[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Nicole Bauer, Frank Sitta,
Dr. Gero Clemens Hocker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/30070 –
Ökonomische und ökologische Landwirtschaft durch moderne Technologien
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Anforderungen an die Landwirtschaft im Hinblick auf den Schutz von
Boden, Flora und Fauna steigen. Ursache hierfür sind nicht nur die zunehmenden
gesellschaftlichen Erwartungen. Vielmehr liegt es im ureigenen Interesse der
Landwirtschaft selbst, die Bodenfruchtbarkeit ebenso wie im natürlichen
Gleichgewicht stehende Ökosysteme zu erhalten und zu fördern, um so
langfristig die Erträge zu sichern und resilienter gegenüber Herausforderungen wie
dem Klimawandel zu werden.
Aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller ist es hier wenig hilfreich,
den Handlungsspielraum der Landwirte durch immer neue Verbote weiter
einzuschränken. Vielmehr sind innovative Lösungsansätze gefragt, die es
ermöglichen, Ökonomie und Ökologie zu vereinen, statt gegeneinander
auszuspielen.
Eine solche vielversprechende Technologie sehen die Fragestellerinnen und
Fragesteller in einer neuartigen Pflug-Sä-Kombination (Süß, Helmut: Der
erste Pflug, der säen kann, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt,
21. März 2019,
https://www.wochenblatt-dlv.de/feld-stall/landtechnik/erste-pf
lug-saeen-552586, letzter Aufruf: 2. März 2021, 8.30 Uhr).
Diese ermöglicht es zum einen, Zwischenfrüchte, statt wie sonst üblich mit
zweistufiger Bodenbearbeitung und anschließender Aussaat, in nur einem
Arbeitsgang zu etablieren. Denn mit dem neuen Gerät wird das Saatgut direkt
beim Pflügen ausgebracht. Dadurch ist nur eine Überfahrt notwendig, was
Arbeitszeit, Kraftstoffverbrauch, Bodenbelastung und Wasserverdunstung
reduziert. Außerdem bleibt die raue Scholle erhalten, was Vorteile wie eine
geringere Bodenerosion, die Vermeidung der Bodenverschlämmung, eine bessere
Frostgare sowie eine schnellere Bodenabtrocknung mit sich bringt.
Zum anderen ermöglicht das System dank zwei getrennter Saatguttanks die
Saatgutablage in zwei unterschiedlichen Tiefen. So können die Anforderungen
der verschiedenen Komponenten einer Zwischenfruchtmischung an die
Saattiefe optimal erfüllt werden, was ein zügiges Auflaufen sowie die damit
einhergehende schnellere Bodenbedeckung und stärkere Unkrautunterdrückung
fördert.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/30280
19. Wahlperiode 03.06.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 3. Juni 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Alles in allem handelt es sich also um ein sehr praxistaugliches Verfahren, mit
dem bodenschonend und zugleich wirtschaftlich Zwischenfruchtmischungen
etabliert werden können, die von großer ökologischer Bedeutung sind.
1. Plant die Bundesregierung, die Pflug-Sä-Kombination, also Geräte, mit
denen in nur einem Arbeitsgang gepflügt und gleichzeitig eine
Zwischenfrucht-Mischung gesät werden kann (vgl. Süß, Helmut: Der erste
Pflug, der säen kann, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt,
21. März 2019,
https://www.wochenblatt-dlv.de/feld-stall/landtechnik/erst
e-pflug-saeen-552586, letzter Aufruf: 2. März 2021, 8.30 Uhr), zu fördern,
und wenn ja, in welchem Umfang?
Die Bundesregierung plant derzeit keine Förderung derartiger Pflug-Sä-
Kombination. Sä-Kombinationen sind in der Praxis bereits weit verbreitet.
2. Welche anderen bereits praxisreifen innovativen Technologien für den
Ackerbau sind der Bundesregierung bekannt, mit denen sich ökonomische
und ökologische Vorteile vereinen lassen?
Die Bundesregierung hat seit 1995 zahlreiche Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben gefördert, in denen innovative Technologien im Ackerbau untersucht
wurden. Dazu gehörten Projekte zur
– Vermeidung von Bodenerosion durch konservierende Bodenbearbeitung,
– Bodenschonung und Kosteneinsparung,
– Vorsorge zur Erhaltung des standorttypischen Humusgehaltes,
– Anpassung der mechanischen Belastung durch Maschinen an die
Verdichtungsempfindlichkeit von Böden.
3. Wie sehen in den Augen der Bundesregierung nachhaltige
Bodenbearbeitungs- und Saattechniken der Zukunft aus, mit denen gleichzeitig die
Böden geschützt und auf wirtschaftliche Weise sichere Erträge erzielt
werden können?
Nachhaltige Bodenbearbeitungs- und Saattechniken bringen aus Sicht der
Bundesregierung Bodenschutzaspekte, Umweltschutz und Rentabilität unter
besonderer Berücksichtigung der standörtlichen Gegebenheiten und Ansprüche der
Kulturen in Einklang.
Der Bodenbearbeitung sollte zunächst ein ausgewogenes
Nacherntemanagement vorangestellt werden, bei dem die Reststoffe der Vorfrüchte gesondert
behandelt werden. Soweit möglich sollten nichtwendende
Bodenbearbeitungsverfahren mit standortspezifischer Lockerung eingesetzt werden, die ganzflächig
oder streifenweise (Strip-Till) bis hin zur Direktsaat erfolgen.
4. Welche Projekte zur Entwicklung innovativer und zugleich
umweltschonender Verfahren für den Ackerbau fördert die Bundesregierung (bitte mit
jeweiligem finanziellem Umfang der Förderung aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung fördert Projekte, die über Einzelkornsaat und
Gleichstandssaat den Standraum der Einzelpflanze gezielt betrachten. Dies soll auch
vor dem Hintergrund der Reduzierung von chemischem Pflanzenschutz und
Düngemitteln eine Ertragssicherung garantieren. Auch werden im Sinne der
Bodenschonung und des Bodenschutzes regionale Befahrbarkeitstage aus dem
langfristigen Wettergeschehen und der einzusetzenden Technik entwickelt.
Projekte aus den verschiedenen Förderprogrammen sind als Anlage in Form von
Projektlisten beigefügt.*
5. Plant die Bundesregierung, den Einsatz von besonders bodenschonenden
und umweltverträglichen Geräten für den Pflanzenbau zu fördern?
Die Bundesregierung fördert bereits Geräte im Pflanzenbau, wie
Reifendruckregelanlagen, emissionsarme Gülleverteiltechniken, intelligente Düngerstreuer
und Bausteine für Präzisionslandwirtschaft, um Teilflächen entsprechend ihrem
Ertragspotential ressourcenschonend zu bewirtschaften. Hier werden im
Rahmen der Investitionsprogramme weitere zukunftsweisende Aspekte zu fördern
sein.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 19/30280 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
Drucksache 19/30280 – 4 – Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
Drucksache 19/30280 – 6 – Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
Drucksache 19/30280 – 8 – Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode
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