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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Aktuelle Herausforderungen und Strategien der Bundeswehr im Personalbereich
(insgesamt 96 Einzelfragen)
Fraktion
CDU/CSU
Ressort
Bundesministerium der Verteidigung
Datum
17.12.2024
Aktualisiert
03.01.2025
BT20/1387321.11.2024
Aktuelle Herausforderungen und Strategien der Bundeswehr im Personalbereich
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
Deutscher Bundestag Drucksache 20/13873
20. Wahlperiode 21.11.2024
Kleine Anfrage
der Fraktion der CDU/CSU
Aktuelle Herausforderungen und Strategien der Bundeswehr im Personalbereich
Die sicherheitspolitische Lage in Europa und weltweit hat sich in den letzten
Jahren signifikant verschärft. Vor dem Hintergrund des russischen
Angriffskrieges auf die Ukraine, der anhaltenden Instabilität im Nahen Osten und in
Nordafrika sowie zunehmender Spannungen im indopazifischen Raum steht die
Bundeswehr vor wachsenden Anforderungen. Die Fähigkeit, sowohl im
Rahmen der kollektiven Verteidigung und Einsätzen der NATO, der EU, den
Vereinten Nationen als auch bei eigenständigen nationalen Einsätzen kriegstüchtig
agieren zu können, ist von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung der
militärischen Handlungsfähigkeit Deutschlands und seiner Bündnispartner.
Zudem steigt die Bedeutung hybrider Bedrohungsszenarien, darunter
Cyberangriffe, Desinformation, asymmetrische Konflikte und die Entwicklung
autonomer Waffensysteme. Diese Faktoren zwingen zu einer grundlegenden
Neubewertung der strukturellen, materiellen und besonders personellen Ausstattung
der Bundeswehr sowie ihrer operativen Prozesse und strategischen
Ausrichtung.
Die in den vergangenen Wahlperioden nach der Annexion der Krim mit den
Trendwenden Finanzen, Personal und Material begonnene Refokussierung auf
die Landes- und Bündnisverteidigung erhält durch den Krieg in der Ukraine
und die Bedrohung des NATO-Gebietes besondere, nämlich existenzielle
Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird die durch den Bundesminister der
Verteidigung, Boris Pistorius, geforderte „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr zu
einem Schlüsselkriterium für die Bewertung ihrer Leistungsfähigkeit.
Trotz eingeleiteter Trendwenden und verstärkter Ressourcenausstattung der
Bundeswehr im Rahmen der Zeitenwende steht die Bundeswehr weiterhin vor
erheblichen Herausforderungen im Personalbereich. Diese Probleme umfassen
eine Vielzahl von Aspekten, von der Rekrutierung und Bindung neuer Soldaten
über die Verfügbarkeit von qualifiziertem Fachpersonal in kritischen Bereichen,
die Einsatzbereitschaft und Einsatzfähigkeit des Personalkörpers bis hin zu
einer echten Aufwuchsfähigkeit für den schlimmsten anzunehmenden Fall.
Vor dem Hintergrund der Bedrohung hat Bundesminister Boris Pistorius
mehrfach von der Notwendigkeit gesprochen, eine bis 2029 kriegstüchtige
Bundeswehr aufzustellen (vgl. www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw23-d
e-regierungsbefragung-1002264).
Die Fragesteller unterstützen die Absicht einer einsatzbereiten und
einsatzfähigen Bundeswehr, die einen angemessenen Beitrag im NATO-Bündnis leistet.
Eine Bundeswehr, die einsatzbereit, verteidigungs- und abschreckungsfähig ist.
Gleichwohl hegt die Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag mit
Blick auf die Finanzmittelausstattung, den vorgelegten Gesetzesentwurf zum
Haushaltsgesetz 2025 und die mittelfristigen Planungen sowie mit Blick auf die
wenigen ergriffenen Maßnahmen im Bereich des Personals den berechtigten
Zweifel, dass die Ambitionen auch nur ansatzweise erreicht werden können.
Die Personalprobleme der Bundeswehr sind komplex und vielschichtig.
