[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Krischer,
Annalena Baerbock, Dr. Julia Verlinden, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/26044 –
Kraftwerksreserven in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Aktuell gibt es laut Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vier verschiedene
Kraftwerksreserven in Deutschland. Die Netzreserve (§ 13d EnWG), die
Kapazitätsreserve (§ 13e EnWG), die Sicherheitsbereitschaft (§ 13g EnWG) sowie
die besonderen netztechnischen Betriebsmittel, auch Netzstabilitätsreserve
genannt (§ 11 EnWG). Kraftwerke in diesen Reserven sollen unterschiedliche
Dienstleistungen für das Stromsystem erbringen und für die Bereitstellung und
ggf. den Einsatz eine Vergütung erhalten.
Um einen Überblick darüber zu erhalten, wie oft die jeweiligen Reserven zum
Einsatz kommen und welche Kosten durch die Bereitstellung und den Einsatz
entstehen, fragen wir die Bundesregierung:
1. Wie viele Stunden sind die Kapazitätsreserve-Kraftwerke in den Jahren
2018, 2019 und 2020 gelaufen (bitte einzeln nach Kraftwerk und
Netzbetreiber auflisten)?
Der Erbringungszeitraum der Kapazitätsreserve hat am 1. Oktober 2020
begonnen. Im vergangenen Jahr kamen die Anlagen in der Kapazitätsreserve nicht
zum Einsatz.
2. Wie hoch waren die gesamten Kosten für die Kapazitätsreserve in den
Jahren 2018, 2019 und 2020 (bitte einzeln nach Kraftwerk und
Netzbetreiber auflisten)?
Die Vorhaltekosten für die Kapazitätsreserve während des Jahres 2020
betrugen 17,95 Mio. Euro. In der folgenden Tabelle werden die Zuschläge der
Ausschreibung mit Gebotstermin 1. Dezember 2019 für den
Erbringungszeitraum 1. Oktober 2020 bis 30. September 2022 aufgeführt.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/26563
19. Wahlperiode 10.02.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
9. Februar 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Namen der bezuschlagten
Bieter
Kraftwerk Reserveleistung
in MW
Lausitz Energie Kraftwerke
AG
Ahrensfelde A, B 60
Lausitz Energie Kraftwerke
AG
Ahrensfelde C, D 60
Lausitz Energie Kraftwerke
AG
Thyrow A, B 60
Lausitz Energie Kraftwerke
AG
Thyrow C, D, E 90
Statkraft Markets GmbH Landesbergen 56
Statkraft Markets GmbH Emden 50
RWE Generation SE Gersteinwerk Block F 340
RWE Generation SE Gersteinwerk Block G 340
Gesamtsumme 1.056
Die Kosten für die Kapazitätsreserve belaufen sich auf 68.000 Euro je MW
gebundener Reserveleistung und je Vertragsjahr. Daraus ergeben sich Kosten pro
Vertragsjahr in Höhe von 71,8 Mio. Euro. Für den ersten Erbringungszeitraum,
welcher vom 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2022 andauert, bedeutet
dies Gesamtkosten in Höhe von 143,6 Mio. Euro, wovon 17,95 Mio. Euro auf
das Jahr 2020 entfallen. Gemäß § 19 Absatz 4 KapResV können von den
Kraftwerksbetreibern noch weitere Kosten gegen Nachweis gesondert erstattet
werden.
3. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach Kenntnis der
Bundesregierung infolge der Kapazitätsreserve je Kraftwerk beschäftigt?
Die genaue Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den einzelnen
Kraftwerken bzw. Kraftwerksblöcken liegt der Bundesregierung nicht vor.
Häufig handelt es sich nicht um direkt zugeordnetes Personal, sondern auch um
sog. Mitarbeiteräquivalente von Dienstleistungsunternehmen. Bei den
Mitarbeiterzahlen handelt es sich zudem überwiegend um Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse der Kraftwerksbetreiber.
