Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/7476 –
Forschungsstipendien der Alexander von Humboldt-Stiftung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) ist eine gemeinnützige Stiftung
zur Förderung der internationalen und langfristigen Zusammenarbeit in der
Forschung. Sie fördert seit 1953 Wissenschaftskooperationen ausländischer
und deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In diesen beinahe
70 Jahren sind Verbindungen zu und mit 30 000 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus 140 Ländern nach und mit Deutschland entstanden,
deren Wert nach Auffassung der Fraktion der CDU/CSU nicht hoch genug
eingeschätzt werden kann.
Über Stipendien und Preise kommen Forscherinnen und Forscher aus dem
Ausland nach Deutschland, um Projekte innerhalb eines
Wissenschaftsnetzwerkes durchzuführen, das langfristige Verbindungen in den
meinungsbildenden Milieus beider Länder begründet und auch für die Politik fruchtbar
macht.
Wenige Kulturmittler, die für Deutschland tätig sind, haben sich aus Sicht der
Fragesteller über so viele Jahrzehnte einen so manifest guten Ruf erworben
wie die Alexander von Humboldt-Stiftung in der internationalen
Wissenschaftsgemeinschaft. Deshalb ist es nach Überzeugung der Fraktion der
CDU/CSU wichtig, sie auch unter heute erschwerten Bedingungen zu stützen
und zu stärken, nicht zuletzt über eine auskömmliche Finanzierung.
Die Stipendienraten für die Forschungsstipendien der AvH wurden nach
Kenntnis der Fragesteller zuletzt im Jahre 2012 unter Berücksichtigung der
Lebensbedingungen und Verbraucherpreise festgesetzt. Seither betragen sie
für Postdocs 2 670 Euro pro Monat und für erfahrene Forschende 3 170 Euro
pro Monat (
www.humboldt-foundation.de/bewerben/foerderung-waehrend-de
s-aufenthalts/foerderung-waehrend-des-forschungsaufenthalts-in-deutschland/
haeufige-fragen-zur-foerderung-waehrend-des-deutschlandaufenthalts).
Vergleichbare Forschungsstipendien innerhalb Deutschlands, anderer
Nationen und im europäischen Ausland (vgl. Eidgenössische Technische
Hochschule [ETH] Zürich Postdoc-Fellowship, ethz.ch/en/research/research-promotion/
eth-fellowships.html, das Stipendium beträgt im ersten Jahr 105 000 CHF
[entspricht zirka 8 854 Euro/Monat], im zweiten Jahr 110 000 CHF [entspricht
zirka 9 292 Euro/Monat] und kann Zulagen für Forschung und Mobilität von
bis zu 10 000 CHF [entspricht zirka 843 Euro/Monat] enthalten; Nationale
Science Foundation Earth Sciences Postdoctoral Fellowships [EAR-PF], USA,
Deutscher Bundestag Drucksache 20/7730
20. Wahlperiode 12.07.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 11. Juli 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
www.nsf.gov/pubs/2018/nsf18565/nsf18565.htm, das Stipendium beträgt 62
000 USD/Jahr ([ntspricht 4 830 Euro/Monat] und 25 000 USD/Jahr [entspricht
2 050 Euro/Monat] für Projektkosten, Verbrauchsmaterial und
Sozialversicherungskosten etc.) sind hingegen fortwährend angepasst worden. Die
steigenden Lebenshaltungskosten mindern nach Kenntnis der Fragesteller die
Attraktivität der AvH-Stipendien. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der
Forschungsstipendien der AvH droht nach Auffassung der Fragesteller ins
Hintertreffen zu geraten und ist entsprechend sicherzustellen.
Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP
haben diese regierungstragenden Parteien versprochen: „Wir werden Mittler,
insbesondere das Goethe Institut, den Deutschen Akademischen
Austauschdienst, die Alexander von Humboldt-Stiftung, das Deutsche Archäologische
Institut für Auslandsbeziehungen [zu] stärken […]“ (Koalitionsvertrag „Mehr
Fortschritt wagen“, S. 100,
www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/koaliti
onsvertrag-2021-1990800).
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Grundfinanzierung
der AvH zwischen 2006 und 2021 entwickelt (bitte tabellarisch
darstellen)?
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Grundfinanzierung
der AvH seit Dezember 2021 entwickelt (bitte tabellarisch für die Jahre
2021, 2022, 2023 darstellen), und welche Entwicklung ist für das Jahr
2024 vorgesehen?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des inhaltlichen Zusammenhangs
zusammen beantwortet.
Die Entwicklung der Finanzierung der Alexander von Humboldt-Stiftung
(AvH) von 2006 bis 2023 ist in der Anlage 1 dargestellt.* Die Titelansätze 2024
werden im Haushaltsverfahren durch den Bundestag endgültig festgesetzt.
3. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Dezember
2021 ergriffen, um die AvH dem Koalitionsvertrag entsprechend zu
stärken?
