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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Bundeswehrreklame mit "Bw-Beachen" und Werbemaßnahmen der Bundeswehr im Bereich des Sports

Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr im Bereich des Sports, Austragung von Beach-Volleyball- und Beach-Soccer-Turnieren, Gesamtkosten und Nutzen der Veranstaltung &quot;Bw-Beachen 2013&quot;, Zahl der jugendlichen Bewerber, Speicherung personenbezogener Daten, Kooperationspartner, Planung weiterer Maßnahmen im Jugendmarketing-Bereich, Werbung an Sportveranstaltungsorten, Förderungen oder Partnerschaften mit anderen Sportvereinen, Kooperationen auf dem Gebiet des Personal- oder Öffentlichkeitsmarketings<br /> (insgesamt 17 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

21.06.2013

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/1379504. 06. 2013

Bundeswehrreklame mit „Bw-Beachen“ und Werbemaßnahmen der Bundeswehr im Bereich des Sports

der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan van Aken, Herbert Behrens, Christine Buchholz, Heidrun Dittrich, Nicole Gohlke, Annette Groth, Andrej Hunko, Harald Koch, Jens Petermann, Kathrin Vogler, Katrin Werner, Jörn Wunderlich und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Die Bundeswehr intensiviert ihre Bemühungen, durch die Austragung von Sportwettkämpfen bzw. die Kooperation mit Sportvereinen an Jugendliche heranzukommen und ihr Image zu verbessern.

So führt sie derzeit ihre Maßnahme „Bw-Beachen 2013“ durch, an der 1 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Beachvolleyball- und Beachsoccerturnieren teilnehmen sollen (www.bw-beachen.de/).

Die Teilnahmebedingungen sind insofern aufschlussreich, als dass sich ausschließlich 16- und 17-jährige Jugendliche mit deutscher Staatsbürgerschaft bewerben können, also solche, die bald zur Bundeswehr einberufungsfähig sind.

Ein Bundeswehrreklametruck wird ebenfalls eingesetzt. Die Absicht, mit dieser Maßnahme des „Jugendmarketings“, das Bewerberpotential aufzustocken, liegt damit auf der Hand.

Ebenso deutlich wird, dass die Bundeswehr an ihrem Konzept, durch die Verheißung von „Fun und Action“ Jugendliche zu erreichen, nichts geändert hat. Dabei hatte der Bundesminister der Verteidigung im Jahr 2012 auf einer Bundeswehrtagung (am 22. Oktober 2012 in Strausberg) gefordert, die Bundeswehr solle „bei der Nachwuchsgewinnung und im Auftreten nach außen nicht über den Soldatenberuf Illusionen verbreiten, als könne die Bundeswehr ein Leben wie auf einem Ponyhof bieten“.

Dennoch heißt es unter www.bw-beachen.de etwa bei der Beschreibung eines der zu gewinnenden Preise: „Der Sanitätsdienst der Bundeswehr nimmt euch mit zu einem Fun-Wochenende in der Elbmetropole Dresden. Hier erwarten euch Tage voller sportlicher und den Teamgeist fördernder Aktivitäten. Dazu gehören u. a. eine Paddeltour auf der Elbe, Bogenschießen, ein Besuch im Segway Park sowie ein Teamklettertraining im Dresdner Waldseilpark.“

Nach Auffassung der Fragesteller werden hierbei Illusionen über den Soldatenberuf verbreitet, die von der Suggestion eines Lebens auf dem Ponyhof nur graduell abweichen. Den Kindern und Jugendlichen gegenüber wird weder die Gefahr des Getötetwerdens noch des Tötens im Auslandseinsatz angesprochen.

In der jüngsten Vergangenheit werden die Fragesteller zudem auf die verstärkten Anstrengungen der Bundeswehr im Bereich des Sports aufmerksam. So hat die Bundeswehr eine „Partnerschaft“ mit dem Verein Hertha BSC, wird auf der Homepage des Berliner Fußballverbandes als „Förderer“ genannt, schaltet Anzeigen in Stadionmagazinen, betreibt Bandenwerbung und Anzeigen auf LED-Werbetafeln, teilweise mit Videospots.

Bei Hannover 96 tritt die Bundeswehr als „official supplier“ auf, Angaben aus der Zeitschrift der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen zufolge ist in diese Werbebemühungen auch der Hamburger Sportverein integriert („Militär-Offensive im Fußball“, www.dfg-vk.de/dateien/ZC-2013-01-WEB.PDF).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen17

1

Wie viele Jugendliche haben sich zur Teilnahme am „Bw-Beachen 2013“ beworben, und wie viele werden voraussichtlich tatsächlich teilnehmen?

2

Welche Gesamtkosten sind für das „Bw-Beachen“ in diesem Jahr eingeplant (bitte nach den wichtigsten Ausgabeposten aufgliedern)?

3

Welchen Nutzen erhofft sich die Bundeswehr von der Veranstaltung?