Lösungen erfordern eine Kombination aus kurzfristigen Maßnahmen, wie
verbesserten Rekrutierungsanreizen und der Straffung von Entscheidungsprozessen,
sowie langfristigen Strategien, wie der Modernisierung der Arbeitsbedingungen
und einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Darüber hinaus ist es
entscheidend, das öffentliche Bild der Bundeswehr zu verbessern, um mehr
junge Menschen für den Dienst zu gewinnen. Die Herausforderung bleibt, die
Truppe nicht nur quantitativ zu vergrößern, sondern auch qualitativ auf die
modernen Anforderungen auszurichten.
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen zielt die folgende Kleine Anfrage
darauf ab, den Zustand der Bundeswehr im Bereich des Personals detailliert zu
beleuchten und einen fundierten Überblick über die Kriegstüchtigkeit der
Streitkräfte zu erlangen. Die Fragesteller erachten eine ehrliche
Bestandsaufnahme als unerlässlich, um gezielte Reformen anstoßen zu können.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Bis wann plant die Bundesregierung den Zielumfang von ca. 203 000
aktiven Soldatinnen und Soldaten zu erreichen?
2. Ist der Zielumfang von ca. 203 000 Soldatinnen und Soldaten für die
Bundeswehr für die aktuellen und absehbaren Aufgaben ausreichend?
a) Wenn ja, wie will die Bundesregierung die erwartbaren
Mehrforderungen der NATO (Minimum Capability Requirements) absehbar mit
diesem Personalumfang erfüllen?
b) Wenn nein, welcher Zielumfang ist notwendig?
3. Wie können aus Sicht der Bundesregierung 203 000 oder gar größere
Personalumfänge aktiver Soldatinnen und Soldaten tatsächlich erreicht
werden?
4. Wie wurde für einen Personalaufwuchs auf 203 000 haushalterisch für die
Haushaltsjahre 2024 bis 2027 Vorsorge getroffen?
5. Wie wurde für einen darüber hinaus gehenden Personalaufwuchs
haushalterisch für die Haushaltsjahre 2024 bis 2027 Vorsorge getroffen?
6. Wie groß ist das am Zielumfang von ca. 203 000 aktiven Soldatinnen und
Soldaten gemessene derzeitige Personaldefizit (bitte nach Dienstgraden,
Teilstreitkräften bzw. Organisationsbereichen aufschlüsseln)?
7. In welchen Schritten plant die Bundesregierung, den vom
Generalinspekteur der Bundeswehr angekündigten notwendigen neuen Zielumfang von
460 000 Soldaten (vgl. Interview mit General Carsten Breuer,
Generalinspekteur der Bundeswehr unter: defence-network.com/general-breuer-gen
eralinspekteur-bundeswehr/) zu erreichen?
8. Welche quantitativen und qualitativen Personaldefizite bestehen aktuell im
Vergleich zu den Anforderungen der NATO-Verpflichtungen,
insbesondere im Hinblick auf die erforderliche Truppenstärke für die
Bündnisverteidigung (bitte nach Teilstreitkraft und Einheiten aufschlüsseln)?
9. Welche spezifischen Maßnahmen zur Schließung dieser Defizite sind
kurzfristig in Planung, und welche sind mittelfristig in Planung?
10. In welchen Bereichen der Bundeswehr bestehen die höchsten
Personaldefizite?
11. Wie viele Soldatinnen und Soldaten werden aktuell auf Dienstposten
verwendet, die nicht zwingend eine militärische Ausbildung voraussetzen
(bitte nach Organisationseinheiten wie Bundesministerium der
Verteidigung (BMVg), dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und
Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) etc. sowie nach
Besoldungsgruppen differenzieren)?
12. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung konkret, um die
Personalgewinnung in besonders kritischen Bereichen (z. B. Kommando
Spezialkräfte (KSK), Logistikpersonal, Cyberpersonal) zu verbessern, und wie
werden Anreize zur Rekrutierung in diese Einheiten evaluiert?
13. Wie hoch ist die deutsche Besetzungsquote in der NATO-
Kommandostruktur (bitte nach Dienstgradgruppen aufschlüsseln)?
