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Kleine AnfrageWahlperiode 21Noch nicht beantwortet

Ernteverluste durch den Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephalus)

Diese Kleine Anfrage von AfD gehört zur 21. Wahlperiode und hat den Stand „Noch nicht beantwortet“.

Fraktion

AfD

Datum

12.10.2026

Aktualisiert

13.10.2026

Offizielle Quellen und Volltext

Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.

Deutscher BundestagDrucksache 21/849112.10.2026

Ernteverluste durch den Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephalus)

der Abgeordneten Bernd Schuhmann, Stephan Protschka, Bernd Schattner, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny Meiers, Christian Reck, Stefan Schröder, Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Der Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephalus) stellt im Kohl- und Rübsen- aber vor allem Rapsanbau einen bedeutenden ökonomischen Faktor dar. Hierbei befallen seine Larven im Herbst die für die Wintersaat ausgebrachten Feldfrüchte und bewirken durch Minierfraß eine deutliche Wachstumsminderung (www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oekologischer-pflanzenschutz/pflanzendoktor/schaderreger/schaderreger-im-ackerbau/rapserdfloh-psylliodes-chrysocephala/). Besonders in den letzten beiden Jahren führten fraßbedingte Schäden zu geschäftsbedrohenden Ertragseinbußen. So erbrachte die Rapsernte in Brandenburg 2025 2,7 t/ha und 2026 lediglich noch 2,1 t/ha, wobei ein kostendeckendes Wirtschaften Erträge von wenigstens 3,0 t/ha voraussetzt (www.n-tv.de/regionales/berlin-und-brandenburg/Rapserdfloh-sorgt-fuer-Ernteverluste-in-Brandenburg-id31278466.html). Raps- und Rübsenanbau machen mit 1,1 Millionen Hektar ca. 7 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche aus (www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/bodennutzung-und-pflanzliche-erzeugung/oelsaaten), mit einem Gesamtertrag von 3,9 Million Tonnen ist Deutschland der größte Produzent im europäischen Vergleich (https://cropradar.digital/allgemein/winterraps-im-europaeischen-vergleich/). Eine fortgesetzte Ertragsminderungssituation und die dadurch nicht mehr gegebene Möglichkeit kostendeckenden Wirtschaftens bedroht daher auch den deutschen Agrarmarkt im Gesamten.

Indes mangelt es seit dem Verbot von Neonikotinoid-Beizen im Jahr 2013 an einem effektiven Mittel zur Prävention eines Schadbefalls, wie es die Bundesregierung 2019 auch schon in ihren Antworten auf die Kleinen Anfragen auf den Bundesdrucksachen 19/14521 (https://dserver.bundestag.de/btd/19/145/1914521.pdf) und 19/15296 (https://dserver.bundestag.de/btd/19/152/1915296.pdf) anerkannte.

Zur Verfügung stehen indes lediglich Wirkstoffe aus der Pyrethroid-Gruppe. Für den Wirkstoff Cyantraniliprole liegt eine Notfallzulassung im laufenden Wintersaatzeitraum vor (www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/01_notfallzulassungen/Exirel_Rapserdfloh_Winterraps_2026_neu.pdf?__blob=publicationFile&v=2). In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen-Anhalt ist dabei eine zweimalige, in den übrigen Bundesländern eine einmalige Behandlung gestattet. Diese Eingrenzung wird einerseits als zu wirkungsmindernd und andererseits sowie daraus folgend als Gefahr der Förderung von Resistenzen des Rapserdflohs gegen Pyrethroide im Allgemeinen angesehen. Bereits jetzt stellt dies in Form sog. Knockdown-Resistenzen (kdr), sowie Super-Knockdown-Resistenzen (s-kdr) ein eklatantes Problem dar, dessen Verschärfung durch lediglich moderate Wirkstoffbehandlung zu erwarten ist (Tiret et al., 2026, https://doi.org/10.1002/pei3.70156).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen11

1

Sammelt die Bundesregierung oder eine ihr untergeordnete Institution auf Anweisung der Bundesregierung seit 2019 quantifizierbare Angaben zum Ausmaß von mit dem Rapserdfloh befallenen Winterrapsanbaufläche? Wenn ja, wie hoch ist deren prozentualer Anteil an der gesamten Anbaufläche (bitte regional und nach Jahr aufschlüsseln), wenn nein, warum nicht?

2

Wie beurteilt die Bundesregierung die Bedrohung des deutschen Kohl- und Rübsen- aber vor allem Rapsanbaus durch Schäden und Ernteeinbußen verursacht durch den Rapserdfloh mit Hinblick auf sowohl kurz-, mittel-, als auch langfristige Auswirkungen auf den deutschen Agrarmarkt?

3

Liegen der Bundesregierung seit 2019 Statistiken darüber vor, wie viele Betriebe Ertragsmengen von weniger als 3,0 t/ha Winterraps einbrachten und daher nicht mehr kostendeckend wirtschaften konnten (wenn ja, bitte regional und nach Jahr aufschlüsseln)?

4

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über Evaluationen des Verbots des Einsatzes von Neonikotinoiden ab dem Jahr 2013 vor, insbesondere ob das Verbot einen nachweislich positiven ökologischen Effekt entfaltete?

5

Wenn eine Wiederzulassung von Neonikotinoiden auf europäischer Ebene nicht möglich ist, ist eine hilfsweise Notfallzulassung in den besonders betroffenen landwirtschaftlichen Räumen und außerhalb der Bienenbrutzeiten durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angedacht?

6

Ist die Bundesregierung bestrebt, die Notfallzulassung des Beizmittels Exirel mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole zu verstetigen?

7

Ist die Bundesregierung bestrebt, dieses Beizmittel (vgl. Vorfrage) auch für die mehrmalige Anwendung im Saatzeitraum zuzulassen? Wenn nein, warum nicht?

8

Liegen der Bundesregierung seit 2019 neue Erkenntnisse zur Problematik der kdr- und s-kdr-Resistenzen des Rapserdflohs gegenüber Pyrethroiden vor? Wenn ja, welchen Handlungsbedarf sieht sie gegebenenfalls?

9

Sind der Bundesregierung mildere und gleichsam effektive Beizmittel zur Bekämpfung des Rapserdflohbefalls abseits der Neonikotinoid- und Pyrethroid-Gruppen bekannt und wenn ja, wie ist deren Zulassungsstatus?

10

Liegen der Bundesregierung konkrete Untersuchungsergebnisse zur Wirksamkeit und Effektivität alternativen Pflanzenschutzmaßnahmen abseits chemischer Beizmittel (z. B. Leguminosen als Beisaaten) vor? Wenn ja, mit welchen Erkenntnissen?

11

Erwartet die Bundesregierung, dass mit den aktuell verfügbaren Pflanzenschutzmaßnahmen der Befall durch den Rapserdfloh so erfolgreich bekämpft werden kann, dass 2027 flächendeckend deutschlandweit ein kostendeckender Ertrag pro Hektar erzielt werden kann? Wenn nein, welche Maßnahmen plant die Regierung gegebenenfalls bis Ende 2027 zur Unterstützung des deutschen Kohl- Rübsen- und Rapsanbaus zu ergreifen?

Berlin, den 8. Oktober 2026

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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