[Deutscher Bundestag Drucksache 17/10204
17. Wahlperiode 29. 06. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Diana Golze,
Steffen Bockhahn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/9935 –
Initiative Demokratie stärken
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die unter dem Titel „Initiative Demokratie stärken“ seit Sommer 2010
laufenden Präventionsprogramme des Bundes zu den Themen Islamismus und
Linksextremismus haben aufgrund ihrer Ausrichtung und teilweise fehlenden
Fachlichkeit vielfach Kritik erfahren. Im März 2012 wurde in der „taz“ auf
eine Studie des Deutschen Jugendinstituts e. V. (DJI) verwiesen, die diese
Kritik aus Sicht der wissenschaftlichen Begleitung unterstützt (vgl.
www.taz.de/
!88765/). Von Seiten der Bundesregierung wurde dieser Bericht der
wissenschaftlichen Begleitung nicht veröffentlicht, obwohl die Bundesregierung dies
in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
(Bundestagsdrucksache 17/5329, Frage 7) zugesagt hatte. Mittlerweile hat es in diesem
Fall stattdessen die „taz“ übernommen, den Bericht des DJI ins Netz zu
stellen.
Zahlreiche Probleme des Projektteils zum Thema Linksextremismus werden
hier aufgeführt, die die bisherige Kritik am Programm unterstützen. So wird
vor allem die völlig ungeklärte inhaltliche Dimension des Begriffs
Linksextremismus hervorgehoben, die sich in unterschiedlichen, teils willkürlichen
Zielgruppenbestimmungen der Projekte niederschlägt. Teilweise wird von den
Projektträgern die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) vorgegebene Begrifflichkeit bewusst vermieden, weil mit
ihr keine gesellschaftlichen Realitäten abzubilden sind. Im Bericht des DJI
heißt es dazu: „Es deutet sich jedoch an, dass mit dem Begriff ,
Linksextremismus‘ so unterschiedliche Phänomene bezeichnet werden, dass zweifelhaft
erscheint, inwieweit ,Linksextremismus‘ im sozialwissenschaftlichen und im
pädagogischen Bereich (insbesondere mit Fokus auf der Jugendphase) einen
geeigneten Oberbegriff darstellt.“ (DJI, Ergebnisbericht der
wissenschaftlichen Begleitung 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2011, S. 109).
Die vom DJI festgestellte räumliche Konzentration der Projekte auf Berlin
verstärkt die Zweifel, ob es sich um einen modellhaften Projektansatz mit
bundesweiter Relevanz handelt. Die fehlende wissenschaftliche Definition
und Erforschung des politisch vorgegebenen Themas führt laut Evaluation
dazu, dass für einen großen Teil der Träger nicht einmal die
Zielgruppenbestimmung klar ist, geschweige denn, sinnvolle pädagogische Arbeit entwickelt Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 27. Juni 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/10204 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodewerden kann: „Aufgrund der mangelnden Erforschung des Gegenstandes und
der wenigen verlässlichen Daten über die potenzielle Zielgruppe, haben viele
Projekte Schwierigkeiten, sich im Themenfeld zu orientieren und adäquate
pädagogische Konzepte zu entwickeln.“ (DJI, Ergebnisbericht der
wissenschaftlichen Begleitung 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2011, S. 70).
Die inzwischen auch von Gerichten in Frage gestellte so genannte
Demokratieerklärung wird auch im DJI-Bericht als hinderlich und verunsichernd für
die Projekte beschrieben.
1. Aus welchem Grund hat die Bundesregierung den Ergebnisbericht der
wissenschaftlichen Begleitung des DJI für den Zeitraum 1. Januar 2011 bis
31. Dezember 2011 nicht vollständig der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht, und wie verträgt sich dieses Vorgehen mit ihrer Antwort auf
die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache
17/5329, in der es zu den Zwischenberichten des DJI heißt: „Diese werden
jeweils in geeigneter Weise veröffentlicht.“?
2. Wie bewertet die Bundesregierung den Zwischenbericht des DJI, und
welche Schlussfolgerungen zieht sie aus ihm für die Ausrichtung des
Programms „Initiative Demokratie stärken“ insgesamt?
