Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 13/2847
13. Wahlperiode
06.11.96
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Christa Lu ft , Rolf Kutzmutz
und der Gruppe der PDS
— Drucksache 13/2660 —
Wirtschaftspolitik in Verwirklichung der Aufgaben
des Jahreswirtschaftsberichtes 1995 der Bundesregierung
Vorbemerkung
Die Bundesregierung nimmt regelmäßig in ihren
Jahreswirtschaftsbericht einen umfassenden Rückblick zur vorjährigen
Jahresprojektion auf. Dementsprechend wird auch der
Jahreswirtschaftsbericht 1996 einen Vergleich der von der Bundesregierung
Anfang 1995 erwarteten Entwicklung mit dem tatsächlichen
Wirtschaftsverlauf enthalten.
Allgemein ist festzustellen, daß in einer marktwirtschaftlichen
Ordnung die Regierung in erster Linie geeignete
Rahmenbedingungen, z. B. für eine positive Wachstums- und
Beschäftigungsentwicklung, schaffen muß. Entscheidend ist, daß die am
Wirtschaftsleben Beteiligten die sich dadurch bietenden Chancen
auch nutzen. So haben etwa Arbeitgeber und Gewerkschaften mit
ihren Tarifabschlüssen entscheidenden Einfluß darauf, ob
zusätzliche Arbeitsplätze rentabel werden. Vor diesem Hintergrund
beantworte ich namens der Bundesregierung die Kleine Anfrage
im einzelnen wie folgt:
1. Die Bundesregierung gibt in der Antwort auf die Kleine Anfrage der
Gruppe der PDS „Jahreswirtschaftsbericht 1995 der
Bundesregierung" am 24. März 1995 an: „Die wirtschaftliche Expansion führt
zunehmend auch zu einer Verbesserung der Lage auf dem
Arbeitsmarkt" . Aus welchen Gründen hat sich diese Einschätzung nicht
bestätigt?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft vom
2. November 1995 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich — in kleinerer Schrifttype — den Fragetext.
Ein wesentlicher Grund für die schwächere Entwicklung am
Arbeitsmarkt ist darin zu sehen, daß der Anstieg des
Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr voraussichtlich geringer ausfällt als
ursprünglich erwartet. Der jetzt niedriger zu veranschlagende
gesamtwirtschaftliche Produktionsanstieg kann mit weniger
Arbeitskräften bewältigt werden. Dies hängt nicht zuletzt damit
zusammen, daß die Exporte 1995 nicht so stark expandieren, wie
es sich zu Beginn des Jahres abzeichnete. Dabei spielt zum einen
die unerwartet deutliche Verlangsamung der Weltkonjunktur
eine Rolle, zum anderen kam es seit dem Frühjahr zu
wiederholten erheblichen Währungsturbulenzen, in deren Verlauf sich der
Wechselkurs der D-Mark festigte, was deutsche Produkte an den
Auslandsmärkten im Preis weniger attraktiv machte. Gleichzeitig
fielen u. a. dadurch die von den Ausrüstungsinvestitionen
ausgehenden Impulse schwächer aus, als ursprünglich angenommen.
Neben den verminderten Exportchancen dürfte sich dabei vor
allem ausgewirkt haben, daß die diesjährigen
Lohnsteigerungen — vor allem in der Metallindustrie — deutlich über das
gesamtwirtschaftlich vertretbare Maß hinausgingen. Dadurch
verminderten sich die künftigen Ertragschancen vor allem von
Erweiterungsinvestitionen, so daß solche Projekte vermutlich teilweise
zurückgestellt, gänzlich aufgegeben oder auch außerhalb der
Bundesrepublik in Aussicht genommen wurden. Schließlich ging
die Schwächung der Bauaktivitäten über das im
Jahreswirtschaftsbericht angenommene Ausmaß hinaus.
Neben der verringerten Wachstumsdynamik dürften die
Verunsicherungen in der Wirtschaft über den künftigen Wechselkurs
und die zusätzlichen Lohnkostenbelastungen dämpfend auf die
Entwicklung der Erwerbstätigkeit gewirkt haben. Sie haben
vermutlich nicht nur die Einstellungsbereitschaft der Arbeitgeber
geschmälert, sondern auch neuerliche Bemühungen zur
Einsparung von Arbeitskosten ausgelöst.
