[Deutscher Bundestag Drucksache 17/12428
17. Wahlperiode 21. 02. 2013
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 19. Februar 2013
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Daniela Kolbe (Leipzig), Dr. Hans-Peter
Bartels, Marco Bülow, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/12252 –
Zur Lage der politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
„Man kann sich verwirklichte Demokratie nur als Gesellschaft von Mündigen
vorstellen“ (Theodor W. Adorno). Da politische Mündigkeit von jeder
Bürgerin und jedem Bürger selbst erworben werden muss, bedarf es der politischen
Bildung. Eine Demokratie, die sich nicht um die Förderung der
demokratischen Kenntnisse und Fähigkeiten kümmert, wird aufhören, Demokratie zu
sein. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist politische Bildung
und die Diskussion über politische Bildung ein wesentlicher Teil der
politischen Kultur.
Ziel der politischen Bildung muss sein, die aktive Wahrnehmung der
bürgerlichen Rechte in unserem demokratischen Rechtsstaat zu fördern. Politische
Bildung soll und muss Bürgerinnen und Bürger im Sinne einer gelebten
Demokratie dazu befähigen und motivieren, eigene Ansprüche an die
Gesellschaft zu stellen und für die Verwirklichung dieser Ansprüche einzutreten.
Viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich fallweise gegenüber konkreten
Projekten und fordern Beteiligung ein. Es sind aber immer weniger Menschen
in Deutschland bereit, sich allgemeinpolitisch z. B. in Parteien zu engagieren
und Verantwortung zu übernehmen. Die Beteiligung an Wahlen sinkt. Zudem
deuten manche Darstellungen und Kommentare – beispielsweise die Shell-
Jugendstudie 2010 oder die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V.
„Demokratie in Deutschland 2011“ – darauf hin, dass es auch eine verbreitete
Unkenntnis über die Funktionsweise unserer parlamentarischen Demokratie oder
den Staatsaufbau gibt.
Gleichzeitig steht unsere demokratisch verfasste Gesellschaft vor der
Herausforderung, den Feinden unserer Demokratie vereint und entschlossen
entgegenzutreten. Die Taten der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund
(NSU) und die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V., die zeigen,
dass rechtsextreme Einstellungen in bedrückendem Ausmaße auch in der
Mitte der Gesellschaft zu finden sind, belegen dies besonders für die Gefahr
von rechts.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die politische Bildungsarbeit
in der Bundesrepublik Deutschland weiter intensiviert werden kann, um die
verschiedenen Akteurinnen und Akteure der politischen Bildung in der
Schule, Hochschule und den außerschulischen Einrichtungen der Jugend- und
Erwachsenenbildung besser zu unterstützen.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung enthält sich einer Stellungnahme zu den sehr pauschal
gehaltenen politischen Ausführungen in der Vorbemerkung der Fragesteller.
Die Bundesregierung weist allerdings die Behauptung zurück, die schrecklichen
Taten der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) seien als
Beleg für „rechtsextreme Einstellungen in bedrückendem Ausmaße auch in der
Mitte der Gesellschaft“ zu werten.
1. Von welchem Grundverständnis lässt sich die Bundesregierung bei der
politischen Bildung leiten?
Politische Bildung hat die Aufgabe, Verständnis für politische Sachverhalte zu
fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur
politischen Mitarbeit zu stärken. Politische Bildung erfolgt dabei nach
Maßgabe des sog. Beutelsbacher Konsenses, d. h. unter Beachtung des
Kontroversitätsgebots, des Überwältigungsverbots und der Adressatenorientierung.
2. Ist „politische Bildung“ für die Bundesregierung Bildung?
Politische Bildung ist eine spezifische Form der Bildung. Ihr kommt eine
wichtige Rolle bei der Stärkung und Festigung unserer Demokratie zu, indem sie
über Grundlagen der Demokratie und bedeutende historische und
gesellschaftspolitische Fragen und Ereignisse informiert. Im Übrigen wird auf die Antwort
zu Frage 1 verwiesen.
3. Wie beurteilt die Bundesregierung die Arbeit und die Rolle der politischen
Stiftungen in der politischen Bildungsarbeit?
Die politischen Stiftungen verfolgen die Zielsetzung, durch
gesellschaftspolitische und demokratische Bildung im In- und Ausland die Beschäftigung der
Bürgerinnen und Bürger mit politischen Sachverhalten anzuregen und Interesse
für eine aktive Beteiligung an Politik und Demokratie zu wecken. Ihre Arbeit
beinhaltet vielfältige Angebote für eine allen interessierten Bürgern
zugängliche offene Diskussion politischer Fragen. Als parteinahe und dennoch
unabhängige Institutionen repräsentieren sie dabei das Spektrum der politischen
Grundströmungen im Rahmen der freiheitlichen-demokratischen
Grundordnung. Im Zusammenwirken mit den weiteren Trägern politischer Bildung sind
sie von maßgebender Bedeutung für den Erhalt und die Weiterentwicklung der
Demokratie.
4. Wie beurteilt die Bundesregierung die Relevanz der politischen Bildung
für weltweit veränderte Sicherheitslagen und Konflikte, und wie reagiert
sie darauf?
Politische Bildung hat vor allem in Konflikt- und Krisenregionen eine große
Bedeutung. Vor diesem Hintergrund unterstützt die Bundesregierung z. B. aktiv
den gesellschaftlichen Wandel in der arabischen Welt. Im Rahmen der
Transformationspartnerschaft erhalten Ägypten und Tunesien und weitere Länder
wie Jordanien, Libyen und Marokko Unterstützung beim
Demokratisierungsprozess. Die Bundesregierung fördert in diesem Zusammenhang Projekte
deutscher und internationaler Nichtregierungsorganisationen. Den Schwerpunkt
bilden Projekte, die einen Beitrag dazu leisten, die derzeit laufende historische
politische Umwandlung der Gesellschaften in Richtung von freiheitlicher
Demokratie und Marktwirtschaft zu lenken.
Die Relevanz der politischen Bildung für weltweit veränderte Sicherheitslagen
und Konflikte wird auch in der Bundeswehr als sehr hoch bewertet. Der
Bundeswehr wird in § 33 des Soldatengesetzes (SG) auferlegt, staatsbürgerlichen
und völkerrechtlichen Unterricht zu geben. Diesem Auftrag entsprechend wird
politische Bildung in der Bundeswehr seit Jahrzehnten erfolgreich
durchgeführt. Die Inhalte werden kontinuierlich den sich ändernden
sicherheitspolitischen Entwicklungen angepasst. Seit der zunehmenden Übernahme von
Verantwortung im Rahmen von Auslandseinsätzen erfolgt dies mit immer höherem
Aktualitätsgrad. Besonders vor diesem Hintergrund müssen die Soldatinnen
und Soldaten über politische Hintergründe, sicherheitspolitische Interessen und
sich daraus ergebende Einsatznotwendigkeiten informiert werden. Darüber
hinaus soll politische Bildung den Soldatinnen und Soldaten Handlungsbereitschaft
und vor allem Handlungssicherheit auch in moralisch schwierigen Situationen
vermitteln. Ethisch-moralische Bildung sowie die Vermittlung interkultureller
Kenntnisse sind damit wesentliche Bestandteile der politischen Bildung in der
Bundeswehr.
5. Steht die Bundesregierung weiterhin zu den im Jahr 2009 im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP getroffenen Aussagen zur
politischen Bildung?
Inwieweit wurden die genannten Vorhaben bisher umgesetzt?
Ja. Wie der aktuelle „Bericht der Bundesregierung zum Stand der Aufarbeitung
der SED-Diktatur“ (Bundestagsdrucksache 17/12115) zeigt, ist die
Bundesregierung dem Auftrag des Koalitionsvertrags, einer Verklärung der SED-
Diktatur entgegenzuwirken, umfänglich nachgekommen.
6. Welche Maßnahmen der politischen Bildung hält die Bundesregierung für
angemessen, um der laut Umfragen sich lockernden Bindung an
demokratische Grundwerte entgegenzuwirken?
Die Bundesregierung zieht aus Ergebnissen einzelner Umfragen nicht pauschal
den Schluss, dass sich, wie von den Fragestellern behauptet, die Bindung an
demokratische Grundwerte lockert. Im Übrigen wird hinsichtlich der Aufgaben
politischer Bildung auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Mit umfangreichen Bundesprogrammen fördert die Bundesregierung zudem in
vielfältiger Weise Aktivitäten, die die Demokratie und demokratische Teilhabe
stärken.
7. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung mit Blick auf die
wachsenden Wahlerfolge rechtsextremer Parteien insbesondere in bestimmten
ländlichen Regionen und insbesondere in „Landstädten“ der neuen
Bundesländer (vgl. z. B. Sachsen-Anhalt-Monitor 2012)?
Die politische Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen innerhalb
von Wahlkämpfen ist in erster Linie Aufgabe der demokratischen Parteien.
Die Bundesregierung unterstützt mit Maßnahmen der politischen Bildung die
demokratische Teilhabe, insbesondere an Wahlen, durch vielfältige Angebote
der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB – z. B. „Wahlomat“ für
Bundes- und Landtagswahlen, Printprodukte und Onlinedossiers).
Die Bundesregierung fördert zudem mit diversen Bundesprogrammen
Aktivitäten und Modellprojekte, die die Demokratie stärken und Zeichen gegen
Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus setzen. Insbesondere
das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ fördert seit 2010
Projekte für demokratische Teilhabe und gegen Extremismus in ländlichen,
strukturschwachen Regionen in den Neuen Bundesländern. Gemäß dem Vorschlag
der Bundesregierung ist die Fortführung des Programms bis 2016 beschlossen
worden.
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten
Jahrzehnten die schulische politische Bildung in den Stundentafeln der
verschiedenen Bundesländer entwickelt?
Wie wurde nach Kenntnis der Bundesregierung diese Entwicklung mit
entsprechenden Schulmaterialien, mit didaktischen und methodischen
Ansätzen begleitet, bzw. wie wurde darauf reagiert?
Sieht die Bundesregierung hier bei den Stundenzahlen Änderungsbedarf?
Da Fragen der schulischen Bildung in die Zuständigkeit der Länder fallen, hat
die Bundesregierung keine Kenntnisse über die Gestaltung der Stundenpläne an
Schulen. Die BpB, die Bundesstiftung Aufarbeitung und der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen
Demokratischen Republik (BStU) bieten für politische Bildung im Schulunterricht
umfangreiche spezifische didaktisch aufgearbeitete Unterrichtsmaterialien an.
