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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Deutschlands Arktispolitik und ihre neuen Leitlinien
(insgesamt 49 Einzelfragen)
Fraktion
BSW
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
26.02.2025
Aktualisiert
05.03.2025
BT20/1473329.01.2025
Deutschlands Arktispolitik und ihre neuen Leitlinien
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
Deutscher Bundestag Drucksache 20/14733
20. Wahlperiode 29.01.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Andrej Hunko, Dr. Sahra Wagenknecht, Ali Al-Dailami, Sevim
Dağdelen, Klaus Ernst, Christian Leye, Amira Mohamed Ali, Zaklin Nastic,
Jessica Tatti, Alexander Ulrich und der Gruppe BSW
Deutschlands Arktispolitik und ihre neuen Leitlinien
In der Arktis vollzieht sich die globale Erwärmung viermal so schnell wie
weltweit (siehe „Auf weichem Grund“; Süddeutsche Zeitung am 17. Februar 2024,
S. 32). Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der außenpolitisch
zugespitzten Weltlage rückt die Arktis und der mit ihr zusammenhängende
Themenkomplex immer mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit in
Deutschland: Mittlerweile sind die Entwicklungen im arktischen Raum nicht
nur ein Thema medialer Berichterstattung, sondern auch Gegenstand einer
politischen Debatte im Deutschen Bundestag (siehe Plenarprotokoll 20/163,
Tagesordnungspunkt 18, S. 21011 bis 21029).
Als zentrales Dokument für die deutsche Politik in dieser Weltregion gelten die
am 18. September 2024 aktualisierten Leitlinien deutscher Arktispolitik
„Deutschland und die Arktis im Kontext von Klimakrise und Zeitenwende“.
Damit wurden die alten Leitlinien „Verantwortung übernehmen, Vertrauen
schaffen, Zukunft gestalten“ aus dem Jahr 2019 abgelöst. In der neuen Fassung
der Leitlinien wird ein besonderer Akzent auf den Krieg in der Ukraine, die
angespannte Sicherheitslage in der Region und das veränderte Verhältnis zu
Russland gesetzt. Explizit wird betont: Die Bundesregierung „betrachtet
Russland aufgrund seines Angriffskrieges gegen die Ukraine und seiner generellen
Abkehr von der internationalen regelbasierten Ordnung derzeit nicht als
Kooperationspartner in der Arktisforschung und intensiviert stattdessen die
Kooperation mit ihren Wertepartnern“ (siehe S. 7 in: Leitlinien deutscher
Arktispolitik „Deutschland und die Arktis im Kontext von Klimakrise und
Zeitenwende“).
Wie grundsätzlich produktiv die deutsch-russische wissenschaftliche
Kooperation in der Vergangenheit sein konnte, ergibt sich zum Beispiel aus der
Berichterstattung im Dezember 2023, fast zwei Jahre nach dem Beginn des Krieges in
der Ukraine: Eine Forschungsgruppe der Freien Universität Berlin hatte in
Sibirien die älteste (8 000 Jahre alte) befestigte Siedlung der Welt entdeckt (siehe
z. B. „In Sibirien: Berliner Forscherin findet älteste Siedlung der Welt“;
Tagesspiegel, S. 22, am 12. Dezember 2023 sowie „Forschungsteam der FU Berlin
entdeckt älteste befestigte Siedlung der Welt“; Berliner Zeitung am 6.
Dezember 2023). „Das Team der Feldforschungen 2019 stand unter der Leitung von
Henny Piezonka und Dr. habil. Natalia Chairkina und umfasste deutsche und
russische Forschende aus Berlin, Kiel und Jekaterinburg“, ist einer
Pressemitteilung der FU Berlin zu entnehmen (siehe www.fu-berlin.de/presse/informatio
nen/fup/2023/fup_23_291-aelteste-siedlung-amnya-nachgewiesen/index.html).
