und eines schlechten Allgemeinzustands intensivmedizinisch behandelt werden (https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/12/20-0708_article). Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickelte die Patientin nebst akutem Nierenversagen auch eine Entzündung des Magen-Darm-Traktes sowie eine schwere Hepathopathie (ebd. wwwnc.cdc.gov).

Seoulviren gehören zur Familie der Hantaviren und sind weltweit verbreitet (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Hantaviren.html;jsessionid=DFD80CAFEB5023D01C509FB86064CB47.internet082#doc2397634bodyText19). Zu den Wirten gehören kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten, über deren Ausscheidungen die Viren auf den Menschen übertragen werden können. Weshalb es sich demzufolge um Zoonosen, also um unter Umständen wechselseitig vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheiten handelt. In Abhängigkeit von der Virusspezies führen derartige Infektionen zu unterschiedlich schweren Verläufen bis hin zu einem lebensbedrohlichen hämorrhagischen Fieber mit akutem Nierenversagen (ebd. www.rki.de). Seit 2001 sind Infektionen mit dem Hantavirus in Deutschland meldepflichtig (ebd. www.rki.de).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Ist der Bundesregierung bereits bekannt, woher die mit Seoul-Orthohantavirus infizierte Ratte durch seine Halterin bezogen wurde?

2

Wenn ja, woher stammte das Tier, und welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bzw. die zuständige Behörde in diesem Fall explizit ergriffen, um eine weitere Verbreitung des Virus innerhalb dieser Population oder gar einer weiteren Infektion innerhalb der Bevölkerung vorzubeugen?

3

Wenn nein, welche Vorgehensweise zieht die Bundesregierung bzw. die zuständige Behörde in Betracht, um die Herkunft des Tieres herauszustellen und so dem Bevölkerungsschutz nachzukommen und weitere Ansteckungen am Menschen zu unterbinden?

4

Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung die Möglichkeit, dass das zoonotische Seoulvirus das Potenzial besitzt, eine Infektion nicht nur vom Tier auf den Menschen zu übertragen, sondern auch das Risiko besteht, dass der Erreger seine Wirtsspezifität wechselt und so auch von Mensch zu Mensch übertragbar wäre, und wenn ja, welche Maßnahmen zieht die Bundesregierung in Betracht, um eine derartige Verbreitung innerhalb der Bevölkerung zu unterbinden?

5

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Farbratten (Rattus norvegicus f. domestica) in Deutschland als Haustiere gehalten werden?

6

Wenn ja, wie viele Ratten werden in der Summe in der Bundesrepublik Deutschland als Haustiere gehalten, und wie viele dieser Tiere könnten als Reservoir für das Seoulvirus fungieren?

7

Wenn nein, plant die Bundesregierung, eine etwaige Bestandsaufnahme als Teil eines Monitoring-Programms einzuführen, und liegen diesbezüglich bereits Entwürfe für eine Gesetzesinitiative vor, und wie sehen diese im Detail aus?

8

Ist der Bundesregierung bekannt, wie viele wildlebende Ratten in Deutschland existieren und wie viele dieser Tiere (Rattus norvegicus) als Reservoir für das Seoulvirus fungieren (wenn jeweils ja, bitte entsprechend ausführen)?

9

Ist der Bundesregierung bekannt, ob das Seoulvirus in der Art Rattus rattus wirtsunspezifisch auftritt, und wenn ja, plant die Bundesregierung Maßnahmen, um eine Verbreitung der Infektion innerhalb der Wildpopulation zu verhindern (wenn ja, bitte ausführen, welche Maßnahmen dies sind)?

10

Wie viele Menschen haben sich nach Kenntnisstand der Bundesregierung seit dem Jahr 2001 bis in die Gegenwart mit einer humanpathogenen Virusspezies des Hantavirus in Deutschland infiziert (bitte nach Jahr der Ansteckung, Region bzw. Ort, in der bzw. dem die Infektion auftrat, Virusspezies des Hantavirus, Zahl der Infizierten und Art des Wirtes aufschlüsseln)?

11

Hat die Bundesregierung mit Bezug auf das Monitoring von als Haustieren gehaltenen Ratten seit Bekanntwerden der Infektion im Jahr 2019 (siehe Vorbemerkung der Fragesteller) Maßnahmen ergriffen (bitte ausführen), und welche Maßnahmen sind in diesem Zusammenhang kurz-, mittel- und langfristig geplant?

12

Hält die Bundesregierung es für möglich, dass der legale Handel mit Haustieren zukünftig eingeschränkt werden könnte, wenn der Verdacht besteht, dass die Art, die als Haustier gehalten werden soll, als potenzielles Reservoir einer Zoonose fungiert, und wenn ja, existieren für diesen Fall bereits Gesetzentwürfe, und wie sehen diese im Detail aus?

Berlin, den 15. Januar 2021

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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