9. Wie nachhaltig war das Projekt der Bund-Länder-Kommission für
Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) „Demokratie leben und
lernen“?
Welche Konsequenzen hat die Bundesregierung aus den Ergebnissen
gezogen, und welche Elemente des Projekts werden fortgeführt?
Am Bund-Länder-Vorhaben „Demokratie lernen und leben“ waren 2002 bis
2007 insgesamt 170 Schulen aus 13 Ländern beteiligt. Zur Weiterentwicklung
und festen Verankerung von Demokratiepädagogik im Schulsystem wurden im
Rahmen des Programms ca. 130 „Berater für Demokratiepädagogik“
ausgebildet. Viele dieser Berater bieten bis heute Fortbildungen und Prozessbegleitung
an. 2007 wurde ein „Qualitätsrahmen Demokratiepädagogik“ herausgegeben,
der bis heute aktuell ist. In vielen Ländern wurde die Demokratiebildung
institutionalisiert. So gibt es in Fortbildungsinstituten und Verwaltungen
bundesweit Ansprechpartner zu den Themenbereichen Demokratie und
Gewaltprävention. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert seit vielen
Jahren gemeinsam mit einigen Ländern den bundesweiten Schülerwettbewerb
„Demokratisch Handeln“. Der Bund unterstützt die Länder im Rahmen
gemeinsamer Programme, die das Ziel haben, die Schulen zu lernenden
Einrichtungen auch im Bereich sozialer und demokratischer Schulkultur zu
entwickeln, zum Beispiel im Ganztagsschulprogramm der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung. Auch bei der von Bund und Ländern gemeinsam geplanten
Lehrerbildungsinitiative spielt neben der Vermittlung fachlicher und
pädagogischer Fähigkeiten die Vermittlung sozialer und demokratischer
Handlungskompetenz eine Rolle.
10. Befürwortet die Bundesregierung die Idee der Einrichtung eines Instituts,
welches interdisziplinär mit der Erforschung und Weiterentwicklung der
Didaktik der Demokratie beauftragt werden soll?
Der Bundesregierung ist eine solche Idee nicht bekannt. Für die
Demokratiebildung im schulischen Kontext sind in erster Linie die Länder zuständig. Darüber
hinaus gehört die Weiterentwicklung und Anwendung didaktischer Prinzipien
und Methoden in der Demokratiebildung zu den Aufgaben der BpB. Außerdem
fördert der Bund im Rahmen seiner Zuständigkeiten Vorhaben von
Institutionen, die sich auch mit Demokratiebildung befassen, wie z. B. Projekte des
Deutschen Jugendinstituts oder das Georg-Eckert-Institut für internationale
Schulbuchforschung sowie wissenschaftliche Tagungen. Im Übrigen wird auf
die zu Frage 9 erläuterten Projektansätze verwiesen.
11. In welcher Form leistet die Bundeszentrale für politische Bildung
konkrete Unterstützung bei der Vermittlung politischer Bildung an und mit
den Schulen?
Sieht die Bundesregierung hier angesichts der Fächerkonkurrenz durch
G8 einen gewandelten Bedarf, und wie will sie diesen gegebenenfalls
decken?
Die BpB bietet umfangreiche Bildungsmaterialien für den Einsatz in der
schulischen politischen Bildung an. Bei der Erstellung der zu den Angeboten der
Kultusbehörden der Bundesländer und der Schulbuchverlage ergänzenden
Materialien achtet sie darauf, diese an den curricularen Vorgaben zur politischen
Bildung in der Schule zu orientieren, ihre parallele Einsetzbarkeit in der
schulischen wie in der außerschulischen politischen Jugendbildung zu ermöglichen
sowie verschiedene Formate abzudecken und eine in Bezug auf Methodik und
Inhalt differenzierte Ansprache von Zielgruppen zu garantieren. Darüber
hinaus bietet die Bundeszentrale für politische Bildung auch Fortbildungen für
Multiplikatoren an oder fördert diese. Im Übrigen wird auf die Antwort zu
Frage 8 verwiesen.
12. Mit welchen Maßnahmen politischer Bildung fördert die
Bundesregierung die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement?
Mit welchen Ergebnissen?
Welchen Beitrag kann politische Bildung in diesem Zusammenhang
leisten?
Die BpB hat die Aufgabe, die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken.
Sie konzentriert sich dabei auch auf die Förderung politischen Engagements
unter Einbeziehung von Bildungsbereichen, die soziales oder kulturelles
Lernen unterstützen. Zugrunde gelegt wird ein weiter Politikbegriff. Der Zugang
zum Politischen wird zielgruppen- und themenspezifisch ermöglicht.
Mit dem Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ (2010 bis 2016)
fördert die Bundesregierung erfolgreich die Entwicklung und Umsetzung von
Qualifizierungs- und Vernetzungskonzepten für diejenigen Personen, die vor
Ort in Kommunen, Verbänden und Vereinen politische und gesellschaftliche
Verantwortung wahrnehmen. Mitarbeitende aus kommunalen Verwaltungen,
politische Mandatsträger und Engagierte aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft
werden so dabei unterstützt, sich aktiv mit Fragestellungen und Problemen aus
ihrer Region auseinander zu setzen und gemeinsam Lösungsansätze zu
entwickeln.
Durch den Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes fördert die
Bundesregierung Träger der politischen Jugendbildung und ihre vielfältigen Maßnahmen,
aus denen bürgerschaftliches Engagement zahlreicher Jugendlicher erwächst.
Politische Jugendbildung soll jungen Menschen Kenntnisse und Fähigkeiten
vermitteln, sie soll Urteilsfähigkeit zu gesellschaftlichen Zusammenhängen
ermöglichen, zur Wahrnehmung eigener Rechte und Interessen ermutigen und
zur Wahrnehmung von Verantwortung befähigen.
Die Bundesregierung fördert ferner die Stiftung Mitarbeit. Kernaufgabe der
Stiftung ist die Förderung von Demokratieentwicklung von unten und Stärkung
der politischen Teilhabe. Über Beratungsangebote, Materialien und Seminare
stärkt sie seit 50 Jahren das Engagement und die Beteiligung der Bürger und
Bürgerinnen.
Auch über die Förderung der politischen Stiftungen und deren umfangreicher
gesellschaftspolitischer und demokratischer Bildungsarbeit leistet die
Bundesregierung einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des bürgerschaftlichen
Engagements und der demokratischen Teilhabe.
13. Mit welchen Maßnahmen der politischen Bildung erleichtert die
Bundesregierung die Integration von Migrantinnen und Migranten?
Hat die Bundesregierung einen Überblick darüber, inwieweit
Maßnahmen der politischen Bildung nach der Änderung des Erlasses der
Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2001 zugenommen und Erfolge
erzielt haben?
Die Bundesregierung bietet eine Vielzahl von Maßnahmen der politischen
Bildung für Migranten an, um insbesondere deren Integration zu erleichtern.
So berücksichtigt die BpB seit dem Erlass von 2001 auch die in Deutschland
lebenden Menschen mit Migrationshintergrund als eine wichtige Zielgruppe.
Zudem hat seither eine Öffnung der Behörde insofern stattgefunden, als vermehrt
Referenten und Autoren mit Migrationshintergrund gewonnen werden konnten
und dadurch in den Online- und Printpublikationen wie auch bei den
Veranstaltungen die spezifischen Perspektiven von Migrantinnen und Migranten
thematisiert werden und stärker zur Geltung kommen. Auch wurde eine Reihe von
Projekten durchgeführt, die sich speziell an Jugendliche mit
Migrationshintergrund wenden.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kooperiert mit einzelnen Trägern
der politischen Bildungsarbeit mit dem Ziel, allgemeine Angebote zur Fort-
und Weiterbildung enger mit den Themen Migration und Integration zu
verknüpfen. Auf diese Weise können Personen erreicht werden, die sich sonst von
den Themen Migration und Integration weniger angesprochen fühlen. Damit
kann zum Abbau von Vorurteilen auf Seiten der Aufnahmegesellschaft und
somit mittelbar auch zur Verbesserung der Integrationschancen von Migrantinnen
und Migranten beigetragen werden.
An den durch den KJP geförderten Aktivitäten der politischen Jugendbildung
sind mittlerweile 15 Prozent bis 30 Prozent der Teilnehmenden junge
Menschen mit Migrationshintergrund.
Im Rahmen der Jugendverbandsarbeit im Kinder- und Jugendplan des Bundes
werden zurzeit einige Migrantenjugendselbstorganisationen zur Stärkung der
bundesweiten Infrastruktur gefördert. In diesen Verbänden wie auch in den
tradierten Jugendverbänden erlernen junge Menschen aufgrund der
Eigenverantwortlichkeit und Selbstorganisation der Verbände demokratische Werte und
Verhaltensweisen.
14. Welche besonderen Aktivitäten hat die Bundesregierung eingeleitet, um
der in manchen Bereichen wachsenden Gewaltbereitschaft insbesondere
unter Jugendlichen entgegenzuwirken und Konfliktlösungsstrategien zu
entwickeln?
Mit welchen Maßnahmen beteiligen sich hier Anbieter bzw. Träger von
politischer Bildung?
Der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen wird insbesondere mit
kriminalpräventiven Maßnahmen entgegengewirkt. Die Verstärkung der
Kriminalprävention ist ein Schwerpunktthema der Bundesregierung.
Im von den Innenressorts der Länder und der Bundesregierung finanzierten
Programm Polizeiliche Kriminalprävention (ProPK) bildet die Prävention von
Jugendkriminalität einen Schwerpunkt der Arbeit. Eine ausführliche
Beschreibung entsprechender Angebote findet sich auf der Homepage der ProPK unter
www.polizei-beratung.de/.
Hinzuweisen ist ferner auf die Aktivitäten des im Jahre 2001 gegründeten
Deutschen Forums für Kriminalprävention (DFK). Tätigkeitsschwerpunkt des
DFK ist die Prävention von Gewalt, unter anderem durch Verzahnung und
Verstetigung auf die Zielgruppe Kinder und Jugendlicher zugeschnittener
Präventionsprogramme.
