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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Verwendbarkeit von FFP2-Masken

(insgesamt 8 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

26.04.2021

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2805026.03.2021

Verwendbarkeit von FFP2-Masken

der Abgeordneten Uwe Witt, Detlev Spangenberg, Dr. Robby Schlund, Jörg Schneider, Paul Viktor Podolay, Ulrich Oehme, Jürgen Braun, Dr. Heiko Wildberg, Dr. Christian Wirth, Dr. Axel Gehrke und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Durch die Corona-Pandemie (SARS-CoV-2-Pandemie) und die durch das Virus ausgelösten COVID-19-Erkrankungen hat sich unser Alltag stark verändert und unser Leben massiv eingeschränkt (https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html). Eine der offensichtlichsten Veränderungen entsteht dabei durch die inzwischen bestehende medizinische oder FFP2-Maskenpflicht in vielen Bereichen (ebd.).

Die Maßnahme ist umstritten – unter anderem deshalb, weil das Robert Koch-Institut (RKI) die FFP2-Masken im privaten Bereich eigentlich nicht empfiehlt: Aus Sorge, dass Laien sie nicht richtig handhaben könnten und weil etwa bei Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen „gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen“ sind (https://www.br.de/nachrichten/wissen/stimmt-es-dass-ffp2-masken-nicht-vor-viren-schuetzen,SMdj8yf).

FFP2-Masken sind laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eigentlich „Gegenstände der persönlichen Schutzausrüstung im Rahmen des Arbeitsschutzes“ (ebd.). Üblicherweise werden die „Staubschutzmasken“ im Handwerk eingesetzt, um den Träger vor Tröpfchen und Aerosolepartikeln zu schützen (ebd.). Laut Gebrauchsanweisung der FFP2-Maske UVEX findet man unter dem Punkt „Einsatzgrenze“ einen Hinweis zu Viren, in dem es heißt, dass diese FFP2-Maske Einschränkungen gegen Partikel radioaktiver Stoffe, Viren und Enzyme hat (ebd.). Der Produktgruppenmanager eines bekannten Herstellers, der diesen Hinweis auf seine Gebrauchsanweisungen für FFP2-Masken druckt, hat sich diesbezüglich folgedermaßen geäußert: „FFP2-Masken sind ursprünglich Arbeitsschutzmasken, die im Handwerk eingesetzt werden. Sie werden deshalb standardmäßig nicht darauf getestet, dass sie vor Viren wie dem SARS-CoV-2-Virus schützen. Daher übernehmen wir keine Haftung für diese Art der Nutzung.“ (https://www.br.de/nachrichten/wissen/stimmt-es-dass-ffp2-masken-nicht-vor-viren-schuetzen,SMdj8yf).

Eine andere Firma stellt hochpräzise Geräte zur Messung von Partikeln in der Luft her. In den vergangenen drei Monaten (Stand: 28. Januar 2021) hat diese mehr als 400 Masken getestet (https://www.rnd.de/wirtschaft/ffp2-masken-wie-wirksam-sind-sie-wirklich-gegen-aerosole-TMYS5MYMOZEV3L2S5A3V2BGQ4I.html). Das Ergebnis: Acht von zehn Exemplaren würden bei kleinsten Aerosolpartikeln, mit denen auch Coronaviren transportiert werden, deutlich weniger als 94 Prozent der Schwebeteilchen zurückhalten (ebd.). Der Typ FFP2 ist offiziell als „persönliche Schutzausrüstung“ (PSA) beispielsweise für Bauarbeiter klassifiziert und eigentlich für gröbere Staubpartikel und nicht für den Virenschutz ausgelegt (ebd.). Eine Anfrage dazu bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ergab: Beim Thema „Messtechnik und Normung“ liege keine Expertise vor, da die BAuA persönliche Schutzausrüstung schon länger nicht mehr in ihrem Arbeitsprogramm habe, so ein Sprecher (ebd.). Werden bei der Prüfung viele große Aerosole eingesetzt, lässt eine Maske weniger durch als beim Testen mit ganz kleinen Aerosolen (ebd.). Der Wert von 94 Prozent wird aber für alle Teilchen insgesamt errechnet, die beim Test eingesetzt werden (ebd.). Es wird nicht nach verschiedenen Größengruppen differenziert (ebd.). Genau das hat aber ein Wissenschaftler, Experte für Gas-Partikel-Systeme am Karlsruher Institut für Technologie, gemacht (ebd.). Das Ergebnis: Teilchen verschiedener Größe würden unterschiedlich abgeschieden. So könnten Masken zwar insgesamt 94 Prozent der Partikel aus den Testaerosolen herausfiltern (ebd.). Gleichzeitig könnten Teilchen „in einem Größenbereich, der nach heutigem Wissensstand Corona-Partikel in der Luft transportiert, um 80 Prozent“ herausgefiltert werden, sagte der Experte (ebd.). Laut diesem passierten 20 Prozent der kleinen Partikel, die COVID-19-Viren tragen können, die Masken (ebd.). Die Wissenschaftler des Teams um den Professor haben bei ihren Tests noch höhere Werte gemessen: „Zugelassene und mit der CE-Kennzeichnung versehene FFP2-Masken hatten zum Teil einen Durchlassgrad von mehr als 30 Prozent im Bereich der Viruspartikel“ (ebd.).

