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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Fachkräfte im Bereich Reaktorsicherheit und der Beschluss zum Ausstieg aus der Kernkraft (G-SIG: 14011293)

Studierende und Absolventen in den Fächern Reaktortechnik, Reaktorphysik, Strahlentechnik etc. an deutschen Hochschulen, Personalbedarf bis 2021, Neubesetzung von Lehrstühlen, Ausbildungsreaktoren, Konsequenzen aus dem Rückgang des Wissenschaftspotentials

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

23.08.2000

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher Bundestag14/385505. 07. 2000

Fachkräfte im Bereich Reaktorsicherheit und der Beschluss zum Ausstieg aus der Kernkraft

der Abgeordneten Ulrike Flach, Cornelia Pieper, Birgit Homburger, Horst Friedrich (Bayreuth), Hildebrecht Braun (Augsburg), Rainer Brüderle, Ernst Burgbacher, Jörg van Essen, Hans-Michael Goldmann, Joachim Günther (Plauen), Dr. Karlheinz Guttmacher, Klaus Haupt, Ulrich Heinrich, Walter Hirche, Dr. Werner Hoyer, Ulrich Irmer, Dr. Heinrich L. Kolb, Gudrun Kopp, Günther Friedrich Nolting, Hans-Joachim Otto (Frankfurt am Main), Detlef Parr, Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Marita Sehn, Dr. Hermann Otto Solms, Carl-Ludwig Thiele, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der F.D.P.

Vorbemerkung

Schon seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Lehrstühle an Universitäten und Fachhochschulen, die sich mit Fragen der Reaktortechnik, Reaktorphysik, Reaktorsicherheit, Radiochemie und Strahlentechnik beschäftigen. Heute gibt es noch ca. 30 Professorenstellen in Deutschland für diese Fächer; bis zum Jahr 2005 werden etwa die Hälfte davon wegen Emeritierung wegfallen, bis zum Jahr 2010 acht weitere. Die Anzahl der Studierenden in diesen Fächern geht rapide zurück. Der Ausstieg aus der Nutzung der Kernkraft, den die Bundesregierung beschlossen hat, wird kaum dazu führen, diese Fächer für Studierende attraktiver zu machen.

Wir fragen deshalb die Bundesregierung:

Fragen14

1

Wie viele Studierende und Absolventen gab es nach Kenntnis der Bundesregierung 1999 in den Fächern Reaktortechnik, Reaktorphysik, Strahlentechnik, Radiochemie und anderen für die Bedienung, Reparatur und Wartung von Kernkraftwerken wichtigen Fächern an deutschen Universitäten und Fachhochschulen?

2

Teilt die Bundesregierung die Ansicht, dass pro Jahr eine Absolventenzahl von 100 bis 150 Personen benötigt wird, um die aus Altersgründen ausscheidenden Fachkräfte zu ersetzen?

3

Wie wird sich nach Meinung der Bundesregierung der Personalbedarf vor dem Hintergrund des Beschlusses zum Ausstieg aus der Nutzung der Kernkraft bis zum Jahr 2021 entwickeln?

4

Gedenkt die Bundesregierung, z. B. im Rahmen von Bund-Länderreferentenbesprechungen, gegenüber den Bundesländern anzuregen, Neubesetzungen von Lehrstühlen in den genannten Fachbereichen vorzunehmen?

5

Teilt die Bundesregierung die Ansicht, dass bei Unfällen in Kernkraftwerken, z. B. Harrisburg, Tschernobyl oder Tokai-Mura, gerade das Fehlen von Führungskräften mit wissenschaftlichem Hintergrund zu einem höheren Schaden geführt hat?

6

Was wird die Bundesregierung unternehmen, um die Zahl der Ausbildungsreaktoren (1995 14 Reaktoren, im Jahr 2005 voraussichtlich vier Reaktoren) auf einem für eine sinnvolle Ausbildung von Wissenschaflern notwendigen Niveau zu halten?

7

Plant die Bundesregierung eine weitere Absenkung der Mittel für die Kernforschung, z. B. bei den Forschungszentren in Karlsruhe und Jülich?

8

Welche Konsequenzen hat der Rückgang des Wissenschaftlerpotentials für die deutsche Forschung zur physikalischen Verwandlung (Transmutation) von hochgiftigem Atommüll?

9

Geht die Bundesregierung davon aus, dass das gegenwärtig hohe Sicherheitsniveau in deutschen Kernkraftwerken trotz des sich abzeichnenden Mangels an Fachkräften gehalten werden kann?

10

Plant die Bundesregierung, ausländische Reaktorexperten mittels Green Card nach Deutschland zu holen?

11

Wenn ja, wie kann sichergestellt werden, dass diese Experten mit Typ, Bauart und spezifischen Merkmalen deutscher Kernkraftwerke vertraut sind?

12

Wie gedenkt die Bundesregierung vor dem Hintergrund des Bauses und des Betriebes von 35 Kernkraftwerken in Russland die bisherige Technologieführerschaft deutscher Unternehmen in Entwicklung, Bau, Betrieb und Reaktorsicherheit zu wahren?

13

Wie wird sich der Mangel an deutschen Experten auf den Einfluss der Bundesregierung bei der Durchsetzung internationaler Sicherheitsstandards bei Kernkraftwerken auswirken?

14

Welchen Einfluss hat der sich abzeichnende Mangel an deutschen Experten für die deutsche Position innerhalb der EU-Zusammenarbeit im Hinblick auf das 6. EU-Rahmenprogramm zur Forschungspolitik?

Berlin, den 4. Juli 2000

Ulrike Flach Cornelia Pieper Birgit Homburger Horst Friedrich (Bayreuth) Hildebrecht Braun (Augsburg) Rainer Brüderle Ernst Burgbacher Jörg van Essen Hans-Michael Goldmann Joachim Günther (Plauen) Dr. Karlheinz Guttmacher Klaus Haupt Ulrich Heinrich Walter Hirche Dr. Werner Hoyer Ulrich Irmer Dr. Heinrich L. Kolb Gudrun Kopp Günther Friedrich Nolting Hans-Joachim Otto (Frankfurt am Main) Detlef Parr Dr. Edzard Schmidt-Jortzig Marita Sehn Dr. Hermann Otto Solms Carl-Ludwig Thiele Dr. Wolfgang Gerhardt und Fraktion

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