Darüber hinaus verfolgt die Bundesregierung das Ziel, allen Formen der
Gewalt – dazu gehören auch Gewalttaten fremdenfeindlicher und extremistischer
Strömungen – nachhaltig entgegenzuwirken. Die Bundesregierung fördert
daher mit verschiedenen Maßnahmen politischer Bildung und im Rahmen der
einschlägigen Bundesprogramme spezifische Präventionsangebote
verschiedener Träger. Ziel ist es, Bedingungen für ein gleichwertiges und gewaltfreies
Zusammenleben zu stärken und so der Entwicklung von Extremismus sowie
Vorurteils- und Gewaltkriminalität entgegenzuwirken.
Im Rahmen seiner Anregungskompetenz führt das Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) seit Jahren eine Vielzahl von
modellhaften Maßnahmen und Projekten durch, um die Ursachen und
Hintergründe der Kriminalitäts- und Gewaltbelastung von Kindern und Jugendlichen
zu erforschen und neue Wege und Ansätze zu erproben, dieser Entwicklung zu
begegnen. So wurde unter Federführung der Arbeitsstelle Kinder- und
Jugendkriminalitätsprävention am Deutschen Jugendinstitut Ende 2007 ein
ausführlicher Bericht zum aktuellen Stand der Gewaltprävention im Kindes- und
Jugendalter erstellt. Der Bericht verdeutlicht umfassend, was sich im Feld der
Prävention von Gewalt sowohl von als auch gegen Kinder und Jugendliche
bewegt und verändert hat (
http://cgi.dji.de/cgi-bin/projekte/bchlst1.php?browid=
7794&projekt=150&kurzform=0).
Die Kampagne „Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus“
(
www.vereint-gegen-rechtsextremismus.de), die von der Bundesregierung, den
Sportverbänden (Deutscher Olympischer Sportbund, Deutsche Sportjugend,
Deutscher Fußball Bund, Landessportbünde), der Sportministerkonferenz der
Länder, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie weiteren Partnern
getragen wird, soll Kindern und Jugendlichen Respekt, Anerkennung und
Achtung der Würde aller Menschen vorgelebt und vermittelt werden. Ziel ist es,
rechtsextremistische Erscheinungsformen im Sport, aber auch mit den Mitteln
des Sports zu bekämpfen und demokratische Grundwerte zu stärken.
Darüber hinaus hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) 2010 Mittel für die Veröffentlichung „Herausforderung Gewalt“
(Handreichung für Lehrkräfte) im Rahmen des Programms Polizeiliche
Kriminalprävention des Bundes und der Länder zur Verfügung gestellt.
15. Welche Maßnahmen wurden von der Bundesregierung ergriffen, um mit
Hilfe der politischen Bildung die Auseinandersetzung über Fragen der
europäischen Einigung zu fördern und das Bewusstsein für die
europäische Dimension politischen Handelns zu stärken?
Inwieweit arbeiten die staatlichen und freien Träger der politischen
Bildung mit europäischen Trägern zusammen?
Die BpB deckt mit ihrem Angebot das gesamte Themenspektrum
grundsätzlicher sowie aktueller gesellschaftspolitischer, historischer und allgemein
politischer Fragestellungen ab.
Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit gehört die Auseinandersetzung mit Fragen
der europäischen Einigung und die Bewusstseinsbildung für die europäischen
Dimensionen politischen Handelns. Die BpB bietet dazu diverse Formate an,
die von Print- und Onlineangeboten über Veranstaltungen bis hin zu dem von
der BpB initiierten europäischen Netzwerk politischer Bildner (Networking
European Citizenship Education/NECE) reichen. Zu den mit den von der BpB
anerkannten und geförderten Trägern politischer Bildung jährlich vereinbarten
Förderschwerpunkten gehören regelmäßig auch europapolitische Themen.
Der KJP des Bundes unterstützt die Beschäftigung mit Fragen der europäischen
Einigung und der Stärkung des Bewusstseins für die europäische Dimension
politischen Handelns durch die Förderung der internationalen Jugendarbeit in
allen Tätigkeitsfeldern, darunter auch in der politischen Jugendbildung. Dabei
arbeiten die freien und öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe in
Deutschland auch mit Partnerorganisationen und Dachverbänden und -
zusammenschlüssen in Europa zusammen.
An Schulen in Deutschland finden zudem auf Initiative des Bundeskanzleramts
und in der Verantwortung der Länder seit 2007 jährlich „Europa-Projekttage“
statt.
16. Welche Maßnahmen der politischen Bildung hat die Bundesregierung
ergriffen, um im Angesicht der europäischen Wirtschafts- und
Schuldenkrise die Auseinandersetzung mit der europäischen Integration zu
fördern?
Die BpB greift laufend aktuelle Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft auf und thematisiert diese in Print-, Multimedia- und
Veranstaltungsangeboten. Entsprechend wurden in den zurückliegenden Jahren angesichts der
globalen und europäischen Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise auch
spezielle Themenschwerpunkte gesetzt sowie grundsätzlich Europa als Thema
weiter gestärkt. Dabei stehen Angebote im Vordergrund, die eine
Auseinandersetzung mit Kontroversen über die Hintergründe der Krise und deren
Auswirkung auf den europäischen Integrationsprozess ermöglichen.
17. Welche Maßnahmen wurden von der Bundesregierung ergriffen, um mit
den Mitteln der politischen Bildung einer pauschalen Diskreditierung und
bestehenden Vorurteilen gegenüber der erlebten DDR-Vergangenheit von
Westdeutschen oder einer „Verklärung“ dieser Vergangenheit von
ostdeutscher Seite entgegenzuwirken?
Die Bundesregierung teilt nicht die Auffassung, dass eine „von Westdeutschen
erlebte DDR-Vergangenheit“ zu pauschalen Diskreditierungen oder Vorurteilen
führt.
Es ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, einer Verharmlosung oder
Verklärung der SED-Diktatur in der DDR entschieden entgegenzuwirken. Die
Bundesregierung teilt ausdrücklich die Auffassung der Fragesteller, dass einer solchen
Verklärung entschieden entgegenzuwirken ist. Entsprechende Maßnahmen sind
umfassend im aktuellen „Bericht der Bundesregierung zum Stand der
Aufarbeitung der SED-Diktatur“ (Bundestagsdrucksache 17/12115) dargelegt. Dort
werden insbesondere auch die diversen Angebote der Bundeseinrichtungen wie
etwa der Bundesstiftung Aufarbeitung, der BpB und des BStU beschrieben.
18. Welche mädchen- und frauenspezifischen Programme und Projekte der
politischen Bildung und welche Träger werden auf der Grundlage
welcher Kriterien von der Bundesregierung gefördert, und wie will die
Bundesregierung mit Hilfe der politischen Bildung zur Gleichstellung von
Frauen und Männern beitragen?
Werden solche Konzepte auch in Richtung Gender Mainstreaming und
Diversity-Bewusstsein erweitert?
Alle Träger der politischen Jugendbildung, die als Zuwendungsempfänger der
Förderung aus dem KJP des Bundes arbeiten, sind verpflichtet, die
Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip (Gender
Mainstreaming) zu beachten. Zahlreiche Träger der politischen Jugendbildung
machen die geschlechtersensible Bildungsarbeit zu einem Schwerpunkt der
Arbeit.
Zur Stärkung des kommunalpolitischen Engagements von Frauen wird seit 2009
der Helene-Weber-Preis an engagierte kommunale Nachwuchspolitikerinnen
vergeben.
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat das Thema „Diversity“
in den vergangenen Jahren verstärkt zum Gegenstand von Studien, Symposien
und Seminaren in der Bundeswehr gemacht.
Die BpB hat im Jahr 2012 28 Seminare von anerkannten Trägern der
politischen Bildung gefördert, die sich ausschließlich an weibliche Teilnehmerinnen
richten. Die Kriterien für die Anerkennung von Trägern und die Förderung von
Veranstaltungen sind in den entsprechenden Richtlinien festgeschrieben.
Darüber hinaus greift die BpB Aspekte des Gender Mainstreaming in diversen
Formaten auf.
19. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung zur Förderung der
politischen Bildung und politischen Beteiligung von
bildungsbenachteiligten und politikfernen Zielgruppen?
Mit welchen Strategien und Zielsetzungen operieren hier nach Kenntnis
der Bundesregierung die Anbieter politischer Bildung?
Die Bereitstellung von adressatengerechten Angeboten ist erklärtes Ziel und
Aufgabe der politischen Bildung und so schon im Beutelsbacher Konsens
niedergelegt.
So hat die BpB eine Reihe von Formaten speziell für bildungsbenachteiligte
und politikferne Zielgruppen entwickelt, die sich insbesondere auf
elektronische Medien wie Fernsehen und Computerspiele konzentrieren, aber auch
integrierende Lernkonzepte für den Einsatz im Politikunterricht an Haupt- und
Berufsschulen beinhalten. Auch Peer-to-Peer-orientierte Ansätze werden erprobt.
Es ist auch durchgängiges Anliegen aller vom BMFSFJ und von der BpB
geförderten Träger der politischen Bildung, je nach der eigenen Ausrichtung die
Zielgruppe der bildungsbenachteiligten und politikfernen Menschen
anzusprechen. Dies geschieht in konkreten, an den Lebenswelten der Jugendlichen
orientierten Projekten.
Verschiedene weitere Anbieter politischer Bildung arbeiten mit vergleichbaren
konzeptionellen Ansätzen (z. B. die Gemeinsame Initiative der Träger
politischer Jugendbildung im Bundesausschuss Politische Bildung/Gemini), je nach
eigener Ausrichtung und institutioneller Anbindung mit unterschiedlichen
Schwerpunkten.
20. Wie gewährleistet die Bundesregierung angesichts der heutigen Probleme
der Arbeitswelt die Verzahnung der beruflichen und politischen Bildung?
21. Mit welchen Projekten fördert die Bundesregierung die Einbeziehung
von allgemeiner und beruflicher Weiterbildung in das Handlungsfeld der
politischen Bildung, und wie entwickelt sie zusammen mit den Trägern
hieraus neue Formen der politischen Bildungsarbeit?
22. Welche fachbezogenen und grenzüberschreitenden Projekte wurden von
der Bundesregierung zur Förderung des Zusammenhangs von politischer
Bildung und Weiterbildung entwickelt?
