Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
14. Wahlperiode
Drucksache14/237
29. 12. 98
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Heidi Lippmann-Kasten, Carsten Hübner
und der Fraktion der PDS
— Drucksache 14/211 —
Förderung der Weltausstellung Expo 2000 aus Mitteln des Bundesministeriums
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Im Jahr 2000 wird in Hannover die Weltausstellung Expo 2000 stattfinden. Auch aus
dem Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung wird von den jährlich knapper werdenden Mitteln ein nicht unerheblicher
Teil für die Expo 2000 zur Verfügung gestellt. Insgesamt sollen aus diesem Haushalt
100 Mio. DM (Verpflichtungsermächtigungen) für die Präsentation von
Entwicklungsländern auf der Weltausstellung bereitgestellt werden. In den Jahren 1997 und
1998 wurden bereits in Vorbereitung der Beiträge der Länder der sog. Dritten Welt
10 Mio. DM aus dem Entwicklungshilfehaushalt bereitgestellt.
1. Mit welchen Ländern und internationalen Organisationen sind inzwischen
völkerrechtliche Verträge über die Teilnahme an der Expo 2000 abgeschlossen
worden (zum Stand 1. Dezember 1998)?
Über die Teilnahme an der Weltausstellung werden von Staaten und
internationalen Organisationen Teilnahmeverträge mit der Expo 2000
Hannover GmbH abgeschlossen. Bis zum 1. Dezember 1998 lagen 24
Teilnahmeverträge vor, darunter 8 Verträge mit Ländern, deren Teilnahme an der
Weltausstellung von der Bundesregierung durch unentgeltliche Beratung
oder einen Finanzierungsbeitrag gefördert wird: Angola, Äthiopien,
China, Côte d’Ivoire, Eritrea, Jordanien, Nepal und Usbekistan sowie mit
den Palästinensischen Gebieten, deren Teilnahme an der Expo 2000 von
der Bundesregierung ebenfalls gefördert wird.
2. Wie sieht die Planung der noch offenen Verpflichtungsermächtigungen für die
kommenden Jahre für die Expo 2000 in Höhe von 90 Mio. DM aus?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 28. Dezember 1998 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) hat der Deutschen Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit GmbH (GTZ) im Dezember 1996 einen Auftrag zur
Umsetzung des Entwicklungspolitischen Beitrags in Höhe von 100 Mio. DM
erteilt. Die Verpflichtungsermächtigung wurde in Barmittel umgewandelt,
die sich einschließlich von Ausgaberesten aus den Vorjahren für die
kommenden Jahre auf rd. 92,5 Mio. DM belaufen. Offene
Verpflichtungsermächtigungen bestehen somit nicht.
Die Planung sieht vor, daß rd. 68,3 Mio. DM für Finanzierungsbeiträge und
Beratungsleistungen an ärmere Länder verwendet werden. Rund 13,4 Mio.
DM sind für die Identifikation, Aufbereitung und Darstellung
Internationaler Weltweiter Projekte und für entwicklungspolitisch relevante
Beiträge insbesondere im Themenpark vorgesehen; rd. 7 Mio. DM für
Veranstaltungen mit entwicklungspolitischer Bedeutung in zeitlichem und
örtlichem Zusammenhang mit der EXPO 2000 und rd. 3,8 Mio. DM für die
Steuerungskosten der Durchführung.
3. Für welche konkreten Maßnahmen wurden die bisher in den Haushalten 1997 und
1998 eingestellten Gelder verwandt?
Bis zum 15. Dezember 1998 wurden Mittel in Höhe von 7,48 Mio. DM in
Anspruch genommen. Auf die Beratung der Entwicklungsländer und der
MOE-Staaten entfielen hiervon rd. 4 Mio. DM, für die Identifikation und
Aufbereitung Weltweiter Projekte und Beiträge für den Themenpark rd.
0,7 Mio. DM, für Veranstaltungen 80 000 DM sowie für die Steuerung des
Entwicklungspolitischen Beitrags rd. 2,7 Mio. DM.