Die Bundesregierung hat der Alexander von Humboldt-Stiftung auch in Zeiten
schwerster internationaler Krisen ausreichende Mittel bereitgestellt, damit sie
ihre wichtige Rolle für die Pflege der internationalen Beziehungen, für
wissenschaftliche Kooperationen und für die Position der Bundesrepublik
Deutschland im internationalen Wissenschaftswettbewerb wahrnehmen und zum
Ansehen des Wissenschaftsstandorts Deutschland beitragen konnte. Auf die
Angaben zur Entwicklung der Finanzierung der AvH in der Anlage 1 wird
verwiesen.*
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl von
Stipendiatinnen und Stipendiaten der AvH zwischen 2012 und 2023 entwickelt
(bitte tabellarisch die fünf größten Standorte in Deutschland von AvH-
Stipendiaten auflisten)?
Die Entwicklung der Anzahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten in den
Forschungsstipendienprogrammen der AvH von 2012 bis 2022 ist in der Anlage 2
dargestellt.* Für das Jahr 2023 liegen nur Daten für das erste Halbjahr vor, in
* Von einer Drucklegung der Anlagen wird abgesehen. Diese sind auf Bundestagsdrucksache 20/7730 auf der
Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
dem 314 Stipendien bewilligt und 1 733 Gastaufenthalte von mindestens einem
Monat durchgeführt wurden.
Stipendiatenzahlen werden nicht nach Standort differenziert erfasst, sondern
nur nach gastgebenden Institutionen. Die jeweils fünf größten Gastgeber
können der Aufstellung in der Anlage 2 entnommen werden.*
5. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die
Lebenshaltungskosten in den in der Antwort zu Frage 4 aufgeführten Standorten zwischen
den Jahren 2012 und 2023 gestiegen (bitte tabellarisch auflisten)?
Der Bundesregierung verfügt nicht über aktuelle Daten zu den Entwicklungen
der Lebenshaltungskosten an einzelnen Standorten. Die Entwicklung des
Verbraucherpreisindex kann unter
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/
Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html#238920 eingesehen werden.
6. Plant die Bundesregierung, ggf. zusätzliche Mittel für die Erhöhung der
Stipendiensätze der Alexander von Humboldt-Stiftung bereitzustellen,
falls ja, wann, und zu welchem Prozentsatz plant die Bundesregierung, die
Stipendien an die gestiegenen Lebenshaltungskosten anzupassen, und falls
nein, welche Gründe sprechen aus Sicht der Bundesregierung gegen eine
Erhöhung des Stipendiensatzes?
Die Bundesregierung stimmt derzeit eine Anpassung der Stipendiensätze für
Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland in den von ihr geförderten
Programmen ab.
7. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Stipendien
vergleichbarer staatlich finanzierter Forschungsstipendien europäischer
Nachbarländer, und welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung ggf.
hieraus?
Die Höhe von in den europäischen Nachbarländern vergebenen Stipendienraten
wird von der Bundesregierung nicht systematisch erfasst. Informationen über
mit AvH-Forschungsstipendien vergleichbare Stipendienangebote können unter
anderen an folgenden Stellen eingesehen werden:
•
https://ec.europa.eu/info/funding-tenders/opportunities/docs/2021-2027/hori
zon/wp-call/2023-2024/wp-2-msca-actions_horizon-2023-2024_en.pdf
(EU)
•
https://www.campusfrance.org/en/mopga-2023 (Frankreich)
•
https://nawa.gov.pl/en/nawa/news/the-ulam-programme-scholarships-for-in
coming-researchers-in-poland (Polen)
•
https://royalsociety.org/grants-schemes-awards/grants/ (Vereinigtes
Königreich).
8. Welche finanziellen Mehrbedarfe (Programmmittel) würden aus Sicht der
Bundesregierung infolge einer entsprechenden Anhebung der
Stipendiensätze ab dem Jahr 2024 für den Bundeshaushalt entstehen?