Die Fragen 20 bis 22 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der beruflichen Bildung kommt durch den demografischen Wandel zunehmend
eine höhere Bedeutung im Arbeitsleben zu. Lebensbegleitendes Weiterlernen
ist in einer Zeit des beschleunigten technischen und sozialen Wandels eine
Voraussetzung für dauerhafte Beschäftigungsfähigkeit und muss verstärkt die
gesamte Bildungsbiografie in den Blick nehmen. Der Ansatz des lebenslangen
Weiterlernens geht von einem integralen Bildungsverständnis aus, das die
Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Lebensphasen und -bereichen
berücksichtigt. Entsprechend zielt seine Umsetzung auf eine möglichst
umfassende und zugleich flexible Gestaltung individueller Bildungsbiografien und
bezieht hierfür Persönlichkeitsbildung, Eltern- und Familienbildung, kulturelle
und politische Bildung von Anfang an mit ein.
Weil diese bereichsübergreifende Gestaltung von Bildungsbiographien vor allem
an die Möglichkeiten und Angebote „vor Ort“ gebunden und von ihnen
abhängig ist, ist es notwendig, die lokalen und regionalen Strukturen des
Bildungssystems so weiterzuentwickeln, dass eine möglichst umfassende und breite
Verzahnung aller vorhandenen Bildungsangebote entsteht. Diese Entwicklung
unterstützt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Bemühungen für notwendige
Strukturveränderungen und Qualitätsverbesserungen im Bildungswesen.
Beispielsweise dient die Förderinitiative „Lernen vor Ort“ dazu, lokale
Bildungsstrukturen zu verbessern. Gemeinsam mit rund 180 deutschen Stiftungen
unterstützt das BMBF ausgewählte Kreise und kreisfreie Städte beim Aufbau eines
Bildungsmanagements und bei der Entwicklung moderner Bildungsstrukturen
vor Ort.
Eine unmittelbare Einbeziehung von Projekten der allgemeinen und
beruflichen Weiterbildung in das Handlungsfeld der politischen Bildung wird derzeit
nicht angestrebt. In der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung liegen die
Schwerpunkte derzeit vor allem auf Förderung von Projekten im Rahmen der
Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener
sowie des Fachkräftekonzepts der Bundesregierung. Abgeschlossen wurde Ende
2012 ein innovatives Projekt von „Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben“ zur
weiteren Qualifizierung des Personals in der politischen Bildung durch die
Entwicklung von modularen Aus- und Fortbildungselementen. Idealerweise
können diese Module berufsbegleitend eingesetzt werden. Das Modul „Spezifika
der politischen Erwachsenenbildung“ kann auch im Rahmen anderer Bereiche
der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung eingesetzt werden.
Mit einem fachübergreifenden Verständnis stellt die BpB Materialien für die
politische Bildung an beruflichen Schulen bereit (z. B. Themenblätter im
Unterricht) und kooperiert bei deren Entwicklung mit Fachvertretern der
beruflichen Bildung. Darüber hinaus fördert die BpB Bildungsmaßnahmen von
Trägern, die in ihren Angeboten berufliche Weiterbildung und politische Bildung
verbinden. Ferner fördert die BpB politische Bildungseinheiten innerhalb von
beruflichen Bildungsveranstaltungen (nach Punkt 1.3 der Förder-Richtlinien
vom Oktober 2012). Des Weiteren thematisiert die BpB in ihren Angeboten
regelmäßig Entwicklungen und politische Herausforderungen in der
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Im Jahre 2012 beteiligte sich die BpB erstmals mit
politischen Bildungsträgern (Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben) am
Deutschen Weiterbildungstag.
Im Rahmen der politischen Bildung in der Bundeswehr werden allgemeine
politische Entwicklungen sowie spezifische, auf das Berufsbild des Soldaten
abgestimmte Inhalte verbunden. Bereits in der allgemeinen Grundausbildung
werden Grundlagen staatsbürgerlichen Wissens gelegt und damit eine
gemeinsame Basis für weitere Maßnahmen der politischen Bildung zu schaffen.
Darauf aufbauend werden weitere Bildungsmaßnahmen in der Führeraus- und
-weiterbildung durchgeführt. Im Hinblick auf die Weiterentwicklung der
politischen Bildung in der Bundeswehr sind Vertreter der Bundeswehr auch in das
Netzwerk politische Bildung (unter Federführung der BpB) eingebunden.
23. Welche konkreten Maßnahmen fördert die Bundesregierung zum
Themenfeld Informationsgesellschaft und soziale Netzwerke?
Stellt die Bundesregierung hierfür die nötigen zusätzlichen
Personalressourcen zur Verfügung?
Die Chancen und Risiken sozialer Netzwerke sind unter den Perspektiven
Partizipation und altersgerechter Datenschutz Gegenstand der Entwicklung einer
Kinder- und Jugendnetzpolitik in Umsetzung des vom BMFSFJ initiierten
Dialog Internet. Darüber hinaus fördert das BMFSFJ diverse Projekte zum
genannten Themenfeld, die im Wesentlichen auf die Vermittlung von
Medienkompetenz von Kindern- und Jugendlichen gerichtet sind.
Die BpB pflegt in den wichtigsten Online-Netzwerken und Social Media-
Plattformen zentrale Präsenzen sowie weitere zielgruppenspezifische Profile (z. B.
für Journalisten, Medienpädagogen). Ferner hat die BpB unterschiedliche
Blog-Projekte konzipiert und mit Kooperationspartnern umgesetzt, die sich vor
allem an Multiplikatoren richten und sich intensiv mit der Bedeutung digitaler
Medien für die politische Bildungsarbeit auseinandersetzen. Die damit
verbundenen Aufgaben der politischen Bildung werden mit den vorhandenen
Personalressourcen umgesetzt.
24. Welche sich aus den neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien erschließenden Möglichkeiten wurden in der Projektförderung durch
die Bundesregierung für die politische Bildung erprobt, und mit welchem
Erfolg werden sie eingesetzt?
Politische Bildung bedient sich auch der neuen Informations- und
Kommunikationstechniken. Bei der politischen Jugendbildung haben sich dabei
insbesondere Projekte zur politischen Bildung durch Partizipation von Jugendlichen auf
verschiedenen Ebenen als erfolgreich erwiesen.
Die BpB hat unterschiedliche Projekte gefördert, die die interaktiven
Möglichkeiten des Web 2.0 für politische Bildung nutzen. Beispielhaft seien hier die
Projekte
www.deinegeschichte.de und pb21.de genannt. Auch Möglichkeiten
des mobilen Lernens wurden von der BpB erprobt. So wurde eine App für
Smartphones entwickelt, die auf den Inhalten der Website „Chronik der Mauer“
basiert. Mit der App kann man den ehemaligen Verlauf der Mauer erkunden.
Sie wurde bereits über 100 000-mal heruntergeladen. Auch die Wahlomat-
Angebote für verschiedene Landtags- und die Bundestagswahlen sind als App
verfügbar.
Auch in anderen Bereichen der politischen Bildung finden neue Informations-
und Kommunikationstechniken Anwendung. Dies geschieht beispielsweise im
Rahmen des Aktionsprogramms „Dimension Kulturen“ des BMVg, um in
kleinen lokalen Netzwerken Arbeitsgruppen miteinander zu verbinden.
25. Welche Untersuchungen und Projekte zur Vermittlung von
Medienkompetenz wurden von der Bundesregierung gefördert bzw. neu entwickelt?
Für welche Zielgruppen?
Mit welchen Ergebnissen?
Die Bundesregierung misst der Stärkung von Medienkompetenz eine hohe
Bedeutung zu und fördert sie im Rahmen ihrer Zuständigkeit.
In dem 2009 veröffentlichten Bericht „Kompetenzen in einer digital geprägten
Kultur“, den eine vom BMBF eingesetzte Expertenkommission zur
Medienbildung ausgearbeitet hat, wurde zum Beispiel die Notwendigkeit der Stärkung
von Medienkompetenz als Bestandteil einer umfassenden Medienbildung
aufgezeigt und u. a. festgestellt, dass die Förderung von Medienkompetenz sowohl
Kinder und Jugendliche als auch deren Bezugspersonen, die Erwachsenen, mit
einbeziehen sollte. Vor diesem Hintergrund konnten mit der vom BMBF
geförderten Fortbildungsmaßnahme „Basisqualifizierung Medienkompetenz“
ca. 24 000 Erziehern in ihrer Medienkompetenz gestärkt werden, in dem
Grundkenntnisse zu digitalen Medien sowie deren pädagogischen Einsatz in
der beruflichen Praxis vermittelt werden.
Ergänzend hierzu konnte mit der 2011 erstellten „Bestandsaufnahme zur
Medienkompetenz in Förderprojekten des BMBF“ die Bedeutung von
Medienkompetenz ebenfalls für die berufliche Bildung herausgestellt werden. Daran
anknüpfend wird im Rahmen der BMBF-Förderbekanntmachung „Stärkung
der digitalen Medienkompetenz für eine zukunftsorientierte Medienbildung in
der beruflichen Qualifizierung“ seit Herbst 2012 die Verankerung von
Medienbildung in verschiedenen beruflichen Stationen (Aus-, Fort- und
Weiterbildung) mit insgesamt zehn Verbundprojekten (33 Einzelvorhaben) gefördert.
Erste Projektergebnisse werden 2015 erwartet.
Im Rahmen der politischen Bildung hat die BpB für verschiedene Zielgruppen
spezifische Angebote entwickelt, die Medienkompetenz als grundlegender
Teilhabekompetenz in einer Mediengesellschaft vermitteln. Hierzu zählen u. a.
www.spielbar.de (eine Internetplattform der BpB zum Thema Computerspiele
für Erwachsene und Jugendliche) und Eltern-LAN (ein medienpädagogisches
Orientierungsangebot zu Computerspielen für Erwachsene).
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass lebenswelt- und alltagsorientierte
Lernansätze, die die eigenen Lernperspektiven zur Geltung kommen lassen,
sehr erfolgreich sind und Vermittlungszugänge für neues Wissen eröffnen.
Die Stärkung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen ist
untrennbar mit Jugendmedienschutz und der Erziehungsverantwortung von Eltern
verbunden. Medienkompetenz befähigt Kinder und Jugendliche dazu, Medien
ihrem Alter entsprechend selbstbestimmt, verantwortungsbewusst, kritisch und
kreativ zu nutzen. Mit dieser Zielsetzung fördert das BMFSFJ eine Vielzahl von
Projekten und Initiativen, welche die Medienerziehungskompetenz von Eltern
und Fachkräften stärken, z. B.:
• Die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ wendet sich
insbesondere an Eltern und Erziehende von 3- bis 13-jährigen, um mit
Informationen und Empfehlungen ihre erzieherischen Kompetenzen zu stärken.
