Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/10212 –
Situation der Medienfreiheit und von Journalistinnen und Journalisten in Mali
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Um die Pressefreiheit und die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten
ist es in Mali schlecht bestellt. Ein bereits im April 2023 veröffentlichter
Bericht von „Reporter ohne Grenzen“ (RSF) über die Sahel-Zone kam zu dem
Schluss, dass es sich bei der Region um eine der tödlichsten der Welt für
Medienschaffende handelt (
https://rsf.org/en/what-it-s-be-journalist-sahel-rsf-rep
ort-threats-journalism-african-region). Journalisten werden von bewaffneten
Gruppen entführt, um Lösegeld zu erpressen, oder werden getötet. Zu
bestimmten Regionen wird ihnen der Zugang komplett verweigert. Community-
Radios, die Stimmen aus der Bevölkerung zu Wort kommen lassen, sind zum
Teil mit Gewalt zerstört worden, weil sie Personen interviewt hatten, die
Kritik an bewaffneten Gruppen geäußert hatten. Internationale Medien sind in der
letzten Zeit zunehmend geschlossen worden, ausländische Journalistinnen und
Journalisten waren gezwungen, das Land zu verlassen. Einzig „Russia Today“
und von den Wagner-Truppen unterstützte Medien bekommen derzeit noch
Einreisevisa.
Mit dem Wandel der französischen Afrika-Strategie geht ein Rückzug der
Franzosen aus der Entwicklungszusammenarbeit einher. Hinzu kommt das
Arbeitsverbot gegen französische Nichtregierungsorganisationen (NGOs) durch
die malische Regierung, was das Ende für zahlreiche internationale Projekte
im Bereich Medien-Entwicklungszusammenarbeit bedeutet. Angesichts dieser
Gemengelage geraten lokale Medien mit dem Abzug der internationalen
Truppen einerseits zunehmend unter Druck, im Sinne der Regierung zu berichten.
Andererseits verschärft sich die finanzielle und damit auch die soziale Lage
vieler Journalistinnen und Journalisten erheblich. Zugleich ist in kaum einer
anderen Weltregion eine so starke Präsenz der russischen Wagner-Truppen zu
verzeichnen wie in der Sahel-Zone. Fake News und
Desinformationskampagnen, die häufig von mit Russland verbündeten Kräften ausgehen, sind
omnipräsent.
Doch auch unter schwierigen Bedingungen sind nach wie vor unabhängige
Medien aktiv. Sie versorgen die Bevölkerung mit verlässlichen Informationen
und bilden ein Gegengewicht zum Einfluss von Fake News und
Desinformationskampagnen. Initiativen wie das UN-Radio (UN = United Nations) Mikado
oder Studio Tamami haben gezeigt, dass erfolgreiche Medienkooperationen
zwischen internationalen Organisationen und Medienschaffenden vor Ort
möglich sind. Auch nach dem Ende des militärischen Engagements verbleiben
Deutscher Bundestag Drucksache 20/10368
20. Wahlperiode 20.02.2024
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts
vom 19. Februar 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
zahlreiche Wege, durch zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen zur
Sicherheit und Entwicklung unabhängiger Medien beizutragen: durch
Sicherheitstrainings, Unterstützung beim Aufbau von technischer Infrastruktur sowie einer
verlässlichen Energieversorgung und bei der Finanzierung von
Sicherheitspersonal.
Der weiteren Erosion der Medienlandschaft entgegenzuwirken und zur
Stärkung unabhängiger Medien beizutragen, liegt aus Sicht der Fragesteller im
Interesse und in der Verantwortung der Bundesregierung. Nicht nur hat
Deutschland im Zusammenhang mit dem Einsatz der Bundeswehr im Rahmen von
MINUSMA wiederholt den Schutz der Zivilbevölkerung und die
Unterstützung zivilgesellschaftlicher Entwicklung als ein übergeordnetes Ziel betont.
Auch ist das Bestehen einer funktionierenden Medienlandschaft und die
Einschränkung des Einflusses von Desinformationskampagnen grundlegend für
jedes weitere erfolgreiche Engagement Deutschlands und Europas in Mali.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit
hat im Rahmen von Ankündigungen zu strukturbildenden Übergangshilfen
und Neuausrichtung der Sahel-Politik die Fortsetzung und Vertiefung der
Entwicklungszusammenarbeit in Mali auch nach dem Ende von MINUSMA
betont. Zudem übernahm die Bundesministerin für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Svenja Schulze im Juli 2023 die Präsidentschaft der
Sahel-Allianz. Abgesehen von der allgemeinen Erwähnung des Einsatzes von
Medien mit friedensfördernden Inhalten als eine mögliche strukturbildende
Übergangshilfe in der Sahel-Zone sowie der Betonung der Rolle der freien
Presse und der Relevanz der Zusammenarbeit mit Medien in der Afrika-
Strategie vom Januar 2023 wird jedoch nicht ersichtlich, in welcher Form sich die
Bundesregierung im Bereich der Medien-Entwicklungszusammenarbeit
engagieren will. Wir erkundigen uns daher nach der Haltung der Bundesregierung
zur Situation der Medien in Mali und den strategischen Grundlagen für das
dauerhafte erfolgreiche Engagement in der Region, insbesondere im Hinblick
auf die Unterstützung der Medienlandschaft.
1. Wie beurteilt die Bundesregierung die Sicherheitslage malischer
Journalisten nach dem Abzug der UN-Truppen?
Die Sicherheitslage malischer Medienschaffender ist grundsätzlich von der
allgemeinen Bedrohungs- und Sicherheitslage im Land abhängig. Die
unabhängige Arbeit von Medienschaffenden ist bereits seit dem letzten Putsch im Mai
2021 erschwert, insbesondere bei regierungs- und militärkritischer
Berichterstattung. Es besteht für die Medienschaffenden ein erhöhtes Risiko,
festgenommen, misshandelt und inhaftiert zu werden.
2. Wie beurteilt die Bundesregierung die Sicherheitslage internationaler
Journalisten nach dem Abzug der UN-Truppen?
Die Sicherheitslage für internationale Journalistinnen und Journalisten in Mali
ist grundsätzlich von der allgemeinen Bedrohungs- und Sicherheitslage im
Land abhängig. Für internationale Journalistinnen und Journalisten hat die
malische Regierung seit dem Abzug der MINUSMA die Zugänge in bestimmten
Regionen, insbesondere im Zentrum und Norden der Republik Mali, noch
weiter erschwert. Ausländische Staatsangehörige unterliegen in bestimmten
Regionen zusätzlich einem erhöhten Entführungsrisiko durch die im Land agierenden
Terrorgruppen Islamischer Staat Sahel Provinz (ISSP) und Jama'at Nusrat al-
Islam wal-Muslimin (JNIM). Akkreditierungen werden unter Verweis auf die
Sicherheitslage derzeit nicht erteilt.
3. Inwieweit sieht die Bundesregierung sich dafür in der Verantwortung,
nach dem Abzug der MINUSMA-Truppen die Sicherheit von
Journalisten vor Ort langfristig zu gewährleisten?
4. Plant die Bundesregierung, unabhängige Medien und Journalisten über
den Abzug der MINUSMA-Truppen hinaus vor Ort zu unterstützen, und
wenn ja, in welcher Weise?
5. Inwieweit sieht die Bundesregierung sich dafür verantwortlich, nach dem
Abzug der MINUSMA-Truppen Sorge dafür beizutragen, dass die
Versorgung der Bevölkerung in Mali mit unabhängigen Informationen durch
lokale Medien vor Ort gewährleistet bleibt?
Die Fragen 3 bis 5 werden zusammen beantwortet.
Die Bundesregierung hat ein Interesse an einer stabilen und sicheren
Sahelregion, die auch für Medienschaffende sicher ist. Die Verantwortung zum Schutz
der Bevölkerung und ausländischer Staatsangehöriger in Mali liegt primär bei
der malischen Transitionsregierung.
Auch nach dem Abzug der MINUSMA leistet die Bundesregierung mit ihrem
Engagement im Bereich der humanitären Hilfe und der
entwicklungspolitischen Zusammenarbeit weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung
der Bevölkerung in Mali. So wurden im Rahmen von Projekten der
Gesellschaft für Internationalen Zusammenarbeit (GIZ) Moderatorinnen und
Moderatoren von Gemeindemedien, wie lokalen Radiostationen, in Techniken zur
Verbreitung von Friedensbotschaften ausgebildet und freie Journalistinnen und
Journalisten in Methoden eines vergleichenden, sogenannten konstruktiven
Journalismus geschult. In Zusammenarbeit mit der lokalen TUWINDI-Stiftung
unterstützte die Bundesregierung Ende des Jahres 2023 zwei Fortbildungen von
insgesamt 66 Journalistinnen und Journalisten, mit einem besonderen Fokus
auf der Sensibilisierung für und Bekämpfung von Desinformation und
Falschinformationen. Der German News Service der Deutschen Welle (DW), der im
Auftrag des Auswärtigen Amts DW-Inhalte und dpa-Meldungen kostenlos
anbietet, hat seine Akquise in Mali verstärkt. Durch den DW-Koordinator vor Ort
konnten zuletzt 40 lokale Medien als neue Partner gewonnen werden.
6. Welche Rolle spielt die Medien-Entwicklungszusammenarbeit bei der
strategischen Ausgestaltung der Entwicklungszusammenarbeit mit Mali
nach dem Abzug der Bundeswehr?
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, sich im Rahmen der
Entwicklungszusammenarbeit in Form von Medienentwicklungsprojekten in Mali zu
engagieren, und wenn ja, welche konkreten Pläne gibt es dafür?
Die Fragen 6 und 7 werden zusammen beantwortet.
Medienförderung und das Thema Falschnachrichten bzw. Aufklärung über
dieselben wird in verschiedenen Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit
sektorbezogen behandelt.
Im Rahmen des zivilen Friedensdienstes wird mit dem Vorhaben „Medien und
Kommunikation für den Frieden“ die Rolle von Medien und Kommunikation
für den Frieden in Mali gefördert (Laufzeit 2023 bis 2026). Unter anderem
werden lokale Medienschaffende zu konfliktsensiblem Journalismus und
Überprüfung von Falschnachrichten geschult, um zur Wiederherstellung des Vertrauens
zwischen den Gemeinden und zu gewaltfreiem Umgang mit Konflikten in der
Gesellschaft beizutragen. Darüber hinaus soll ein Mediennetzwerk für
Friedensjournalismus aufgebaut und die Fähigkeit zur kritischen Analyse der
Medienkonsumentinnen und -konsumenten mit Blick auf Falschnachrichten gestärkt
werden.
Darüber hinaus unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Projekt der
Medienentwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso, umgesetzt von der Deutschen Welle Akademie
(Laufzeit 2022 bis 2024). Dieses beinhaltet auch eine Regionalkomponente für
die grenzübergreifende Arbeit in den Nachbarländern Niger und Mali. Das
Projekt fördert Medienschaffende im Bereich konfliktsensibler Journalismus und
Faktenchecks. In Mali wurden Medienschaffende fortgebildet. Eine
Weiterführung der Aktivitäten über die aktuellen Projektphasen hinaus wird derzeit
geprüft.
Auch auf regionaler Ebene wird das Thema Medienarbeit und
Falschnachrichten behandelt. Das BMZ hat der Kommission der Westafrikanischen
Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) auf deren Anregung hin Unterstützung beim
Auf- bzw. Ausbau von Kommunikationskapazitäten zugesagt. ECOWAS soll
dabei unterstützt werden, ihre strategischen Ziele und die Wirkungen ihrer
Programme erfolgreicher und sichtbarer zu kommunizieren sowie Desinformation
entgegenzutreten.
