Öffentliche Auftritte der Bundeswehr im dritten Quartal 2012
der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jens Petermann, Raju Sharma, Halina Wawzyniak und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Durch den Wegfall der Wehrpflicht ist die Bundeswehr zur Deckung ihres Personalbedarfs zu 100 Prozent auf Freiwillige angewiesen. Die Neigung von Jugendlichen, sich bei der Bundeswehr zu bewerben, ist jedoch gering. Sie wissen um die Gefahr, dass ein Dienst bei der Bundeswehr damit verbunden ist, in Afghanistan Menschen zu töten oder selbst getötet bzw. verwundet zu werden.
Anstatt auf den Auslandseinsatz zu verzichten und andere Missstände, wie Ekel- und Gewaltrituale, denen insbesondere Mannschaftsdienstgrade unterworfen werden, abzustellen, setzt die Bundeswehr darauf, sich durch großangelegte Reklameeinsätze als vermeintlich attraktiver Arbeitgeber darzustellen. In einschlägigen Werbeformaten versucht die Bundeswehr, durch die Betonung der Aspekte Technik, Sport und Spaß Wirkung bei Jugendlichen zu erzielen. Die Wahrnehmung der Informationspflicht, welche die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die jüngste derartige Kleine Anfrage der Fragesteller anführt, erschöpft sich letztlich in Reklame für die Bundeswehr.
Die Bundesregierung verwahrte sich in ihrer Vorbemerkung zu ihrer Antwort auf eine gleichartige Kleine Anfrage vom August 2011 (Bundestagsdrucksache 17/6944) gegen einen angeblichen „Versuch der Verunglimpfung“ der Bundeswehr durch die Fragesteller. Einen solchen Versuch gibt es nicht. Die von den Fragestellern benannten Missstände sind vielmehr real und werden in den Medien breit diskutiert. Die aus Sicht der Fragesteller mit den Kriegseinsätzen der Bundeswehr verbundene Absicht, kapitalistische Interessen durchzusetzen, hat unter anderem der ehemalige Bundespräsident Dr. Horst Köhler in einem Interview im Frühjahr 2010 ausdrücklich eingeräumt. Ob diese Feststellungen der Fragesteller einer „sozialistischen Dialektik“ entsprechen, wie von der Bundesregierung in ihrer Vorbemerkung auf Bundestagsdrucksache 17/9092 unter Verwendung eines Neologismus angemerkt, ist ihnen dabei weniger wichtig. Die Fragesteller haben auch nicht, wie von der Bundesregierung unterstellt, eine Distanz zur Bundeswehr, sondern vielmehr eine Distanz zu den Kriegseinsätzen, in die die Bundeswehr von der Bundesregierung im Einvernehmen mit den aus Sicht der Bundesregierung prokapitalistischen Parteien des Deutschen Bundestages geschickt wird.
Die Personalwerbung der Bundeswehr erfolgt oftmals Hand in Hand mit allgemeiner Imagepflege. Die Öffentlichkeitsarbeit des Militärs zielt darauf ab, nicht nur die Bundeswehr als solche, sondern auch ihre aktuellen Einsätze als geboten und alternativlos darzustellen, also Zustimmung etwa zum Kriegseinsatz in Afghanistan hervorzurufen. Die Fragesteller sehen darin einen Beitrag zur Militarisierung der Gesellschaft. Diese Entwicklung wollen sie unter anderem durch regelmäßige Kleine Anfragen dokumentieren.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Welche Termine für Messe- und Ausstellungsbeteiligungen der Bundeswehr stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte jeweils Anlass, Orte und Zeitraum angeben), und bei welchen dieser Termine werden Infomobile bzw. Infotrucks eingesetzt werden?
Welche Termine für Auftritte des KarriereTreffs Bundeswehr stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte jeweils Anlass, Orte und Zeitraum angeben)?
Welche Termine für Vorträge oder anderweitige Veranstaltungen von Wehrdienstberatern in Schulen sowie Hochschulen stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte Orte, Datum und Namen der Schule/Hochschule, vorgesehene Klassenstufen angeben sowie nach Vorträgen im Unterricht und anderen Rahmen, wie etwa Projekttage, untergliedern, außerdem bitte angeben, ob die Veranstaltung in der Schule selbst oder extern stattfindet, und um welche Schultypen es sich handelt), und bei welchen dieser Termine werden Infomobile bzw. Infotrucks eingesetzt?
Welche Termine von Jugendoffizieren stehen bislang fest bzw. sind derzeit geplant
für Seminare (bitte jeweils Art des Seminars, Teilnehmerkreis, Orte und Datum angeben),
für Vorträge bzw. Diskussionsrunden vor Schülerinnen und Schülern (bitte jeweils Orte, Datum, Name der Schule sowie Klassenstufe angeben),
bei POL&IS-Simulationen (bitte die Termine angeben unter Angabe des jeweiligen Datums, der Schule bzw. der Liegenschaft, in der die Simulationen durchgeführt werden)?
Welche Termine stehen derzeit für Truppenbesuche von Schülerinnen und Schülern fest (bitte Datum, zu besuchenden Truppenteil, Namen der Schule sowie Klassenstufe angeben)?
Welche Termine für Vorträge oder andere Veranstaltungen von Wehrdienstberatern in Jobcentern bzw. Berufsinformationszentren stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte Orte und Datum angeben sowie mitteilen, ob es sich um ein Jobcenter oder ein Berufsinformationszentrum handelt)?
Welche Auftritte außerhalb militärischer Liegenschaften sind derzeit für die Musikkorps der Bundeswehr geplant (bitte nach Anlass, Orten und Datum aufgliedern)?
Welche Termine für Feierliche Gelöbnisse, Zapfenstreiche oder andere Militärrituale außerhalb militärischer Liegenschaften stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte nach Art der Zeremonie, Anlass, Orten, teilnehmenden Einheiten sowie Datum darstellen)?
Welche weiteren personalwerblichen Bemühungen, Veranstaltungen im Bereich „Jugendmarketing“ außerhalb militärischer Liegenschaften sowie Bemühungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte jeweils Anlass, Art der Maßnahmen, Orte und Datum nennen)?
Welche weiteren Bemühungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit außerhalb militärischer Liegenschaften stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt fest (bitte jeweils Anlass, Art der Maßnahmen, Orte und Datum nennen)?