Jedoch sind vergleichbare Feldforschungen aufgrund der Sanktionen, die die
Bundesregierung in Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine verhängt
hat, nicht mehr möglich (siehe Antwort zu Frage 2 auf
Bundestagsdrucksache 20/8547): „Für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
existieren aktuell keine Möglichkeiten einer Feldforschung auf dem Territorium
Russlands. Mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine
hat sich Russland als Partner diskreditiert“. Dies betrifft unter anderem auch die
Forschungskooperation im Bereich der Klimaforschung, insbesondere die
jahrzehntelange wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Arktis.
Noch im Jahr 2021 wurde das Projekt BRIDGE des Deutschen Geo
ForschungsZentrums für seinen Austausch mit Russland mit dem Preis für
Bildungs- und Wissenschaftsdiplomatie des Bundesministeriums für Bildung
und Forschung (BMBF) geehrt (siehe dazu „Ausgezeichnete Brückenbauer“
auf Deutschland-Portal „deutschland.de“ am 30. Juni 2021). Der Projektleiter
Ludwig Stroink erläutert zu der politischen Dimension des Projekts: „Schon zu
Zeiten des Kalten Kriegs, als in der Politik wenig miteinander gesprochen
wurde, konnte die Wissenschaft Kanäle zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und der Sowjetunion offenhalten. Aktuell haben sich die Beziehungen wieder
eingetrübt. Die politische Sprachlosigkeit mit Mitteln der
Wissenschaftsdiplomatie zu überwinden – auch darin liegt die große Bedeutung der
deutschrussischen Forschungskooperation.“
Nach der über zwei Jahre andauernden Aussetzung der Zusammenarbeit wird
inzwischen auch in den deutschen Medien darüber berichtet, dass fehlende
Daten aus Russland Forschungsergebnisse verzerren (vgl. „Arktis: Fehlende Daten
aus Russland verzerren das Bild“; Deutschlandfunk am 23. Januar 2024). Diese
Berichterstattung basiert auf der am 22. Januar 2024 veröffentlichten Studie
„Towards an increasingly biased view on Arctic change“. „Suddenly we don’t
have access to data from half of the landmass in the Arctic region. Our study
reveals that the exclusion of the Russian stations severely decreases our ability
to track Arctic changes“, sagt der Hauptautor der Studie, Dr. Efrén López-
Blanco von der Universität Aarhus in Dänemark (siehe tech.au.dk/en/about-
thefaculty/news/show/artikel/the-war-in-ukraine-severely-limits-our-ability-to-trac
k-arctic-climate-change). Auch deutsche Wissenschaftler „bedauern, dass es
eben keine Daten mehr gibt aus Russland, aus Sibirien“ (siehe das Interview
mit der deutschen Botschafterin Clarissa Duvigneau in Podcast vom Posten:
Island – Tor zur Arktis: Wo NATO und Rentierzüchter sich treffen, Folge 72). Im
Beitrag „Heikles Wissensloch“ (FAZ am 25. Februar 2024, S. 53) wird dazu
bemerkt: „Ein Desaster für engagierte Polarforscher, die gerne lückenlos Daten
aufzeichnen, das zu einem Desaster für die ganze Welt werden kann.“
„Klimaforscher wie Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven
sind verunsichert. Durch den Verlust der Kooperation mit Russland verliere
man sehr viel Know-how in der Eisfahrt auf der logistischen Seite, aber auch
ebenso viel russische Expertise auf der wissenschaftlichen Seite, so Marcel
Nicolaus“, berichtet der SWR am 19. Februar 2024 im Beitrag „Arktisforschung
ohne Russland – Folgen für die Wissenschaft“.