2. Welche Einschätzung trifft die Bundesregierung zur Lage auf dem
Arbeitsmarkt für den weiteren Verlauf des Jahres 1995?
Angesichts der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums dürfte
sich 1995 die Beschäftigungsgrundlage in Deutschland insgesamt
weniger günstig entwickeln als im Jahreswirtschaftsbericht
angenommen. Die in diesem Bericht dargelegte Erwartung eines
Beschäftigungszuwachses von einem halben Prozent für 1995 wird
sich in den alten Ländern nicht mehr erfüllen, es ist vielmehr mit
einem Rückgang um etwa einem halben Prozent zu rechnen; in
den neuen Ländern dürfte dagegen die seinerzeit projizierte
Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen von 150 000 oder rund
zweieinhalb Prozent wahrscheinlich erreicht werden.
3. Der Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung sieht vor:
„Die Zahl der Erwerbstätigen würde damit in Gesamtdeutschland
erstmals seit der Wiedervereinigung im Jahresdurchschnitt
zunehmen, und zwar um gut 1/2 bis 1 % oder bis zu 300 000 auf wieder
über 35 Millionen... in Ostdeutschland... Zuwachs der Zahl der
Erwerbstätigen... um rund 2 1/2 oder 150 000."
Wie hat sich die Zahl der Erwerbstätigen absolut und prozentual bis
jetzt verändert?
Welche Schlußfolgerungen hat die Bundesregierung daraus
abgeleitet?
In welchen Maßnahmen kommen sie im einzelnen zum Ausdruck?
Zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit in diesem Jahr liegen zur
Zeit Angaben des Statistischen Bundesamtes bis einschließlich
Juni vor. Danach war die Zahl der Erwerbstätigen im ersten
Halbjahr 1995 in Gesamtdeutschland um 41 000 niedriger als zur
gleichen Vorjahreszeit (früheres Bundesgebiet: —211000; neue
Länder: + 170 000). Dies entsprach einem Rückgang von 0,1 %
(früheres Bundesgebiet: —0,7 %; neue Länder: + 2,7 %).
Die Entwicklung der Erwerbstäigkeit hängt vor allem von dem
Verhältnis zwischen Wirtschaftswachstum und
Produktivitätsänderung ab. Übersteigt der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts
den Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Produktivität, so steigt
die Erwerbstätigkeit und umgekehrt. Im Jahreswirtschaftsbericht
war davon ausgegangen worden, daß das Wirtschaftswachstum
die durch die Produktivität vorgezeichnete
Beschäftigungsschwelle merklich überschreitet. Daß dies wahrscheinlich nicht
der Fall sein wird, hängt vor allem damit zusammen, daß die
gesamtwirtschaftliche Leistung 1995 voraussichtlich weniger
zunehmen wird, als zu Beginn des Jahres aufgrund der damaligen
Gegebenheiten unterstellt werden konnte. Insoweit verweise ich
auf die Antwort zu Frage 2.
Zur Frage, welche Maßnahmen von der Bundesregierung
ergriffen wurden, um die Einhaltung der im Jahreswirtschaftsbericht
vorgesehenen Entwicklung zu sichern, ist festzustellen, daß die
von der Bundesregierung im Rahmen des
Jahreswirtschaftsberichts veröffentlichte Jahresprojektion nicht mit einer durch
politische Maßnahmen zu erreichenden Plangröße gleichzusetzen ist.