Konkrete Maßnahmen waren im wesentlichen:
im Falle der Länderberatung:
— Beratung zur Erarbeitung des inhaltlichen Konzeptes („Theme
Statement“),
— Beratung zur Vorbereitung des gestalterischen Konzeptes
(„Ausstellungsprojektierung“) und der Planung dessen Ausführung,
— Durchführung von Ausschreibungen zu Ausstellungsprojektierung und
Ausführungsplanung;
im Falle des Programms Weltweite Projekte und Themenpark:
— Akquisition von Weltweiten Projekten in Partnerländern des BMZ,
— Aufbereitung der eingegangenen Bewerbungen für bislang drei Jury-
Runden,
— Beratung der Partner in weitergehenden Fragen,
— Abstimmung mit der Expo 2000 Hannover GmbH über die
Themenzellen im Themenpark zu Weltweiten Projekten in
Entwicklungsländern und MOE-Staaten;
im Kultur- und Veranstaltungsprogramm:
— fachliche Vorbereitung des Global Dialogues zum Thema
Grundbedürfnisse („Challenging Poverty through Social Innovations“),
— Vorbereitung einer Tagung „Debate 21“ durch WEED und
Germanwatch,
Drucksache 14/237 Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode– 2 –
— Nachbereitung einer Tagung des Verbands Entwicklungspolitik
deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) zum Themenpark.
4. Wie wird die Partizipation der teilnehmenden Entwicklungsländer an der
Konzipierung, Vorbereitung der jeweiligen Ausstellungspräsentation gewährleistet
(bitte länder- und problembezogene Darstellung)?
Die Frage nach der Partizipation der teilnehmenden Entwicklungsländer
und MOE-Staaten an der Konzeption und Vorbereitung ihrer Expo-
Teilnahme stellt sich nicht, da diese ausschließlich dem jeweiligen
teilnehmenden Land obliegen. Nur auf ausdrücklichen Wunsch und
schriftlichen Antrag gewährt das BMZ durch die GTZ förderberechtigten
Ländern eine unentgeltliche Beratung (inhaltlich und gestalterisch) hinsichtlich
ihrer Teilnahme an der Weltausstellung.
Von den 94 förderberechtigten Ländern haben bisher 85 ihre Teilnahme an
der Expo 2000 zugesagt. Davon haben 83 einen Beratungsantrag gestellt.
5. Inwieweit wird die Privatwirtschaft in die Realisierung der Präsentation für
Entwicklungsländer mit einbezogen?
Die Privatwirtschaft wird bei der Realisierung der Präsentation vieler
Entwicklungsländer und MOE-Staaten ebenso wie anderer Länder
einbezogen. Ob und in welchem Maß dies der Fall ist, liegt in der
Entscheidung des jeweiligen Landes.
6. Gibt es Vorgaben von Sponsoren aus der Privatwirtschaft, welche die
Selbstdarstellung teilnehmender Länder, insbesondere teilnehmender Entwicklungsländer,
beeinflussen?
Bezüglich der von der Bundesregierung geförderten Länder sind derartige
Vorgaben nicht bekannt.
7. Worin sieht die Bundesregierung Aspekte für eine nachhaltige Wirkung der
Präsentation der Entwicklungsländer auf der Ausstellung Expo 2000?
Zu den Zielen und Aufgaben dieser Weltausstellung heißt es in der
„Allgemeinen Ausstellungsordnung für die Weltausstellung Expo 2000 in
Hannover“ (verabschiedet von der Generalversammlung des Bureau
International des Expositions, der für Weltausstellungen zuständigen
internationalen Organisation, am 7. Dezember 1994):
„Die Expo 2000 mit dem Thema ,Mensch–Natur–Technik‘ soll die
zentralen Zukunftsfragen der Menschheit an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts thematisieren. Sie soll ein Signal für Menschen, Unternehmen,
Organisationen und Nationen sein, gemeinsam über staatliche Grenzen
hinweg an den globalen Herausforderungen der Zukunft zu arbeiten . . .
