BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Evaluierung und Verbesserung des Ausländerstudiums in Deutschland (G-SIG: 14012647)

Werbung für ein Studium in Deutschland, Mangel an Wohnheimplätzen, Herkunftsländer der ausländischen Studenten, Studienerfolge, Studienfächer, Betreuung, Gründe für ein Studium in Deutschland, fremdsprachige Studienangebote, ausländische Gastprofessoren an deutschen Hochschulen, Bedeutung der Goethe-Institute und der deutschen Schulen im Ausland für die Anwerbung, Betreuung ehemaliger Studenten, berufliche Werdegänge, Schwierigkeiten bei der Erteilung von Visa

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

15.03.2002

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 14/832020. 02. 2002

Evaluierung und Verbesserung des Ausländerstudiums in Deutschland

der Abgeordneten Ulrike Flach, Cornelia Pieper, Birgit Homburger, Horst Friedrich (Bayreuth), Ina Albowitz, Hildebrecht Braun (Augsburg), Rainer Brüderle, Ernst Burgbacher, Jörg van Essen, Hans-Michael Goldmann, Dr. Karlheinz Guttmacher, Klaus Haupt, Ulrich Heinrich, Walter Hirche, Dr. Werner Hoyer, Dr. Heinrich L. Kolb, Jürgen Koppelin, Ina Lenke, Dirk Niebel, Günther Friedrich Nolting, Hans-Joachim Otto (Frankfurt), Detlef Parr, Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Gerhard Schüßler, Dr. Irmgard Schwaetzer, Dr. Hermann Otto Solms, Carl-Ludwig Thiele, Dr. Dieter Thomae, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

1998 waren laut 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes 11 % aller an deutschen Hochschulen eingeschriebenen Studierenden Ausländer. Davon sind etwa 34 % so genannte Bildungsinländer, also Studenten, die in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind. Damit waren nur 7,2 % der Studierenden aus einem anderen Land. Zurzeit wird – zum Beispiel vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen von „GATE“ – verstärkt im Ausland für das Studium in Deutschland geworben. Die FDP begrüßt diese Werbung grundsätzlich. Es liegen jedoch nur wenige Zahlen vor, die darüber Auskunft geben, wie erfolgreich ausländische Studierende (Bildungsinländer ausgeschlossen) in ihren deutschen Studiengängen sind.

Eine Stichprobe an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ergab, dass von den Anfängern des Jahrgangs 1994/1995 nach sechs Jahren (2000) in Diplomstudiengängen 18 % der Deutschen, aber nur 10 % der Ausländer ihr Studium abgeschlossen hatten.

Es scheint daher nötig, die Lage der ausländischen Studierenden zu evaluieren und ihnen an den Hochschulen mehr Beachtung zu schenken, um ihnen einen möglichst zeitnahen Studienabschluss zu ermöglichen.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen35

1

Wie passt es zusammen, dass über den DAAD im Ausland massiv Werbung für ein Studium in Deutschland gemacht wird, in Deutschland aber nach Aussagen des Deutschen Studentenwerkes mindestens 21 000 Wohnheimplätze fehlen?

2

Ist die Bundesregierung der Meinung, dass angesichts dieses Mangels an Wohnheimplätzen im Haushalt 2002 ausreichend Haushaltsmittel für den Bau von Studentenwohnheimen ausgegeben werden?

3

In welcher Höhe plant die Regierung zukünftig den Bau von Wohnheimen zu fördern?

4

Ist die Bundesregierung bereit, Haushaltsmittel für eine Evaluation der Lage der ausländischen Studierenden in Deutschland bereitzustellen?

5

Woher kommen die in Deutschland studierenden Ausländer (bitte nach Ländern aufschlüsseln)?

6

Wie viele der ausländischen Studierenden haben im Wintersemester 2001/ 2002 einen Abschluss gemacht?

7

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, innerhalb welchen Zeitraums die ausländischen Studierenden diesen Abschluss gemacht haben (bitte nach Fächern aufschlüsseln)?

8

Liegen der Bundesregierung Zahlen darüber vor, wie viele ausländische Studierende seit 1998 ohne einen Abschluss in ihr Heimatland zurückgekehrt sind?

9

Welche Fächer studieren die ausländischen Studierenden schwerpunktmäßig?

10

Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Dauer des Studiums und der Häufigkeit von Abschlüssen zwischen Studierenden aus EU-Ländern und Studierenden aus Nicht-EU-Ländern?