3. a) Was sind die Ergebnisse des auf Seite 31 des DJI-Berichts erwähnten
Zwischenberichts, der dem BMFSFJ am 31. Oktober 2011 zugegangen
ist und „einzelprojektbezogene Gesamtdarstellungen enthält“ (bitte
nach Projekten aufschlüsseln).
b) Wo ist dieser Bericht veröffentlicht, bzw. warum ist er nicht
veröffentlicht worden?
4. Welche Relevanz haben die Berichte des DJI (vom 31. Oktober 2011 und
31. Dezember 2011) und die wissenschaftliche Begleitforschung für die
Frage der weiteren Finanzierung einzelner Projekte?
Die Fragen 1 bis 4 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Das Deutsche Jugendinstitut München (DJI) hat die Evaluation des
Bundesprogramms „Initiative Demokratie Stärken“ übernommen. Ergebnisse der
Programmevaluation werden seitens des DJI regelmäßig mit dem Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem
programmumsetzenden Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
(BAFzA) erörtert. Jährlich hat das DJI zudem einen schriftlichen Bericht
vorzulegen.
Der in einer Tageszeitung veröffentlichte Berichtsentwurf des DJI zum Stand
der Umsetzung des Programms IDS für den Zeitraum 1. Januar 2011 bis
31. Dezember 2011 diente der oben genannten mündlichen Erörterung und
entsprach nicht der zwischen dem BMFSFJ und dem DJI im Rahmen der
Programmevaluation vereinbarten Berichtsform. In einem Quartalsgespräch im
Februar 2012 wurden Vereinbarungen zur Finalisierung des Berichtes getroffen
und durch das DJI umgesetzt. Das DJI hat dem BMFSFJ den Bericht am
5. April 2012 in Umsetzung der Auflagen des Zuwendungsbescheides und
unter Berücksichtigung der Gesprächsergebnisse vom Februar 2012 übermittelt.
Dieser Bericht ist eine der Grundlagen für die weiteren Überlegungen zur
Umsetzung des Programms IDS und befindet sich derzeit in der Auswertung. Der
Bericht ist anonymisiert und enthält keine Einzeldarstellungen der Projekte.
Der Bericht wird wie geplant auf der Website des DJI zeitnah veröffentlicht.
Der Wissenschaftlichen Begleitung des Programms IDS obliegt es
grundsätzlich, auf der Basis der Erfahrungen aus den bewilligten Projekten mögliche An-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/10204satzpunkte für eine Feinsteuerung und Weiterentwicklung des Programms zu
benennen sowie Vorschläge zur Weiterentwicklung des Programms IDS zu
unterbreiten. Das BMFSFJ sowie das programmumsetzende Bundesamt für
Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) nutzen diese Informationen
bei der weiteren Programmumsetzung.
Gemäß der Leitlinie im Programm IDS sind die wesentlichen Grundlagen für
die Entscheidung zur weiteren Finanzierung der Projekte:
• die Projektergebnisse, die durch die Auswertung der von den Trägern zum
Herbst (1. Oktober) eines jeden Jahres zu erstellenden Ergebnisberichte
eruiert werden,
• die Auswertung der Anträge für die kommende Förderung sowie
• grundsätzliche Erkenntnisse der Programmevaluation.
Das Ergebnis wird dem BMFSFJ zur Entscheidung vorgelegt.
5. Bei welchen Entscheidungen über Fördermittelvergaben 2011 bzw. über
die Weiterförderung 2012 im Rahmen des Programms „Initiative
Demokratie stärken“ wurde die wissenschaftliche Begleitung durch das DJI
beteiligt?
9. Ist die Bundesregierung bei ihrer Entscheidung über Förderanträge den
Empfehlungen des DJI gefolgt, und wenn nein, warum nicht (bitte nach
Projektanträgen aufschlüsseln)?
Die Fragen 5 und 9 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
An den konkreten Entscheidungen über die Vergabe von Fördermitteln ist das
DJI nicht beteiligt. Ansonsten wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4
verwiesen.