4

Werden die Jugendlichen neben Paddeltouren und Konzerten auch mit dem teilweise blutigen Alltag bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr konfrontiert, und wenn ja, sind Begegnungen mit

a) in Auslandseinsätzen verletzten Soldaten,

b) an posttraumatischen Belastungsstörungen leidenden Soldaten bzw.

c) Afghaninnen oder Afghanen, die von ISAF-Truppen verletzt wurden, geplant?

5

Wo genau werden die geforderten Daten der Anmelder (Alter, Anschrift, angestrebter Schulabschluss usw.) gespeichert, nachdem auf der Homepage Bw-Beachen jeglicher Hinweis darauf fehlt, was mit den Daten geschehen soll, für wie lange werden sie gespeichert, und welcher Personen- bzw. Behördenkreis kann diese Daten nutzen?

Inwiefern ist beabsichtigt, den Anmeldern Werbung der Bundeswehr zukommen zu lassen, und in welchem Umfang ist dies in der Vergangenheit geschehen?

6

Gibt es Kooperationspartner bei Bw-Beachen, und wenn ja, welche, und was sind deren jeweiligen Beiträge?

7

Welche weiteren Maßnahmen im Bereich des Jugendmarketings sind derzeit geplant (bitte unter Angabe von Ort und Datum), und falls es dabei jeweils Kooperationspartner gibt, welche sind dies, was sind deren jeweiligen Beiträge, und mit welchen Kosten wird kalkuliert?

8

Inwiefern macht sich die Bundesregierung die zitierte Aussage des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, zu eigen, die Bundeswehr solle im Auftreten nach außen keine „Ponyhof-Illusionen“ verbreiten?

a) Welche praktischen Konsequenzen hat die Bundeswehr bei Personalwerbung und Öffentlichkeitsmarketing daraus gezogen, und inwiefern prüft sie noch mögliche Konsequenzen?

b) Warum wird auch im Zusammenhang mit Bw-Beachen 2013 nach Auffassung der Fragesteller durchgehend das Bild von „Fun“ und „Action“ gezeichnet?

c) Werden Werbemaßnahmen, wie etwa das Bw-Adventure Camp im vergangenen Jahr, die den Jugendlichen „jede Menge Fun und Party“, „krasse Wasserwettkämpfe“ usw. angeboten haben, in Zukunft unterlassen?

9

Mit welchen Sportvereinen hat die Bundeswehr in Form von Trikotwerbung, Werbespots, Infoständen oder anderen Maßnahmen in den Jahren 2010, 2011, 2012 und 2013 (bislang) kooperiert (Art der Maßnahme sowie Namen der Sportvereine bitte pro Jahr komplett auflisten), und welche Kosten waren damit pro Jahr verbunden?

a) In wie vielen und welchen Stadien bzw. anderen Austragungsorten von Sportveranstaltungen hat die Bundeswehr in den Jahren seit 2010 jeweils Werbemaßnahmen durchgeführt (Bandenwerbung, Spots auf Leinwänden, Trucks, Infostände usw., bitte dazu den jeweiligen Vereinsnamen nennen)?

b) In wie vielen und welchen Stadien hat die Bundeswehr seit 2010 in Stadionzeitungen inseriert oder eigene redaktionelle Beiträge untergebracht (bitte dazu den jeweiligen Vereinsnamen nennen)?

Welche Kosten waren mit den jeweiligen Werbemaßnahmen konkret verbunden?

10

Welche weiteren Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit inklusive Personalwerbung und Marketing hat die Bundeswehr im Bereich des Sports seit 2010 durchgeführt (bitte jeweils die Orte, Vereinsnamen, Werbemittel und Kosten angeben)?

11

Seit wann ist die Bundeswehr „Förderer“ des Berliner Fußball-Verbandes e. V., und was genau bedeutet dies praktisch (bitte konkrete Maßnahmen der Förderung und damit verbundene Kosten für die Bundeswehr angeben)?

12

Seit wann ist die Bundeswehr „Partner“ von Hertha BSC, und was bedeutet das praktisch (bitte konkrete Maßnahmen der Partnerschaft und damit verbundene Kosten für die Bundeswehr angeben)?

13

Trifft es zu, dass die Bundeswehr „official supplier“ des Hamburger Sportvereins ist, und wenn ja, was bedeutet dies praktisch (bitte konkrete Maßnahmen und damit verbundene Kosten für die Bundeswehr angeben)?

14

Mit welchen anderen Sportvereinen hat die Bundeswehr „Partnerschaften“ oder „Förderungen“ vereinbart, und was bedeuten diese jeweils praktisch (bitte konkrete Maßnahmen und damit verbundene Kosten für die Bundeswehr angeben)?

15

Welchen Nutzen verspricht sich die Bundeswehr von solchen Förderungen oder Partnerschaften?

16

Welche konkreten Erfahrungen aus bisherigen Förderungen oder Partnerschaften hat die Bundeswehr bislang gemacht?

17

Mit welchen anderen Sportvereinen hat die Bundeswehr (weitere) Kooperationen im Bereich des Personal- oder Öffentlichkeitsmarketings (bitte jeweils Maßnahmen und Kosten angeben)?

Berlin, den 4. Juni 2013

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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