Ein weiterer Experte, Arzt und Sachverständiger für Medizintechnik, spricht indes von einem Prüfchaos (ebd.). „Eine vergleichende Bewertung von Schutzmasken ist nicht möglich, und der bestmögliche Schutz durch Kauf von Masken mit den besten Prüfergebnissen ist nicht gewährleistet“ (ebd.). Er fordert bessere Messverfahren bei den Tests, „die zu eindeutigen, reproduzierbaren Ergebnissen führen“ (ebd.). Weil sie eigentlich keine medizinischen Masken sind, werden FFP2-Masken im Rahmen der Zertifizierung aber nicht explizit darauf geprüft, ob sie Bakterien oder Viren abhalten, erklärt ein Pressesprecher des BfArM (ebd.).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Wieso investiert die Bundesregierung Gelder in Millionenhöhe (https://www.merkur.de/verbraucher/corona-maske-ffp2-apotheken-kostenlos-risikopatienten-atemschutz-deutschland-90130697.html) in FFP2-Masken, wenn nicht nachgewiesen ist, dass diese vor den Coronaviren schützen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

2

Auf welcher Grundlage wurde von der Bundesregierung die Entscheidung getroffen, FFP2-Masken zu beschaffen (https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/masken-1844366)?

3

Aus welchem Grund folgt die Bundesregierung der Einschätzung des RKI nicht, das FFP2-Masken nicht empfiehlt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

4

Aus welchem Grund hält die Bundesregierung an der Maskenpflicht fest, obwohl sie diese zu Beginn der Pandemie strikt abgelehnt hat (https://www.tagesschau.de/inland/corona-deutschland-mundschutz-101.html)?

5

Sieht die Bundesregierung perspektivisch die Möglichkeit, die Maskenpflicht wieder aufzuheben, und wenn ja, in welchem Zeithorizont?

6

Hat die Bundesregierung Einfluss auf das Maskenangebot, vor allem im Hinblick auf den tatsächlichen Schutz der Masken gegen das Coronavirus?

Sieht die Bundesregierung einen Handlungsbedarf hin zu einer einheitlichen bundesweiten neuen FFP2-Prüfnorm, wenn nachweislich die Virusgröße des Coronavirus kleiner ist als die bei der Prüfung eingesetzten Aerosole (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

7

Entwickelt die Bundesregierung zukunftsorientiert für eventuell neu entstehende Pandemien eine neue und fundierte Prüfgrundlage für FFP2-Masken?

8

Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Entwicklung oder Planung von neuen Maskenmodellen für den jeweiligen entsprechenden Sektor, beispielsweise Bau- oder Medizinsektor?

Wenn ja, wann kann nach Kenntnis der Bundesregierung ggf. mit der Entwicklung bzw. Planung gerechnet werden?

Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 25. März 2021

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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