Teilnehmende Nationen sollen ihre Lösungsansätze und die praktische
Auseinandersetzung mit den zentralen Zukunftsfragen der Menschheit
demonstrieren.“
Drucksache 14/237Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 3 –
Dies gilt insbesondere auch für die Entwicklungsländer und die MOE-
Staaten – die mehr als zwei Drittel der teilnehmenden Staaten ausmachen
– da sie für die spezifischen Herausforderungen und Probleme, denen sie
z. B. bei der Armuts- und Wüstenbekämpfung, dem Klimaschutz oder der
Ernährungssicherung gegenüberstehen, eigene, angepaßte
Lösungsansätze entwickelt haben.
Die Expo 2000 mit ihrer inhaltlichen Orientierung am Prinzip der
nachhaltigen Entwicklung bietet das geeignete Forum, diese der
Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Eine nachhaltige Wirkung der Präsentation der Entwicklungsländer und
MOE-Staaten wird auch von der Darstellung der sog. Weltweiten
Projekte, die teils im Rahmen nationaler Präsentationen oder regionaler
Gemeinschaftspräsentationen, teils im Haus der Weltweiten Projekte oder im
Themenpark dargestellt werden, ausgehen.
8. Welche Nachbereitungsmaßnahmen und -programme zur Expo 2000 sind für die
Entwicklungsländer geplant?
Zum jetzigen Zeitpunkt sind derartige Nachbereitungsmaßnahmen und
-programme noch nicht planbar, da diese nur auf der Basis der detaillierten
inhaltlichen und gestalterischen Ausstellungskonzepte der Länder
angegangen werden können.
9. Welche Durchführungsorganisationen und private Träger sind an der Umsetzung
der Präsentation der Entwicklungsländer auf der Weltausstellung beteiligt (bitte
einzeln aufzählen, einschließlich Art des Länder- bzw. Themenprojektes)?
Die GTZ unterstützt als Auftragnehmer der Bundesregierung
Entwicklungsländer sowie MOE-Staaten bei ihrer Präsentation auf der Expo 2000.
Zudem werden einheimische Nichtregierungsorganisationen von der GTZ
direkt angesprochen und über die Teilnahmemöglichkeiten an der Expo
2000 informiert. Um die Regierungen zu einer Einbeziehung privater
einheimischer Träger bei der Vorbereitung und Umsetzung ihrer
Präsentationen zu ermutigen, unterstützt die Bundesregierung die Aufnahme
Weltweiter Projekte von privaten Trägern in nationale Präsentationen und
Gemeinschaftspräsentationen mehrerer Staaten durch Finanzzuschüsse.
Darüber hinaus wirken Vorfeldorganisationen wie die Carl Duisberg
Gesellschaft (CDG), der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), die Deutsche
Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), das Deutsche Institut
für Entwicklungspolitik (DIE), die Deutsche Stiftung für Internationale
Entwicklung (DSE) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW ebenso
wie der Verband Entwicklungspolitik deutscher
Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und einzelne private deutsche Träger bei der
Vorbereitung und Umsetzung anderer Expo-Programme mit Bezug auf
Entwicklungsländer und MOE-Staaten mit. So qualifiziert z. B. die CDG 24
Nachwuchsführungskräfte aus Entwicklungsländern in einem eigenen, fast
zweijährigen Fortbildungsprogramm dazu, verantwortliche Aufgaben in
den nationalen Präsentationen wahrnehmen zu können.
Drucksache 14/237 Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode– 4 –
10. Wie viele der aus dem Entwicklungshilfehaushalt bereitgestellten Mittel werden
für
— Beratung,
— Personalkosten der Durchführungsorganisationen,
— Exponataufbau,
— Teilnahme von Repräsentanten aus den Entwicklungsländern
veranschlagt?