14. Wie hoch ist die deutsche Besetzungsquote in der NATO-Force-Structure
(bitte nach Dienstgradgruppen aufschlüsseln)?
15. Wie hat sich die Anzahl der militärischen Planstellen der
Besoldungsgruppen ab B6 aufwärts in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt (bitte
die ausgebrachten militärischen Planstellen besoldungsgruppenscharf
auflisten und nach den Einsatzbereichen BMVg, Kommandostrukturen der
Bundeswehr, NATO-Strukturen, sonstigen nationale Einsatzbereiche
sowie sonstigen internationale Einsatzbereiche in den Jahren 1980, 1985,
1990, 1995, 2000, 2005, 2010, 2015, 2020 sowie 2024 differenzieren)?
16. Steht für jede aktive Soldatin und jeden aktiven Soldaten zukünftig das
Standard-Sturmgewehr für Ausbildung, Übung und Einsatz zur
Verfügung?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn nein, für wie viel Personal steht es zur Verfügung?
c) Wenn nein, nach welchen Kriterien erfolgt die Verteilung?
17. Steht für jede aktive Soldatin und jeden aktiven Soldaten zukünftig
Übungs- sowie Gefechtsmunition für das Standard-Sturmgewehr für
Ausbildung, Übung und Einsatz zur Verfügung?
18. Für welche Aufwuchsstärke der militärischen Reserve steht zukünftig das
Standard-Sturmgewehr für Ausbildung, Übung und Einsatz zur
Verfügung?
19. Für welche Aufwuchsstärke der militärischen Reserve steht zukünftig
Übungs- sowie Gefechtsmunition für Ausbildung, Übung und Einsatz zur
Verfügung?
20. Wird die Verfügbarkeit moderner Schutzausrüstung insbesondere für
Auslandseinsätze gewährleistet, und welche Fortschritte wurden seit 2020 bei
der Beschaffung erzielt?
21. Wie ist die durchschnittliche Wartezeit in Monaten nach Besetzung eines
höherwertigen Dienstpostens bis zur Beförderung bzw. Einweisung in die
Besoldungsstufe im militärischen Bereich des Geschäftsbereichs (GB)
BMVg (bitte nach Besoldungsstufen differenziert aufführen)?
22. Warum droht die „Pflichtbeförderung“ der angehenden Leutnante im
Jahr 2025 nicht durchführbar zu sein?
23. In welchen Dienstgradgruppen herrscht derzeit aufgrund fehlender
Planstellen bzw. Haushaltsmittel oder sonstiger Gründe ein Beförderungsstau
(bitte nach Besoldungsgruppe aufschlüsseln)?
24. Wie hoch ist die durchschnittliche Wartezeit in Monaten nach Besetzung
eines höherwertigen Dienstpostens bis zur Beförderung bzw. Einweisung
in die Besoldungsstufe im zivilen Bereich des GB BMVg (bitte nach
Besoldungsstufen differenziert aufführen)?
25. Wenn es Unterschiede bei den Wartezeiten zwischen zivilen und
militärischen Angehörigen des GB BMVg gibt, woran liegt das?
26. Gelten für die Einweisung von Beamten andere Regeln bzw. Vorgaben,
und wenn ja, warum können diese nicht auf Soldatinnen und Soldaten
übertragen werden?
27. Wie viele vakante Dienstposten gibt es im zivilen Anteil des GB BMVg
(bitte absolut und relativ nach Dienststellen und Besoldungsstufen
differenziert aufführen)?
28. Wie viele vakante Dienstposten gibt es im militärischen Anteil des GB
BMVg (bitte absolut und relativ nach Teilstreitkräften bzw.
Organisationsbereich, nach Besoldungsstufen differenziert aufführen)?
29. Wie viele Offiziere bzw. Stabsoffiziere besetzen aktuell eine „Planstelle
zbV“ (Planstelle zur besonderen Verwendung) (bitte aufgeschlüsselt nach
den im GB BMVg genutzten Fallgruppen und Besoldungsgruppen
aufführen)?
30. Welche durchschnittliche Stehzeit auf Planstelle zbV besteht bei den
jeweiligen Fallgruppen?