6. Welche Publikationen sind im Rahmen der „Initiative Demokratie stärken“
entstanden, und wie hat sich das DJI als wissenschaftliche Begleitung ggf.
dazu geäußert?
a) Hat sich das DJI beispielsweise zu der „Linksextremismusbroschüre“
der Zeitbild Stiftung oder der Publikation „Linksextremismus in
Deutschland: Erscheinungsbild und Wirkung auf Jugendliche“ der
Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. geäußert, und wenn ja, in welcher
Form?
b) Hatten die Äußerungen des DJI irgendwelche Konsequenzen, und
wenn ja, welche?
Das DJI hat sich nach Kenntnis des BMFSFJ zu den vorliegenden und für
jedermann zugänglichen Publikationen nicht geäußert. Gleichwohl fließen
Erfahrungen aus dem Projekten, zu deren Ziel die Erstellung von Publikationen
gehören, in die Gesamtbewertung des Programms durch das DJI ein. Im Übrigen
wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 und die Rolle der
Wissenschaftlichen Begleitung des Programms IDS durch das DJI verwiesen. Das BMFSFJ
hat mit Stand 15. Juni 2012 über die Veröffentlichung folgender Publikationen
der Träger im Programm „Initiative Demokratie Stärken“ wie folgt Kenntnis:
Drucksache 17/10204 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode7. Welche der 2011 geförderten Projekte im Themenbereich
Linksextremismus und Islamismus werden auch 2012 weiter gefördert, und wurden diese
vor der erneuten Förderzusage evaluiert oder auf andere Art inhaltlich
geprüft?
a) Wenn ja, durch wen ist die Evaluierung oder Prüfung erfolgt, nach
welchen Kriterien, und mit welchem Ergebnis?
Projekttitel Träger Veröffentlichungen
Demokratie stärken – Auseinandersetzung
mit Islamismus und Ultranationalismus
ZDK Gesellschaft Demokratische
Kultur gGmbH
„Ich lebe nur für Allah“
Argumente und Anziehungskraft des
Salafismus
Demokratie stärken- Auseinandersetzung
mit Islamismus und Ultranationalismus
ZDK Gesellschaft Demokratischer
Kultur gGmbH
Flyer „Islamismus im
kommunalen Raum“
Islam & ich. Jungsein im Land der Vielfalt.
Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage
Aktion Courage e. V. Programmflyer Expertengespräch
„Visuell-bildnerische Gestaltung“
„Konfliktkultur“; Ein Programm zur
Bildung historischen Bewusstseins von Eltern
Institut für Kulturanalysen e. V. Programm-Flyer „Projekt:
Konfliktkultur“
Prävention von islamischem Extremismus –
Maxime Wedding“
Violence Prevention Network e. V. Broschüre „Maxime Wedding,
Interkulturelles Präventionsprojekt“
„Präventionsworkshop gegen (Links-)
Extremismus“ – Initiative Demokratie stärken
Deutsche Gesellschaft e. V. , Berlin Flyer „Präventionsworkshop
gegen Linksextremismus“
Präventive Seminararbeit mit Jugendlichen
gegen Linksextremismus
Gedenkstätte Berlin-
Hohenschönhausen
Broschüre „Alles Geschichte?
Linksextremismus – Eine Gefahr
für die Demokratie“ Einführung
für Lehrer/-innen
Pro Quo – Qualifizierungsmaßnahme Türkische Gemeinde in Deutschland
TGD
Broschüre „pro quo Deutschland
gestalten; Beteiligung von
Einwanderer/innen für Demokratie,
Vielfalt und Menschenrechte“
Thematisierung israelbezogener
Antisemitismus und den damit verbundenen
Gefahren für die demokratische Kultur
Amadeu-Antonio-Stiftung Broschüre „Man wird ja wohl
Israel noch kritisieren dürfen …?!“
... Zuerst einmal bin ich Mensch –
Deutschtürkische Biografien aus dem Zweiten
Weltkrieg
Anne Frank Zentrum e. V. Projektflyer „Zuerst einmal bin ich
Mensch“
Stadtplan der Religionen Netzwerk Zukunftsgestaltung und
seelische Gesundheit Bremen e. V.
Projektflyer „Stadtplan der
Religionen“
Jung & Fremd Brücke Rendsburg-Eckernförde e. V. Projektflyer „Jung & Fremd“
Ibrahim trifft Abraham Aktion Gemeinwesen und Beratung
e. V.