Hier sehen die Fragestellerinnen und Fragesteller im Umgang der
Bundesregierung mit russischen Forschungsstellen einen offenkundigen Widerspruch:
Einerseits wird der Klimawandel als „die größte Sicherheitsbedrohung unserer
Zeit“ bewertet (siehe www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/klimaaussenp
olitik/klima-sicherheit/2179664) und eine Klimaaußenpolitikstrategie der
Bundesregierung (Dezember 2023) wird beschlossen. Andererseits verfolgt die
Bundesregierung das Ziel, Russland, einen der relevantesten Staaten für den
Klimaschutz, unter anderem auf dem Gebiet der Forschungskooperation
international zu isolieren (siehe Antworten zu den Fragen 3 und 4 auf
Bundestagsdrucksache 20/8547). Dabei erklärt die Bundesregierung nicht einmal, welchen
Nutzen der Stopp der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit russischen
Stellen für die Beendigung des Kriegs in der Ukraine bisher gebracht hat. Im
Artikel „Eiszeit in der Arktisforschung“ in „Telepolis“ am 6. Oktober 2023 wird
diesbezüglich betont: „Eher stellt sich die Frage, ob man nicht das Kind mit
dem Bade ausgeschüttet hat. Die Wirkung der Geste ist verpufft, die meisten
Beobachter gehen inzwischen davon aus, dass der Krieg noch länger dauern
wird. Die neue Eiszeit der Forschungskooperationen scheint inzwischen
stabiler als der aktuelle Permafrost.“
Zwar nennt die Bundesregierung in ihren Antworten Russlands Krieg gegen die
Ukraine als Grund für die Einstellung der Zusammenarbeit mit Russland,
jedoch steht es der Bundesregierung selbst zu, zu entscheiden, wie sie darauf
reagiert und wie umfangreich ihre Strafmaßnahmen gegen Russland sein sollen.
Dr. Dirk Notz, Leiter der Forschungsgruppe Meereis am Institut für
Meereskunde der Universität Hamburg und einer der Leitautoren des sechsten IPCC
(Intergovernmental Panel on Climate Change)-Weltklimaberichts, stellt
hinsichtlich des Klimawandels fest: „Die Entscheidungen, die wir heute treffen,
werden den Zustand der Welt in hundert oder tausend Jahren bestimmen“
(siehe „Klimawandel: Ein unverantwortliches soziologisches Experiment“;
Deutschlandfunk Nova am 30. Mai 2024).
Die oben dargestellte Problematik ist nach Ansicht der Fragestellerinnen und
Fragesteller ein Paradebeispiel dafür, wie undifferenziert eine Sanktionspolitik
(im konkreten Fall gegen Russland) wirken kann. Sie betrachten die
Wiederaufnahme der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, insbesondere im arktischen
Raum, als realen und essenziellen Beitrag zum Klimaschutz, eine
vertrauensbildende Maßnahme in Zeiten der wachsenden Konfrontation mit Russland und
damit auch als verantwortliches Handeln im Interesse von künftigen
Generationen. Ihrer Meinung nach soll die Wissenschaftsdiplomatie als
„Brückenbauerin“ dringend eingesetzt werden (vgl. z. B. youtu.be/FJ4xdhxUICg?feature=sh
ared). Dieser Schritt würde dem Inhalt der im Sommer 2023 in Vancouver
angenommenen Resolution der Parlamentarischen Versammlung der Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zum Ausbau des
Potenzials der Wissenschaftsdiplomatie entsprechen (siehe RESOLUTION ON
GREATER EXPLOITATION OF THE POTENTIAL OF SCIENCE DIPLO-
MACY FOR INTERNATIONAL CO-OPERATION AND ACTIVE PEACE
POLICY, S. 43 bis 45).
Mit der vorliegenden Kleinen Anfrage wollen die Fragestellerinnen und
Fragesteller wie bereits auch öfter davor (siehe dazu die Kleinen Anfragen auf den
Bundestagsdrucksachen 19/13193, 19/19084, 19/28602, 20/3866, 20/6748,
20/8137) den aktuellen Stand Deutschlands Arktispolitik in Erfahrung bringen
und dabei die Relevanz einer friedlichen und produktiven internationalen
Zusammenarbeit mit allen Partnern in dieser Weltregion hervorheben.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Kapazitäten hat die Bundesregierung für die Erarbeitung der
neuen Leitlinien deutscher Arktispolitik „Deutschland und die Arktis im
Kontext von Klimakrise und Zeitenwende“ verwendet (bitte unter
anderem den Zeitraum, in dem die Leitlinien erarbeitet wurden, sowie die Zahl
von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Angabe von jeweiligen
Organisationen, Behörden und Ministerien sowie die Art von Stellen
(Vollbzw. Teilzeit) in dem dafür vorgesehenen Stellenplan nennen)?
2. Inwieweit konnte die Bundesregierung bisher ihren Absichten folgen, „die
Aktivitäten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und des im
Aufbau befindlichen ‚Arctic Regional Climate Centre Network‘ sowie
anderer internationaler Institutionen zu unterstützen, um Lücken in
Klimaüberwachungssystemen zu schließen und diese in ein dauerhaftes, auf
Jahrzehnte angelegtes Klimamonitoring zu überführen“ (siehe Leitlinien
deutscher Arktispolitik, Stand 2019, S. 13; bitte alle konkreten
Maßnahmen nach Jahren ausführen und jeweilige Kooperationsländer angeben)?
3. Inwieweit ist die Bundesregierung der Absicht gefolgt, „die Bevölkerung
in Deutschland für die wichtige Beziehung zwischen Deutschland und der
arktischen Umwelt zu sensibilisieren“ (ebd.) (bitte konkrete Maßnahmen
bzw. Projekte sowie Umfang der finanziellen Förderung angeben und
nach Jahren aufschlüsseln)?
4. Mit welchen finanziellen Mitteln wurde das Alfred-Wegner-Institut (AWI)
seit 2022 durch die Bundesregierung gefördert (bitte nach Jahren
aufschlüsseln; siehe dazu die Antwort zu Frage 1 auf Bundesdrucksache
20/4396 sowie die Antwort zu Frage 32 auf Bundestagsdrucksache
19/15326)?
5. Beteiligt sich der Deutsche Wetterdienst (DWD) an wissenschaftlichen
Projekten mit Bezug zur Arktis, und wenn ja, inwieweit (bitte Projekte
nennen und die Funktion des DWD darin angeben)?
6. Werden die Informationen über klimatische Prozesse in der Arktis und
ihre Folgen für Deutschland an das Zentrum KlimaAnpassung (www.bmu
v.de/themen/klimaanpassung/zentrum-klimaanpassung) und damit an
Deutschlands Kommunen sowie soziale Einrichtungen vermittelt, wenn
ja, inwieweit, und wenn nein, warum nicht?
7. Welche bilateralen Arktisforschungsprojekte mit den Mitgliedstaaten des
Arktischen Rates fördert die Bundesregierung seit 2022 (bitte nach
einzelnen Staaten, Jahren und Umfang der Förderung aufschlüsseln; siehe dazu
die Antwort zu Frage 2 auf Bundestagsdrucksache 20/4396 sowie die
Antwort zu Frage 39 auf Bundestagsdrucksache 19/15326)?
8. Welche bilateralen Arktisforschungsprojekte mit den Beobachterstaaten
des Arktischen Rates fördert die Bundesregierung seit 2022 (bitte nach
einzelnen Staaten, Jahren und Umfang der Förderung aufschlüsseln; siehe
dazu die Antwort zu Frage 3 auf Bundestagsdrucksache 20/4396 sowie die
Antwort zu Frage 42 auf Bundestagsdrucksache 19/15326)?