31. Welche Maßnahmen (beispielsweise frühzeitige Zurruhesetzung) sind
vorgesehen bzw. werden aktuell umgesetzt, um diese Zahl, vor allem bezogen
auf die Fallgruppen „Ausnahme/Sonderfall“, „Vorübergehende oder
eingeschränkte Dienstfähigkeit von mehr als 4 Monate“ und „Dauernde
Dienstunfähigkeit“ zu verringern?
32. In welchen Umfang wurden diese Maßnahmen in den Jahren 2014 bis
2024 umgesetzt (bitte jahresscharf aufführen)?
33. Warum gibt es unterschiedliche Beurteilungssysteme im militärischen und
im zivilen Anteil des GB BMVg?
34. Welchen Regenerationsbedarf hat die Bundeswehr jährlich (bitte nach
Dienstgradgruppen und Teilstreitkraft bzw. Organisationsbereich
aufschlüsseln)?
35. Wie viel Personal verliert die Bundeswehr jährlich vorzeitig (bitte
Abbrecherquoten seit dem Jahr 2000 darstellen)?
36. Was sind die wesentlichen Gründe für den Abbruch (bitte nach Anteilen
aufschlüsseln)?
37. Inwieweit gibt es regionale, truppengattungs- bzw.
teilstreitkräftespezifische Unterschiede bei den Abbrecherquoten?
38. Inwieweit unterscheiden sich die Gründe für den Abbruch in den
Zeitfenstern 2000 bis 2014, 2015 bis 2021 und seit 2022?
39. Welche Gründe für den Abbruch sind nach Bewertung der
Bundesregierung nicht privat begründet und daher auf Defizite der Organisation bzw.
Struktur, beim Material, der Infrastruktur o. Ä. zurückzuführen?
40. Welche nachhaltigen Effekte haben die Maßnahmen zur Steigerung der
Attraktivität der Bundeswehr auf die Einsatzfähigkeit kriegstüchtiger
Einheiten, und welche weiteren Schritte sind zur Erhöhung der
Personalkapazität in den kommenden fünf Jahren geplant?
41. Wie viel Personal kann die Bundeswehr kurz-, mittel- und langfristig
bestenfalls gewinnen?
42. Inwieweit erachtet die Bundesregierung die gegenwärtige
Verpflichtungspraxis nach SaZ (Soldat auf Zeit) und BS (Berufssoldat) noch zeitgemäß?
43. Welche anderen Modelle betrachtet die Bundesregierung?
44. Wie entwickelt sich das Personalangebot (Anzahl Bewerber) im Vergleich
zum Bedarf (bitte nach Teilstreitkraft bzw. Organisationsbereich sowie
militärischem bzw. zivilem Personalangebot aufschlüsseln)?
45. Plant die Bundesregierung, Personal ohne deutsche Staatsangehörigkeit in
den militärischen Dienst in der Bundeswehr einzustellen?
46. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung für einen verbesserte und
beschleunigte Kommunikation im Bewerbungsprozess?
47. Welche Digitalisierungs- und Bürokratieabbaumaßnahmen strengt die
Bundesregierung an?
48. Welche Schritte laufen oder sind geplant, um Jugendoffizieren neben ihrer
Informationsarbeit zur Sicherheitspolitik auch Werbung für den
Soldatenberuf in den Schulen zu ermöglichen?
49. Durch welche konkreten Maßnahmen unterstützt die Bundesregierung die
Bundeswehr dabei, Kooperationsvereinbarungen zwischen Bundeswehr
und den Ländern zu schließen, um die Informationsarbeit der
Jugendoffiziere an Schulen zu erleichtern, nachdem die Bundesministerin für
Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, es für wichtig hält, dass
Jugendoffiziere in Schulen über die Bundeswehr informieren (www.rnd.de/p
olitik/bettina-stark-watzinger-schueler-auf-kriegsfall-vorbereiten-RDGWJ
EOPPBLFNBJSUQFLURQDBU.html)?