Gemäß § 3 des Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des
Wachstums werden den gesellschaftlichen Gruppen mit der
Jahresprojektion gesamtwirtschaftliche Orientierungsdaten zur
Verfügung gestellt. Überdies ist die tatsächlich eintretende
gesamtwirtschaftliche Entwicklung das Ergebnis des Verhaltens aller am
Wirtschaftsprozeß Beteiligten und nicht — wie in der Fragestellung
suggeriert — allein dem Verantwortungsbereich des Staates
zuzuordnen. Im Rahmen ihres Verantwortungsbereichs hat die
Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht die notwendigen
Rahmenbedingungen und Maßnahmen dargestellt, die aus ihrer Sicht
die Grundlagen bilden für eine dynamische wirtschaftliche
Entwicklung in ganz Deutschland. Die in der Antwort zu Frage 1
aufgeführten Gründe für die hinter den Erwartungen der
Bundesregierung zurückbleibende Intensität des Wirtschaftswachstums
in diesem Jahr entziehen sich zudem den Einflußmöglichkeiten
der Bundesregierung. Die Bundesregierung wird auch in Zukunft
alle Möglichkeiten nutzen, die sich in ihrer Einflußsphäre zur
Verbesserung der Beschäftigungsperspektiven ergeben.
4. Der Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung erwartet
den überwiegenden Teil des Beschäftigungszuwachses im
Baugewerbe und im privaten Dienstleistungsgewerbe und sieht eine
Reduzierung des Personalstandes im öffentlichen Bereich vor.
Welche tatsächliche Entwicklung ist in diesen Bereichen
eingetreten?
Die Bundesregierung verfügt derzeit noch nicht über eine
Aufgliederung der Erwerbstätigenstatistik nach Wirtschaftszweigen
für das laufende Jahr. Nach dem Ergebnis der Statistik über die
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf Stichprobenbasis
war die Beschäftigung im westdeutschen Baugewerbe im Juni
1995 etwas niedriger als vor Jahresfrist. Dies dürfte aber durch
einen Beschäftigungsanstieg in der ostdeutschen Baubranche
— wo Ende 1994 (aktuellere Daten liegen noch nicht vor) die
Beschäftigung erheblich höher war als ein Jahr zuvor — deutlich
überkompensiert worden sein. Im Dienstleistungsgewerbe hat die
Beschäftigung in Ost und West ebenfalls spürbar zugenommen.
Im Vergleich zur Jahresmitte 1994 lag in Westdeutschland per
30. Juni 1995 die Zahl der Beschäftigten um 101 000 und in
Ostdeutschland per 30. Dezember 1994 um 73 000 höher. Dagegen ist
die Zahl der Beschäftigten bei den Gebietskörperschaften
(einschließlich Sozialversicherung) sowohl im früheren Bundesgebiet
als auch in den neuen Ländern rückläufig (West per 30. Juni 1995
— 35 000; Ost per 30. Dezember 1994 — 55 000). Damit scheint sich
die im Jahreswirtschaftsbericht für diese Bereiche erwartete
Entwicklung zu bestätigen.
5. Die im Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung
vorgesehenen Maßnahmen sind auf den Ausbau der Beschäftigung in
bestimmten Branchen sowie im Mittelstand gerichtet.
Welche Rückschlüsse ergeben sich, ausgehend von der
tatsächlichen Entwicklung der Beschäftigung in den Branchen, auf die
Wirksamkeit der im Jahreswirtschaftsbericht 1995 vorgesehenen
Maßnahmen?
Welche Veränderungen der Maßnahmen wurden oder werden von
der Bundesregierung im Jahresverlauf 1995 vorgesehen?
Die im Jahreswirtschaftsbericht dargestellten
wirtschaftspolitischen Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, den Standort
Deutschland insgesamt und nicht nur in Bezug auf einzelne
Branchen zu stärken. Trotz der im Rahmen der Standortpolitik
erreichten Fortschritte, die insbesondere auf den
Zukunftssicherungsbericht vom September 1993 und das Aktionsprogramm für mehr
Wachstum und Beschäftigung vom Januar 1994 zurückgehen,
sind gewichtige wirtschaftliche Probleme keineswegs gelöst. Die
Bundesregierung ist daher vor dem Hintergrund der weiterhin
bestehenden strukturellen Probleme und der sichtbar
gewordenen retardierenden Momente in der Konjunkturentwicklung
entschlossen, die von ihr eingeleitete marktwirtschaftliche
Standortpolitik — so wie sie im Jahreswirtschaftsbericht dargelegt ist —
konsequent fortzuführen.