11

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die Zahl und die Schnelligkeit der Abschlüsse ausländischer Studierender zu erhöhen?

12

Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen der Betreuung ausländischer Studierender, der Herkunft der Studierenden, der Unterkunft der Studierenden in einem Wohnheim einerseits und der Dauer des Studiums andererseits?

13

Wie teilen sich die ausländischen Studierenden zahlenmäßig hinsichtlich ihrer Gründe für ein Studium in Deutschland auf (Werbung für ein Studium in Deutschland, Flucht aus dem Herkunftsland, einmaliges Bildungsangebot in Deutschland, EU-Austauschstudenten, Gebührenfreiheit des deutschen Studiums usw.)?

14

Ist die Bundesregierung in diesem Zusammenhang der Meinung, dass die Gebührenfreiheit des Erststudiums ein signifikanter Anreiz für ausländische Studierende ist?

15

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, in welchem Verhältnis die vier Kriterien Freiheit von Studiengebühren, Stipendien, Qualität der Lehre, Studienbetreuung und Sprache für die Entscheidung für ein Studium in Deutschland relevant bzw. ausschlaggebend sind?

16

Wie hat sich in den Jahren 1998 bis 2002 die Zahl der fremdsprachigen Studienangebote entwickelt?

17

Wie hat sich das Angebot an virtuellen Studiengängen in der Zeit von 1998 bis 2002 entwickelt?

18

Liegen der Bundesregierung Zahlen über die Beschäftigung ausländischer Gastprofessoren an deutschen Hochschulen vor?

Wenn ja, wie viele sind es (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

19

Sieht die Bundesregierung eine Möglichkeit, neben dem Bildungsmarketing auch Mittel zur Förderung eines Ausländerstipendienprogramms und der Internationalisierung des Studiums bereitzustellen?

20

Was hält die Bundesregierung von einer Verknüpfung der Fördermittel für Internationalisierung mit den Studienerfolgen ausländischer Studierender?

21

Sieht die Bundesregierung einen Sinn darin, vor der „Bewerbung“ einer Hochschule im Ausland eine Qualitätsprüfung der Hochschule durchzuführen?

22

Sieht die Bundesregierung eine Notwendigkeit, Studiengänge, in die Ausländer geworben wurden, regelmäßig einer daraufhin ausgerichteten Qualitätsprüfung zu unterziehen?

23

Ist die Bundesregierung der Meinung, dass für Studiengänge mit hohen Abbrecherquoten im Ausland nicht geworben werden sollte, um nur hochqualitative Studiengänge im Ausland zu „bewerben“?

24

Nach welchen Kriterien richtet die Bundesregierung ihr Auslandsmarketing für den Studienstandort Deutschland aus?

25

Gibt es in diesem Zusammenhang bevorzugte Studienfächer, für die gezielt geworben wird?

26

Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen den Bemühungen um die Werbung ausländischer Studierender und der Präsenz von Goethe-Instituten und deutschen Schulen im jeweiligen Land?

27

Welche Goethe-Institute sind seit 1998 geschlossen worden?

28

Welche deutschen Schulen sind derzeit von einer Schließung bedroht und welche Unterstützung deutscher Schulen plant die Bundesregierung für evtl. durch Schließung bedrohte deutsche Schulen?

29

Gibt es auf Seiten der Bundesregierung Überlegungen, deutsche Schulen mit den europäischen Partnern zu internationalen Schulen zusammenzuführen?

Wenn ja, wo und mit welchen europäischen Partnern?

30

Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die Betreuung ehemaliger ausländischer Studenten durch die Hochschulen verbesserungsbedürftig ist?

31

Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung, um die Gründung von Alumni-Netzwerken zu fördern?

32

Liegen der Bundesregierung Daten über die beruflichen Werdegänge ehemaliger ausländischer Studierender in Deutschland vor?

33

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie viele potentielle Studierende aufgrund langwieriger Bearbeitungszeiten von Visa-Anträgen in deutschen Botschaften von einem Studium in Deutschland Abstand genommen haben?

34

Wie können Schwierigkeiten bei der Erteilung von Visa für ein Studium in Deutschland reduziert werden?

35

Wie beurteilt die Bundesregierung die Zusammenarbeit des DAAD mit den deutschen Botschaften im Ausland?

Berlin, den 19. Februar 2002

Dr. Wolfgang Gerhardt und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen