[Deutscher Bundestag Drucksache 17/4334
17. Wahlperiode 22. 12. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan Korte, Ulrich Maurer,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/4127 –
Auswahl der Träger für Projekte zu den Themen
Islamismus und Linksextremismus
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Vergabe staatlicher Gelder aus dem umstrittenen Fördertopf für Projekte
gegen Islamismus und „Linksextremismus“ an die Junge Union hat zu einiger
medialer Aufmerksamkeit geführt. Durch Berichte in der Presse konnte der
Eindruck entstehen, dass hier staatliche Gelder für Vergnügungsreisen unter
dem Deckmantel politischer Projekte vergeben werden, lautet doch die
Projektbezeichnung der Jungen Union: „Wir fahren nach Berlin – gegen
Linksextremismus“. Das Besuchsprogramm enthält unter anderem das
Mauermuseum und den Checkpoint Charlie. Ein Besuch im links-alternativen
Hausprojekt und Kulturzentrum Köpenicker Straße 137 wurde dagegen wieder
verworfen. Angekündigt wurde auch ein „Ausflug in das Berliner Nachtleben“
(taz.de, 26. November 2010/30. November 2010).
In der Fragestunde des Deutschen Bundestages am 1. Dezember 2010 äußerte
der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, es lägen neue Hinweise vor,
„die für uns Anlass sind, das noch einmal im Einzelnen zu überprüfen“, ohne
diese Hinweise näher zu erläutern.
Vonseiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) wurde den Mitgliedern des Ausschusses für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages am 15. November 2010 eine
Liste mit Trägern vorgelegt, die Gelder aus der Initiative „Demokratie
stärken“ für Projekte in den Bereichen Islamismus und „Linksextremismus“
erhalten sollen. Unklar ist, in welcher Höhe einzelne Projekte gefördert werden
sollen, was konkret inhaltlich gemacht werden soll und was den
Modellcharakter der vorgeschlagenen Maßnahmen rechtfertigt. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 21. Dezember 2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/4334 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode1. In welcher Höhe wurden Gelder im Rahmen der Initiative „Demokratie
stärken“ bisher an welche Projekte bewilligt (bitte nach Projekten und
Zuwendungshöhe auflisten)?
2. Welche dieser Projekte haben bereits mit der Umsetzung der Maßnahmen
begonnen, und sind die hier vergebenen Gelder ins Jahr 2011
übertragbar?
3. Wurden von den ausgewählten Trägern inhaltliche Projektskizzen
vorgelegt, und welche Anforderungen mussten hier erfüllt werden (die
vorgelegten Projektskizzen bitte als Anlage beifügen)?
14. Nach welchen Kriterien wurden die Träger für Maßnahmen im Rahmen
der Initiative „Demokratie stärken“ vonseiten des BMFSFJ ausgewählt,
und welche Programme, Projekte, Veranstaltungen, Expertisen der
ausgewählten Träger stehen für ihre Kompetenz in den inhaltlichen
Themenbereichen Islamismus und „Linksextremismus“?
Wegen des Sachzusammenhangs werden die Fragen 1, 2, 3 und 14 gemeinsam
beantwortet.
Für die Initiative „Demokratie stärken“ gelten die Fördergrundsätze
entsprechend den Richtlinien für den Kinder- und Jugendplan des Bundes (RL-KJP)
vom 28. August 2009 (GMBl 2009 S. 790 ff.).
Die Auswahl der Projekte erfolgt aufgrund eines Konzepts, das auf der Basis
der Hearings mit Wissenschaftlern und Trägern, die das Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zusammen mit dem
Deutschen Jugendinstitut (DJI) im Juni 2010 durchgeführt hat, erstellt wurde. Darin
wurden folgende Themenfelder, sog. Cluster, festgelegt, in denen das BMFSFJ
seine Förderschwerpunkte setzt:
● Bildungsprojekte mit jungen Menschen mit besonderem Fokus auf die
Bereiche Kultur, Religion, Identität, Demokratie und Menschenrechte durch
interreligiöses Lernen, Partizipationsprojekte, politische Bildung zu
gesellschaftspolitischen Fragen, Projekte zum Demokratieverständnis und
Menschenrechten;
● Sozialräumliche bzw. quartiersbezogene Ansätze, die einerseits an den
Erfahrungs- und Handlungsspielräumen der Jugendlichen ansetzen und
andererseits relevante Multiplikatoren einbinden;
● Arbeit mit sozialisationsrelevanten Akteuren, z. B. durch Fort- und
Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften, insbesondere auch aus der
muslimischen Community und aus Migrantenorganisationen, sowie Arbeit mit
Eltern und Erziehungsberechtigten.
Im Folgenden findet sich eine tabellarische Übersicht über die Projekte, die im
Jahr 2010 vom BMFSFJ im Rahmen der Initiative „Demokratie stärken“
bewilligt wurden, inklusive der jeweiligen Zuwendungssummen. Sämtliche der
aufgeführten Träger haben dem BMFSFJ Projektskizzen vorgelegt.
Das DJI führt die wissenschaftliche Begleitung der Projekte durch. Die an das
DJI hierfür erfolgte Zuwendung wurde ebenfalls in der Übersicht aufgeführt.
Sämtliche in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Projekte haben bereits mit
der Umsetzung der Maßnahmen begonnen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/4334Träger Projekt
Bewilligungssumme
in Euro
Alevitische Gemeinde in
Deutschland e. V. in
Kooperation mit
Türkischer Gemeinde in
NRW e. V.
„Zeichen setzen!“ – Für gemeinsame demokratische Werte und
Toleranz bei Zuwanderinnen und Zuwanderern“: Das Konzept dient der
Prävention islamistisch-radikaler und ultranationalistischer
Einstellungen bei jungen Menschen und soll die Erziehung zu Toleranz und
Demokratie fördern. Ziel ist der Aufbau einer effektiven Vernetzung
auf regionaler und kommunaler Ebene. Hierzu sollen junge
Migranten angesprochen, andere Migrationseinrichtungen/-verbände als
Kooperationspartner gewonnen und eingebunden sowie Netzwerke auch
zu Schulen und Jugendeinrichtungen geknüpft werden.
108 370,00
ZDK Gesellschaft
Demokratische Kultur
GmbH
„Demokratie stärken – Auseinandersetzung mit Islamismus und
Ultranationalismus“: In einer Pilotphase entwickelt der Projektträger mit
der Bezirksverwaltung in Berlin-Neukölln sowie muslimischen
Verbänden und Jugendinitiativen Angebote, die Jugendlichen
demokratische Alternativen zu islamistischen und ultranationalistischen
Ideologien aufzeigen. In Bayern soll gemeinsam mit dem Bayrischen
Jugendring ein Fortbildungskonzept für Multiplikatoren entwickelt
werden. Zu diesem Zweck sollen Kooperationspartner insbesondere
im Bereich der kommunalen Hilfsstrukturen gewonnen und
Vernetzungen, z.B. mit muslimischen Verbänden und
Migrationseinrichtungen, hergestellt werden.
88 369,00
Arbeitsgemeinschaft der
evangelischen Jugend in
Deutschland e. V.,
Hannover
„Dialog und Kooperation – mit Kindern und Jugendlichen aus
islamischen Glaubensgemeinschaften“: Aufbau von lokal-regionalen
Kooperationsprojekten zwischen Gruppierungen der aej und Kindern
und Jugendlichen bzw. Gruppierungen islamischer
Glaubensgemeinschaften und Erprobung/Implementierung der entwickelten
Maßnahmen zum Ausbau des interreligiösen Dialogs und zur Stärkung des
Kultur- und Demokratieverständnisses.
25 835,00
RAA in Partnerschaft mit
der Senatsverwaltung für
Inneres und Sport, Berlin
„Dialogreihe mit muslimischen Jugendlichen“: Entwicklung einer
Dialogreihe mit muslimischen Jugendlichen, um sie stark zu machen
gegen Radikalisierung und Extremismus und sie als Vorbilder für
andere potenziell gefährdete Jugendliche aufzubauen. Die Anregungen
und Methoden des Projekts sollen im Sinne eines
Multiplikatorenansatzes (peer leadership training) an andere Jugendliche weitergegeben
werden.
60 000,00
Bundeskoordination
„Schule ohne Rassismus
– Schule mit Courage“
„Islam und Ich – Jungsein im Land der Vielfalt“: Entwicklung und
Umsetzung von Präventionsansätzen, die Schülerinnen/Schüler und
Lehrerinnen/Lehrer befähigen, kompetent mit der Herausforderung
des Islamismus umzugehen. Durch einen partizipativen Ansatz
wirken Schüler/-innen mit an Problemanalyse, Entwicklung von
Materialien und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.
42 860,00
Violence Prevention
Network
1. Modellprojekt zur Prävention von islamischem Extremismus am
Beispiel Berlin-Wedding
2. Modellprojekt zur Prävention von Linksextremismus am Beispiel
der Städte Berlin und Hamburg
Der Träger führt zwei Modellprojekte durch: Zum einen wird ein
Modellprojekt zur Prävention von islamischem Extremismus am Beispiel
Berlin-Wedding gefördert. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines
übertragbaren Modells zur sozialräumlichen Islamismusprävention
unter Einbeziehung der sozialisationsrelevanten Akteure.
Des Weiteren wird ein Modellprojekt zur Prävention von
Linksextremismus am Beispiel der Städte Berlin und Hamburg gefördert.
Hauptziel des Modellprojektes ist es zum einen, die unterschiedlichen
Möglichkeiten der Erreichbarkeit der Szene zu eruieren. Die
Erreichbarkeit ist durch den Umstand erschwert, dass diese Zielgruppe durch
aufsuchende und stationäre Angebote der Jugendarbeit selten bis gar
nicht angesprochen wird.
12 401,00
9 876,00
Drucksache 17/4334 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAnne Frank Zentrum „…zuerst einmal bin ich Mensch“ – Deutsch-türkische Biographien
aus dem Zweiten Weltkrieg“: Entwicklung von neuem und
innovativem Material für die politische Bildungsarbeit mit Jugendlichen,
insbesondere auch mit türkischem Migrationshintergrund. Der
Projektträger will anhand von fünf bis sieben besonders zu recherchierenden
und jugendgerecht aufgearbeiteten Biografien aus der Zeit des
Zweiten Weltkriegs einen neuen Blick auf die Themenfelder
Nationalsozialismus – antisemitische Verfolgung, Kollaboration, Widerstand,
Emigration, Helfen und Zivilcourage ermöglichen. Mit einer an
Demokratie und Menschenrechten orientierte Perspektive auf Geschichte
und Migrationsprozesse sollen sie in die Lage versetzt werden,
weltpolitische Entwicklungen einzuordnen und begründet zu beurteilen.
Damit will das Projekt einen Beitrag leisten, Jugendliche zu
befähigen, extremistische und rassistische Identitätsangebote
zurückzuweisen.
55 400,00
Hochschule für
Angewandte
Wissenschaften,
Hamburg und ufug
„Kompetenz gegen Integrationsbarrieren“: Aus- und Fortbildung von
Multiplikator/-innen und Erprobung von didaktischen Materialien für
die pädagogische Arbeit in Schulen, Einrichtungen der Sozialarbeit,
in Jugendhaft etc. zur Prävention von demokratiefeindlichen und
extremistisch islamischen Denkmustern und Einstellungen bei
Jugendlichen aus muslimisch-arabischen Milieus.
Grundlage ist eine bereits produzierte didaktische Filmreihe, die sich
mit typischen Erscheinungsformen islamistischer und
fundamentalistischer Positionen auseinandersetzt, ihnen Argumente, Alternativen
und unterschiedliche Perspektiven entgegenstellt und ideologische
Widersprüche aufzeigt.
18 000,00
Kreuzberger Initiative
gegen Antisemitismus,
Berlin
„Projektpräventive Bildungsprozesse zum Islamismus im Rahmen
der Ganztagsschule“: Die geplanten Seminarreihen sollen
schulischen und außerschulischen Pädagogen konkrete pädagogische
Interventionsmöglichkeiten für eine Arbeit gegen Islamismus im Rahmen
von Ganztagsschulen unter Einbeziehung sozialräumlich relevanter
Akteure aufzeigen.
39 599,00
Aktion Gemeinwesen
und Beratung, Düsseldorf
„Ibrahim trifft Abraham in Düsseldorf – Dialog- und Bildungsarbeit
mit Jungen“: Modellprojekt zur Entwicklung, Erprobung und
Implementierung neuer Formate der auf Partizipation angelegten
interkulturellen und interreligiösen Bildungs- und Dialogarbeit mit Jungen
insbesondere aus bildungsfernen Milieus. Dabei geht es auch um die
Auseinandersetzung mit islamistischen Ideologien. Die Jungen sollen
befähigt werden, diese zu identifizieren und zu hinterfragen. Ziel ist
das Erkennen und positive Erleben von Pluralismus und
demokratischen Verhaltensweisen.
13 946,00
Türkische Gemeinde in
Deutschland (TGD)
Pro QUO: Qualifizierungsoffensive für säkulare
Migrantenorganisationen mit dem Ziel einer verstärkten Verantwortungsübernahme für
die Demokratieerziehung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
mit Migrationshintergrund. Diese sollen u. a. motiviert werden, sich
auf unterschiedlichen Ebenen als Multiplikatoren an politischen
Diskussions- und Entscheidungsprozessen zu beteiligen.
28 458,00
Zeitbild-Stiftung Modellprojekt „Demokratie schützen – Linksextremismus
vorbeugen“: Die Zeitbild Stiftung wird ein Informationsheft für Lehrer
(Zeitbild WISSEN) erstellen, das über die Gefährdung unserer
freiheitlich-demokratischen Grundordnung speziell durch den
Linksextremismus aufklärt. Gleichzeitig sollen mit dem Zeitbild WISSEN
auch geeignete Präventionsmaßnahmen für die Schulen entwickelt
werden. Es besteht aus Wissensmodulen mit Fakten und
Hintergründen und aus Diskussionsanregungen und Arbeitsaufträgen. Der
zweite Teil diskutiert die Möglichkeit der Prävention in der Schule.
Hierzu werden Workshops mit Extremismus-Forschern, Pädagogen
und Jugendlichen durchgeführt und in dem Zeitbild WISSEN
dokumentiert.
99 700,00
Träger Projekt
Bewilligungssumme
in Euro
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/4334Archiv der
Jugendkulturen e. V.
„Die Autonomen“: Ziel des Projektes ist die Generierung von Wissen
über die Entwicklungsgeschichte und aktuellen Ausprägungen der
autonomen Szene in Deutschland, die modellhafte Entwicklung von
Fortbildungsangeboten für unterschiedliche Zielgruppen zum Thema
und die Bereitstellung der Forschungsergebnisse in Form
verschiedener (online- und Print-)Publikationen.
21 380,00
Gesicht Zeigen! Für ein
weltoffenes Deutschland
e. V., Berlin
„Demokratische Identitätsentwicklung im Einwanderungsland
Deutschland“: Recherche, Entwicklung, Durchführung und
Erprobung von Konzepten zur Demokratieerziehung und Integration.
Entwicklung von Modulen, um Jugendlichen mit Migrationshintergrund
die Werteordnung unserer Gesellschaft zu vermitteln durch
niedrigschwellige Angebote und die Bereitstellung von pädagogischen
Bausteinen, die eine positive Grundeinstellung zur Demokratie
unterstützen.
6 300,00
Stiftung Europäische
Jugendbildungs- und
Begegnungsstätte
(EJBW), Weimar
„Vermittlung von Schlüsselkompetenzen zur Auseinandersetzung mit
antidemokratischen gewaltorientierten Ideologien und Strömungen“:
Im Mittelpunkt stehen zielgruppengerechte Bildungskonzepte, durch
die demokratische Einstellungen gestärkt und die kritische
Auseinandersetzung mit antidemokratischen linksextremistischen Ideologien
gefördert werden können. Dabei soll mit ausgewählten Schulen in
Thüringen, Berlin, Hamburg und Hannover zusammengearbeitet
werden.
70 000,00
Internationaler Jugendhof
Scheersberg
Jugend für Demokratie und Extremismus: Ziel ist, Jugendliche zu
Multiplikator/-innen fortzubilden und sie dazu zu ermutigen, eigene
Partizipationsformen zu entwickeln. Zudem sollen Angebote für die
schulische und außerschulische Bildung entwickelt und Netzwerke
gegründet werden.
79 500,00
Institut des Rauhen
Hauses für Soziale
Praxis gGmbH
Zugänge der Jugendhilfe zu links-autonomen Jugendszenen in
Hamburg – eine Bestandsaufnahme: Ziel des Projekts ist es
herauszufinden, inwieweit linksextremistische Jugendliche und solche die
gefährdet sind, von den Angeboten der offenen Jugendarbeit in den
Stadtteilen Hamburgs oder von Streetworker/-innen in ihren Szenen
erreicht werden können. Ziel ist es zudem, neben einer
Literaturrecherche, die Einschätzungen der Polizei, des Verfassungsschutzes
und der Justiz um spezifische (sozial)pädagogische und
sozialräumliche Perspektiven sowie die Perspektiven der Zielgruppe selbst und
deren Umfeld zu ergänzen. Dieser multiperspektivische Zugang soll
eine Basis für weitere Praxisforschung und der Entwicklung von
Modellen schaffen.
14 400,00
Konrad-Adenauer-
Stiftung (KAS)
1. Durchführung von zwei Symposien zum Thema
Linksextremismus und
2. „Islamismus und islamische Jugendszene in Deutschland“
Die KAS wird je ein Symposium zum Thema Linksextremismus und
islamischer Extremismus durchführen. In Gesprächsrunden mit
Experten aus Theorie /Praxis gilt es, die Möglichkeiten des Umgangs
mit der Herausforderung des Linksextremismus und des islamischen
Extremismus Präventionsansätze zu erörtern. Zuvor werden in einem
ersten Schritt im Rahmen eines Expertengesprächs die Frage des
Linksextremismus bzw. islamischen Extremismus in der Jugendszene
in Deutschland aufgearbeitet. In einem ergänzenden Schritt ist direkt
in Zusammenhang mit dem Expertengespräch eine Umfrage unter
Jugendlichen aus der fraglichen Zielgruppe durchzuführen.
92 500,00
90 000,00
Träger Projekt
Bewilligungssumme
in Euro
Drucksache 17/4334 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode4. Welche Maßnahmen will das Niedersächsische Ministerium für Inneres
und Sport mit seinem Projekt genau umsetzen, und wie begründet sich der
Modellcharakter dieses Projektes?
In 2010 wurde im Rahmen der Initiative „Demokratie stärken“ keine
Maßnahme des Ministeriums für Inneres, Sport und Integration des Landes
Niedersachsen gefördert. Über den Antrag des Landes wird im Kontext mit den
weiteren, dem BMFSFJ vorliegenden Anträgen für 2011 zu entscheiden sein.
Amadeu-Antonio-
Stiftung (AAS)
Thematisierung israelbezogenen Antisemitismus und den damit
verbundenen Gefahren für demokratische Kultur – Aktionswochen
gegen Antisemitismus 2010: Israelbezogener Antisemitismus ist ein
Querschnittsthema. Linksextreme Israelfeindlichkeit unterscheidet
sich in ihrer Argumentation und ihren Bildern kaum von der aus
islamistischen oder rechtsextremen Milieus. Hier sollen die
Aktionswochen 2010 ansetzen: Ziel ist es, Israelfeindschaft zu thematisieren und
über deren antisemitische Struktur/Gehalt aufzuklären. Geplant sind
Veranstaltungen, die sich in verschiedenen Milieus diesem Thema
zuwenden. Zudem soll es regionale Treffen geben. Die lokalen Partner
werden zum Thema fortgebildet und entwickeln dann gemeinsam
Materialien zur Vorbereitung des kommenden Jahres.
