Umsetzung des Programms 1000-Köpfe-Plus bzw. der Global-Minds-Initiative der Bundesregierung
der Abgeordneten Ayse Asar, Dr. Andrea Lübcke, Claudia Müller, Dr. Anja Reinalter, Misbah Khan, Claudia Roth und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
In ihrer Antwort auf die Frage der Abgeordneten Ayse Asar vom 3. November 2025 zur Einbettung der Förderprogramme der Global-Minds-Initiative (bzw. „Programm 1000 Köpfe Plus“) in die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) führt die Bundesregierung aus, die Initiative trage „zur Stärkung der deutschen Forschungssysteme sowie zur Entwicklung von Zukunftsthemen der HTAD bei“. Der Wissenschaftsstandort Deutschland werde als sicherer Hafen der Wissenschaftsfreiheit mit exzellenten Forschungsinfrastrukturen und vielfältigen Karriereperspektiven als einer der attraktivsten Wissenschaftsstandorte weltweit positioniert. Die Bundesregierung hebt hervor, dass die Initiative die Fachkräftegewinnung aus dem Ausland vorantreibe und internationale Netzwerke und Zusammenarbeit in Forschung und Innovation stärke und damit direkt zur Sicherung der technologischen Souveränität sowie zur Stärkung des Wissenschafts- und Innovationsstandorts Deutschland im Sinne der Hebel 5 und 6 der Hightech Agenda Deutschland beitrage. Trotz dieser hohen Erwartungen liegen der Öffentlichkeit bislang nur begrenzte Informationen zur tatsächlichen Umsetzung, Resonanz und Wirksamkeit der Initiative vor. Der Transparenz über die ersten Ergebnisse der Initiative kommt eine besondere Bedeutung zu, um ihre Effektivität fundiert einschätzen und die Außenwissenschaftspolitik mit ihren etablierten und neuen Maßnahmen insgesamt weiterentwickeln zu können. Besonderes Augenmerk verdient dabei die Synergie mit europäischen Instrumenten; so bleibt für die Fragestellenden unklar, warum das Potenzial der „Seal of Excellence“ zur Bildung bereits positiv begutachteter Spitzenforschenden bislang kaum adressiert wird.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen29
Wie viele Forschende sind bis zum 25. November 2025 in die Initiative aufgenommen worden, und wie verteilt sich diese Anzahl auf die einzelnen Förderinstrumente (Humboldt-Forschungsstipendien, Humboldt-Forschungspreise, Bessel-Forschungspreise, DFG-Professuren [DFG = Deutsche Forschungsgemeinschaft] und DFG-Mercator-Fellows, DAAD-Programme [DAAD = Deutscher Akademischer Austauschdienst])?
Wie hoch war die Gesamtzahl der geförderten Personen in den beteiligten Programmen der DFG und der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) in den Jahren 2023 und 2024 (Stichtag jeweils 31. Dezember), und wie hoch ist die Zielzahl für diese spezifischen Programme im Rahmen der Global-Minds-Initiative für 2025 und 2026?
Wie hoch ist der Anteil der Forschenden, die bereits vor Juli 2025 in Deutschland tätig waren und nun in die Initiative übernommen wurden?
Aus welchen Herkunftsländern stammen die in die Initiative aufgenommenen Forschenden (bitte nach den Top 10 der Herkunftsländer aufschlüsseln)?
Auf welcher Karrierestufe (R2, R3, R4 gemäß der Europäischen Klassifikation der Forscherlaufbahnen) befinden sich die gewonnenen Forschenden, wie verteilen sie sich auf diese Stufen, und was ist die durchschnittliche Laufzeit der Förderungen auf der jeweiligen Stufe?
Wie verteilen sich die aufgenommenen Forschenden auf die in der Hightech Agenda Deutschland als Schlüsseltechnologien definierten Bereiche (Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung, Technologien für die klimaneutrale Mobilität) und auf weitere strategische Forschungsfelder, und wie viele Forschende arbeiten in anderen Bereichen (bitte die Disziplinen angeben)?
Hat die Priorisierung von Forschenden in den HTAD-Schlüsseltechnologien der Global-Minds-Initiative dazu geführt, dass die Förderquoten für Bewerberinnen und Bewerber in den Geistes- und Sozialwissenschaften gesunken sind, und wenn ja, in welchem Umfang?
Bei welchen Aufnahmeinstitutionen sind die Forschenden angesiedelt (bitte nach Helmholtz-Zentren, Fraunhofer-Instituten, Max-Planck-Instituten, Leibniz-Instituten, Universitäten und sonstigen Einrichtungen aufschlüsseln)?
Wie viele Bewerbungen gingen seit dem Start der Initiative im Juli 2025 insgesamt ein, wie viele wurden positiv beschieden, und welche Quote der zugesagten Forschenden ist tatsächlich nach Deutschland gekommen (Mobilisierungsquote)?
In wie vielen Fällen kam es bei den aufgenommenen Forschenden bis zum 31. Dezember 2025 zu Verzögerungen beim Forschungsbeginn aufgrund von Visumsverfahren oder Terminengpässen bei Ausländerbehörden?
Welche zusätzlichen strukturellen Unterstützungsmaßnahmen wurden im Vergleich zu bestehenden Förderprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes umgesetzt, um die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts zu steigern und eine Willkommenskultur für internationale Forschende zu fördern, und inwieweit wurde das von der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär erwähnte „Rundum-Sorglos-Paket“ konkretisiert und implementiert?