Auf die Antwort zu Frage 6 wird verwiesen.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 20/7730 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
KA 20/7476
Anlage 1
AvH Entwicklung Haushaltszahlen 2006 bis 2024
Wirtschaftsplan Soll 2006
T€
2007
T€
2008
T€
2009
T€
2010
T€
2011
T€
2012
T€
2013
T€
2014
T€
2015
T€
2016
T€
2017
T€
2018
T€
2019
T€
2020
T€
2021
T€
2022*
T€
2023
T€
AA Inst. Förderung 34.304 34.079 34.678 37.406 34.906 34.812 34.952 37.095 35.775 36.415 38.850 53.906 44.309 54.025 53.714 54.500 57.500 56.000
AA Investitionen 175 190 1.718 1.460 3.775 1.545 2.060 2.435 5.220 1.435 1.800 1.800 1.500 1.500 800 1.000 690 0
AA Projektförderung 0 0 0 0 0 0 0 0 1.000 0 700 0 230 194 0 0 0 0
AA-Gesamt 34.479 34.269 36.396 38.866 38.681 36.357 37.012 39.530 41.995 37.850 41.350 55.706 46.039 55.719 54.514 55.500 58.190 56.000
BMBF Projektförderung 21.367 23.715 25.550 29.853 56.096 50.659 62.665 63.953 60.322 63.680 64.566 66.411 65.382 66.791 69.319 71.238 75.830 79.440
BMZ Projektförderung 3.500 3.970 4.470 5.000 5.500 5.170 5.520 6.610 6.610 6.610 6.673 8.600 7.600 10.381 11.861 12.201 12.312 11.634
BMUV Projektförderung 0 0 0 292 1.151 1.800 1.750 1.073 878 1.445 1.476 1.963 2.011 2.034 2.192 2.241 2372** 2387**
Sonstige / EU Projektförderung 0 0 0 0 0 0 0 0 3.839 3.674 2.506 1.387 245 0 0 0 23 5.973
vermischte Einnahmen / Drittmittel 2.060 2.120 2.112 3.624 3.261 3.246 2.542 1.842 3.497 6.881 7.020 6.905 7.937 7.055 7.291 6.954 6.898 6.519
Gesamt 61.406 64.074 68.528 77.635 104.689 97.232 109.489 113.008 117.141 120.140 123.591 140.972 129.214 141.980 145.177 148.134 153.253 159.566
* AA (Instit. Förderung) inkl. zweckgebundene Verstärkungsmittel aus Epl. 60 für Sonderprogramme Ukraine (4.500 T€)
**Die Federführung für die Projektförderung der AvH im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative ist 2022 von
BMUV auf AA übergegangen.
KA 20/7476
Anlage 2
1) Bewilligungen in den Forschungs-Stipendienprogrammen im Zeitraum von 2012-2022
2) Gastaufenthalte der (Forschungs-)Stipendiatinnen und Stipendiaten im Zeitraum von 2012-2022
3) Die 5 häufigsten Gastinstitutionen pro Jahr
Die folgende Grafik zeigt pro Kalenderjahr die Anzahl der (Forschungs-)Stipendiatinnen und Stipendiaten, die durch die Alexander von Humboldt-Stiftung geförderte Gastaufenthalte in Deutschland hatten. Dabei werden alle (Forschungs-) Stipendiatinnen und Stipendiaten
berücksichtigt, die sich im jeweiligen Jahr mindestens einen Monat lang in Deutschland aufgehalten haben. Geförderte mit mehreren Gastaufenthalten werden nur einmal gezählt.
Dargestellt sind pro Kalenderjahr die jeweils fünf Gastinstitutionen in Deutschland, an denen die meisten (Forschungs-)Stipendiatinnen und Stipendiaten zu Gast waren. Gezählt wird dabei jeder Geförderte pro Einrichtung, an der er sich mind. 1 Monat lang aufgehalten
hat. Die Anzahl der Gastaufenthalte pro Institution ist jeweils in Klammern angegeben.
In der folgenden Grafik ist die Entwicklung der Bewilligungszahlen in den (Forschungs-)Stipendienprogrammen der Alexander von Humboldt-Stiftung von 2012 bis 2022 dargestellt.
2012 2013 2014 2015
Freie Universität Berlin (n=98) Freie Universität Berlin (n=88) Freie Universität Berlin (n=65) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=75)
Humboldt-Universität zu Berlin (n=89) Humboldt-Universität zu Berlin (n=75) Humboldt-Universität zu Berlin (n=65) Humboldt-Universität zu Berlin (n=71)
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=63) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=62) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=65) Freie Universität Berlin (n=65)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=62) Georg-August-Universität Göttingen (n=52) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=65) Technische Universität München (n=54)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (n=58) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (n=48) Georg-August-Universität Göttingen (N=49) Georg-August-Universität Göttingen (n=45)
2016 2017 2018 2019
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=80) Freie Universität Berlin (n=84) Humboldt-Universität zu Berlin (n=81) Freie Universität Berlin (n=88)
Humboldt-Universität zu Berlin (n=67) Humboldt-Universität zu Berlin (n=84) Freie Universität Berlin (n=77) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=76)
Freie Universität Berlin (n=65) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=80) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=72) Humboldt-Universität zu Berlin (n=75)
Technische Universität München (n=59) Technische Universität München (n=66) Technische Universität München (n=60) Technische Universität München (n=72)
Technische Universität Berlin (n=45) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=50) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=58) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=66)
2020 2021 2022
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=69) Freie Universität Berlin (n=91) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=103)
Freie Universität Berlin (n=66) Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (n=85) Freie Universität Berlin (n=100)
Humboldt-Universität zu Berlin (n=63) Humboldt-Universität zu Berlin (n=78) Humboldt-Universität zu Berlin (n=92)
Technische Universität München (n=55) Technische Universität München (n=75) Technische Universität München (n=76)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=51) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=59) Georg-August-Universität Göttingen (n=57)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (n=57)
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333