16 000,00
Stiftung Partner für
Schule NRW
„Bildungscomics gegen Extremismus – Andi 1–3“: Das Ministerium
für Inneres und Kommunales NRW hat den Bildungscomic „Andi“
entwickelt. In zwei Heften werden Linksextremismus und
islamischer Extremismus jugendgerecht aufgegriffen und z. B. im
Schulunterricht verwendet. Die Comics sollen in überarbeiteter Form als
Bundesausgabe gedruckt und bundesweit verteilt werden.
Es soll zudem eine Lehrerhandreichung zum Heft
„Linksextremismus“ entwickelt werden (für die andere Extremismusbereiche gibt es
diese bereits). Diese Handreichung soll in enger Zusammenarbeit
zwischen Extremismusspezialisten und Lehrkräften sowie unter
Beteiligung des Innen- und des Schulministeriums NRW erstellt
werden.
97 761,00
Junge Union (JU) „Wir fahren nach Berlin – gegen Linksextremismus“: Ziel des
Projekts der Jungen Union mit dem Titel „Wir fahren nach Berlin –
gegen Linksextremismus“ ist es, jungen Menschen, die bereits
Multiplikatoren in der Jugendszene darstellen, Wissen über
Linksextremismus zu vermitteln. Dieses Wissen soll in der weiteren Jugendarbeit
eingesetzt werden. Im Rahmen des Projektes werden Bildungsreisen
für die vorgenannte Zielgruppe nach Berlin stattfinden. Im Zentrum
der Bildungsreisen stehen Zeitzeugengespräche, Diskussionen mit
Extremismusexperten und der Besuch von Gedenkstätten und
Museen. Mit den Teilnehmern soll zudem beraten werden, welche
Initiativen sie vor Ort gegen Linksextremismus entwickeln können.
29 000,00
Senatsverwaltung Berlin
für Inneres und Sport
Veranstaltung „Islamismus: Prävention und Deradikalisierung“: Die
Veranstaltung befasst sich mit dem Problem der wachsenden
Radikalisierungstendenzen in der islamistischen Szene. Multiplikatore sowie
Verantwortliche aus Politik und Sicherheitskreisen diskutieren
erfolgreiche Konzepte zur Prävention von islamischem Extremismus.
17 956,80
DJI, München Wissenschaftliche Begleitung 75 904,00
Träger Projekt
Bewilligungssumme
in Euro
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/43345. Welche Maßnahmen will der Träger Violence Prevention Network e.V. mit
seinem Projekt genau umsetzen und, wie begründet sich der
Modellcharakter dieses Projektes?
6. Welche Maßnahmen will das Institut des Rauhen Hauses für Soziale Praxis
gemeinnützige GmbH i. L. mit seinem Projekt genau umsetzen, und wie
begründet sich der Modellcharakter dieses Projektes?
7. Welche Maßnahmen will die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. mit ihrem
Projekt genau umsetzen, und wie begründet sich der Modellcharakter
dieses Projektes?
8. Welche Maßnahmen will das Ministerium für Inneres und Kommunales
des Landes Nordrhein-Westfalen mit seinem Projekt genau umsetzen, und
wie begründet sich der Modellcharakter dieses Projektes?
9. Welche Maßnahmen will die Junge Union mit ihrem Projekt genau
umsetzen, und wie begründet sich der Modellcharakter dieses Projektes?
Wegen des Sachzusammenhangs werden die Fragen 4 bis 9 gemeinsam
beantwortet.
Anders als beim Rechtsextremismus, zu dessen Ursachen und
Erscheinungsformen sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen
inzwischen eine langjährige und umfangreiche, sowohl wissenschaftliche als
auch präventiv-fachliche Debatte existiert, kann beim islamischen
Extremismus und beim Linksextremismus nicht auf eine vergleichbare breite
Fachdiskussion zurückgegriffen werden.
Das BMFSFJ fördert daher die unter der Antwort zu Frage 1 u. a. aufgeführten
Projekte, bei denen es sich zum Teil um Modellprojekte zum Teil aber auch um
sonstige Einzelprojekte im Sinne von Abschrift Nummer III 3.6 der Richtlinie
des Kinder- und Jugendplans (RL-KJP) handelt. Darüber hinaus werden – mit
Unterstützung des DJIs – Expertisen und Forschungsvorhaben in Auftrag
gegeben, um bestehende Wissenslücken zu schließen.
Ziel ist es somit, verlässliche Daten und Expertisen zu erhalten, um
– Forschungslücken zu schließen,
– Bedarfe im Bildungsbereich abzudecken,
– Symposien, Fachkonferenzen und Modellprojekte zu unterstützen,
– wichtige Zugänge in die jeweiligen Communities zu schaffen.
Ziel aller Projekte in ihrer Gesamtheit ist es, junge Menschen gegen
extremistisches Gedankengut stark zu machen, indem die Stärken von Kindern und
Jugendlichen gefördert werden und ihre Entwicklung zu eigenverantwortlichen
und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten unterstützt wird.
Bezüglich des Inhalts der in den Fragen 5 bis 9 genannten Projekte wird auf die
tabellarische Darstellung in der Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Die Projekte der Träger Violence Prevention Network und des Instituts des
Rauhen Hauses (Fragen 5 und 6) sind als modellhaft bewilligt worden.
– Der Träger Violence Prevention Network führt zwei im Rahmen der Initiative
„Demokratie stärken“ geförderte Modellprojekte durch. Im Vordergrund aller
Bemühungen dieser Modellprojekte steht die Übertragbarkeit der
Herangehensweise auf andere Städte, Kommunen und Organisationen.
Zum einen wird im Rahmen des Modellprojekts zur Prävention von
islamischem Extremismus am Beispiel Berlin-Wedding ein Kompendium mit
Curricula, Handlungsbeschreibungen und Prozessabläufen erstellt, das nach
Drucksache 17/4334 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAbschluss des Projekts anderen Kommunen und Stadtteilen zur Verfügung
gestellt werden soll.
Zudem ist es Ziel des Trägers, sein Konzept des Anti-Gewalt- und
Kompetenztrainings auf eine mögliche Übertragbarkeit und somit Modellhaftigkeit
hin zu überprüfen. Der Ablösungsprozess von gewalttätigen Gruppierungen
ist ein besonderes Anliegen des Projektes, um die Gewalt- und
Extremismuskarriere der Jugendlichen frühzeitig zu beenden.
– Ziel des Projektes des Instituts des Rauhen Hauses ist es u. a., durch den
multiperspektivischen Zugang eine Basis für weitere Praxisforschung und
der Entwicklung von Modellen zu schaffen. In diesem Jahr führt das Institut
eine Vorstudie durch, um dann im nächsten Jahr aufgrund der hieraus
resultierenden Ergebnisse ein Modellprojekt zu entwickeln und durchzuführen.
Die sonstigen Projekte (Fragen 7 bis 9) sind als sonstige Einzelprojekte im
Sinne der RL-KJP bewilligt worden.
10. Welche Programmpunkte enthält die von der Jungen Union Köln
organisierte und vom BMFSFJ geförderte Berlinreise Mitte Dezember 2010 im
Einzelnen, und in welchem Zusammenhang stehen diese Punkte jeweils
mit dem Oberthema „Linksextremismus“?
a) Welchen inhaltlichen Zusammenhang sieht die Bundesregierung
zwischen einem Ausflug ins Berliner Nachtleben und dem Oberthema
„Linksextremismus“?
b) War dieser Ausflug Bestandteil der Antragsunterlagen zum Zeitpunkt,
als die Entscheidung über die Förderung fiel?
c) Warum wurde nach Kenntnis der Bundesregierung der geplante
Besuch der Reisegruppe der Jungen Union Köln im Hausprojekt
Köpenicker Straße 137 wieder verworfen?
d) War dieser Besuch Bestandteil der Antragsunterlagen zum Zeitpunkt,
als die Entscheidung über die Förderung fiel?
e) Was kostet die Berlin-Fahrt der Jungen Union Köln, und mit wie
vielen Geldern des BMFSFJ wird das Projekt der Jungen Union Köln
bezuschusst?