• Die Internet-Plattform „Surfen ohne Risiko“ mit Kinderstartseite
www.meine-startseite.de, die Eltern Informationen für die Medienerziehung
mit Schwerpunkt Internet bietet.
• Die Kindersuchmaschine „Blinde Kuh“ –
www.blindekuh.de die
meistbesuchte deutschsprachige, nicht-kommerzielle Suchmaschine, die auf einen
sicheren Surfraum kindgeeigneter Websites zurückgreift.
Das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) führt im Auftrag
des BMFSFJ bundesweite Kreativ-Wettbewerbe durch, veröffentlicht
Filmempfehlungen und Filmeditionen und entwickelt Konzepte und Angebote zur
Vermittlung von Medienkompetenz. Diese Angebote werden laufend überprüft
und hinsichtlich ihres pädagogischen Bedarfs, ihrer gesellschaftspolitischen
Relevanz sowie technischer Perspektiven und wissenschaftlicher Erkenntnisse
erweitert. Hervorzuheben sind insbesondere der Deutsche Jugendvideopreis,
der Deutsche Jugendfotopreis, der Wettbewerb Video der Generationen sowie
der Multimediawettbewerb MB21.
Die Bundeswehr unterhält mit der Akademie für Information und
Kommunikation in Strausberg eine eigene Einrichtung zur Vermittlung von
Medienkompetenz. Auf diese Kompetenz wird auch bei der Vermittlung von Inhalten der
politischen Bildung in der Bundeswehr für interne und externe Zielgruppen
zurückgegriffen.
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(BMELV) hat 2010 eine Initiative mit dem Ziel gestartet, die Vermittlung von
Alltagskompetenzen, u. a. im Umgang mit neuen Medien zu verbessern. Um
dieses Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung begonnen, zusammen mit den
Ländern ein Netzwerk für eine verstärkte Vermittlung von
Verbraucherkompetenzen in Schulen zu knüpfen. Darüber hinaus haben Lehrkräfte einen besseren
Zugang zu praxistauglichen Hilfen für den Unterricht über einen Online-
Kompass zu Verbraucherbildungsthemen erhalten. Dieser wurde im Rahmen eines
Projektes vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) e. V. entwickelt und
ist seit September 2011 verfügbar. Derzeit wird er evaluiert und um Materialien
für die Primarstufe erweitert. Um Lehramtsstudierende für die Vermittlung von
Alltagskompetenzen im Unterricht zu sensibilisieren, wurde 2010 der
Ideenwettbewerb „Fürs Leben lehren“ ins Leben gerufen. Schwerpunktthema der
ersten Wettbewerbsrunde war „Medienkompetenz“.
Die vom BMELV geförderte Jugendkampagne „Watch your Web“ sensibilisiert
Jugendliche für einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten in
sozialen Netzwerken. Das vom BMELV geförderte Projekt Verbraucherrechte
in der digitalen Welt des vzbv befasst sich mit der Durchsetzung der
Verbraucherrechte im Internet. Unter
www.surfer-haben-rechte.de erfahren die
Verbraucher, was Datenschutz, Vertragsrecht und Urheberrecht im Onlinealltag für
sie bedeuten.
Das BMELV fördert die Erstellung und Verteilung des Wegweisers durch die
digitale Welt für ältere Bürger durch die Bundesarbeitsgemeinschaft der
Senioren-Organisationen e. V. (BAGSO).
26. Welche neuen Methoden der politischen Bildung wurden von der
Bundesregierung entwickelt und gefördert, um dem Anspruch der politischen
Bildung, alltags- und lebensweltbezogen zu arbeiten, gerecht zu werden?
Die Bundesregierung fördert alle Methoden der politischen Bildung, die
geeignet sind, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen so anzusprechen, dass ihre
Entscheidungs- und Handlungskompetenzen für die Demokratie gefördert
werden. Dabei kommt insbesondere den sog. social media eine besondere
Bedeutung zu, da sie im Alltag von Kindern und Jugendlichen, aber auch von
Erwachsenen eine neue und komplex zu betrachtende Rolle spielen. Auch
partizipative Peer-Projekte mit Jugendlichen haben für die politische Bildung
große Bedeutung.
Das BMVg hat am Zentrum Innere Führung seit 2003 insgesamt drei
Aktionsprogramme zur politischen Bildung im Bundeswehr weiten Rahmen entwickelt
und durchgeführt. Ziel dieser Aktionsprogramme ist die gezielte, dezentrale
Fortbildung von Führungspersonal der Bundeswehr in Fragen der Legitimation
und Mandatierung von Einsätzen, der Interkulturellen Kompetenz und der
Integration. Im Rahmen von „Xenos-Vielfalt leben“ wurden ca. 9 000, durch
„Dimension Kulturen“ ca. 28 000 und über „Ergo im Einsatz“ ca. 14 000
Angehörige der Bundeswehr in der politischen Bildung durch zivil-militärische
Lehrteams fortgebildet.
Ferner wurde mit dem Seminar „Hauptstadtgebundene Politische Bildung –
Lernort Berlin“ ein Format entwickelt und durchgeführt, das sich für die
kontinuierliche Qualifizierung von Multiplikatoren für die politische Bildung in der
Bundeswehr als sehr geeignet erwiesen hat. Dieses findet in Kooperation mit
der BpB, der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin und in
Zusammenarbeit mit verschiedenen Abgeordneten des Deutschen Bundestages, sowie
politisch und gesellschaftlich relevanten Organisationen statt. Im Übrigen wird
auf die Antwort zu Frage 24 verwiesen
27. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um im Internet
Materialien der politischen Bildung zur Verfügung zu stellen, die für
nicht-kommerzielle Nutzung frei von Rechten sind?
Welche Rolle spielt das Internet insgesamt in der politischen Bildung?
Das Internet spielt insgesamt für die politische Bildung eine immer wichtigere
Rolle. Nicht nur werden viele Onlinedossiers zu Themen der politischen
Bildung angeboten und auch zunehmend Offlineformate für das Internet verfügbar
gemacht, sondern auch bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung
von Bildungsangeboten wird das Internet zur Information, Kommunikation und
Publikation der Ergebnisse verwendet.
Die BpB bietet bereits heute mehr als 10 Prozent ihrer Inhalte auf der Website
www.bpb.de unter freien Lizenzen an, die eine einfache Weiterverwendung
durch Dritte erlauben. Die BpB setzt dabei auf eine Creative Commons Lizenz,
die eine freie Weitergabe unter bestimmten Regeln erlaubt. Meist ist es die
CC-by-nc-nd-Form. Dabei kann das Werk unter Nennung des Namens des
Urhebers und des Lizenzgebers für nichtkommerzielle Zwecke verwendet werden,
eine Änderung der Inhalte schließt diese Lizenz aus. Auf
www.bpb.de sind
etwas mehr als 3 000 cc-lizenzierte Objekte verfügbar, davon sind 1 561 Artikel
und 1 625 Bilder oder Infografiken.
28. Inwiefern wird in der IT-Politik (IT = Informationstechnik) der
Bundesregierung sichergestellt, dass Angebote politischer Bildung vor dem
Hintergrund der IT-Sicherheit – und der damit oftmals einhergehenden
Einschränkungen bei zahlreichen Anwendungen – tatsächlich die
Bürgerinnen und Bürger erreichen?
Sämtliche Onlineangebote der Bundeszentrale für politische Bildung sind für
alle Bürger ohne Einschränkungen nutzbar.
29. Welche inhaltlich und welche methodisch-didaktisch innovativen
Modellprojekte hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2000 gefördert, und
welche Ergebnisse haben diese Modellprojekte für die Weiterentwicklung
der Vermittlungsformen, der Bildungsinhalte und Bildungsziele der
politischen Bildung gebracht?
Um neue Methoden zu erproben, hat die BpB in den vergangenen Jahren u. a.
die folgenden Modellprojekte durchgeführt:
a) Das Modellprojekt „Dialog macht Schule: Politische Bildung in der
Einwanderungsgesellschaft“ wird an Schulen mit einem hohen Anteil an Schülern
mit Zuwanderungsgeschichte durchgeführt. Junge Menschen mit
pädagogischer Erfahrung und eigener Einwanderungsgeschichte leiten dabei über
mehrere Monate regelmäßige Gesprächsrunden. Die Modellphase wird im
März 2013 nach Vorlage eines Evaluationsberichts des Lehrstuhls für
Politikdidaktik der TU Dresden, die das Projekt wissenschaftlich begleitet,
abgeschlossen.
b) Grundgedanke des Modellprojektes „schule@museum“ ist es, durch die
Zusammenarbeit der Institutionen Schule und Museum Kindern und
Jugendlichen neue Zugänge zu Bildungsinhalten zu eröffnen. Das in Kooperation
zwischen dem Deutschen Museumsbund, dem BDK – Fachverband für
Kunstpädagogik, dem Bundesverband für Museumspädagogik, der BpB und
der Stiftung Mercator realisierte Projekt durchlief von 2004 bis 2011
unterschiedliche Phasen.
c) Seit 2001 ist die BpB Partnerin in dem Projekt „Abschied von Hass und
Gewalt“, in dessen Rahmen interdisziplinär mit inhaftierten extremistisch
motivierten Straftätern gearbeitet wird. Bei der Koppelung von Anti-Gewalt-
Arbeit und politischer Bildung greifen Sozialpsychologie, allgemeine
Pädagogik, Resozialisierungs-Facharbeit und politische Bildung ineinander.
In partizipativen Peer-Education-Projekten wie teamGLOBAL und die Young
European Professionels (YEPs) werden Jugendliche ausgebildet, um
Workshops in Schulen oder mit Jugendgruppen zu Themen der Globalisierung bzw.
der Europäischen Union zu gestalten.
In Auswertung derartiger Modellvorhaben werden Inhalte, Formate und
Vermittlungsformen politischer Bildung weiter entwickelt.
30. Welche Maßnahmen der politischen Bildung für Studierende fördert die
Bundesregierung?
Beabsichtigt die Bundesregierung, Angebote wie
www.bpb.de und die
Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung auch weiterhin
in angemessener Weise zu unterstützen?
