[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Thomas Seitz, Corinna Miazga,
Stephan Brandner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/983 –
Maßnahmen gegen das Coronavirus bzw. gegen dessen Verbreitung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Richter des österreichischen Verfassungsgerichtshofs haben viele Fragen
zu den Corona-Maßnahmen, die von der Regierung verhängt worden sind
(
https://www.cicero.de/aussenpolitik/corona-wien-verfassungsgerichtshof-ges
undheitsminister).
Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat im Zuge seiner Prüfung der
Corona-Maßnahmen Fragen an das österreichische Bundesministerium für
Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz übermittelt. In erster Linie
will das Gericht wissen, wie gerechtfertigt die Verordnungen waren, die etwa
Lockdown und 2G-Regel umfassten. Das Interesse gilt dabei vor allem der
Belastung des Gesundheitssystems, an die die Maßnahmen gekoppelt waren.
Bis zum 18. Februar 2022 sind die Fragen zu beantworten (
https://www.dersta
ndard.de/story/2000132957841/verfassungsgerichtshof-prueftcoronamassna
hmen;
https://www.derstandard.de/story/2000132992167/hoechstgericht-loech
ert-gesundheitsminister).
Die in Deutschland verhängten Maßnahmen im Zuge der Bekämpfung des
Coronavirus erscheinen den Fragestellern fragwürdig und unverhältnismäßig.
Vor allem nichtgeimpfte Bürger werden nach Auffassung der Fragesteller
massiv in ihren Rechten eingeschränkt und diskriminiert.
1. Umfassen die als Grundlage für die von der Bundesregierung
mitbeschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verwendeten
Hospitalisierungs- bzw. Verstorbenenzahlen alle mit SARS-CoV-2
infizierten Personen, die in Krankenhäusern auf Normal- oder
Intensivstationen untergebracht sind bzw. die „an oder mit“ SARS-CoV-2 verstorben
sind?
Wenn ja, warum wird diese Zählweise gewählt (die Zahlen bitte
aufschlüsseln nach: Personen, die an COVID-19 verstorben sind; Personen,
die mit COVID-19 verstorben sind, und Personen, die asymptomatisch
mit SARS-CoV-2 verstorben sind; Personen, die wegen COVID-19 auf
Intensivstationen hospitalisiert wurden; Personen, die wegen einer
anderen Indikation auf Intensivstationen hospitalisiert wurden, aber auch an
Deutscher Bundestag Drucksache 20/1261
20. Wahlperiode 31.03.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 30. März 2022
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
COVID-19 litten, und schließlich Personen, die wegen einer anderen
Indikation auf Intensivstationen hospitalisiert wurden und asymptomatisch
oder mit mildem, an sich nicht hospitalisierungsbedürftigem Verlauf mit
SARS-CoV-2 infiziert waren; Personen, die wegen COVID-19 auf
Normalstationen hospitalisiert wurden; Personen, die wegen einer anderen
Indikation auf Normalstationen hospitalisiert wurden, aber auch an
COVID-19 litten, und Personen, die wegen einer anderen Indikation auf
Normalstationen hospitalisiert wurden und asymptomatisch oder mit
mildem, an sich nicht hospitalisierungsbedürftigem Verlauf mit SARS-
CoV-2 infiziert waren)?
In die Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) gehen die COVID-19-
Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 (direkter
Erregernachweis) vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind.
Das Risiko an COVID-19 zu versterben ist bei Personen, bei denen bestimmte
Vorerkrankungen bestehen, höher. Daher ist es in der Praxis häufig schwierig
zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2-Infektion direkt zum Tode
beigetragen hat. Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben
sind („gestorben an“), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-
CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt,
was die Todesursache war („gestorben mit“), werden derzeit erfasst. Generell
liegt es immer im Ermessen des Gesundheitsamtes, ob ein Fall als verstorben
an bzw. mit COVID-19 ans RKI übermittelt wird oder nicht. Bei einem
Großteil der an das RKI übermittelten COVID-19-Todesfälle wird „verstorben an
der gemeldeten Krankheit“ angegeben; (
www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2
019/gesamt.html;jsessionid=9F7FD5DB4515BFF0D4142E5AA0C0B47D.inter
net111?nn=2386228).
Darüber hinaus wird in fast allen Ländern der vertrauliche Teil der
Todesbescheinigung an das Gesundheitsamt gesendet. Dort kann ein Abgleich mit
den Meldedaten erfolgen, wenn auf der Todesbescheinigung als Todesursache
eine Infektionskrankheit angegeben ist.