4. Wie viele Stunden sind die Netzreserve-Kraftwerke in den Jahren 2018,
2019 und 2020 gelaufen (bitte einzeln nach Kraftwerk und Netzbetreiber
auflisten)?
In der folgenden Tabelle werden hinsichtlich der Einsatzstunden nur die
tatsächlichen Abrufe im Rahmen der Netzreserve aufgeführt. Nicht enthalten sind
die Einsatzstunden aufgrund von Probestarts oder Testfahren der
Netzreserveanlagen.
Im Jahr 2018 wurde die Netzreserve zum Teil von ausländischen
Kraftwerksbetreibern erbracht. Vertragspartner der österreichischen Kraftwerksbetreiber
war der Übertragungsnetzbetreiber TenneT. Vertragspartner des italienischen
Betreibers war der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW.
Kraftwerk
Übertragungsnetzbetreiber
Stunden
2018
Laakirchen AT (Tennet) 883,00
Dürnrohr AT (Tennet) 820,00
Staudinger 4 Tennet 748,00
Kraftwerk
Übertragungsnetzbetreiber
Stunden
2018
Theiß Block A AT (Tennet) 684,00
Theiß Maschine 1 AT (Tennet) 639,00
Theiß Kombi AT (Tennet) 627,00
Korneuburg AT (Tennet) 410,00
Simmering 1 AT (Tennet) 273,00
Timelkam AT (Tennet) 167,00
Altbach 1 Transnet 93,50
KELAG Pool Tranche
1
AT (Tennet) 60,00
KELAG Pool Tranche
2
AT (Tennet) 38,00
Bexbach A Amprion 20,50
Weiher C Amprion 18,00
Irsching 5 Tennet 16,50
Walheim 1 Transnet 16,50
Mellach 1 AT (Tennet) 16,00
Walheim 2 Transnet 13,75
Heilbronn 5 Transnet 10,50
Voghera IT (Transnet) 7,00
Irsching 3 Tennet 4,50
Karlsruhe 4 Transnet 3,50
Ingolstadt 3 Tennet 0,50
Summe 5.569,75
2019
Staudinger 4 Tennet 284,50
Altbach 1 Transnet 297,50
Bexbach A Amprion 179,75
Weiher C Amprion 73,75
Irsching 5 Tennet 59,50
Mainz Wiesbaden 2 Amprion 33,00
Irsching 3 Tennet 31,00
Karlsruhe 4 Transnet 12,50
Darmstadt Amprion 5,50
Summe 977,00
2020
Bexbach A Amprion 471,75
Irsching 5 Tennet 397,50
Irsching 4 Tennet 117,75
Staudinger 4 Tennet 116,50
Weiher C Amprion 109,25
Irsching 3 Tennet 101,75
Altbach 1 Transnet 82,25
Mainz Wiesbaden 2 Amprion 32,50
Karlsruhe 4 Transnet 12,50
Darmstadt Amprion 6,00
Walheim 1 Transnet 7,50
Walheim 2 Transnet 6,50
Marbach GT3 Transnet 4,75
2020
Marbach GT2 Transnet 3,75
Summe 1.470,25
5. Wie hoch waren die gesamten Kosten für die Netzreserve in den Jahren
2018, 2019 und 2020 (bitte einzeln nach Kraftwerk und Netzbetreiber
auflisten)?
Die Gesamtkosten der Netzreserve betrugen im Jahr 2018 415,5 Mio. Euro,
davon entfielen auf inländische Netzreserveanlagen 307,7 Mio. Euro und
Netzreserveanlagen im Ausland 107,8 Mio. Euro. Im Jahr 2019 lagen die
Gesamtkosten der Netzreserve bei 220,6 Mio. Euro und in den ersten drei Quartalen 2020
bei 213,9 Mio. Euro. Bezüglich der Zahlen für 2020 handelt es sich um
vorläufige Werte. In den Kosten enthalten sind auch Aufwendungen für Probestarts
und Testfahrten der Netzreserveanlagen.
Eine kraftwerksscharfe Auflistung der Kosten der Netzreserveanlagen ist aus
Gründen der Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen nicht
möglich.
6. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach Kenntnis der
Bundesregierung infolge der Netzreserve je Kraftwerk beschäftigt?
Die genaue Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den einzelnen
Kraftwerken bzw. Kraftwerksblöcken liegt der Bundesregierung nicht vor.
Häufig handelt es sich nicht um direkt zugeordnetes Personal, sondern auch um
sog. Mitarbeiteräquivalente von Dienstleistungsunternehmen. Bei den
Mitarbeiterzahlen handelt es sich zudem überwiegend um Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse der Kraftwerksbetreiber.
7. Wie häufig wurden die bereits in Sicherheitsreserve befindlichen
Kohlekraftwerke im Rahmen ihres Vertrages nach Kenntnis der
Bundesregierung angefordert (bitte nach Kraftwerksblock, Datum und Dauer
aufschlüsseln)?
Wie lange dauerte jeweils die Zeitspanne zwischen Anforderung und
vollständig hochgefahrenem Betrieb (bitte einzeln auflisten)?
Die Kohlekraftwerke in der Sicherheitsreserve (Sicherheitsbereitschaft) wurden
bisher nicht angefordert.
8. Welche Summen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung durch die
Kohlereserve bereits als Vergütung an die Kraftwerksbetreiber
ausgezahlt (bitte einzeln nach Kraftwerk und Posten der Vergütung
aufschlüsseln)?
Die Kosten für die in der Sicherheitsbereitschaft befindlichen Kraftwerke lagen
im Jahr 2019 zwischen 250 Mio. Euro und 300 Mio. Euro. Nähere Angaben
können aus Gründen der Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen
nicht gemacht werden.
9. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach Kenntnis der
Bundesregierung infolge der Sicherheitsbereitschaft je Kraftwerk
beschäftigt?
Die genaue Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den einzelnen
Kraftwerken bzw. Kraftwerksblöcken liegt der Bundesregierung nicht vor.
Häufig handelt es sich nicht um direkt zugeordnetes Personal, sondern auch um
sog. Mitarbeiteräquivalente von Dienstleistungsunternehmen. Bei den
Mitarbeiterzahlen handelt es sich zudem überwiegend um Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse der Kraftwerksbetreiber.
10. Wie viele Stunden sind die Netzstabilitätsreserve-Kraftwerke in den
Jahren 2018, 2019 und 2020 gelaufen (bitte einzeln nach Kraftwerk und
Netzbetreiber auflisten)?
Die besonderen netztechnischen Betriebsmittel nach § 11 Absatz 3 EnWG
(ehemals Netzstabilitätsanlagen nach § 13k EnWG) befinden sich gegenwärtig
noch in der Planungs- und Bauphase. Es wird mit einer Inbetriebnahme ab
Oktober 2022 gerechnet.
11. Wie hoch waren die gesamten Kosten für die Netzstabilitätsreserve in
den Jahren 2018, 2019 und 2020 (bitte einzeln nach Kraftwerk und
Netzbetreiber auflisten)?
Die besonderen netztechnischen Betriebsmittel nach § 11 Absatz 3 EnWG
(ehemals Netzstabilitätsanlagen nach § 13k EnWG) befinden sich gegenwärtig
noch in der Planungs- und Bauphase. Lediglich zwei Netzbetreiber haben in
den Jahren 2018 und 2019 bereits Kosten für die Anlagen geltend gemacht.
Die Kosten lagen im Jahr 2018 unter 1 Mio. Euro, im Jahr 2019 unter 2 Mio.
Euro, für das Jahr 2020 liegen noch keine belastbaren Daten über alle
Netzbetreiber vor. Nähere Angaben sind hierzu nicht möglich, da diese Information als
Betriebs- und Geschäftsgeheimnis anzusehen ist.
12. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach Kenntnis der
Bundesregierung infolge der Netzstabilitätsreserve je Kraftwerk
beschäftigt?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen über die Zahl der künftig in
diesen Anlagen beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]