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Kleine AnfrageWahlperiode 13Beantwortet

Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (III); die Zeitschrift "Deutschland in Geschichte und Gegenwart. Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik" (DGG) (G-SIG: 13010410)

Redaktion, Autoren, Inhalte und Zielgruppen der Zeitschrift, verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse, rechtsradikale Tendenzen

Fraktion

PDS

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

05.05.1995

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 13/1 09106. 04. 95

Der deutsche und internationale Geschichtsrevisionismus (III); die Zeitschrift „Deutschland in Geschichte und Gegenwart. Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik" (DGG)

der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS

Vorbemerkung

Im Januar 1953 ruft Herbert Grabert, der von 1941 bis 1945 im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete" tätig war, die „Mitteilungen für den 131er-Hochschullehrer im Auftrag des Verbandes der nichtamtierenden (amtsverdrängten) Hochschullehrer und der Forschungshilfe e. V." ins Leben. Diese Mitteilungen wurden dann umbenannt in „Deutschland in Geschichte und Gegenwart. Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik" (DGG).

In der DGG schrieb u. a. Dr. Alfred Schickel, Leiter der „Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt" (ZFI) und bis vor kurzem Leiter des Ingolstädter Katholischen Bildungswerkes. Dr. Alfred Schickel und seine sog. wissenschaftlichen Forschungen und Beiträge sind geprägt von der Leugnung und Relativierung der Nazi-Verbrechen und finden dementsprechend großen Anklang in rechtsextremen Organisationen, bei denen er auf Einladung auch als Referent zur Verfügung stand (u. a. ppp, vom 12. Dezember 1994).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Aktivitäten des Herbert Grabert in bezug auf die „Mitteilungen für den 131er Hochschullehrer..."?

2

Was beabsichtigte Herbert Grabert mit diesen „Mitteilungen", und wer war der Adressatenkreis bzw. die Zielgruppe?

3

Hat die Bundesregierung seinerzeit die „Mitteilungen" finanziell und ideell unterstützt? Wenn ja, in welcher Weise?

4

Welche nationalen und internationalen Autoren und Autorinnen schrieben in den „Mitteilungen" bis zu ihrer Umbenennung?

5

Wann und warum erfolgte nach Kenntnis der Bundesregierung eine Umbenennung der „Mitteilungen" in „Deutschland in Geschichte und Gegenwart. Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik"?

6

Änderten sich durch die Umbenennung Redaktion, Autorenschaft und Inhalte? Wenn ja, in welcher Weise?

7

Wer ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zielgruppe der DGG?

8

Welche nationalen und internationalen Autoren und Autorinnen schreiben in der Zeitschrift „Deutschland in Geschichte und Gegenwart"?

9

Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Autoren/Autorinnen vor?

10

Was weiß die Bundesregierung über Mitgliedschaften einiger Autoren in rechtsradikalen Parteien/Organisationen/Vereinigungen?

11

Wie oft erscheint diese Zeitschrift?

a) Wie ist die Auflagenentwicklung der DGG,

b) welche Schwerpunktthemen werden wie aufgegriffen?

12

In welchen rechtsextremen Zeitschriften, Zeitungen, Organen wirbt die DGG?

13

In welchen sonstigen Zeitungen, z. B. der sog. Neuen Rechten, finden sich Selbstdarstellungen der Zeitschrift DGG?

14

In welchen konservativen Zeitungen aus den Bereichen a) der Vertriebenenverbände, b) der studentischen Verbindungen, c) der Traditionsverbände der Wehrmacht konnte die DGG werben oder anderweitig Einfluß gewinnen?

15

Wie erfolgreich sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Versuche der DGG, speziell mit der Thematik der sog. Vertriebungsverbrechen und der alliierten Kriegsverbrechen in die Vertriebenenverbände hineinzuwirken?

16

Wie erfolgreich sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Versuche der DGG, speziell mit der Thematisierung der Rehabilitierung der Nazi-Wehrmacht in die Traditionsverbände der Wehrmacht hineinzuwirken?

17

Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über eine Zusammenarbeit zwischen der DGG und der ZFI und ihrem Leiter, Dr. Alfred Schickel?

18

Hat die Bundesregierung die Zeitschrift DGG jemals finanziell (z. B. über den Bund der Vertriebenen) und ideell unterstützt? Wenn ja, in welcher Weise?

19

Welchen Stellenwert mißt die Bundesregierung sowohl den „Mitteilungen" als auch der Zeitschrift DGG innerhalb der sog. Neuen Rechten und des Geschichtsrevisionismus bei?

Bonn, 4. April 1995

Ulla Jelpke Dr. Gregor Gysi und Gruppe

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