2. Wie hoch ist das Durchschnittsalter, und wie hoch ist das Medianalter der
wegen COVID-19 auf Normalstationen und auf Intensivstationen
hospitalisierten Personen sowie der an COVID-19 verstorbenen Personen?
3. Wie hoch ist die Zahl der Todesfälle pro 100 000 Erkrankungsfällen nach
Alterskohorten und Geschlecht?
Wie hoch ist die Zahl der Hospitalisierungen auf Normal- bzw.
Intensivstationen pro 100 000 Erkrankungsfällen nach Alterskohorten und
Geschlecht?
4. Wie hoch ist die Zahl der Todesfälle pro 100 000 Infektionen nach
Alterskohorten und Geschlecht?
Wie hoch ist die Zahl der Hospitalisierungen auf Normal- bzw.
Intensivstationen pro 100 000 Infektionen nach Alterskohorten und Geschlecht?
Die Fragen 2 bis 4 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Meldedaten zu „COVID-19-Fälle nach Meldewoche und Geschlecht sowie
die Anteile mit für COVID-19 relevanten Symptomen, Anteile Hospitalisierter/
Verstorbener und Altersmittelwert/-median“ werden jeden Donnerstag unter
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Klinische_A
spekte.html veröffentlicht. Eine Unterscheidung zwischen „mit“ und „wegen“
COVID-19 erfolgt nicht. Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
Ein Unterschied zwischen Erkrankungsfall und Infektion kann nicht erfolgen,
da die von den Gesundheitsämtern gelieferten Daten hinsichtlich vorhandener
Symptome insbesondere bei hohen Fallzahlen unvollständig sind, oder erst
später ermittelt werden können.
5. Wie hoch ist die Zahl der Todesfälle pro 100 000 Einwohnern nach
Alterskohorten und Geschlecht?
Wie hoch ist die Zahl der Hospitalisierungen auf Normal- bzw.
Intensivstationen pro 100 000 Einwohner nach Alterskohorten und Geschlecht?
Die Zahl der Todesfälle pro 100.000 Einwohnern nach Alterskohorten und
Geschlecht wird nicht gesondert ausgewiesen. Die Zahl der Hospitalisierungen
pro 100.000 Einwohnern nach Alterskohorten wird jeden Donnerstag
veröffentlicht (unter
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/K
linische_Aspekte.html; siehe Tabellenblatt). Eine Unterscheidung nach
Geschlecht wird nicht ausgewiesen.
6. Welche Virusvarianten waren am 1. Januar 2022 und tagesaktuell zu
welchen Prozentsätzen bei Infizierten bzw. Hospitalisierten bzw.
Verstorbenen vertreten?
Im Wochenbericht des RKI vom 17. März 2022 stellten sich für die
Kalenderwoche 52/2022 die Anteile der Virusvarianten folgendermaßen dar: 46 Prozent
Delta-Variante, 53,1 Prozent Omikron-Variante Sublinie BA.1, 0,2 Prozent
Omikron-Variante Sublinie BA.2.
Die Omikron-Variante des SARS-CoV-2-Virus ist in Deutschland die
dominierende SARS-CoV-2-Variante. Andere Varianten, wie zuletzt die VOC (Variant
of Concern) Delta, wurden fast vollständig verdrängt und werden zurzeit nur in
sehr geringem Umfang nachgewiesen. Der Anteil der Omikron-Variante
(inklusive aller Sublinien) lag in Kalenderwoche 09/2022 bei 99 Prozent, der Anteil
von Delta ist auf unter 1 Prozent gesunken.
Informationen zur Anzahl und dem Anteil in der Stichprobe (Sequenzdaten)
herausgefundenen und der über das Meldewesen nach Infektionsschutzgesetz
(IfSG) übermittelten besorgniserregenden und unter Beobachtung stehenden
Varianten (VOC und Variant of Interest/VOI) finden sich auf der Internetseite
des RKI (
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/VO
C_VOI_Tabelle.html). Die Tabelle wird immer donnerstags aktualisiert.
Weitere Informationen werden jeden Donnerstag im ausführlichen
Wochenbericht des RKI zu COVID-19 veröffentlicht (
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/
N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenberichte_
Tab.html).