Projektflyer „Ibrahim trifft
Abraham“
Extremismus-Herausforderung für die
Demokratie
Niedersächsisches Ministerium für
Inneres und Sport;
Verfassungsschutzabteilung
Flyer „Islamismus in Deutschland
– Gefahr für unsere Demokratie“
anlässlich des Regionalen
Extremismus-Symposiums in
Oldenburg
Zeitbild Wissen (Demokratie stärken –
Linksextremismus verhindern)
Zeitbild Stiftung Broschüre Zeitbild Wissen
„Demokratie stärken –
Linksextremismus verhindern“
Demokratie stärken – Jugend für
Demokratie und gegen Extremismus
Internationale Bildungsstätte
Jugendhof Scheersberg
Veranstaltungsflyer „Rechte und
Linke Extremisten im Internet“
„Brücken bauen – Gräben schließen“ Kulturwerkstatt Reutlingen Projektflyer „Brücken bauen –
Gräben schließen“
Linksextremismus in Deutschland:
Erscheinungsbild und Wirkung auf Jugendliche
Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Linksextremismus in Deutschland:
Erscheinungsbild und Wirkung auf
Jugendliche
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/10204b) Wenn nein, warum nicht?
Zu den Kriterien der Projektauswahl wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4
verwiesen.
Folgende in 2011 geförderten Projekte im Themenbereich Linksextremismus
und Islamismus werden auch 2012 weiter gefördert:
Themenbereich Träger Projekttitel
Islamistischer Extremismus Kulturwerkstatt e. V. Reutlingen Brücken bauen – Gräben schließen
Islamistischer Extremismus AktionCourage e. V. Schule ohne
Rassismus – Schule mit Courage
Islam und Ich Jungsein im Land der Vielfalt
Islamistischer Extremismus aej – Arbeitsgemeinschaft der
Evangelischen Jugend in Deutschland e. V.
Dialog und Kooperation – mit Kindern und
Jugendlichen aus islamischen
Glaubensgemeinschaften
Islamistischer Extremismus Aktion Gemeinwesen und Beratung
e. V.
Ibrahim trifft Abraham in Düsseldorf
Islamistischer Extremismus Anne Frank Zentrum e. V. „…zuerst einmal bin ich Mensch“ –
Deutschtürkische Biografien aus dem Zweiten
Weltkrieg
Islamistischer Extremismus Brücke Rendsburg-Eckernförde e. V. Jung & Fremd
Islamistischer Extremismus Institut für Kulturanalysen e. V. „Konfliktkultur“ Ein Programm zur Bildung
historischen Bewusstseins von Eltern
Islamistischer Extremismus Kreisjugendring Rems-Murr e. V. „Sichtbar“
Islamistischer Extremismus Netzwerk Zukunftsgestaltung und
seelische Gesundheit Bremen e. V.
Stadtplan der Religionen
Islamistischer Extremismus Violence Prevention Network e. V. Prävention von islamischen Extremismus –
Maxime Wedding
Islamistischer Extremismus Bildungspartner Main-Kinzig „Demokratisierung erfahren – Extremismus
entgegentreten“
Islamistischer Extremismus Regionale Arbeitsstellen für Bildung,
Integration und Demokratie (RAA)
e. V.
Dialogreihe mit muslimischen Jugendlichen
Islamistischer Extremismus Multilateral Academy gGmbH Muslim 3.0
Islamistischer Extremismus HAW Hamburg/Hochschule für
Angewandte Wissenschaften
„Kompetent gegen Integrationsbarrieren“ –
Jugendkultur & politische Bildung in der
Einwanderungsgesellschaft
Islamistischer Extremismus Türkische Gemeinde in Deutschland Pro Quo – Qualifizierungsmaßnahme
Islamistischer Extremismus ZDK Gesellschaft Demokratische
Kultur
Demokratie stärken – Auseinandersetzung mit
Islamismus und Ultranationalismus
Islamistischer Extremismus Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes
Deutschland e. V.