Studierende sind als „interessierte Bürgerinnen und Bürger“ eine Zielgruppe in
der Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung. Dabei ist bekannt, dass
insbesondere die Angebote der Schriftenreihe, die Ausgaben der Zeitschrift
„Aus Politik und Zeitgeschichte“ (Beilage zur Wochenzeitschrift Das
Parlament) sowie die Themendossiers auf
www.bpb.de häufig von Studierenden
genutzt werden. Zudem richtet die Bundesregierung Studierendenwettbewerbe
aus, die ebenfalls im Zusammenhang mit politischer Bildung zu sehen sind.
Die Bundesregierung wird auch weiterhin die Angebote der BpB angemessen
unterstützen, auch wenn veränderte Schwerpunktsetzungen im Format der
Angebote als Ergebnis der ständigen Aufgabenkritik der BpB nicht auszuschließen
sind.
31. Welche Möglichkeiten der Förderung durch den Bund und nach Kenntnis
der Bundesregierung durch die Länder im Rahmen der politischen
Bildung gibt es für junge Menschen in der Schule, Berufsausbildung oder im
Studium, an kurzzeitigen Maßnahmen der Begegnung in
Entwicklungsländern teilzunehmen, um konkrete Wirkungen weltweit
unterschiedlicher Entwicklung und der Interdependenzen zu erkennen und als
Multiplikatoren die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben?
Förderungen, die jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich im Rahmen der
politischen Bildung in Schule, Berufsbildung oder Studium über globale
Entwicklungen zu informieren und als Multiplikatoren tätig zu werden, erfolgen
unter anderem durch den Bundespräsidenten, den Deutschen Bundestag, die
Länder, private Initiativen, Stiftungen oder andere Formen des Austausches.
Daher besitzt die Bundesregierung keinen vollständigen Überblick über alle
derartigen Maßnahmen.
Die Bundesregierung versteht als „kurzzeitig“ Zeiträume von bis zu drei
Monaten. Für diese Zeitspannen ergänzt die Bundesregierung das vorstehende
vielfältige Angebot durch eigene Programme und Maßnahmen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) ermöglicht seit über 50 Jahren Studierenden und jungen Berufstätigen
Praktika im Ausland im Rahmen des Programms Arbeits- und
Studienaufenthalte in Afrika, Asien und Amerika (ASA).
Zudem fördert das BMZ auf der Grundlage eines Beschlusses des Deutschen
Bundestages seit 2005 das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm
(ENSA), dass die Begegnung von Schülerinnen und Schülern aus Deutschland
und Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa unterstützt.
Das Auswärtige Amt (AA) fördert im Rahmen der
Transformationspartnerschaft mit Ägypten, Tunesien und weiteren Ländern Nordafrikas und des
Nahen Ostens Maßnahmen der Jugendbegegnung, die es den Teilnehmern
ermöglichen, die Lebensrealitäten im jeweiligen Gastland kennenzulernen und
gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren.
32. Welche gemeinsamen Aktivitäten der Bundeszentrale für politische
Bildung wurden mit Vereinen und Verbänden, die der politischen Bildung
verpflichtet sind, realisiert, um die aktive Partizipation der Bürgerinnen
und Bürger an gesellschaftlichen Prozessen und demokratischer
Öffentlichkeit zu erhöhen?
In der Arbeit der BpB gibt es im Rahmen von Veranstaltungen und
Kooperationsvorhaben eine Vielzahl von Aktivitäten, um mit geeigneten Partnern die
Partizipation an demokratischen Prozessen zu fördern. Beispielhaft seien hier
genannt: Veranstaltung des Bundeskongresses Politische Bildung im Jahr 2012
von BpB gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für politische Bildung
(DVPB) und dem Bundesausschuss Politische Bildung (bap) sowie
verschiedene Kooperationsvorhaben der BpB mit dem Deutschen Bundesjugendring
(DBJR), mit der Gemeinsamen Initiative der Träger politischer Jugendbildung
(Gemini), mit der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e. V. (ASM),
der Arbeitsgemeinschaft türkischer Unternehmer und Existenzgründer e. V.
(ATU) sowie dem Kreisjugendring Rems-Murr e. V. im Rahmen des
Aktionsprogramms für mehr Jugendbeteiligung, das von BMFSFJ, BpB und DBJR in
den Jahren 2006 bis 2009 veranstaltet wurde.
33. Wie werden Pluralismus und Überparteilichkeit der politischen Bildung
sichergestellt?
Ist der Beutelsbacher Konsens aus Sicht der Bundesregierung noch
gewährleistet und vollständig aktuell?
Die Landschaft der politischen Bildung ist durch die verschiedenen Anbieter
und Akteure (BpB, Politische Stiftungen, Landeszentralen für politische
Bildung, geförderte Träger der politischen Bildung u. a.) eine pluralistische.
Die politisch ausgewogene Haltung und die politische Wirksamkeit der Arbeit
der BpB werden von einem aus 22 Mitgliedern des Deutschen Bundestages
bestehenden Kuratorium gewährleistet.
Die Bundesregierung bekennt sich zu den in dem sog. Beutelsbacher Konsens
niedergelegten Grundsätzen der politischen Bildung. Insoweit wird auf die
Antwort zu Frage 1 verwiesen.
34. Welche Strukturanpassungen der Bundeszentrale für politische Bildung
wurden seit dem Jahr 2000 vorgenommen?
Sind die Ziele der damaligen strukturellen Neuordnung erreicht worden?
Mit dem Erlass zur fachlichen und organisatorischen Neuausrichtung der BpB
vom 17. Mai 2000 wurde die Struktur, wonach es eine Fachabteilung und eine
Verwaltungsabteilung mit jeweils mehreren Organisationseinheiten gibt,
festgelegt. Diese Struktur besteht nach wie vor. Veränderungen hat es insofern
gegeben, als dass entsprechend aktueller Erfordernisse Organisationseinheiten
dazu kamen (wie im Jahr 2007 die Fachbereiche Extremismus und Politikferne
Zielgruppen), wegfielen (wie der Fachbereich Kulturelle Bildung im Jahr 2003)
oder verschmolzen werden (zum 1. März 2013 der Fachbereich Politikferne
Zielgruppen mit dem Fachbereich Fortbildung/Didaktik).
Die Ziele der damaligen strukturellen Neuordnung waren laut Erlass:
„Zusammenfassung identischer und fachnaher Aufgaben; zugleich eine Verringerung
von Schnittstellen und Verbesserung der Information, klare
Kompetenzregelung nach unten und oben durch Verringerung der Organisationseinheiten und
Abbau der Hierarchie, Entlastung des Fachbereichs von
Verwaltungsaufgaben.“ Im Vergleich zu der vorherigen Struktur aus sechs Gruppen und 23
Referaten wurden diese Ziele erreicht.
35. Wie begründet die Bundesregierung die Verteilung von Zuständigkeiten
für die politische Bildung auf die verschiedenen Bundesressorts?
Wie erfolgt die Ressortkoordination und die Abstimmung mit den
Ländern, und mit welchen konkreten Ergebnissen seit dem Jahr 2000?
Die BpB ist als nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums des Innern
(BMI) auf Bundesebene für politische Bildung zuständig. Dabei deckt sie das
gesamte Themenspektrum gesellschaftspolitischer, historischer und allgemein
politischer Fragestellungen ab.
Die Zuständigkeit des BMI ist darin begründet, dass innerhalb der
Bundesregierung u. a. die Zuständigkeit für den Schutz der Verfassung beim BMI liegt
und politische Bildung durch ihre Aufgaben und Ziele entscheidend zum Erhalt
der Demokratie beiträgt.
Neben dieser Zuständigkeit des BMI setzen die verschiedenen Bundesressorts
neben ihren Aufgaben der Information und Öffentlichkeitsarbeit mit Blick auf
ihre jeweilige Ressortpolitik in jeweils ressortspezifischer Zuständigkeit auch
einzelne themenspezifische Vorhaben der politischen Bildung um.
Beispielsweise ist die Politische Jugendbildung eines der zentralen Handlungsfelder im
KJP des Bundes und in der Kinder- und Jugendhilfe. Von daher begründet sich
eine Zuständigkeit des BMFSFJ für die politische Jugendbildung. Zudem halten
die einzelnen Bundesressorts Informationsangebote vor, die sich im
Wesentlichen auf die jeweilige Ressortzuständigkeit konzentrieren. Die
Ressortkoordinierung erfolgt nach der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesordnung
der Bundesregierung. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 44 verwiesen.
Im Bund-Länder-Verhältnis erfolgt regelmäßig eine Abstimmung der BpB mit
den Landeszentralen für politische Bildung sowie anderen Trägern politischer
Bildung.
36. Wie bewertet die Bundesregierung die Tendenz, dass in einigen Häusern
Materialien, die auch als „normale“ Öffentlichkeitsarbeit gewertet
werden könnten (z. B. Comichefte des Verfassungsschutzes und Angebote
des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
der ehemaligen DDR), als politische Bildung deklariert werden?
Werden bei solchen Produktionen Experten der politischen Bildung mit
einbezogen?
Wie hoch ist die Nachfrage nach solchen Materialien, und wie hoch sind
die Auflagen?
Werden sie auch ungefragt verschickt (z. B. an Schulen)?
Werden diese Posten in den Einzelplänen als politische Bildung,
Öffentlichkeitsarbeit oder unter einer anderen Bezeichnung geführt?
Im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit stellt das Bundesamt für
Verfassungsschutz (BfV) Publikationen zur Verfügung, die die Darstellung des jährlichen
Verfassungsschutzberichtes ergänzen und im Wesentlichen über die Arbeit des
BfV informieren. Ein Comic befindet sich nicht im Publikationen-Portfolio des
BfV.
Dem BStU obliegt die Aufgabe, die Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes
durch Unterrichtung der Öffentlichkeit über Struktur, Methoden und
Wirkungsweise des Staatssicherheitsdienstes aufzuarbeiten. Zur Unterrichtung der
Öffentlichkeit gehören die verschiedensten Veranstaltungsformate, Ausstellungen,
die Veröffentlichung von Publikationen und Flyern sowie der Internetauftritt
des BStU.
Insbesondere für den Adressatenkreis der Schüler, Studierenden und Lehrkräfte
sind unter didaktischen Gesichtspunkten konkrete Unterstützungsangebote für
das Themenfeld „Aufarbeitung der Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes“
entwickelt worden. Der steigenden Nachfrage von Trägern der Bildungsarbeit hat
der BStU durch die Einrichtung eines Sachgebietes „Bildungsarbeit für
Schüler, Studierende und Lehrkräfte“ im Jahr 2003 entsprochen. Von sowohl
historisch als auch pädagogisch und didaktisch fachkundigen Mitarbeitern werden
hier konkrete Angebote beispielsweise für die Unterrichtsgestaltung und
Handreichungen für Schüler und Studierende erarbeitet, aber auch Projekttage an
Schulen und Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte durchgeführt. Die
Materialien für die Bildungsarbeit beziehen sich in der Regel auf unter
didaktischen Gesichtspunkten ausgewählte Stasi-Unterlagen, ein spezieller
Unterrichtsfilm ermöglicht Lernenden einen ersten Einstieg in das Thema.
Materialien für Schulen und andere Bildungsträger werden auf Anfrage und
Bestellung versandt (vgl. im Einzelnen dazu die Tätigkeitsberichte des BStU).
Im Etat des Bundesbeauftragten werden die Kosten für die politische
Bildungsarbeit nicht gesondert ausgewiesen, sondern aus den Titeln 0408 543 01 und
0408 545 01 bestritten.
Die Bundesregierung sieht somit keine Tendenz, dass Bundesbehörden
Öffentlichkeitsarbeit in unzulässiger Weise als politische Bildung deklarieren,
allerdings gibt es Übergange und Schnittmengen zwischen Informationsangeboten
der Öffentlichkeitsarbeit und denen der politischen Bildung. Siehe dazu auch
die Antwort zu Frage 44.
37. Inwieweit wird die Bundeszentrale für politischen Bildung als
bundeszentraler Dienstleister im Sinne der Shared Service Center aktiviert und
einbezogen (bitte nach Ressorts aufschlüsseln)?
In der Vergangenheit haben einmal das Bundesministerium der Justiz (BMJ in
2008) und einmal das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ in 2012) für den BpB-Schülerwettbewerb Themen
angeregt, die dann von der BpB umgesetzt wurden. Zurzeit konzipiert die BpB
die Ausstellung „Was glaubst Du denn?! Muslime in Deutschland“
(Arbeitstitel) für das für die Deutsche Islamkonferenz (DIK) zuständige BMI.
38. Wie stellt die Bundesregierung eine einheitliche Qualitätssicherung der
politischen Bildung sicher?
Wie schätzt die Bundesregierung vor diesem Hintergrund das Problem
ein, dass Referentinnen und Referenten für politische Bildung in den
unterschiedlichen Ressorts unterschiedliche Tagessätze erhalten (bitte die
Tagessätze nach Ressorts aufschlüsseln)?
Qualitätssicherung und die Etablierung der dafür notwendigen Prozesse und
Maßnahmen gehört zu den originären Aufgaben der BpB. Beispielhaft für
derartige Maßnahmen zur Qualitätssicherung sei auf die Einbindung Externer bei
der Entwicklung neuer Formate bzw. Produkte, deren wissenschaftliche
Begleitung einschließlich Evaluierung sowie ein mit den anerkannten Trägern der
politischen Bildung vereinbartes System der Qualitätssicherung für die von der
BpB geförderten Bildungsmaßnahmen verwiesen.
Die Qualitätssicherung bei der Trägerförderung sowohl der politischen
Jugendbildung als auch seitens der BpB erfolgt dadurch, dass bei jedem eingehenden
Antrag geprüft wird, ob ein erhebliches Bundesinteresse besteht. Ebenfalls
werden jährlich alle eingehenden Verwendungsnachweise mit Sachberichten
geprüft, um eine Qualitätssicherung zu gewährleisten.
Die Sicherung der Qualität der Arbeit der BpB erfolgt darüber hinaus auch
durch den wissenschaftlichen Beirat der BpB.
In der lehrgangsgebundenen Ausbildung der Bundeswehr erfolgt die
Qualitätssicherung in Form einer internen Evaluation. Externe Expertise wird zudem
durch die Beteiligung am Netzwerk politische Bildung gewonnen.
Die BpB zahlt für fachlich höchst qualifizierte Arbeiten in Anlehnung an den
Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst einen Tagessatz von 225 bis 300 Euro.
Referenten, die im Rahmen des KJP tätig werden, erhalten je Kurstag pro Person
256 Euro nach Nummer III. 3.1 Absatz 2 Satz 2 der Richtlinien zum Kinder- und
Jugendplan des Bundes. Sofern die Bundeswehr bei den Vortragenden nicht auf
eigenes Personal zurückgreift, werden für externe Vortragende die in den
Richtlinien für die Gewährung von Vortragshonoraren an nebenamtlich oder
nebenberuflich Vortragende, die nicht dem Geschäftsbereich des BMVg angehören
(VMBl. 2003 S. 9) festgelegte Honorare gewährt. Die jeweilige Höhe des
Honorars ist von Qualifikation des Vortragenden und Inhalt der Vorträge abhängig.
Die Bundesregierung teilt nicht die Auffassung, dass unterschiedliche
Tagessätze problematisch sind.
39. Wird der Beutelsbacher Konsens in allen Angeboten politischer Bildung
aller Bundesministerien eingehalten?
Ja.
40. Welche Maßnahmen zur Qualitätssicherung der politischen Bildung
ergreifen die einzelnen Ressorts?
Auf die Antwort zu Frage 38 wird verwiesen.
41. Hat sich die neue Geschäftsführung des wissenschaftlichen Beirates der
Bundeszentrale für politische Bildung bewährt?
Gab es Abweichungen zwischen Empfehlungen des Beirates und den
Personalberufungen aus dem Bundesministerium des Innern (BMI)?
Laut Errichtungserlass vom 24. Januar 2001 beruft der BMI sachverständige
Personen in den wissenschaftlichen Beirat der BpB. Der Beirat kann Vorschläge
für die Berufung neuer Mitglieder unterbreiten. Dies ist auch bei den jüngst
vorgenommenen Neuberufungen der Fall gewesen. Unter Berücksichtigung der
Notwendigkeit, der BpB für die Erfüllung ihrer Aufgaben wissenschaftliche
Unterstützung umfassend und mit hoher Expertise zur Verfügung zu stellen, hat
der Bundesminister des Innern sein Berufungsrecht ausgeübt.
Nach Ablauf der Berufungszeit der früheren Vorsitzenden des
wissenschaftlichen Beirates hat der Beirat aus seinem Kreis einen neuen Vorsitzenden
gewählt, der bislang eine Sitzung des wissenschaftlichen Beirats geleitet hat. Eine
Bewertung der Arbeit dieses unabhängigen Beirates durch die Bundesregierung
findet nicht statt.
42. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die Arbeit und die Angebote
der Bundeszentrale für politische Bildung trotz der seit dem Jahr 2011
erfolgten Kürzung ihrer Mittel um 19 Prozent (ca. 5 Mio. Euro) in
mindestens gleicher Quantität und Qualität aufrechterhalten werden können?
Die BpB hat vor dem Hintergrund der notwendigen Haushaltskonsolidierung
seit 2011 eine umfassende Aufgabenkritik durchgeführt mit dem Ergebnis des
Rückbaus von zuwendungsbasierten Veranstaltungsformen, einer Reduzierung
des Engagements im Bereich Ausstellungen sowie einer Straffung des Print-
Angebotes u. a. durch eine besser nachfrageorientierte Steuerung der
Auflagenhöhen. Im Sinne einer strategischen Priorisierung wurden zugleich ein
moderater Ausbau der Webangebote, weitere Anstrengungen zur Erschließung
bildungs- und politikferner Zielgruppen sowie eine generelle Stärkung und
Weiterentwicklung partizipativer Ansätze in allen Produktbereichen vereinbart.
Der Mittelaufwuchs um jährlich 2 Mio. Euro für 2013 bis 2016 zur
Bekämpfung des Rechtsextremismus erlaubt der BpB jenseits der Mittelkürzungen
entsprechende Akzente zu setzen.
43. Wie sieht die Bundesregierung – in finanzieller Hinsicht – das Verhältnis
zwischen der Bundeszentrale und den politischen Stiftungen?
Ist es beabsichtigt, die Entwicklung der zugewiesenen Mittel an die
Bundeszentrale einerseits und die politischen Stiftungen (gemeinsam
genommen) andererseits, proportional aneinander zu koppeln?
Falls nicht, wie sind die teilweise erheblichen Unterschiede in der
Entwicklung der Etats zu rechtfertigen (vgl. D. F. Sturm, „Regierung päppelt
die Denkfabrik der Linkspartei“, WELT am SONNTAG vom 28.
November 2010)?
Die BpB und die politischen Stiftungen ergänzen sich in ihrem Auftrag,
politische Bildung zu betreiben, verfolgen jedoch auch eine unterschiedliche
Zielsetzung. Aufgabe der politischen Stiftungen ist dabei, insbesondere das breite
Spektrum der politischen Grundströmungen auf dem Boden der
freiheitlichdemokratischen Grundordnung zu repräsentieren.
Die Mittelausstattung der politischen Stiftungen gewährleistet, wie auch die
finanzielle Ausstattung der BpB, dass ihnen die Erfüllung ihrer jeweiligen
Aufgaben angemessen ermöglicht wird. Die Entscheidung über die
Mittelausstattung der politischen Stiftungen sowie der BpB obliegt dem
Haushaltsgesetzgeber. Dieser legt die finanzielle Ausstattung der politischen Stiftungen
sowie der BpB auf Grundlage eines Regierungsentwurfs im Rahmen
ausführlicher parlamentarischer Beratungen jährlich fest. Inwieweit der
Haushaltsgesetzgeber in seiner Abwägung die Mittelausstattung der beiden Institutionen
zueinander in Beziehung setzt, vermag die Bundesregierung nicht zu
beurteilen.
44. Wie haben sich seit dem Jahr 2000 die Mittel für die Förderung der
politischen Bildung durch alle Bundesressorts, darunter für die Bundeszentrale
für politische Bildung, differenziert nach eigenen Aktivitäten und der
Förderung der politischen Bildung der freien Träger, bis heute
entwickelt?
Welche Mittel wurden von den verschiedenen Bundesministerien unter
Einschluss des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung für
Öffentlichkeitsarbeit seit dem Jahr 2000 in den einzelnen Haushaltsjahren
ausgegeben?
