Börsengänge durch Spacs (Special Purpose Acquisition Company)
der Abgeordneten Bettina Stark-Watzinger, Christian Dürr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Till Mansmann, Frank Schäffler, Dr. Florian Toncar, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Torsten Herbst, Dr. Gero Clemens Hocker, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Karsten Klein, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Alexander Müller, Dr. Martin Neumann, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Stephan Thomae, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Spacs steht für Special Purpose Acquisition Company. Dahinter verbergen sich börsennotierte Firmenhüllen. Spacs sammeln erst an der Börse Geld von Investoren ein, um dann mit dem eingesammelten Kapital ein oder mehrere Unternehmen zu übernehmen, die ein operatives Geschäft haben. Das aufgekaufte Unternehmen (Zielunternehmen) schlüpft in den bis dorthin leeren Börsenmantel. Es ist somit auch ein schneller Weg für Unternehmen, unkompliziert an die Börse zu gelangen. Aufgelegt werden Spacs in der Regel durch Investmentbanker oder Beteiligungsspezialisten. Sie werden Sponsoren genannt. Auch Privatanleger können früher als bei einem klassischen IPO und somit auch bei niedrigen Kursen in Spacs einsteigen. Sie können damit auch in Wagniskapital investieren, das ansonsten institutionellen Anlegern vorbehalten ist (vgl. https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/spacs-das-heisseste-ding-an-den-kapitalmaerkten-was-sie-darueber-wissen-sollten-a-3b49583d-7577-41e9-b4cc-bbf88722126f).
Allerdings geben die Investoren ihr Geld an die Sponsoren einer Mantelfirma, ohne konkret zu wissen, welches Unternehmen damit übernommen werden soll. Gefällt ihnen dann die Übernahmeentscheidung der Manager nicht, können sie immer noch aussteigen und erhalten den Kaufpreis ihrer Aktien zurück. Damit sind Anleger bei Spacs relativ flexibel. Zudem gilt: Sobald der Sponsor ein Unternehmen kaufen will, braucht er die Zustimmung der Mehrheit der Aktionäre (vgl. https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/spacs-das-heisseste-ding-an-den-kapitalmaerkten-was-sie-darueber-wissen-sollten-a-3b49583d-7577-41e9-b4cc-bbf88722126f).
Durch Spacs wird es unter anderem für Start-ups möglich, statt über einen oft längeren Weg des klassischen Börsengangs schnell an die Börse zu gehen. Sponsoren verfügen oftmals über gute Kontakte zum Unternehmen, das übernommen werden soll (vgl. https://www.faz.net/aktuell/finanzen/spac-boersenmaentel-kommen-auch-in-europa-in-mode-17170079.html?premium).
Deutscher Bundestag Drucksache 19/28228
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Welche grundsätzliche Haltung vertritt die Bundesregierung gegenüber Börsengängen von Spacs? Welche Chancen und welche Risiken sieht die Bundesregierung im Zusammenhang mit Spacs? Welche Vor- und welche Nachteile sieht die Bundesregierung in Spacs gegenüber klassischen Börsengängen?
Wie viele Spacs sind in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung bisher an die Börse gegangen? Welche Zielunternehmen wurden durch die Spacs gekauft?
Ist der Bundesregierung bekannt, welche weiteren Spacs in diesem Jahr in Deutschland sowie in Europa an die Börse gehen werden?
Wie viele Spacs gab es nach Kenntnis der Bundesregierung 2020 weltweit, wie viele in den USA, wie viele in Europa, und wie verteilten sich die Spacs auf die europäischen Börsenplätze?
Wie viel Kapital ist nach Kenntnis der Bundesregierung bei Spacs-Börsengängen in Deutschland bisher mobilisiert worden (bitte nach Spacs aufschlüsseln)? Hat die Bundesregierung Kenntnis, wie viel Kapital an anderen europäischen Börsenplätzen bislang eingesammelt werden konnte?
Hat die Bundesregierung Kenntnis, wie sich die Investoren zusammensetzen, die in Spacs investieren (z. B. welche institutionellen Anleger, wie viel Prozent machen Privatanleger aus)?
Wie stuft die Bundesregierung die geplanten Veränderungen der Londoner Börse hinsichtlich einer Attraktivitätssteigerung für Spacs ein (vgl. https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/london-lockert-regulierung-fuer-boersengaenge-17228020.html)?
Plant die Bundesregierung ebenfalls Änderungen an der Regulierung für Spacs?
Hat die Bundesregierung geprüft, ob sie in Spacs eine Chance sieht, gerade junge wachstumsstarke Start-up-Unternehmen an die Börse zu bringen? Wenn ja, welche Chancen lägen nach Ansicht der Bundesregierung darin, über Spacs mehr Wachstumskapital in den nach Ansicht der Fragesteller besonders kritischen späteren Wachstumsphasen von Start-up-Unternehmen einzusammeln?
Hat die Bundesregierung sich eine Meinung gebildet hinsichtlich der Möglichkeit für Privatanleger, über Spacs in Wagniskapital zu investieren, und wenn ja, welche Ansicht vertritt die Bundesregierung diesbezüglich? Sieht die Bundesregierung in Spacs die Möglichkeit, um in Deutschland mehr Wagniskapital bereitzustellen?
Hat die Bundesregierung eine Haltung dazu angenommen, ob gewisse Kriterien (z. B. Größe, Profitabilität) von Zielunternehmen erfüllt sein sollten, um den Schritt über Spacs an die Börse zu wagen, sodass eine gewisse Sicherheit besteht, dass das Zielunternehmen des Spacs reif für die Börse ist und es einen Börsengang auch über den traditionellen Weg geschafft hätte? Wenn ja, welche?
Wie bewertet die Bundesregierung Spacs hinsichtlich des Anlegerschutzes?
Sieht die Bundesregierung die Gefahr, dass ausländische Spacs deutsche Unternehmen aufkaufen und an Börsen im Ausland bringen? Bei wie vielen Spacs wurden nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche Zielfirmen über Spacs an ausländische Börsen gebracht (wenn möglich bitte Zielfirmen inklusive Börsenplatz aufzählen)?
Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Kosten eines klassischen Börsengangs? Inwiefern unterscheidet sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Kostenstruktur bei Spacs? Wie unterscheiden sich nach Kenntnis der Bundesregierung beide Arten des Börsengangs hinsichtlich der Dauer des Börsengangs?
Hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode Maßnahmen umgesetzt, damit es für Start-up-Unternehmen attraktiver wird, einen Börsengang in Deutschland zu wagen? Wenn ja, welche?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung für ihr eigenes Handeln aus der Tatsache, dass deutsche Unternehmen, wie BioNTech oder CureVac, Börsengänge in den USA angestrebt haben? Welche deutschen Unternehmen haben nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren einen Börsengang an ausländischen Börsen durchgeführt?
Wo sieht die Bundesregierung weiteren Bedarf, um die Rahmenbedingungen für IPOs in Deutschland zu verbessern?
Hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode allgemein Maßnahmen umgesetzt, damit die Bedeutsamkeit des deutschen Börsenplatzes wächst? Wenn ja, welche?