Meine Freiheit ist deine Freiheit (AT) Ein
Demokratisierungsprojekt gegen Islamismus
Islamistischer Extremismus AABF e. V. – Föderation der
Alevitischen Gemeinden in Deutschland
Zeichen setzen!
Islamistischer Extremismus Kreuzberger Initiative gegen
Antisemitismus/KIgA e. V.
Präventive Bildungsprozesse zum Islamismus
im Rahmen der Ganztagsschule gestalten
Islamistischer Extremismus DITIB Landesverband Hamburg e. V. „Mein Weg! Jugend für die Zukunft“
Linksextremismus Archiv der Jugendkulturen e. V. Die Autonomen
Linksextremismus Deutsche Gesellschaft e. V. Präventionsworkshop gegen (Links-)
Extremismus-Initiative Demokratie stärken
Linksextremismus Gedenkstätte Berlin-
Hohenschönhausen
Präventive Seminararbeit mit Jugendlichen
gegen Linksextremismus
Linksextremismus Europäische Jugendbildungs-und
Jugendbegegnungsstätte Weimar
Rahmenkonzeption zur Auseinandersetzung
mit antidemokratischen gewaltbereiten
linksextremistischen Ideologien und Strömungen
Linksextremismus Gegen Vergessen – Für Demokratie Entwicklung systemisch-lösungsorientierter
und onlinebasierter Ansätze im Themenfeld
Linksextremismus
Drucksache 17/10204 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode8. Was hat konkret die wissenschaftliche Prüfung der bewilligten Projekte
ergeben (bitte nach positiv und negativ beurteilten Projekten
aufschlüsseln)?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen.
10. Wie bewertet die Bundesregierung die vom DJI bemängelte unklare
Begrifflichkeit beim zentralen Begriff des Linksextremismus, und welche
Folgerung zieht sie für die weitere Programmgestaltung daraus?
11. Wie bewertet die Bundesregierung die im DJI-Bericht dargestellte
unklare Zielgruppenbestimmung der Projekte, und welche Schlussfolgerung
zieht sie hieraus für die weitere Programmgestaltung?
14. Wie beurteilt die Bundesregierung die im Ergebnisbericht der
Wissenschaftlichen Begleitung (Nummer 6.3) beschriebenen Mängel in der
Qualität der Förderanträge, nach der nur ein Viertel der Projekte die
Modellhaftigkeit ihres Ansatzes überhaupt beschrieben haben?
Die Fragen 10, 11 und 14 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung verwendet zur Beschreibung des Begriffs
Linksextremismus die von den Verfassungsschutzbehörden verwendete Definition. Auf die
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der SPD
(Bundestagsdrucksache 17/2298) wird verwiesen.
Das Programm IDS verfolgt den Zweck, vorhandene Lücken bei
pädagogischen Grundlagen, Konzepten und Erfahrungen – auch im Hinblick auf die
Zielgruppenerreichung – zu schließen. Daher hat das BMFSFJ das Programm
bewusst als lernendes Programm konzipiert. Da es sich bei den im
Bundesprogramm zu behandelnden Themenfeldern grundsätzlich weitgehend um
„Neuland“ handelt und sich im Verlauf die Notwendigkeit einer Umsteuerung
ergeben könnte, werden die Projekte in der in der Antwort zu den Fragen 1 bis 4
beschriebenen Form intensiv begleitet und bei Bedarf nachgesteuert.
Linksextremismus Internationale Bildungsstätte
Jugendhof Scheersberg
Demokratie stärken – Jugend für Demokratie
und gegen Extremismus
Linksextremismus Violence Prevention Network e. V. Prävention von Linksextremismus
Linksextremismus Minor-Projektkontor für Bildung und
Forschung e. V.
Kulturschock – Projekt zur sekundären
Prävention bei „linksextremistisch“ orientierten
Jugendlichen
Linksextremismus Amadeu Antonio Stiftung Thematisierung israelbezogener
Antisemitismus und den damit verbundenen Gefahren für
demokratische Kultur
Linksextremismus und
Islamistischer Extremismus
Niedersächsisches Ministerium für
Inneres und Sport,
Verfassungsschutzabteilung
Extremismus-Herausforderung für die
Demokratie
Linksextremismus und
Islamistischer Extremismus
LPR-Trägergesellschaft für jugend-
schutz.net gGmbH
„Islamismus und Linksextremismus im
Internet“
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/1020412. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragesteller, dass die
räumliche Konzentration der Projekte im Bereich Linksextremismus auf
den Raum Berlin, die bundesweite Relevanz dieses Programmteils in
Frage stellt, und wie begründet sie ihre Ansicht?