9. Ist die Bundesregierung für eine Intensivierung der
Forschungskooperation zur Arktis- und Klimaforschung mit der Volksrepublik China,
Beobachterstaat des Arktischen Rates und Land mit dem bei Weitem größten
Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß (de.statista.com/statistik/daten/studie/
179260/umfrage/die-zehn-groessten-c02-emittenten-weltweit/#:~:text=Ch
ina%20als%20gr%C3%B6%C3%9Fter%20CO2%2DVerursacher,auf%20
einem%20relativ%20konstanten%20Niveau), offen, wenn ja, inwieweit,
und wenn nein, warum nicht?
10. Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen den westlichen
Sanktionen gegenüber Russland und der steigenden Kooperation
Russlands mit China im arktischen Raum, wenn nein, warum nicht, und wenn
ja, welche Schlussfolgerungen für ihr politisches Handeln zieht sie daraus,
z. B. angesichts der Vorannahme, dass Russland wegen der Einschränkung
seines Zugangs zu westlichem Kapital durch Sanktionen auf chinesische
Investitionen wird zurückgreifen müssen, um die Infrastruktur entlang des
Nördlichen Seewegs auszubauen (siehe dazu „Der schmelzende Schild“,
S. 66 in Auslandsinformationen 1/2023 „Die Arktis – Zwischen Konflikt
und Kooperation“)?
11. Wie viele Stipendien für die Arktisforschung bzw. für Projekte deutscher
und bzw. oder ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
mit Bezug zum arktischen Raum wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung aus den Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdiensts
(DAAD), der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG), der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), der
Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), der Max-Planck-Gesellschaft (MPG),
Leibniz-Gesellschaft (WGL), der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), der
Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), der
Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS), der Heinrich-Böll-Stiftung (HBS)
sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) seit 2010 vergeben (bitte nach
Organisationen, Jahren und einzelnen Herkunftsstaaten von
Stipendiatinnen und Stipendiaten aufschlüsseln)?
12. Mit welchen Mitteln hat die Bundesregierung das Arctic Circle Berlin
Forum am 7./8. Mai 2024 gefördert, und war die Bundesregierung bei dem
Forum vertreten, wenn ja, auf welcher Ebene?
13. In welchen internationalen Forschungsnetzwerken mit Bezug zur Arktis
(wie zum Beispiel das EU-Programm Interact, eu- in terac t .org/) ist
Deutschland vertreten?
14. Hat die Bundesregierung Forschungsprojekte auf Spitzbergen in der
Vergangenheit gefördert oder fördert solche aktuell, und wenn ja, bitte
Zeitraum, thematische Schwerpunkte, Kooperationspartner und Umfang der
Förderung angeben?
15. Sind der Bundesregierung vergleichbare Fälle von Verschmutzung der im
arktischen Raum liegenden Flüsse durch die im schmelzenden Permafrost
enthaltenen Schadstoffe wie in Alaska auch in anderen arktischen Staaten
bekannt (www.focus.de/earth/news/in-der-arktis-im-raetsel-um-
orangenefluesse-machen-forscher-bittere-entdeckung_id_259982858.html), und
wenn ja, in welchen?
16. Lässt sich nach Ansicht der Bundesregierung die wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit dem globalen Klimawandel getrennt von seinen
Prozessen (und seinen Folgen) in der russischen Arktis ermöglichen?
17. Wie evaluiert die Bundesregierung aktuell die Folgen des
Kooperationsstopps mit Russland für
a) die internationale Klimapolitik,
b) die deutsch-russische Forschungskooperation insgesamt,
c) die deutsch-russische Zusammenarbeit im arktischen Raum?
18. Waren der Bundesregierung die Auswirkungen des Stopps der
Forschungskooperation mit der Russischen Föderation bereits in dem
Moment bewusst, als sie diese Entscheidung getroffen hat?
19. Hat die Bundesregierung deutsche Forschungseinrichtungen bzw.
Experten zu möglichen Folgen einer Entkoppelung von der wissenschaftlichen
Kooperation mit Russland konsultiert, bevor sie entschieden hat, diese
Zusammenarbeit einzustellen,
a) wenn ja, welche, und mit welchem Ergebnis,
b) und wenn nein, warum nicht?
20. In welchen konkreten Gremien wurde am 25. Februar 2022 (siehe dazu
Leitlinien deutscher Arktispolitik „Deutschland und die Arktis im Kontext
von Klimakrise und Zeitenwende“, S. 34) entschieden, die
Forschungskooperation mit Russland auszusetzen (bitte die Zusammensetzung der
Gremien angeben)?
21. Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung seitens der Russischen
Föderation ein Interesse bzw. die Bereitschaft für weitere wissenschaftliche
Zusammenarbeit mit Deutschland, unter anderem in der Arktis, und wenn ja,
in welchen Bereichen wurde von russischer Seite dieses Interesse
bekundet, und wie reagiert die Bundesregierung darauf?
22. Welche Voraussetzungen für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit
Russland sind in den Leitlinien deutscher Arktispolitik „Deutschland und
die Arktis im Kontext von Klimakrise und Zeitenwende“ (siehe S. 38)
konkret gemeint?
23. Welche konkreten Ergebnisse erbrachte der 21. Arktisdialog im Mai 2023,
wo die internationale Zusammenarbeit in der Arktisforschung im
Mittelpunkt stand (siehe www.arctic-office.de/neuigkeiten/21-arktisdialog/),
und wurden dort die Möglichkeiten der Wiederaufnahme der Kooperation
mit russischen Forschungsstellen erörtert?
24. Welche konkreten Ergebnisse erbrachte der 22. Arktisdialog im
November 2023, wo unter anderem die Folgen des Kooperationsstopps mit
Russland thematisiert wurden (www.arctic-office.de/neuigkeiten/22-arktisdia
log/)?
25. Welche konkreten Ergebnisse erbrachte der 23. Arktisdialog im Juni 2024
(www.arctic-office.de/de/veranstaltungen/23-arktisdialog/)?
26. Wurde der Messturm ZOTTO (Zotino Tall Tower Observatory) von der
Max-Planck-Gesellschaft (MPG) an Russland bereits übergeben (siehe
dazu die Antworten zu den Fragen 8a und 8b auf
Bundestagsdrucksache 20/4396 sowie die Antwort zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache
20/8547)?
a) Wenn ja, wann, und an welche Organisation?
b) Wenn nein, welche konkreten „zahlreiche[n] juristische[n] Fragen“
(Antwort zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache 20/8547) müssen
geklärt werden, um die Übergabe zu ermöglichen?
27. Mit welchen Mitteln hat die Bundesregierung bzw. haben die durch die
Bundesregierung geförderten Organisationen das Projekt Messturm ZOT-
TO gefördert (bitte die Förderung nach Jahren angeben)?
28. Betrachtet die Bundesregierung die Station für Permafrostforschung auf
der Insel Samoilow immer noch als eine deutsch-russische Station, wenn
nein, warum, und wenn ja, warum?
29. Mit welchen Mitteln hat die Bundesregierung die Station auf der Insel
Samoilow seit 1998 gefördert (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
30. Über welche Erkenntnisse zum aktuellen Zustand der Station für
Permafrostforschung auf der Insel Samoilow verfügt die Bundesregierung?
31. Ist der Bundesregierung der Foresight-Beitrag „Pathogene aus dem
Permafrost. Bekämpfung einer Tierseuche mit oder ohne Russland“ (in SWP
(Stiftung Wissenschaft und Politik)-Studie „Weltpolitische
Unwägbarkeiten: Erkundungen der Zukunft“ Foresight-Beiträge 2024, S. 38 bis 45)
bekannt, wenn ja, hält die Bundesregierung die Notwendigkeit einer
wissenschaftlichen Kooperation mit Russland vor dem Hintergrund des
Szenarios einer klimabedingten Freisetzung von Krankheitserregern (z. B.