Über die genannten Vorhaben hinaus dient die Finanzierung der Arbeit der
politischen Stiftungen aus Mitteln des BMZ deren Medienarbeit in Mali.
Die Bundesregierung engagiert sich diesbezüglich auch im Rahmen der Sahel-
Allianz. Ende des Jahres 2023 einigten sich die Mitglieder darauf, vor dem
Hintergrund politischer Krisen in der Region die Bereitstellung von
faktenbasierten Informationen stärker ins Zentrum ihrer Arbeit zu rücken.
8. Welche konkreten Ziele verfolgt die Bundesregierung mit der
Entwicklungszusammenarbeit in Mali nach dem Ende des MINUSMA-Einsatzes,
und wie soll die Sicherheit der an Projekten der
Entwicklungszusammenarbeit beteiligten Personen nach dem Abzug der MINUSMA-Truppen
gewährleistet werden?
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Mali hat weiterhin die
Unterstützung der malischen Bevölkerung und Bekämpfung der zu Grunde liegenden
Krisenursachen zum Ziel.
Die Schaffung von Einkommensalternativen, vor allem in der Landwirtschaft,
die Bereitstellung von Basisdienstleistungen und Unterstützung von durch
Flucht und Binnenvertreibung besonders herausgeforderten Kommunen steht
dabei im Zentrum. Die Sicherheit des entwicklungspolitischen Personals hat
oberste Priorität. Die staatlichen Durchführungsorganisationen verfügen über
ein umfangreiches Sicherheits- und Risiko-Monitoring-System und auch bei
zivilgesellschaftlichen Umsetzungspartnern wird auf die Existenz entsprechender
Systeme geachtet. Die Steuerung der Vorhaben erfolgt größtenteils von
Bamako aus, die Umsetzung erfolgt in Nord- und Zentralmali mit minimalem
lokalem Personal und durch lokale Umsetzungspartner, die mit den jeweiligen
Kontexten eng vertraut sind.
9. Inwiefern sieht sich die Bundesregierung nach dem Rückzug
französischer Akteure in der Verantwortung, die daraus resultierenden Lücken im
Bereich Medien-Entwicklungszusammenarbeit, spezifisch in Mali, zu
füllen?
Auf die Antwort zu den Fragen 6 und 7 wird verwiesen.
10. Wie steht die Bundesregierung zu dem Vorschlag, einen Sonderfonds für
den Wiederaufbau zerstörter Medienhäuser und Radiostationen in Mali
aufzusetzen, um die Informationsversorgung der Bevölkerung zu
sichern?
Berichte über Zerstörungen von Medieninfrastruktur, wie Radiostationen, und
Angriffe auf Medienschaffende, unter anderem mit Einschränkungen und
Verboten der Berufsausübung in Mali, erfüllen die Bundesregierung mit Sorge. Die
Bundesregierung hat Kenntnis von Überlegungen der Vereinten Nationen,
einen Fonds nach dem Vorbild des von der Organisation der Vereinten Nationen
für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) 2012 bis
2016 aufgestellten Fonds für zerstörte Medieninfrastruktur in Gao und
Timbuktu aufzulegen. Sobald sich diese Überlegungen konkretisieren, wird die
Bundesregierung eine Unterstützung des Projekts prüfen.
11. Gab es Medienprojekte in Mali, an denen die Bundeswehr direkt oder
indirekt beteiligt war?
Die Bundeswehr hat im Rahmen der Einsätze in Mali Medienprojekte für die
eigene Öffentlichkeitsarbeit sowie für die bundeswehrinterne Berichterstattung
durchgeführt. Darüber hinaus wurde die Berichterstattung von
Medienschaffenden über die Einsätze in Mali regelmäßig pressefachlich begleitet.
12. In wie vielen Fällen hat die Bundeswehr in Mali Medien oder
Medienorganisationen finanzielle oder logistische Unterstützung geleistet, und um
welche Projekte handelte es sich?
Auf die Antwort zu Frage 15 wird verwiesen.
13. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Einfluss
islamistischer Propaganda auf die Medienlandschaft in Mali, und gibt es in
diesem Zusammenhang Projekte, welche Medienschaffende ertüchtigen,
dieser Propaganda entgegenzuwirken, wenn ja, wer fördert diese
Projekte, und wie bewertet die Bundesregierung den Erfolg dieser Projekte?
Der Bundesregierung liegen keine eigenen Erkenntnisse über den Einfluss der
islamistischen Propaganda auf die Medienlandschaft in Mali vor. Darüber
hinaus wird auf die Antwort zu den Fragen 6 und 7 verwiesen.
14. Sind der Bundesregierung aktuelle Projekte, beispielsweise Trainings,
bekannt, welche die Social-Media- und Internet-Kompetenz der
Bevölkerung in Mali erhöhen sollen, um Mis- und Desinformationskampagnen
entgegenzuwirken, wenn ja, wer fördert diese Projekte, und wie bewertet
die Bundesregierung den Erfolg dieser Projekte?
Auf die Antwort zu den Fragen 6 und 7 wird verwiesen.
15. Inwiefern war das deutsche Kontingent an Quick-Impact-Projects im
Rahmen von MINUSMA beteiligt, die einen Bezug zu Medien hatten?
Die Beantwortung der Fragen kann in offener Form nicht erfolgen. Die
Sicherheitslage in Mali ist aufgrund der anhaltenden terroristischen Aktivitäten
verschiedener Gruppen weiterhin angespannt. Im Interesse des Schutzes der
physischen Integrität der ehemaligen Projektpartnerinnen und Projektpartner der
Bundeswehr erfolgt die Antwort zu Frage 15 daher eingestuft als
„Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“. Die Antwort wird im
Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten
eingesehen werden.*
16. Welche Rolle spielte die Zusammenarbeit mit Journalisten für die
Aktivitäten der Operativen Kommunikation und der Multinational Civil
Military Cooperation Command der Bundeswehr?
Vor allem in den Städten haben sich Radiostationen in kommunaler oder
privater Trägerschaft mit einer Reichweite von 20 bis 100 Kilometer angesiedelt.
Häufig kooperieren diese untereinander über das lokale Geschehen. Hierdurch
gelten sie in der lokalen Bevölkerung als besonders gut informiert und
glaubwürdig. Vielfach tragen die Zuhörerschaften den Radiosendern von sich aus
vor, was sie bewegt.
Aufgrund der Bedeutung der Radiosender hat das deutsche Einsatzkontingent
MINUSMA über Jahre Verbindung zu Radiostationen im eigenen
Verantwortungsbereich unterhalten. Die besuchten Sender haben gegenüber MINUSMA
und dem deutschen Einsatzkontingent regelmäßig Interesse an der Kooperation
bekundet.
17. Was ist der Bundesregierung über die aktuelle Situation der neun
Community-Radios bekannt, die im Rahmen eines MINUSMA-Quick-
Impact-Projects 2019 finanzielle Unterstützung für Infrastruktur und
Ausrüstung bekamen (Kaoural Radio, Radio Jamana, Radio Guinta, Radio
Saghan, Radio Tolerance, Radio Dakan, Radio Kélénya, Radio Kounani
und Radio Maria)?
Der Bundesregierung liegen zu den genannten Radiosendern keine eigenen
Erkenntnisse vor. Die Bundesregierung hat das in der Fragestellung genannte
Projekt nicht direkt finanziell unterstützt. Darüber hinaus wird auf die Antwort zu
Frage 15 verwiesen.
18. Inwiefern war die Bundeswehr am UN-„Friedensradio“ Mikado
beteiligt?
Am VN-Radio MIKADO waren keine Soldatinnen und Soldaten der deutschen
Einsatzkontingente in Mali beteiligt.
19. Wie viele malische Journalisten haben auf vertraglicher Basis an dem
UN-Radio mitgearbeitet?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine eigenen Erkenntnisse vor.