Die Bundesregierung teilt die Einschätzung des Fragestellers nicht. Eine
Fokussierung im Programmbereich Prävention von Linksextremismus auf
(groß-)städtische Bereiche folgt dem Erkenntnisstand des Verfassungsschutzes.
Eine Konzentration auf Berlin ist danach folgerichtig, folgt aber auch der
Tatsache, dass viele Antragsteller ihren Sitz in Berlin haben.
13. Wie beurteilt die Bundesregierung die im DJI-Bericht konstatierte
Verunsicherung der Projektträger durch die sogenannte Demokratieerklärung,
und wie will sie zukünftig damit umgehen?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, dass die Träger, die sich
um Fördermittel im Programm „Initiative Demokratie Stärken“ bemüht haben,
ein Problem mit der Zeichnung der Demokratieerklärung hatten. Soweit im
Einzelfall in der Praxis Fragen zur Anwendung der Demokratieerklärung
bestehen, können sich die Träger an das BAFzA oder das BMFSFJ wenden.
15. Welche Förderanträge welcher Organisationen haben sich weitgehend auf
die „Beschreibung der angestrebten Produkte und eine
Kostenaufstellung“ beschränkt, und wurde diesen Anträgen stattgegeben (bitte
aufschlüsseln)?
Antragsteller, deren Anträge die Voraussetzungen für eine Antragsstellung
nicht erfüllen, können keine Förderung erhalten.
16. Bis zu welchem Betrag werden Projekte im Rahmen der „Initiative
Demokratie stärken“ gefördert, und existiert eine Deckelung der
Zuwendungen wie sie vergleichsweise bei den Projekten gegen Rechtsextremismus
existiert?
Projekte der „Initiative Demokratie Stärken“ wurden im Förderjahr 2011 bis zu
einem Betrag von rd. 250 000 Euro gefördert. Eine Deckelung gibt es nicht.
17. Haben sämtliche geförderte Projekte die in den Leitlinien zum
Programmbereich geforderte Kofinanzierung erbracht, und wenn nein,
welche nicht, und aus welchen Gründen wurde von der Forderung abgesehen
(bitte aufschlüsseln)?
Ja, sämtliche geförderte Projekte haben die in den Leitlinien zum
Programmbereich geforderte Kofinanzierung erbracht.
18. Wie begründet sich die im Vergleich zu den Modellprojekten im
Bereich Rechtsextremismus relativ geringe Kofinanzierungsforderung von
10 Prozent (im Gegensatz zu 50 Prozent dort), und ist eine Angleichung
geplant?
Wenn ja, in welche Richtung?
Mit dem Bundesprogramm „Initiative Demokratie Stärken“ verfolgt das
BMFSFJ das Ziel, tolerante und demokratische Einstellungen und
Handlungsweisen insbesondere bei jungen Menschen zu stärken. Es geht dabei vor allem
Drucksache 17/10204 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeum pädagogisch integrative Präventionsmaßnahmen in den Bereichen des
islamistischen Extremismus und Linksextremismus, die im Bereich Bildungsarbeit
angesiedelt sind.
Bisher gibt es kaum oder keine in der Praxis erprobten Ansätze. Es mangelt
ebenfalls an wissenschaftlicher Expertise. Beides – die Entwicklung von
Konzepten sowie Erforschung z. B. der ideologischen, kulturellen und sozialen
Aspekte linksextremer oder islamistischer Ideologien und ihre Anziehungskraft
insbesondere für junge Menschen – sind Anliegen des Programms.