Milzbrand) für notwendig, und wenn nein, warum nicht?
32. Wurden der Schutz sowie die nachhaltige Bewirtschaftung russischer
Wälder, „die Beendigung von nicht nachhaltigen oder illegalen Nutzungen
und die Eindämmung der dort meist großflächigen Wald- und
Landschaftsbrände“ (siehe Antwort zu Frage 16 auf
Bundestagsdrucksache 20/8547) durch die Bundesregierung gefördert, und wenn ja, wann,
und mit welchen Mitteln?
33. Betrachtet die Bundesregierung den Umstand, dass der Plastikmüll in der
Arktis „in der Vergangenheit keiner der Schwerpunkte der
deutschrussischen Forschungszusammenarbeit im Bereich der Polar- und
Meeresforschung“ war, als Versäumnis (siehe die Antwort zu Frage 18 auf
Bundestagsdrucksache 20/8547)?
34. Hat die Bundesregierung Kenntnis über den fortlaufenden Austausch
amerikanischer oder kanadischer Organisationen (z. B. National Oceanic and
Atmospheric Administration oder Environment and Climate Change
Canada) mit einschlägigen Partnern von russischen Stellen im Rahmen von
internationalen Institutionen wie beispielsweise über das zwölfte
Arktische Klimaforum (ACF-12) am 6. und 7. November 2023 im Rahmen von
„Arctic Regional Climate Centre Network“, und wenn ja, wie bewertet sie
diesen?
35. Mit welchen anderen Staaten außer Russland hat die Bundesregierung seit
1991 Forschungskooperationen eingestellt bzw. eingefroren (bitte die
Staaten mit Angabe der Begründung nach Jahren auflisten, wann die
wissenschaftliche Zusammenarbeit eingestellt wurde)?
36. Wie verteilt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der ca.
4 Millionen im arktischen Raum lebenden Menschen (siehe dazu
Leitlinien deutscher Arktispolitik „Deutschland und die Arktis im Kontext
von Klimakrise und Zeitenwende“, S. 34) nach den Arktisanrainerstaaten
(bitte nach den Arktisanrainerstaaten aufschlüsseln und dabei zusätzlich
jeweils den Anteil der indigenen Bevölkerung angeben)?
37. Indigene Völker aus welchen Arktisanrainerstaaten haben sich am
„regelmäßige[n] Dialog zwischen der EU und den arktischen indigenen Völkern
(,Arctic Indigenous Peoples Dialogue‘)“ beteiligt (siehe die Antwort zu
Frage 62 auf Bundestagsdrucksache 19/15326), und in welchen Zyklen
findet dieser statt (bitte nach Arktisanrainerstaaten und Jahren
aufschlüsseln)?
38. Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell Möglichkeiten für
indigene Völker der russischen Arktis, an der Arbeit internationaler
Organisationen und Foren mit Bezug zur Arktis teilzunehmen, wenn ja, bitte
Organisationen angeben, und wenn nein, warum nicht?
39. Sieht die Bundesregierung eine Bedrohung für die Sámi in Kiruna
(Schweden) und insbesondere für die Rentierhaltung als Teil ihrer Kultur
vor dem Hintergrund der Pläne des Bergbauunternehmens LKAB, das
Per-Geijer-Vorkommen auszubeuten (siehe dazu „Untergehen für Europas
Wandel“; Hannoversche Allgemeine Zeitung am 31. Mai 2024, S. 2 sowie
„Klimawende bedroht letzte Indigene Europas“; Berliner Morgenpost am
3. Juni 2024, S. 4)?
40. Sieht die Bundesregierung die nach Beginn des russischen Angriffs auf
die Ukraine durch Finnland getätigten Grenzschließungen, die Kündigung
einiger Visumvereinbarungen und das Verbot von für Russland
zugelassenen Autos als nachteilig für das gemeinsame, grenzüberschreitende
Zusammenleben der Sámi in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland
(vgl. www.theeuropean.de/europa/putins-krieg-spaltet-das-volk-der-same
n-zwischen-russland-und-skandinavien), wenn nein, warum nicht, und
wenn ja, welche konkreten Schritte unternimmt die Bundesregierung, um
Finnland zu einer Wiedereröffnung ihrer Grenzübergänge in Lappland zu
bewegen und um im Rahmen der Europäischen Union auf
Visaausnahmeregelungen für die russischen Sámi hinzuwirken?