7. Wie stellt sich die prozentuelle Zuordnung von stattfindenden
Infektionen auf Lebensbereiche (wie beispielsweise Familie, Arbeit, Einkauf
[Grundversorgung, andere Güter], verschiedene Freizeitbeschäftigungen)
dar und auf den Anteil der Infektionen, die überhaupt zugeordnet werden
können?
Die Gesundheitsämter ermitteln im Rahmen der Umgebungsuntersuchung nach
Möglichkeit sowohl Kontaktpersonen, die sich bei dem Fall angesteckt haben
könnten, als auch, wo sich ein Fall selbst angesteckt haben könnte
(Quellensuche). Die betroffenen Personen werden hierfür vom Gesundheitsamt befragt.
Diese Informationen lassen sich jedoch nicht immer ermitteln und liegen
deshalb nur für einen Teil der Fälle vor. In der aktuellen Omikronwelle wird
zudem nur ein Teil der Infektionen dem Gesundheitsamt bekannt. Prozentuale
Zuordnungen können aus diesem Grund nicht getroffen werden.
8. Um welchen Faktor reduziert das Tragen einer FFP2-Maske in
geschlossenen Räumen bzw. im Freien nach Kenntnis der Bundesregierung das
Ansteckungs- bzw. Übertragungsrisiko?
Eine detaillierte Studie aus Göttingen (
www.ds.mpg.de/3822295/211202_upper
bound_infections) weist das maximale Risiko einer Infektion mit dem
Coronavirus für verschiedene Szenarien mit und ohne Masken aus. Selbst ein Abstand
von drei Metern zu einer infektiösen Person kann zu einer Infektion mit dem
Coronavirus führen. Dieses Risiko wird durch das Tragen einer medizinischen
Maske, zum Beispiel einer OP- oder vor allem einer FFP2-Maske, erheblich
reduziert. Die Studie stellt verschiedenen Szenarien bei unterschiedlichen
Tragweisen medizinischer Masken dar:
Szenario 1: Eine infizierte und eine nicht infizierte Person tragen jeweils eine
gut sitzende FFP2-Maske – das Ansteckungsrisiko beträgt nach 20 Minuten
selbst auf kürzeste Distanz kaum mehr als ein Tausendstel.
Szenario 2: Eine infizierte und eine nicht infizierte Person tragen jeweils eine
schlecht sitzende FFP2-Maske – die Infektionswahrscheinlichkeit steigt auf
etwa 4 Prozent.
Szenario 3: Eine infizierte und eine nicht infizierte Person tragen jeweils eine
gut angepasste OP-Maske – die Ansteckungswahrscheinlichkeit innerhalb von
20 Minuten liegt bei höchstens 10 Prozent.
9. Um welchen Faktor reduziert die Abstandsregel in geschlossenen
Räumen bzw. im Freien nach Kenntnis der Bundesregierung das
Ansteckungs- bzw. Übertragungsrisiko?
Der Effekt des Einhaltens einer Distanz von mindestens einem Meter wurde im
Rahmen einer Meta-Analyse von Chu et al. (Lancet 2020) untersucht. Darin
kommt der Autor zu einer geschätzten Risikoreduktion von etwa 80 Prozent.
Allerdings kann diese Schätzung nur als grober Richtwert für kurzzeitige
Exposition verwendet werden. Generell können bei der Übertragung über kurze
Distanzen sowohl eine Exposition zu (größeren) Tropfen als auch zu (kleinen bis
sehr kleinen) Tröpfchenkernen/Partikel/Aerosolen eine Rolle spielen. Beim
Atmen, Sprechen, Schreien und Singen werden vor allem Aerosole emittiert.
Neben der Distanz sind auch noch andere Faktoren von großer Bedeutung, wie
die Dauer der Exposition, die Partikelemissionsrate, die Viruslast des
Infizierten, das Atemminutenvolumen des Exponierten, die Frischluftzufuhr und
weitere präventive Faktoren, insbesondere das Tragen von Masken (Dai, Build
Simul 2020; Lelieveld IJERPH 2020; Kriegel JERPH_2021).
10. Wie verteilen sich die Impfraten (gegliedert nach einfach, zweifach,
dreifach, vierfach geimpft) auf Alterskohorten?
Die Daten zu den Impfquoten werden täglich erhoben und von montags bis
freitags auf der Homepage des RKI aktualisiert (
www.rki.de/DE/Content/InfA
Z/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquoten-Tab.html). Eine Ergänzung
um die 4. Impfung wird das RKI in Kürze vornehmen.