Im Rahmen seiner Anregungsfunktion hat sich das BMFSFJ vorerst bewusst
für eine geringere Kofinanzierungsquote entschieden. Mit einer höheren
finanziellen Beteiligung des Bundes an den Gesamtausgaben soll den Trägern die
Möglichkeit gegeben werden, Erfahrungen und Kenntnisse zu gewinnen und
sich in diesem neuen Themenfeld zu etablieren. Dies schafft für die Träger erst
die Ausgangslage, um Fördermittel zur Kofinanzierung der Projekte
einzuwerben.
Im Gegensatz zum Programm „Initiative Demokratie Stärken“ fördert die
Bundesregierung im Bereich der Präventionsprogramme gegen
Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bereits seit 2001
Modellprojekte. Zu Beginn dieser Förderung wurde ebenfalls eine geringe
Kofinanzierungsquote vorgegeben, die sich mit dem Ziel der Sicherung der Nachhaltigkeit
im Laufe der Jahre kontinuierlich erhöht hat. Im Bundesprogramm TOLE-
RANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN ist aktuell eine
Kofinanzierung von mindestens 50 Prozent der Gesamtausgaben einzubringen. Dazu
können ebenfalls Eigenmittel der Träger, Mittel der Länder und Kommunen,
anderer Bundesressorts und auch weitere Drittmittel eingebracht werden. Diese
Kofinanzierungsquote konnten im Übrigen bereits im Bundesprogramm
„VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“
(Laufzeit 2007 bis 2010) über 90 Prozent der Modellprojekte erreichen.
Nach Abschluss der ersten Modellphase wird die Kofinanzierung im Programm
„Initiative Demokratie Stärken“ überprüft und den sich ergebenen
Erfordernissen angepasst.
19. Für welche Projekte hat das Landesamt für Verfassungsschutz
Niedersachsen im Jahr 2011 Mittel aus dem Programms „Initiative Demokratie
stärken“ beantragt?
Die Verfassungsschutzabteilung des Niedersächsischen Ministeriums für
Inneres und Sport hat im Jahr 2011 Mittel aus dem Programm „Initiative
Demokratie Stärken“ für das Projekt „Extremismus-Herausforderung für die
Demokratie“ beantragt.
a) Welche Anträge wurden genehmigt?
Der Antrag wurde bewilligt.
b) Welche aus dem Programm unterstützten Veranstaltungen wurden
wann und wo durchgeführt?
c) Wie hoch war die Teilnehmeranzahl bei den durchgeführten
Veranstaltungen (bitte aufschlüsseln)?
Datum, Durchführungsorte und Teilnehmerzahlen von Planspielen im Rahmen
der Extremismusprävention des Modellprojektes „Extremismus –
Herausforderung für die Demokratie“
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/10204Datum, Durchführungsorte und Teilnehmerzahlen der Seminarreihe
„Extremismus – Herausforderung für die Demokratie“ des gleichnamigen
Modellprojektes
Datum, Durchführungsorte und Teilnehmerzahlen der regionalen Symposien
im Rahmen des Modellprojektes „Extremismus – Herausforderung für die
Demokratie“
d) Worin liegt die in den Leitlinien des Programms geforderte
Modellhaftigkeit dieser Veranstaltungen, z. B. des „Regionalen
Extremismus-Symposions“ am 12. November 2011 in Oldenburg?
Aus dem Programm IDS werden sowohl Einzelmaßnahmen als auch
modellhafte Projekte gefördert. Auch die Förderung von Einzelmaßnahmen können
Beiträge zur Erfüllung der in den Programmrichtlinien beschriebenen
Programmziele leisten.