50. Welche attraktivitätssteigernden Maßnahmen unternimmt die
Bundesregierung, um
a) qualifiziertes Personal zu gewinnen,
b) qualifiziertes Personal zu binden bzw. weiter zu verpflichten?
51. Wie schätzt die Bundesregierung mit Blick auf die
Attraktivitätssteigerung des Dienstes in der Bundeswehr ein, dass sich Berichte von
Soldatinnen und Soldaten häufen, die eigener Aussage nach in der
Karriereberatung anders eingeplant wurden, als es ihrem Wunsch entsprach?
52. Wie schätzt die Bundesregierung mit Blick auf die
Attraktivitätssteigerung des Dienstes in der Bundeswehr die Belastung der einzelnen
Soldatinnen und Soldaten durch mangelhaften Zustand respektive mangelhafte
Ausstattung in den Bereichen Material, Infrastruktur und hoher
Auftragsbelastung ein?
53. Wie wird die Arbeit der Karrierecenter der Bundeswehr durch die
Bundesregierung evaluiert?
a) Hat sich an diesem Mechanismus seit der Refokussierung der
Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung etwas verändert?
b) Welche Möglichkeiten haben Interessenten bzw. Bewerber, die mit
ihrer Erstberatung, Einplanung o. Ä. unzufrieden sind, sich mit einer
Beschwerde oder der Bitte um Hilfe an die Bundeswehr zu wenden?
54. Wie werden die Beratungsgespräche in den Karrierecentern der
Bundeswehr evaluiert, und hat sich an diesem Mechanismus seit der
Refokussierung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung etwas
verändert?
55. Wie lang ist der durchschnittliche Zeitraum zwischen Erstberatung im
Karrierecenter und Dienstantritt neuer Rekruten (bitte nach Dauer in den
Jahren 2019 bis 2024 aufschlüsseln), und wie bewertet die
Bundesregierung die Dauer dieses Zeitraums mit Blick auf die Attraktivitätssteigerung
des Dienstes in der Bundeswehr und im Vergleich mit zivilen
Arbeitgebern?
56. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen potenzielle Bewerber
nach der Erstberatung trotz bekundeten Interesses keine Rückmeldung
mehr vom entsprechenden Karrierecenter erhalten haben, und wenn ja,
wie geht die Bundesregierung mit diesen Fällen um?
57. Wie hoch ist die Zahl der weiblichen Bewerberinnen für den militärischen
Dienst in der Bundeswehr im Jahr 2024 bisher (bitte nach absoluter Zahl,
Anteil am Gesamtbewerbungsaufkommen und Vergleich zum Stichtag mit
den Jahren 2020 bis 2023 aufschlüsseln)?
58. Welche Auswirkungen hat die regionale Personalwerbung und
Personalgewinnung auf Bewerbungs-, Beratungs- und Einstellungszahlen der
Bundeswehr, und wie wurden die hierfür zugrunde liegenden Daten erhoben
und ausgewertet?
59. Welche Ressourcen stehen der Bundeswehr in der Fläche für die regionale
Personalwerbung und Personalgewinnung zur Verfügung?
a) Wie haben sich diese Ressourcen seit 2021 verändert?
b) Wie plant die Bundesregierung diese Ressourcen in den kommenden
Jahren zu erhöhen?
60. Erachtet die Bundesregierung das Modell „Soldat auf Zeit“ als
zukunftsweisend und ausreichend attraktiv, um den notwendigen
Personalaufwuchs der Streitkräfte zu gewährleisten?
61. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um Soldaten auf
Zeit, insbesondere jene mit längerer Dienstzeit, durch eine zivilberufliche
Qualifizierung auf einen erfolgreichen Übergang in die zivile Arbeitswelt
vorzubereiten, welche zusätzlichen Maßnahmen sind hierfür in Planung?
62. Welche konkreten Schritte hat die Bundesregierung unternommen, um das
Ziel der Stärkung des Binnenarbeitsmarktes der Bundeswehr, wie im
Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP
festgehalten, zu erreichen?
a) Welchen weiteren Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung zur
Stärkung des Binnenarbeitsmarktes der Bundeswehr?
b) Welche Maßnahmen sind bis zum Ende der Legislaturperiode geplant
(bitte nach Maßnahme und geplantem Umsetzungszeitraum
aufschlüsseln)?
63. In welchen Bereichen der Bundeswehr führen Personaldefizite oder das
Fehlen von Schlüsselpersonal zu einer eingeschränkten
Einsatzbereitschaft?
64. Welche personellen Effizienzgewinne ergeben sich durch die durch
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius angestoßene Strukturreform
(bitte konkret aufschlüsseln)?
65. Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Bundesregierung mit Blick auf die
strikte Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung nötig, um
die personelle Einsatzbereitschaft zu erhöhen?
66. Wann beabsichtigt die Bundesregierung dem Parlament die Evaluation des
Einsatzweiterverwendungsgesetzes vorzulegen?
67. Wie viel Zeit ist für die Soldatinnen und Soldaten an den Universitäten
der Bundeswehr während des Studiums für nichtstudiumsbezogene Aus-
und Fortbildungen vorgesehen (bitte nach Hochschulstandort, bei
Unterschieden nach Studiengang und Bachelor- oder Masterstudium
aufschlüsseln)?
68. Welchen Umfang an Aus- und Fortbildungsleistungen in Bezug auf den
Erhalt der militärischen Grundfertigkeiten wie Schießen oder Marschieren
werden von den Soldatinnen und Soldaten regelmäßig während des
Studiums verlangt?
a) Wie werden diese nachgewiesen?
b) Wie hoch ist der Anteil der Soldatinnen und Soldaten, die diese
Anforderungen nicht erfüllen (bitte nach Studiengang, Studiensemester und
fehlendem Umfang der Versäumnisse aufschlüsseln)?
69. In welchem Umfang erwartet die Bundesregierung aus der Einführung
eines Wehrdienstes positive Effekte für die Personalgewinnung?
70. Wann ist mit dem Dienstantritt der ersten Wehrdienenden des neuen
Wehrdienstes in der Truppe zu rechnen?
71. Worin unterscheidet sich der neue Basiswehrdienst vom Freiwilligen
Wehrdienst in rechtlicher, inhaltlicher, zeitlicher und organisatorischer
Dimension?
72. Inwieweit ist der geplante Wehrdienst organisatorisch, strukturell,
haushalterisch und materiell umsetzbar?
73. Wie viel Personal kann in den nächsten Jahren durch die Bundeswehr im
Rahmen des Wehrdienstes ausgebildet werden (bitte Planungsgrößen für
jedes Jahr von 2025 bis 2034 aufführen), bis zu welcher Kapazität
könnten für eine höhere Zahl im Rahmen des Wehrdienstes Auszubildender die
Voraussetzungen geschaffen werden (bitte für jedes Jahr von 2025 bis
2034 aufführen)?
74. Wie lange dauert der Aufbau eines Wehrerfassungswesens bzw. der
Begutachtungsstellen, um einen kompletten Jahrgang zu mustern?
75. Beabsichtigt die Bundesregierung, perspektivisch eine Wehrpflicht
einzuführen?
a) Wenn ja, wie sind die Zeitlinien und zu schaffenden
Rahmenbedingungen?
b) Wenn nein, wie kann nach Bewertung der Bundesregierung der
notwendige Personalaufwuchs in einem Krisen- oder Kriegsfall
zeitgerecht hergestellt werden?
76. Welchen Zielumfang an aktiven und im Reservistendienst tätigen
Soldatinnen und Soldaten hält die Bundeswehr für einen durchhaltefähigen
Einsatz im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung für nötig?
77. Welchen Zielumfang an aktiven und im Reservistendienst tätigen
Soldatinnen und Soldaten plant die Bundesregierung bis 2029, 2031 und 2035
zu erreichen?
78. Welche Optionen zur bedarfsgerechten Verbesserung der
Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr hat die Bundesregierung identifiziert?
79. Welche Maßnahmen zur verbesserten Aufwuchsfähigkeit wurden bereits
ergriffen?
80. Welche Maßnahmen zur verbesserten Aufwuchsfähigkeit sind geplant
(bitte auch angeben, wann die Umsetzung geplant ist)?
