Elektrische Warmwasserbereitung
der Abgeordneten Eva Bulling-Schröter, Ralph Lenkert, Dorothee Menzner, Sabine Stüber und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Nach einer im März 2013 veröffentlichten Studie, die im Auftrag vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. erstellt wurde (Anwendungsbilanzen für die Endenergiesektoren in Deutschland in den Jahren 2010 und 2011, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Technische Universität München, Rheinisch- Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.), nimmt der Anteil des Stromverbrauchs für die elektrische Warmwasserbereitung am gesamten Stromverbrauch aller Endenergiesektoren stetig zu. Lag dieser 2008 noch bei 4,1 Prozent, so lag er 2011 bereits bei 5,1 Prozent, während der Anteil des elektrischen Stroms am Energieverbrauch für die Raumwärme im gleichen Zeitraum von 5,1 Prozent auf 2,9 Prozent zurückging. Bereits im Februar 2008 wurde in einer Studie im Auftrag der co2online gGmbH Berlin auf die ansteigende Nutzung der elektrischen Warmwasserbereitung berichtet und Vorschläge für ein geeignetes Förderprogramm zur Umstellung auf umweltfreundlichere und effizientere Alternativen gemacht (Umstellung der elektrischen Warmwasserbereitung auf umweltfreundliche Alternativen, IZES gGmbH – Institut für ZukunftsEnergieSysteme/Bremer Energie Institut – BEI).
In der genannten IZES/BEI-Studie wurden auch die Anteile der elektrischen Warmwasserbereitung in unterschiedlich beheizten Wohnungen (2006 noch insgesamt 7,2 Millionen Wohnungen) analysiert. Auffällig waren insbesondere die hohen Anteile in mit Fernwärme und Erdgas beheizten Wohnungen (15 Prozent bzw. 17 Prozent). Dies ist überraschend, eignen sich doch gerade Fernwärme und Gas für eine effiziente Warmwasserbereitung. Das macht gleichzeitig die Notwendigkeit und die Chancen von Umstellungen elektrischer Heizsysteme für Warmwasser deutlich.
Wie verschiedene Untersuchungen der Vergangenheit nahelegen, trägt die elektrische Warmwasserbereitung zu vermehrtem Kraftwerkseinsatz insbesondere von Kohlekraftwerken zu den Verbrauchs- und Lastschwerpunkten bei. Damit verbunden sind erhebliche Beiträge zum Ausstoß an klimaschädlichem CO2 und Luftschadstoffen in die Umwelt (2006: 34 Millionen Tonnen CO2 äquivalent, was 59 Prozent der gesamten Emission der Warmwasserbereitung entsprach).
Für die Nutzer der elektrischen Warmwasserbereitung liegen die Verbrauchskosten etwa vier- bis fünfmal so hoch, wie bei Warmwasserbereitungsanlagen auf der Basis von Erdgas- oder Fernwärme. Dies trifft besonders Menschen mit niedrigen Einkommen besonders hart.
Drucksache 17/14365 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Welche Ursachen sieht die Bundesregierung für den steigenden Anteil der elektrischen Warmwasserbereitung an der gesamtem Warmwasserbereitung, und wie schätzt sie diesen hinsichtlich des Klimaschutzes ein?
Welche Emissionen an klimaschädlichen Gasen und Luftschadstoffen sind mit der Anwendung der elektrischen Warmwasserbereitung verbunden?
Welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung zu ergreifen, um die Anwendungen der elektrischen Warmwasserbereitung zu reduzieren, insbesondere durch Hilfen zur Umstellung auf geeignete Alternativen, etwa wenn bereits Zentralheizungen auf der Basis von Fernwärme und Erdgas vorhanden sind?
Welche Rolle könnte nach Ansicht der Bundesregierung der vermehrte Einsatz von Blockheizkraftwerken bei der Ablösung der ineffizienten elektrischen Warmwasserbereitung spielen, und welche Schritte unternimmt die Bundesregierung, um dies zu fördern?
Welche Rolle kann nach Ansicht der Bundesregierung Warmwasserbereitung mit regenerativen Energien über Sonnenkollektoren und andere Formen regenerativer Energien spielen, und welche Schritte unternimmt die Bundesregierung, um diese sowohl beim Neubau als auch im Bestand auszubauen?
In wie vielen Wohnungen wurde nach Kenntnis der Bundesregierung 2010, 2011 und 2012 vorwiegend eine elektrische Warmwasserbereitung eingesetzt? Wie hoch sind in diesem Zeitraum jeweils die Anteile der Warmwasserbereitung aus Erdgas, Fernwärme, elektrischen Boilern, erneuerbaren Energien und anderen Quellen an der gesamten Warmwasserbereitung in Wohnungen?
Wie schätzt die Bundesregierung die finanzielle Belastung insbesondere von sozial schwachen Haushalten ein, welche durch die Nutzung der elektrischen Warmwasserbereitung im Vergleich mit anderen Alternativen entsteht?
Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um soziale Härten, die durch die Nutzung der elektrischen Warmwasserbereitung insbesondere vor dem Hintergrund von Strompreiserhöhungen entstehen, zu mildern bzw. zu vermeiden?
Wird die Bundesregierung angesichts der Belastungen von Mensch und Umwelt durch die Nutzung der elektrischen Warmwasserbereitung ihre Entscheidung, die Nachtspeicherheizungen unbegrenzt „weiterlaufen“ zu lassen, noch mal überdenken?