11. Welcher Art sind die Hinweise, von denen der Parlamentarische
Staatssekretär Dr. Hermann Kues gesprochen hat, die dazu Anlass geben, die
Förderung dieser Reise der Jungen Union Köln noch einmal zu
überprüfen (bitte die Hinweise so detailliert wie möglich anführen und dort, wo
dies aufgrund Datenschutzaspekten oder sonstigen Erwägungen nicht
möglich sein sollte, summarisch zusammenfassen)?
a) Handelt es sich bei diesen Hinweisen um Umstände, die auch schon
aus den Antragsunterlagen hervorgegangen sind, und wenn ja, was
wäre an diesen dann neu?
b) Welche Differenzen im Einzelnen zwischen Antragsunterlagen und
jetzigem Kenntnisstand sind im Fall der Reise der Jungen Union Köln
aufgetreten?
Wegen des Sachzusammenhangs werden die Fragen 10 und 11 gemeinsam
beantwortet.
Die Junge Union Köln hat entschieden, sich nicht an der Umsetzung des
Projektes „Wir fahren nach Berlin – gegen Linksextremismus“ des
Bundesverbandes der Jungen Union zu beteiligen. Die geplante Fahrt wurde abgesagt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/433412. Welche weiteren Anträge auf Reisen von Junge-Union-Gruppen wurden
vom BMFSFJ im Rahmen der Präventionsprogramme gegen
Extremismus bereits bewilligt?
a) Welche Junge-Union-Gliederungen veranstalten diese Reisen?
b) Wann finden diese Reisen statt, was ist das Reiseziel, unter welchem
Motto stehen sie, welche Programmpunkte enthalten sie?
c) Welche Mittel werden vom BMFSFJ im Einzelnen dafür
bereitgestellt?
Im Rahmen des Projektes „Wir fahren nach Berlin – gegen Linksextremismus“
des Bundesverbandes der Jungen Union sind verschiedene Einzelmaßnahmen
geplant. Durchgeführt werden Fahrten der Jungen Union Hessen und der
Jungen Union Bayern zwischen dem 16. und 19. Dezember 2010.
Gefördert werden die als zuwendungsfähig anerkannten Kosten, zu denen
Fahrt- und Übernachtungskosten zählen. Freizeitaktivitäten am Abend – und
somit außerhalb der Agenda der Fahrt – sind nicht Gegenstand der Förderung.
Die Gesamtkosten der Maßname sind in der Übersicht bei der Antwort zu den
Fragen 1, 3 und 14 dargestellt.
Zum Zeitpunkt der Antragsbewilligung stand das Grundkonzept fest, aber noch
nicht die einzelnen Programmpunkte der Fahrten im Detail. Auf Bitten des
BMFSFJ hat der Bundesverband zwischenzeitlich die Eckpunkte des
Programms der Fahrten übermittelt. Danach sind u. a. Gespräche mit
Bundestagsabgeordneten, der Besuch der Mauergedenkstätte sowie der Gedenkstätte
Hohenschönhausen sowie ein Gesprächstermin im BMFSFJ vorgesehen. Das
BMFSFJ wird die weitere Projektumsetzung intensiv begleiten.
13. Welche parteinahen Stiftungen wurden neben der Konrad-Adenauer-
Stiftung e.V. in den Kreis der potenziellen Träger aufgenommen, welche
Gründe waren dafür ausschlaggebend, und mit welchen Gründen wurden
andere Stiftungen ausgeschlossen?
Parteinahe und sonstige Stiftungen können sich im Rahmen der Initiative
Demokratie stärken bewerben. Ein Ausschluss einzelner Stiftungen fand und findet
nicht statt. So hat beispielsweise die Friedrich-Ebert-Stiftung an der o. g.
Anhörung im Juni 2010 teilgenommen. Andere Stiftungen – außer der Konrad-
Adenauer-Stiftung – haben jedoch bisher keine Anträge gestellt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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