20. Wie viele Journalisten standen darüber hinaus in vertraglichen
Beziehungen zu UN-Truppen oder den deutschen Streitkräften?
Die Bundesregierung hat keine Erkenntnisse über vertragliche Beziehungen
von Medienschaffenden mit den Truppen der Vereinten Nationen. Ferner sind
* Das Auswärtige Amt hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Die Antwort ist im
Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von Berechtigten eingesehen werden.
keine Verträge zwischen den deutschen Streitkräften und Medienschaffenden
im Sinne der Fragestellung bekannt.
21. Plant die Bundesregierung, für Medien und Journalisten aus Mali
Arbeitsmöglichkeiten im Exil zu schaffen, etwa analog der Unterstützung,
die sie für russischen Exiljournalismus leistet?
Das Nothilfemodul der Hannah-Arendt-Initiative zum Schutz von einzelnen
bedrohten Medienschaffenden ist global ausgerichtet und steht somit auch
Personen aus Mali offen.
22. Über welche Erkenntnisse zum Einfluss der Söldnergruppe Wagner auf
die journalistische Arbeit in Mali verfügt die Bundesregierung?
Die sogenannte Gruppe Wagner nutzt nach Kenntnis der Bundesregierung
grundsätzlich Medienmonitoring und Medienarbeit. Derzeit liegen der
Bundesregierung keine Erkenntnisse zu einer konkreten Einflussnahme auf malische
oder internationale Journalistinnen und Journalisten in Mali vor. Dass die
sogenannte Gruppe Wagner während ihrer Operationen im Verbund mit den
malischen Streitkräften regelmäßig Journalistinnen und Journalisten den Zugang
zum Operationsgebiet verwehrt, soll nach Einschätzung der Bundesregierung
primär die Aufklärung eigener, teilweise auch menschenrechtsverletzender
Handlungen verhindern.
23. Wie wird die Bundesregierung auf den zunehmenden Einfluss reagieren,
den Russland auf die Informationsversorgung in Mali ausübt?
Die politische Situation in Mali berücksichtigend, setzt die Bundesregierung
die Unterstützung der malischen Zivilgesellschaft fort. Ziel ist es unter
anderem, das Bewusstsein für fremde Informationsbeeinflussung zu schärfen, diese
zu erkennen und Desinformationskampagnen entgegenzuwirken. Darüber
hinaus arbeitet die Bundesregierung daran, alternative Informationsangebote zu
erhalten bzw. zu schaffen und konstruktive Narrative über die Zusammenarbeit
mit Europa und Deutschland zu stärken.
24. Welche Maßnahmen der EU sind der Bundesregierung bekannt, um
lokale Medienschaffende zu unterstützen sowie verlässliche
Presseberichterstattung aus Mali zu ermöglichen?
Die Europäische Union (EU) unterstützt den genannten Bereich mittels
Projektförderung. Drei von der EU geförderte entsprechende Projekte werden derzeit
in Mali umgesetzt. Das Projekt „Vers une société démocratique et inclusive“
betreibt Kapazitätsaufbau und stärkt den Rechtsschutz. Es wird vom Panos
Institute (Senegal) mit den Organisationen Article 19 und Avocats sans Frontières
umgesetzt. Das Projekt „Ben Kunafoni /liberté d’informer“ betreibt
Medienbildung, Sensibilisierung für Fehlinformation und Desinformation,
Kapazitätsaufbau, Erhebungen auf Sektorebene und Interessenvertretung. Es wird von
CCFD-Terre Solidaire (Frankreich) mit zwei lokalen Partnern umgesetzt. Das
Projekt „Studio Tamani“ betreibt Dialogförderung, Bürgerbeteiligung und
Konfliktprävention mittels Radioberichterstattung.
25. In welcher Weise wird die Bunderegierung gegen
Desinformationskampagnen und Fake News vorgehen, die nach dem Abzug der UN-Truppen
häufig die wichtigsten Informationsquellen für die malische Bevölkerung
sind?
Auf die Antwort zu den Fragen 3, 4 und 5 wird verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333