11. Bezogen auf Omikron-Infektionen, wie hoch war durchschnittlich die
7-Tage-Inzidenz im Januar 2022 bei Personen ohne Schutzimpfung
gegen COVID-19, bei Personen nach der Zweitimpfung, aber vor Ablauf
von 14 Tagen nach der Zweitimpfung, dann bei Personen mit
abgeschlossener Impf-“Grundimmunisierung“ (ohne „Booster-Impfung“) und
schließlich bei Personen mit „Booster-Impfung“?
Die wöchentliche Inzidenz nach Impfstatus (Ungeimpft, Grundimmunisiert
(ohne Booster) und mit Auffrischimpfung) wird in den Wochenberichten des
RKI ausgewiesen (
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/
Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenberichte_Tab.html). Auswertungen
nach unvollständiger Impfung werden vom RKI nicht durchgeführt.
12. Um welchen Faktor verringert die COVID-Schutzimpfung nach
Kenntnis der Bundesregierung das Risiko schwerer Verläufe?
Die berechnete Impfeffektivität wird in den Wochenberichten des RKI
ausgewiesen (
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsb
erichte/Wochenbericht/Wochenberichte_Tab.html). Darüber hinaus ist auch der
Vergleich der wöchentlichen Inzidenzen zwischen ungeimpften und
grundimmunisierten Personen beziehungsweise zwischen ungeimpften Personen und
Personen mit Auffrischimpfung möglich, die für jede dargestellte Meldewoche
und Altersgruppe das erhöhte Risiko für die ungeimpfte Personen darstellen.
Für die Altersgruppe 60+ wurde zum Beispiel in der Meldewoche 05/2022 ein
um etwa 10-fach höheres Risiko für ungeimpfte Personen bezogen auf die
Hospitalisierung festgestellt, als dies für geimpfte Personen der Fall war (
www.rk
i.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Inzidenz_Impfstatu
s.html).
13. Um welches Maß vermindern nach Kenntnis der Bundesregierung eine
Erstimpfung, eine Zweitimpfung und eine Drittimpfung das Risiko,
wegen COVID-19 auf einer Normalstation bzw. auf einer Intensivstation
hospitalisiert zu werden bzw. an COVID-19 zu versterben?
Hängt dieses Maß von der (jeweils vorherrschenden) Virusvariante ab?
Die berechnete Impfeffektivität in den Wochenberichten des RKI (
www.rki.de/
DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenberic
ht/Wochenberichte_Tab.html) gibt dazu Auskunft. Die entsprechenden Werte
hinsichtlich der Effektivität gegenüber einer intensivstationären Betreuung sind
der Abbildung 20 auf Seite 28 des Berichtes vom 24. März 2022 (
www.rki.de/
DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenberic
ht/Wochenbericht_2022-03-24.pdf?__blob=publicationFile) zu entnehmen.
Die Wirksamkeit der Impfung ist von der Virus-Variante abhängig. Der Schutz
einer Zweitimpfung gegen Hospitalisierung liegt für die Delta-Variante initial
(0 bis 3 Monate nach der letzten Dosis) bei 95 bis 99 Prozent für die Omikron-
Variante bei 65 bis 85 Prozent. Durch eine Dreifachimpfung ist die
Schutzwirkung initial gegen eine Hospitalisierung gleichbleibend hoch für die
Delta-Variante und liegt bei 80 bis 95 Prozent für die Omikron-Variante
(Quelle:
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/up
loads/attachment_data/file/1060787/Vaccine_surveillance_report_-_week_1
0.pdf, Tabelle 2).
14. Verringert sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Schutzwirkung
von COVID-Schutzimpfungen mit dem Zeitablauf?
Wie hoch ist demnach der Schutzfaktor nach der Zweitimpfung mit dem
am häufigsten verwendeten Impfstoff drei Monate, sechs Monate und
neun Monate nach der Zweitimpfung (bitte die absolute und die relative
Risikoreduktion angeben)?
Die Schutzwirkung der COVID-19 Impfungen gegen eine SARS-CoV-2-
Infektion nimmt über einen Zeitraum von sechs Monaten nach abgeschlossener
Grundimmunisierung mit zwei Impfdosen (1 Dosis für Janssen) im Mittel um
21 Prozent ab (Feikin et al.,
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00152-0);
für eine schwere COVID-19-Erkrankung um 10 Prozent.
Dem wöchentlichen Surveillance Bericht der United Kingdom Health Security
Agency (UK HSA) kann für die Endpunkte SARS-CoV-2 Infektion,
symptomatische Erkrankung (Abbildungen 1a und 1b), Hospitalisierung (Abbildungen
2a und 2b) und Mortalität (Tabellen 1und 2) jeweils für die Zeiträume 0 bis
3 Monate, 4 bis 6 Monate und >6 Monate die gemittelte Impfstoffwirksamkeit
einer Grundimmunisierung oder Auffrischimpfung für die Delta- und Omikron-
Variante entnommen werden (
https://assets.publishing.service.gov.uk/governm
ent/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1060787/Vaccine_surveillanc
e_report_-_week_10.pdf).
15. Wie hoch ist der Anteil der Erst-, Zweit- bzw. Drittgeimpften an den
wegen COVID-19 bzw. den mit SARS-CoV-2 hospitalisierten Personen?
Es wird auf die veröffentlichten Daten zum Impfstatus der symptomatischen
COVID-19-Fälle nach Altersgruppe und Krankheitsschwere (Tabelle 3) in den
Wochenberichten des RKI verwiesen (
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuart
iges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenberichte_Ta
b.html). Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
16. Um welches Maß sinkt nach Kenntnis der Bundesregierung durch die
COVID-Schutzimpfung jeweils das Infektions-, das Erkrankungs- und
das Übertragungsrisiko (falls dieses Maß von der Zahl der Impfungen
und oder vom verstrichenen Zeitraum seit der letzten Impfung abhängt,
bitte näher aufschlüsseln)?
Es wird auf die veröffentlichten Daten zu den Inzidenzen der symptomatischen
und hospitalisierten COVID-19-Fälle nach Impfstatus sowie zu den
Impfdurchbrüchen in den Wochenberichten des RKI verwiesen (
www.rki.de/DE/Content/
InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberich-te/Wochenbericht/Wochenb
erichte_Tab.html).
Das RKI führt seit Beginn der COVID-19-Impfkampagne ein kontinuierliches
Monitoring der Impfdurchbrüche durch. Die Impfdurchbrüche werden
regelmäßig mit dem Ziel ausgewertet, eine verminderte oder nachlassende
Effektivität der in Deutschland verwendeten COVID-19-Impfstoffe – eventuell auch nur
in einzelnen Altersgruppen – möglichst rasch zu erkennen und aus diesen
Erkenntnissen Empfehlungen abzuleiten.
17. Mit welcher Wahrscheinlichkeit schließt nach Kenntnis der
Bundesregierung ein negativer molekularbiologischer Test auf SARS-CoV-2 aus,
dass die getestete Person innerhalb von 72 Stunden ab Testnahme andere
Personen mit SARS-CoV-2 infizieren kann?
18. Wie lange ab (negativer) Testnahme ist es unter Berücksichtigung der
Inkubationszeit nach Kenntnis der Bundesregierung (mit höchster
Wahrscheinlichkeit) ausgeschlossen, dass eine negativ getestete Person SARS-
CoV-2-Viren überträgt?
Die Fragen 17 und 18 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Generell wird die Richtigkeit des Ergebnisses von diagnostischen Tests neben
der analytischen Qualität des Tests auch von der Qualität der Probe
(präanalytische Aspekte) sowie von der Verbreitung einer Erkrankung bzw. der Infektion
beeinflusst. Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer
Infektion mit SARS-CoV-2 nicht aus. Falsch-negative Ergebnisse können zum
Beispiel aufgrund schlechter Qualität der Probennahme, unsachgemäßem
Transport oder ungünstigem Zeitpunkt bezogen auf den Krankheitsverlauf, der
Probenentnahme nicht ausgeschlossen werden. Weiterführende Informationen zum
Thema Testung von Patientinnen und Patienten auf SARS-CoV-2 sind auf den
Internetseiten des RKI veröffentlicht (
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuart
iges_Coronavirus/Vorl_Testung_nCoV.html;jsessionid=452D097A455AC7F9
C7F46A22C3674409.internet061?nn=2386228).
19. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das Übertragungsrisiko
bei einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person mit Zweitimpfung, die drei,
sechs bzw. acht Monate zurückliegt, im Vergleich zu einer ungeimpften
Person, deren negativer PCR-Test 24 Stunden zurückliegt?
Eine dänische Studie untersuchte anhand von Registerdaten die
Übertragungsdynamik von Omikron-Infektionen in dänischen Haushalten im Dezember
2021 und bestimmte die sekundären Erkrankungsraten (Secondary Attack Rate;
SAR) (Lyngse FP et al.; Preprint vom 27. Dezember 2021,
www.medrxiv.org/c
ontent/10.1101/2021.12.27.21268278v1).