Wie viele Ehepaare oder Partnerinnen- und Partnerpaare wurden im Rahmen der Initiative in Doppel- oder koordinierten Berufungen sowie anderen Dual-Carreer-Angeboten gewonnen, und in wie vielen Fällen gelang es, für beide Partnerinnen oder Partner eine geeignete Forschungsposition zu schaffen?
Wie viele der gewonnenen Forschenden arbeiten an Projekten, die von der Bundesregierung als relevant für die „technologische Souveränität“ im Sinne der Hightech Agenda Deutschland eingestuft werden (bitte die konkreten Technologiefelder und Forschungsbereiche dieser Projekte benennen)?
Welche Bedeutung spielt die Tatsache, dass die Initiative zu großen Teilen auf bewährten Programmen etablierter Wissenschaftsorganisationen basiert, für die Erfolgsmessung, die bürokratiearme Durchführung der Initiative sowie für ihren Beitrag zur Entwicklung von Zukunftsthemen der HTAD und zur Stärkung der technologischen Souveränität?
Welche flankierenden Module zur Gewinnung internationaler Studierender und Promovierender wurden bislang in die Initiative integriert, wie viele Personen aus diesen Zielgruppen haben bereits Zusagen erhalten, und wie steht das Programm in diesem Punkt im Verhältnis zum FIT-Programm (FIT = Förderung internationaler Talente zur Integration in Studium und Arbeitsmarkt) des DAAD?
Welche systemischen Maßnahmen im Sinne eines breiten wissenschaftspolitischen Wandels mit dem Ziel struktureller Verbesserungen im Wissenschaftssystem wurden bereits vorgenommen, und welche weiteren Maßnahmen sind in Vorbereitung?
Welche verbindlichen Zusagen der Bundesländer oder der Aufnahmeinstitutionen liegen nach Kenntnis der Bundesregierung vor, um den Forschenden nach Ablauf der Global-Minds-Förderung je nach Entwicklungsstufe ein Tenure-Track-Verfahren oder eine Dauerstelle anzubieten?
Gibt es Koordinationsmechanismen zwischen der Initiative und anderen Bundes- und Landesfördermaßnahmen zur Gewinnung internationaler Forschender, und wie wird vermieden, dass es zu Doppelförderungen oder Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Förderinitiativen kommt?
Gibt es Koordinierungsmechanismen zwischen der Initiative und vergleichbaren Programmen auf europäischer Ebene, wie z. B. der Choose-Europe-Initiative, und wie wird vermieden, dass es zu Doppelförderungen oder Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Förderinitiativen kommt?
Inwiefern sieht die Bundesregierung vor, Forschende, die bei europäischen Exzellenzprogrammen (z. B. Choose Europe, ERC Starting Grants oder MSCA Postdoctoral Fellowships) ein „Seal of Excellence“ erhalten haben, aber aufgrund von EU-Budgetbeschränkungen nicht gefördert werden konnten, prioritär oder durch ein vereinfachtes Verfahren in die Global-Minds-Initiative aufzunehmen?
Wie viele Forschende haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung im Rahmen der Choose-Europe-Initiative mit einer deutschen Gasthochschule als Erstwunsch beworben, konnten aber aufgrund der niedrigen EU-Erfolgsquote (von ca. 9 Prozent) nicht gefördert werden?
Welcher Mittelumfang wurde für die Initiative im Gesamten vorgesehen, wie verteilt sich dieser auf die einzelnen Förderinstrumente und Partnerorganisationen, und wie hoch ist der durchschnittliche Förderumfang pro Forschenden oder Forschendengruppe?
In welchem Umfang sind die Auslandsstrukturen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (Goethe-Institute, DAAD-Außenstellen, Deutsche Auslandsschulen, Wissenschafts- und Innovationshäuser) in die internationale Anwerbung für die Initiative eingebunden?
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die Initiative in zentralen Partnerländern der Wissenschaftsdiplomatie international sichtbar zu machen, und wie bewertet sie deren Beitrag zur Stärkung Deutschlands als Wissenschafts- und Wertepartner?
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um auch die Programme und Förderangebote der Außenwissenschaftspolitik, die nicht Teil der Global-Minds-Initiative sind, ebenfalls sichtbarer und erfolgreicher zu machen?
Inwieweit werden die geförderten Forschenden systematisch in bestehende internationale Netzwerke der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (z. B. Humboldt-Netzwerk, DAAD-Alumni, Goethe-Alumni, multilaterale Dialogformate) eingebunden, um nachhaltige Beziehungen aufzubauen?
Welcher Anteil an Fördermitteln der Initiative ist zur Weiterentwicklung und zum Ausbau von Alumni-Strategien vorgesehen, um nach Abschluss der Förderung langfristige wissenschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Bindungen zu Deutschland aufzubauen und zu pflegen?
Welche Wirkungen der Initiative erwartet die Bundesregierung im Hinblick auf die Stärkung der deutschen Soft Power, insbesondere durch internationale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Wissenschaftsnetzwerke und die Vermittlung deutscher Wissenschafts- und Freiheitswerte?
Welche Maßnahmen sind seitens der Bundesregierung neben der Initiative zur Unterstützung ausländischer Forschender und Studierender vorgesehen, insbesondere wenn diese in ihren Herkunftsländern verfolgt oder bedroht werden?