41. Wie setzt sich nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell das Indigenous
Peoples’ Secretariat des Arktischen Rates zusammen (www.arcticpeoples.
com/), und ist die Russian Association of Indigenous Peoples of the North
(RAIPON) weiterhin ständiger Teilnehmer (Permanent Participant) des
Arctic Council (vgl. arctic-council.org/about/indigenous-peoples-secretar
iat/)?
42. Welche Arktisanrainerstaaten nehmen an dem Forschungsprojekt ILLUQ
teil?
43. Fördert die Bundesregierung das Forschungsprojekt ILLUQ, und wenn ja,
mit welchen Mitteln (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
44. Sieht die Bundesregierung ein Wachsen der Bedeutung der
Nordostpassage sowie der Nordwestpassage für Gütertransporte vor dem Hintergrund
des militärischen Konflikts im Roten Meer (siehe dazu „Die
verwundbaren Arterien des Welthandels“; Der Standard am 13. Januar 2024; bitte
begründen)?
45. Sind der Bundesregierung die Handlungsempfehlungen der Metis-Studie
„Szenarien zu Auswirkungen des Klimawandels auf Einsätze der
Bundeswehr“ (Metis Institut für Strategie und Vorausschau, Studie Nummer 33,
März 2023) bekannt, wenn ja, folgt sie diesen (bitte die bereits ergriffenen
„Maßnahmen für Szenario 3-Einsätze“ angeben), und wenn nein, warum
nicht?
46. Sieht die Bundesregierung eine akute Notwendigkeit eines Dialogs mit
Russland über Fragen der militärischen Sicherheit in der Arktis (siehe
dazu „Zurück in die Zukunft der Arktis“; SWP-Aktuell Nummer 3, Januar
2024, S. 3)?
47. Unterstützt die Bundesregierung aktuell und/oder hat sie in der
Vergangenheit die Beseitigung bzw. Sicherung nuklearer Hinterlassenschaften im
arktischen Raum unterstützt (vgl. „Nukleare Altlasten in der Arktis“;
AUSDRUCK, Dezember 2022, S. 19 bis 21), und wenn ja, wann, und mit
welchen Mitteln (bitte Kooperationspartner, Zeitraum, Art und Umfang
der Unterstützung angeben sowie Ort und Herkunft von nuklearen
Hinterlassenschaften nennen)?
48. Wie hat Kanada bisher auf den Vorschlag des Bundesministers der
Verteidigung, Boris Pistorius, eine trilaterale strategische maritime Partnerschaft
mit Norwegen zur Sicherung von Kommunikationsverbindungen durch
den nördlichen Atlantik und die Arktis zu schließen, reagiert (www.merku
r.de/politik/pistorius-kanada-norwegen-zusammenarbeit-arktis-russland-c
hina-93064023.html)?
49. Seit wann und inwieweit gehört die Arktis zu den Schwerpunkten, die
seitens der Bundeswehr auf Besuchsveranstaltungen an Schulen gegenüber
den Lehrkräften und/oder Schülern thematisiert werden (siehe dazu berufs
schule-donauwoerth.de/die-geopolitische-bedeutung-der-arktis-schulinter
ne-lehrerfortbildung/#more-581555)?
Berlin, den 20. Januar 2025
Dr. Sahra Wagenknecht und Gruppe
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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