In der Zusammenschau zeigen die Studienergebnisse, dass die Omikron-
Variante für vollständig grundimmunisierte Personen und für Personen mit
Auffrischungsimpfung 2,6-fach beziehungsweise 3,6-fach infektiöser ist als die
Delta-Variante, während bei nicht geimpften Haushaltspersonen kaum ein
Unterschied in der Empfänglichkeit gegenüber der Delta- versus Omikron-
Variante zu sehen war. Diese Beobachtungen legen nahe, dass sich die
Omikron-Variante primär durch Immunevasion (Immunflucht) und auch durch
eine inhärente höhere Infektiosität rapide verbreitet. Entsprechend betonen die
Autorinnen und Autoren, dass es zur Eindämmung der Omikron-Variante
besonders auch auf nicht-pharmazeutische Präventionsmaßnahmen ankommt. Des
Weiteren unterstreichen die Daten die Schutzwirkung einer Auffrischimpfung
gegenüber Infektionen mit der Omikron-Variante, wobei die Studie aufgrund
der kurzen Beobachtungszeit keine Aussage zur Schutzdauer zulässt.
Studienergebnisse, die sich auf die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen fokussieren,
liegen nicht vor.
20. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das COVID-bezogene
Hospitalisierungsrisiko (Normalstation bzw. Intensivstation) eines
ungeimpften 25-Jährigen im Zeitraum eines Jahres?
Die übermittelten COVID-19-Fälle (inklusive asymptomatischer SARS-CoV-2-
Infektionen) pro 100.000 Einwohner nach Krankheitsschwere und
Altersgruppen in Deutschland sowie die Rate der mit oder wegen einer SARS-CoV-2-
Infektion hospitalisierten Personen im Zeitraum vom 1. März 2020 bis Anfang
Dezember 2021 (48. Kalenderwoche) sind in Abbildung 4 der
wissenschaftlichen Begründung zur 15. Aktualisierung der Empfehlung der Ständigen
Impfkommission beim RKI (STIKO) dargestellt, die im Epidemiologischen Bulletin
des RKI vom 6. Januar 2022 auf Seite 29 veröffentlicht wurde (
www.rki.de/D
E/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2022/Ausgaben/01_22.pdf?__blob=publicati
onFile).
21. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das COVID-bezogene
Hospitalisierungsrisiko (Normalstation bzw. Intensivstation) eines
zweifach mit dem in Deutschland gebräuchlichsten Impfstoff geimpften
25-Jährigen im dritten, sechsten bzw. neunten Monat nach der
Zweitimpfung, umgerechnet auf den Zeitraum eines Jahres?
Daten zur Wirksamkeit der COVID-19-Grundimmunisierung und 1.
Auffrischimpfung zur Verhinderung jeglicher oder einer symptomatischen SARS-CoV-2-
Omikron-Infektion bei Erwachsenen liegen aus England, Schottland,
Dänemark, Kanada und den USA vor. Es wurden hauptsächlich mRNA-Impfstoffe
eingesetzt. Die wissenschaftliche Begründung der 18. Aktualisierung der
STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen COVID-19 enthält eine tabellarische
Zusammenstellung von Beobachtungsstudien zur Wirksamkeit
(Vakzineeffektivität, VE) einer 1. Auffrischimpfung gegen verschiedene Endpunkte mit einem
COVID-19-Impfstoff gegenüber der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 und
wurde im Epidemiologisches Bulletin Nr. 7/22, Seite 46 ff., Tabelle 3
veröffentlicht (
www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2022/Ausgaben/07_22.p
df?__blob=publicationFile).
22. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das COVID-bezogene
Hospitalisierungsrisiko (Normalstation bzw. Intensivstation) eines
ungeimpften 65-Jährigen im Zeitraum eines Jahres?
Es wird auf die Antwort auf Frage 20 verwiesen.
23. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das COVID-bezogene
Hospitalisierungsrisiko (Normalstation bzw. Intensivstation) eines
zweifach mit dem in Deutschland gebräuchlichsten Impfstoff geimpften
65-Jährigen im dritten, sechsten bzw. neunten Monat nach der
Zweitimpfung, umgerechnet auf den Zeitraum eines Jahres?
Es wird auf die Antwort auf Frage 21 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]