Würdigung deutscher Résistance-Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg
der Abgeordneten Jan Korte, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut, Clara Bünger, Anke Domscheit-Berg, Nicole Gohlke, Ina Latendorf, Cornelia Möhring, Petra Pau, Sören Pellmann, Martina Renner, Dr. Petra Sitte, Kathrin Vogler und der Gruppe Die Linke
Vorbemerkung
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren immer wieder den Mut und die Verdienste von Menschen gewürdigt, die in verschiedenen Formen Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben. Ohne jede Würdigung blieben dabei bislang diejenigen Deutschen, die sich während des Zweiten Weltkriegs der französischen Résistance anschlossen und so im Kampf gegen den Hitler-Faschismus ihr Leben einsetzten.
Ihre Zahl bleibt zwangsläufig eine Schätzung – der Film „Frankreichs fremde Patrioten. Deutsche in der Résistance“ (2005) von Gutermuth/Schoen geht jedoch von rund 3 000 Deutschen aus, die sich in der Résistance engagierten. Sie leisteten ihren Beitrag für die Befreiung vom Hitler-Faschismus, indem sie der Résistance Informationen aus dem Militär- und Behördenapparat zukommen ließen, versuchten, Wehrmachtssoldaten für die Résistance zu gewinnen oder auch in den Maquis und den bewaffneten Kampf gingen. Der größte deutsche Maquis befand sich im Süden Frankreichs, in den Cevennen; hier kämpften zeitweise zwischen 40 und 50 Deutsche, z. T. ehemalige Spanienkämpfer, gemeinsam mit Spanierinnen und Spaniern, Russen und Polen in der französischen Résistance und sorgten nach Ansicht der Fragesteller nicht zuletzt dafür, dass die deutsche Wehrmacht in Nîmes nicht bei ihrem Abzug verbrannte Erde hinterlassen konnte.
Statt ihre großen Verdienste zu würdigen – wie es die französische Regierung mit zahlreichen Orden und Auszeichnungen getan hat – stimmte noch 2004 das Auswärtige Amt nicht zu, wie es nach Auffassung der Fragesteller den diplomatischen Gepflogenheiten entsprochen hätte, als es von der französischen Regierung über die geplante Auszeichnung für Gerhard Leo (damals bekannt unter dem Namen „Le rescapé“) informiert wurde, sondern hüllte sich in Schweigen. Im Jahr 1994 zeichnete der damalige Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl als Gast des französischen Präsidenten François Mitterand verantwortlich dafür, dass die deutschen Résistance-Kämpfer, die sonst zusammen mit ihren französischen Kameraden die Parade zum 14. Juli auf der Champs-Elysées angeführt hätten, nicht an der Parade teilnehmen durften (Gutermuth/Schoen, 2005).
Die Chance, die deutschen Résistance-Kämpferinnen und Résistance-Kämpfer auch in Deutschland noch zu Lebzeiten zu ehren, ist nach Ansicht der Fragesteller inzwischen leider verpasst – sie sind alle verstorben. Aber das entlässt aus Sicht der Fragesteller weder uns als Gesellschaft noch insbesondere die Bundesregierung aus der Verantwortung, zu gedenken. Für unsere Erinnerungskultur, für die Öffentlichkeit, wie auch die Nachkommen, Freundinnen und Freunde und alle Demokratinnen und Demokraten wäre es ein wichtiges Zeichen, ihre Verdienste zu würdigen, zeigen sie doch, dass es auch in verzweifelten Situationen oft einen Weg gibt, dem Gewissen zu folgen und für Menschenrechte und Menschenwürde aktiv einzutreten. Diejenigen, die diesen Weg gegangen sind, verdienen aus Sicht der Fragesteller, dass wir uns erinnern und ihren Beitrag im Kampf gegen den Nationalsozialismus würdigen.
Dazu böte insbesondere nach Ansicht der Fragesteller der 80. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus am 8. Mai 2025 eine sehr gute Gelegenheit, insbesondere, weil in Frankreich der 8. Mai als Feiertag begangen wird und aus Anlass des 80. Jahrestages mit zahlreichen zentralen wie dezentralen Gedenkveranstaltungen zu rechnen ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Plant die Bundesregierung konkrete erinnerungspolitische Maßnahmen, um dem 80. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus am 8. Mai 2025 angemessen zu gedenken, und wenn ja, welche (bitte nach jeweiliger Maßnahme, finanziellem Beitrag und beteiligten Stellen auflisten)?
Ist im Rahmen der Begehung des 80. Jahrestages der Befreiung von Krieg und Faschismus am 8. Mai 2025 geplant, auch den Widerstand der deutschen Antifaschistinnen und Antifaschisten in den Reihen der französischen Résistance mit Veranstaltungen, Publikationen etc. zu würdigen, wenn ja, wie sehen diese Pläne aus, und wenn nein, warum nicht?
Wird die Bundesregierung generell und unabhängig vom 80. Jahrestag der Befreiung Maßnahmen zur Ehrung der Deutschen in der französischen Résistance ergreifen, wenn ja, in welcher Form, und wenn nein, warum nicht?
Wird die Bundesregierung den Widerstand der deutschen Antifaschistinnen und Antifaschisten in den Reihen der französischen Résistance im kommenden Jahr in Frankreich mit einer Kranzniederlegung durch den deutschen Botschafter an einem geeigneten Ort, z. B. in La Parade oder an der Gedenkstätte in St. Romain de Tousques, würdigen, und wenn nein, warum nicht?
Wird die Bundesregierung die Initiative für eine entsprechende Gedenktafel an geeigneter Stelle, z. B. im Bendler-Block, ergreifen (bitte begründen)?
Welche Rolle spielen die Deutschen in der französischen Résistance in der auswärtigen Politik, in der Gedenkpolitik des Bundes und der Länder und in der politischen Bildung (bitte entsprechend aufführen)?
Unternahm die Bundesregierung seit 2004 konkrete Maßnahmen, um gemeinsame deutsch-französische Forschungen und den wissenschaftlichen Austausch zwischen Frankreich und Deutschland zum Thema zu unterstützen, und wenn ja, welche (bitte nach finanziellem Beitrag und beteiligten Stellen auf beiden Seiten auflisten)?
Ist eine umfassende historische Aufarbeitung geplant, die durch Mittel der Bundesregierung unterstützt werden könnte, und wenn ja,
a) welche konkreten Forschungsprojekte zum Thema will die Bundesregierung künftig fördern bzw. initiieren,
b) wie stellt die Bundesregierung sicher, dass neben staatlichen deutschen und französischen Institutionen auch Ehemaligen-Organisationen in den beiden Ländern daran beteiligt werden?
Was hat die Bundesregierung ggf. unternommen bzw. was plant sie, um die Vermittlung entsprechender Forschungsergebnisse an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der politischen Bildung sowie Schulen und innerhalb der Zivilgesellschaft sicherzustellen (bitte entsprechend konkrete Projekte seit 2004, geplante Maßnahmen, jeweiliges Finanzvolumen und beteiligte Stellen auflisten)?