Datum Durchführungsort Teilnehmerzahl
08.10.2010 Gymnasium Tostedt Jeweils ca. 20 bis 30 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer 26.11.2010 Victoria-Luise-Gymnasium Hameln
11.02.2011 Jacobsen-Gymnasium Seesen
17.02.2011 Wilhelm-Busch-Gymnasium Stadthagen
21.02.2011 Albert-Schweitzer-Gymnasium Wolfsburg
18.03.2011 Gymnasium Vorsfelde Wolfsburg
24.03.2011 Ratsgymnasium Stadthagen
15.04.2011 Otto-Hahn-Gymnasium Gifhorn
06.05.2011 Gymnasium Löningen
13.05.2011 Gymnasium Munster
17.06.2011 Schillergymnasium Hameln
30.06.2011 Lutherschule Hannover
26.08.2011 Gymnasium Harsefeld
03.11.2011 Gymnasium Syke
09.11.2011 Jugendparlament Cuxhaven
10.11.2011 Realschule Cuxhaven
11.11.2011 Ratsgymnasium Stadthagen
14.11.2011 BBS Oldenburg/Wechloy
16.03.2012 BBS Hildesheim
14.06.2012 BBS 6 Hannover
Datum Durchführungsort Teilnehmerzahl
25. – 27.11.2011 Heimvolkshochschule Helmstedt Jeweils ca. 25 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer 02.- 04.04.2012
26. – 28.10.2012
Datum Durchführungsort Teilnehmerzahl
02.11.2011 Oldenburg ca. 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
18.04.2012 Braunschweig ca. 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Drucksache 17/10204 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode20. Worin erklärt sich das BMFSFJ die Modellhaftigkeit des Projektes der
„Stiftung Partner für Schule NRW“?
Aus dem Programm „Initiative Demokratie Stärken“ werden sowohl
Einzelmaßnahmen als auch modellhafte Projekte gefördert. Bei der Publikation des
Projektes „Stiftung Partner für Schule NRW“ handelt es sich in diesem
konkreten Fall um die Förderung einer Einzelmaßnahme. Auch die Förderung von
Einzelmaßnahmen können Beiträge zur Erfüllung der in den
Programmrichtlinien beschriebenen Ziele des Programms „Initiative Demokratie Stärken“
leisten.
21. Wurden im Zuge des Nachdrucks des „Andi-Comics“ neben dem
Vorwort der Bundesministerin, Kristina Schröder, auch inhaltliche
Änderungen zur bereits bestehenden Version des Verfassungsschutzes Nordrhein-
Westfalen vorgenommen?
Es erfolgte eine inhaltliche Anpassung, die sich vor allem auf die Streichung
nicht themenbezogener Texte in dem Heft bezog. Außerdem wurde von einer
„comicartigen“ Darstellung der Bundesministerin für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend auf Wunsch des Bundesministeriums abgesehen.
22. Wie viele Exemplare des „Andi-Comics“ wurden gedruckt, wie viele
bereits versendet, und wie teuer war der Nachdruck?
Die Gesamtauflage der Reihe Andi beläuft sich auf insgesamt über 1 000 000
Exemplare. Der Andi-Comic 3 ist inzwischen mit einer Gesamtauflage von
rund 400 000 Stück erschienen. Die Anzahl der hiervon versandten Exemplare
ließ sich aufgrund der Kürze der Zeit nicht ermitteln.
Die Kosten des Bundes für den Nachdruck betrugen 79 417 Euro.
23. Sieht die Bundesregierung die finanzielle Förderung der Projekte im
Programm „Initiative Demokratie stärken“ als Beitrag zur Unterstützung der
Zivilgesellschaft, und wie verträgt sich dieser Ansatz mit der
Finanzierung von Projekten des Landesamtes für Verfassungsschutz in
Niedersachsen oder der Stiftung „Partner für Schule NRW“?
Mit dem Programm IDS verfolgt das BMFSFJ das Ziel, tolerante und
demokratische Einstellungen und Handlungsweisen insbesondere bei jungen Menschen
zu stärken und vorrangig im präventiv-pädagogischen, integrativen und
bildungsorientierten Bereich anzusetzen.
Anders als beim Rechtsextremismus, zu dessen Ursachen und
Erscheinungsformen sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen
inzwischen eine langjährige und umfangreiche, sowohl wissenschaftliche als
auch präventiv-fachliche Debatte existiert, kann allerdings beim islamistischen
Extremismus und erst Recht beim Linksextremismus nicht auf eine
vergleichbare breite Fachdiskussion zurückgegriffen werden.
Um dem Rechnung zu tragen, hat das BMFSFJ das Programm IDS bewusst als
lernendes Programm konzipiert. Neben der Erprobung demokratiestärkender
Strategien dient es dazu, bestehende Wissenslücken zu schließen. Daran
knüpfen auch die Projekte des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und
Sport, Verfassungsschutzabteilung sowie der Stiftung „Partner für Schule
NRW“ an.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]