Als Mittel für politische Bildung werden Mittel für solche Maßnahmen
verstanden, die darauf abzielen, Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das
demokratische Bewusstsein zu fördern und die Bereitschaft zur politischen
Mitarbeit zu stärken.
Mittel für Öffentlichkeitsarbeit, deren primäres Ziel es ist, der Öffentlichkeit
die, Aufgaben, Arbeitsweise und Anliegen der Bundesregierung zu vermitteln
und nahezubringen, sowie spezifische Informationen zur jeweiligen
Ressortpolitik zu verbreiten, werden nicht unter den Begriff der politischen Bildung
subsumiert und als Mittel für Öffentlichkeitsarbeit gewertet und ausgewiesen.
Zuwendungen für politische Bildung der politischen Stiftungen werden im
Hinblick auf die Übersichtlichkeit gesondert aufgeführt.
Bei den Mitteln der Ressorts für politische Bildung handelt es sich um
Planzahlen. Bei den Mitteln für Öffentlichkeitsarbeit werden in den Jahren 2012 und
2013 Planzahlen genannt.
Vom AA eingesetzte Mittel in T Euro*
* Anmerkung zu Spalte 1 und 2: Das AA unterstützt ganz überwiegend Maßnahmen im Ausland, nur zu einem geringen Anteil wird zur politischen
Bildung im Inland beigetragen. Die Zahlen wurden aus vorhandenem Datenbestand ermittelt und beruhen zum Teil auf Schätzungen des Anteils
an der Gesamtausgabe.
** Das AA fördert die gesellschaftspolitischen Aktivitäten aller sechs politischen Stiftungen in „Industriestaaten“ (USA, Europa, Japan). Einzelne
Maßnahmen können grundsätzlich auch im Inland durchgeführt werden. Entsprechende Zahlen sind aber nur teilweise und für die Jahre 2000 bis
2006 nicht mehr zu ermitteln.
Vom BMI eingesetzte Mittel in T Euro
Jahr Mittel für die
Förderung
politischer Bildung*
Gesellschaftspolitische
Maßnahmen der
polit. Stiftungen**
Ausgaben des AA für
Öffentlichkeitsarbeit
2000 2 001 517
2001 2 050 759
2002 1 452 696
2003 1 443 767
2004 1 406 766
2005 1 396 776
2006 1 066 1 012 686
2007 1 088 1 697 690
2008 1 309 1 142 680
2009 1 446 1 490 744
2010 1 751 1 094 641
2011 1 249 660 627
2012 1 279 932 800
2013 1 937 943 800
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger
Förderung der
Bildungsarbeit der politischen
Stiftungen
Ausgaben des BMI für
Öffentlichkeitsarbeit
2000 15 076 9 799 85 779 444
2001 15 339 9 711 85 779 604
2002 16 617 8 743 88 279 846
2003 17 732 8 603 87 000 458
2004 18 313 9 103 87 000 403
2005 18 400 7 097 87 000 463
2006 18 390 6 806 87 000 335
2007 18 285 6 806 89 849 344
2008 19 223 6 806 98 963 330
2009 19 723 6 806 94 958 346
2010 19 723 6 806 97 958 390
Vom BMVg eingesetzte Mittel in T Euro*
* Die Mittel für die politische Bildung werden bei Kap./Titel 1403 525 01/005 verbucht.
Vom BMFSFJ eingesetzte Mittel in T Euro
2011 18 686 6 288 97 958 390
2012 16 354 5 122 97 958 390
2013 17 923 5 806 99 958 390
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen der
freien Träger
Ausgaben des BMVG
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 4 000 3 400
2001 4 000 2 800
2002 4 000 2 800
2003 4 000 2 800
2004 4 000 2 800
2005 4 000 2 800
2006 4 000 2 400
2007 4 000 2 400
2008 4 000 2 500
2009 4 000 2 300
2010 4 000 2 4 00
2011 4 000 2 5 00
2012 4 000 2 600
2013 4 000 2 800
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger
Ausgaben des BMFSFJ
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 10 998 15 113 111
2001 26 072 12 782 122
2002 12 256 15 600 109
2003 12 142 15 500 109
2004 11 445 15 000 103
2005 11 267 15 000 109
2006 11 044 15 000 101
2007 11 123 15 000 102
2008 10 503 14 500 102
2009 19 978 14 000 99
2010 10 398 14 500 113
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger
Förderung der
Bildungsarbeit der politischen
Stiftungen
Ausgaben des BMI für
Öffentlichkeitsarbeit
Vom BMZ eingesetzte Mittel in T Euro
Vom BKM eingesetzte Mittel in T Euro
2011 11 642 4 500 113
2012 10 997 5 000 112
2013 11 031 5 000 115
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger
Ausgaben des BMZ
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 12 942 11 620 1979
2001 13 573 11 729 1974
2002 15 197 13 153 1 090
2003 18 270 15 015 1 010
2004 19 347 16 011 1910
2005 10 375 16 350 1720
2006 10 457 16 573 1809
2007 10 995 16 655 1909
2008 11 000 19 180 1807
2009 11 896 10 559 1771
2010 11 600 10 402 1898
2011 11 844 10 489 1 259
2012 17 600 11 418 1 029
2013 15 000 11 210 1 029
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung*
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger**
Ausgaben des BKM
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 7 758 1 958 33
2001 3 703 1 871 5
2002 3 252 2 150 26
2003 4 117 2 330 3
2004 3 653 2 268 21
2005 4 295 2 301 25
2006 6 210 2 384 5
2007 4 913 2 650 16
2008 4 315 2 555 10
2009 4 276 3 251 22
2010 4 269 2 810 17
2011 4 285 2 395 24
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger
Ausgaben des BMFSFJ
für Öffentlichkeitsarbeit
* Durch den BStU wurden nur die eindeutig der politischen Bildungsarbeit zuzuordnenden Personalkosten übermittelt
** Die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur reicht die angegebenen Mittel im Rahmen von Projektförderungen an Dritte aus
Die nachfolgend genannten Ressorts und Organisationseinheiten haben keine
Mittel für die Förderung politischer Bildung im oben erläuterten Sinne
eingesetzt.
Vom BMJ, BMF, BMAS eingesetzte Mittel in T Euro
** BMAS war in diesem Zeitraum aufgeteilt auf BMGS (Rechtsnachfolger BMG) und BMWA (Rechtsnachfolger BMWi)
Vom BMWi, BMELV eingesetzte Mittel in T Euro
2012 4 302 2 740 25
2013 4 310 2 516 25
Jahr Ausgaben des BMJ
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des BMF
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des BMAS
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 434 3 473 12 782
2001 638 3 858 12 805
2002 286 4 015 12 688
2003* 238 2 781 **
2004* 263 8 916 **
2005* 171 7 017 **
2006 71 5 054 4 326
2007 77 5 694 10 882
2008 83 5 191 8 012
2009 69 3 786 8 887
2010 90 2 886 8 016
2011 136 2 878 12 056
2012 170 1 949 9 000
2013* 138 4 800 9 300
Jahr Ausgaben des BMWi
für Öffentlichkeitsarbeit*
Ausgaben des BMELV
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 Liegt nicht mehr vor 1 155
2001 Liegt nicht mehr vor 1 164
2002 823 1 273
2003 2 408 899
2004 1 983 993
2005 2 900 1 098
2006 4 015 871
2007 2 259 1 010
2008 3 696 1 146
Jahr Mittel für die Förderung
politischer Bildung*
Förderung der politischen
Bildungsmaßnahmen
der freien Träger**
Ausgaben des BKM
für Öffentlichkeitsarbeit
* Kapitel 0911 Titel 542 01
Vom BMU, BMVBS und BMG eingesetzte Mittel in T Euro
Vom BMBF, BPA, und Beauftragten der Bundesregierung für Migration,
Flüchtlinge und Integration eingesetzte Mittel in T Euro
2009 2 392 1 104
2010 2 803 1 286
2011 2 843 1 349
2012 2 821 1 340
2013 3 033 1 350
Jahr Ausgaben des BMG
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des BMU
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des BMVBS
für Öffentlichkeitsarbeit
2000 1 663 148 1 298
2001 1 663 69 828
2002 1 467 118 880
2003 7 833 151 1 022
2004 8 900 134 1 159
2005 13 501 127 1 001
2006 7 995 132 1 066
2007 8 447 136 1 222
2008 9 237 129 1 176
2009 7 529 125 761
2010 6 059 140 896
2011 6 381 157 965
2012 4 884 144 1 108
2013 5 335 159 1 108
Jahr Ausgaben des BMBF
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des BPA
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des IntB
für Öffentlichkeitsarbeit*
2000 318 47 346 226
2001 375 47 887 102
2002 364 46 986 89
2003 383 17 942 155
2004 351 18 999 173
2005 138 18 153 174
2006 191 16 208 230
2007 282 15 354 222
2008 310 15 936 218
2009 246 14 416 222
Jahr Ausgaben des BMWi
für Öffentlichkeitsarbeit*
Ausgaben des BMELV
für Öffentlichkeitsarbeit
* 2000 bis 2006 im Haushalt des BMFSFJ, in 2012 bereits IST-Zahl
45. Welchen Stellenwert hat für die Bundesregierung die Absicherung einer
pluralistischen Struktur freier Träger der politischen Bildung durch die
Trägerförderung der Bundeszentrale für politische Bildung?
Die Bundesregierung misst der Arbeit der freien Träger politischer Bildung
hohe Bedeutung zu. Die freien Träger spielen eine wesentliche Rolle bei der
Realisierung der Ziele der politischen Bildung und sind ein Garant dafür, die
Angebote der politischen Bildung breiten und vielfältigen gesellschaftlichen
Gruppen und Schichten zugänglich zu machen.
Vor diesem Hintergrund leistet die Trägerförderung durch die BpB einen
wichtigen Beitrag zur pluralistischen Struktur der Trägerlandschaft der politischen
Bildung, da zu dem breit geförderten Trägernetz gewerkschaftliche,
konfessionell gebundene, parteinahe, themen- und zielgruppenorientierte Einrichtungen
und sogenannte freie Träger gehören.
2010 201 12 922 216
2011 260 16 740 252
2012 271 16 068 236
2013 370 16 740 266
Jahr Ausgaben des BMBF
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des BPA
für Öffentlichkeitsarbeit
Ausgaben des IntB
für Öffentlichkeitsarbeit*
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]