Für Beratung der Entwicklungsländer und der MOE-Staaten werden
insgesamt rd. 20 Mio. DM, für Personalkosten der
Durchführungsorganisationen ca. 4 Mio. DM veranschlagt. Der Aufbau der Exponate ist Teil
der förderfähigen Kosten für die Länderpräsentationen, für die insgesamt
52,3 Mio. DM vorgesehen sind. Die Mittel für den Exponatenaufbau
können daher nicht im voraus spezifiziert werden.
Die Bezuschussung von Reisekosten von offiziellen Repräsentanten
wurde im Rahmen der Förderung der Teilnahme von Entwicklungsländern
und internationaler Organisationen von der Bundesregierung ausdrücklich
ausgeschlossen. Im übrigen siehe Antwort zu Frage 11.
11. Durch welche Repräsentanten werden die Entwicklungsländer vertreten sein?
Ist die Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Kräften vorgesehen, und wird diese
durch die eingesetzten Mittel der Bundesregierung gefördert?
Es ist in die Entscheidung der Regierungen der teilnehmenden Staaten
gestellt, durch welche offiziellen Repräsentanten das Land auf der Expo
2000 vertreten sein wird. Die Bundesregierung nimmt keinen Einfluß auf
die Auswahl des Personenkreises. Nach den Erfahrungen früherer
Weltausstellungen ist damit zu rechnen, daß zahlreiche Staatsoberhäupter und
Regierungsmitglieder aus Entwicklungsländern und MOE-Staaten die
Expo 2000 besuchen werden.
Das Programm Weltweite Projekte sowie die sog. Global Dialogue Events
sehen die Beteiligung von Vertretern von Nichtregierungsorganisationen,
aus der Wissenschaft und aus dem Kulturbereich vor. Die Teilnahme von
Vertretern aus Entwicklungsländern und MOE-Staaten an diesen sowie
sonstigen entwicklungspolitisch relevanten Veranstaltungen wird durch
die eingesetzten Mittel gefördert werden.
12. Ist bei der Planung für die Teilnahme der Entwicklungsländer an der
Weltausstellung auch berücksichtigt, Besuche zur Weltausstellung aus den
Entwicklungsländern zu ermöglichen?
Wenn ja, in welchem Umfang?
Für welchen Personenkreis?
Siehe Antwort zu Frage 11.
13. Welche internationalen Fachtagungen mit entwicklungspolitischem Bezug
werden mit der Unterstützung der Bundesregierung im Rahmen der Expo 2000
geplant bzw. sind bereits konzipiert (bitte Auflistung nach Termin, Thema und
durchführender Organisation bzw. Trägerorganisation)?
Drucksache 14/237Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 5 –
Bisher sind folgende Veranstaltungen geplant bzw. konzipiert:
Titel der Veranstaltung Termin der Veranstaltung Durchführende
Organisation
Hannover Forum 1999
zum Thema „Bevölkerung
und nachhaltige
Entwicklung“
16. – 18. 11. 1999 Deutsche Stiftung für
Internationale Entwicklung
in Zusammenarbeit mit
der Deutschen Stiftung
Weltbevölkerung
Global Dialogue Event
„Quest for responsible
governance: International
disorder, mutual
accountability and social justice
28. – 30. 06. 2000 Society for International
Development
UN-Weltkonferenz
Urban 21
04. – 06. 07. 2000 Bundesamt für Bauwesen
und Raumordnung im
Auftrag des
Bundesministeriums für Verkehr,
Bau- und Wohnungswesen
Global Dialogue Event
Challenging Poverty
through Social
Innovations
25. – 27. 07. 2000 GTZ in Zusammenarbeit
mit DIE, UNDP, VENRO,
NRO-Netzwerken aus
Afrika, Asien und
Südamerika im Auftrag des
Bundesministeriums für
wirtschaftliche
Zusammenarbeit und
Entwicklung
Debate 21: Instrumente
zur Steuerung
zukunftsfähiger Entwicklung
Noch nicht bestimmt German Watch e. V./
WEED e. V.
Drucksache 14/237 Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode– 6 –]