81. Sind für eine verbesserte Aufwuchsfähigkeit in Krisenzeiten
einfachgesetzliche oder verfassungsverändernde Maßnahmen nötig (bitte aufführen,
was aus Sicht der Bundesregierung nötig ist)?
82. Wie können aus Sicht der Bundesregierung mehr Personal bzw. mehr
Reservisten jenseits der Grundbeorderung besser an die Bundeswehr
gebunden werden?
83. Welche Zukunft sieht die Bundesregierung für den Freiwilligen
Wehrdienst im Heimatschutz angesichts der Tatsache, dass laut den letzten
veröffentlichten Personalzahlen lediglich 112 Dienstposten besetzt sind
(Quelle: www.bundeswehr.de/de/ueber-die-bundeswehr/zahlen-daten-fakt
en/personalzahlen-bundeswehr)?
84. Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle Einsatzbereitschaft der
Reserve in modernen Konfliktszenarien (z. B. hybride Bedrohungen), und
welche Maßnahmen sind geplant, um die Reservekräfte für aktuelle
Bedrohungslagen zu qualifizieren?
85. Wie kann aus Sicht der Bundesregierung die Einsatzbereitschaft der
Grundbeorderten erhöht werden?
a) Sind dazu Ausbildungsprogramme nötig?
b) Welche Fähigkeiten müssen bei unseren Reservisten ausgebildet
werden, um im Spannungsfall einen schnellen und qualitativ gesicherten
Aufwuchs zu ermöglichen?
86. Welche konkreten Beispiele hat die Bundesregierung, dass es mit Blick
auf Dienstplanung und Dienstgestaltung zum jetzigen Zeitpunkt an
Flexibilität fehlt?
87. Welche konkreten Szenarien sind in der Zukunft denkbar, die eine
Flexibilität erfordern, die die aktuelle Rechtslage nicht ermöglicht?
88. Welche Vorhaben in der Vergangenheit konnten aufgrund der bestehenden
arbeitszeitrechtlichen Lage nicht durchgeführt werden?
89. Anhand welcher konkreten Szenarien gab bzw. gibt es hierzu militärische
Bedarfsträgerforderungen, aus welchen Bereichen stammen diese
Forderungen?
90. Inwieweit sind die militärischen Vorgesetzten im Arbeitszeitrecht
geschult, um die Unterscheidung zu ermöglichen, wann der Dienst im
Grundbetrieb und wann der Dienst außerhalb des Grundbetriebs
durchzuführen ist?
91. Welche militärischen Dienste sind nach Ansicht der Bundesregierung und
unter Berücksichtigung der Rechtsprechung in den Rechtssachen des
Europäischen Gerichtshofs (EuGH) C-742/19 sowie der Rechtssachen
C-529/21 bis C-536/21 sowie C-732/21 bis C-738/21 ausschließlich im
Grundbetrieb durchzuführen?
92. Wie sollen die in § 30c Absatz 4 des Soldatengesetzes (SG) genannten
Tätigkeiten definiert werden, sodass eine Konformität des Gesetzentwurfs
„Artikelgesetz Zeitenwende“ mit europäischem Recht gesichert ist und
eine uferlose Erweiterung auf anderes Funktionspersonal ausgeschlossen
wird?
93. Woran ist eine spezifische Tätigkeit der Streitkräfte bei der Auslegung der
Beispiele in § 30c Absatz 4 SG zu erkennen?
94. Wird die Personalführung des zivilen Anteils in das BMVg verlagert
werden?
a) Wenn ja, welche Vorteile bringt das?
b) Wenn ja, werden hierzu neue Strukturen bzw. Stellen im BMVg
geschaffen?
95. Wird die Personalführung des militärischen Anteils in das BMVg
verlagert werden?
a) Wenn ja, welche Vorteile bringt dieser Schritt?
b. Wenn nein, warum nicht?
96. Plant die Bundesregierung ein einheitliches Personalentwicklungskonzept
für den zivilen wie militärischen Anteil?
a) Wenn ja, wann wird es umgesetzt?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 20. November 2024
Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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