Günstige gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen sind ge
-
rade in Zeiten rapiden strukturellen Wandels auch eine entschei
dende Voraussetzung für den Erfolg der kleinen und mittleren
Unternehmen und somit zugleich Voraussetzung für einen
weiteren substantiellen Beitrag des Mittelstands für mehr
Beschäftigung. Der Erfolg bei der Sicherung des Standortes
Deutschland hängt aber — wie schon gesagt — nicht allein von der Politik
ab. Insbesondere Arbeitgebern und Gewerkschaften kommt über
eine beschäftigungsorientierte Tarifpolitik bei der Sicherung und
Schaffung von Arbeitsplätzen eine zentrale Rolle zu.
6. Der Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung geht für die
neuen Länder von einer Arbeitslosenquote von 12 bis 13 Prozent
aus.
Welche Arbeitslosenquote erwartet die Bundesregierung jetzt für
das Jahr 1995?
Welche Ursachen haben zu der veränderten Entwicklung geführt?
Für das Jahr 1995 wird nach den jüngsten Vorausschätzungen der
Bundesregierung eine Arbeitslosenquote in den neuen Ländern
von knapp 14 % erwartet. Dies entspricht einem Rückgang der
Arbeitslosigkeit von etwa 100 000 im Jahresdurchschnitt. Im
Jahreswirtschaftsbericht war entsprechend der unterstellten
Zunahme der Erwerbstätigkeit ein Rückgang von etwa 150 000
angenommen worden. Ein im Vergleich zum Rückgang der
Arbeitslosigkeit stärkerer Anstieg der Erwerbstätigenzahl, die schon in
der statistischen Basis mit hohen Unsicherheiten behaftet ist,
deutet auf ein wachsendes Arbeitsangebot hin. Die Ursachen für
diese Entwicklung können erst bei Vorliegen genauerer Daten
analysiert werden.
7. Der Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung sieht vor:
„Alles in allem könnte demnach in Westdeutschland die Zahl der
Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt um rund 1/2 Prozent oder
150 000 ansteigen. "
Wie hat sich die Zahl der Erwerbstätigen tatsächlich verändert?
Auf welche Ursachen ist diese Entwicklung zurückzuführen?
Hat sich die Bundesregierung mit der veränderten Entwicklung
befaßt?
Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Einhaltung der im
Jahreswirtschaftsbericht vorgesehenen Entwicklung zu sichern?
Hierzu wird auf die Antworten zu den Fragen 2 und 3 verwiesen.
8. Welche Ergebnisse wurden bisher bei der im
Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung genannten Aufgabe erzielt: „Die
Instrumente der Mittelstandsförderung sind jedoch stärker
zusammenzufassen und zu vereinfachen"?
Wann werden die einzelnen Ergebnisse für die kleinen und
mittleren Unternehmen jeweils wirksam?
Die Bundesregierung hat zusammen mit den Bundesländern eine
gemeinsame Arbeitsgruppe zur „Verbesserung der Transparenz
und Konsistenz der Mittelstandsförderung" unter Vorsitz des
Beauftragten der Bundesregierung für den Mittelstand, Herrn
PStS Dr. Heinrich L. Kolb, gebildet. Diese hat am 11. Juli 1995
ihren ersten Bericht vorgelegt. Die weitere Beratung in der
Arbeitsgruppe soll auf der Grundlage von konkreten
Verbesserungsvorschlägen erfolgen, die im Rahmen eines
Forschungsauftrages bis zum Sommer 1996 erarbeitet werden.
9. Welche im Jahreswirtschaftsbericht 1995 der Bundesregierung
genannten Maßnahmen, die auf mehr Arbeitsplätze gerichtet sind,
wurden 1995 neu gegenüber vorangegangenen Jahren wirksam?
Ab wann sollten sie jeweils wirken, und wann wurde ihre
Wirksamkeit erreicht?
Die im Jahreswirtschaftsbericht von der Bundesregierung
dargelegten Erfordernisse in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik,
die sich in zahlreichen Einzelmaßnahmen niederschlagen, sind in
ihrer Gesamtheit darauf ausgerichtet, den Standort Deutschland
in seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nachhaltig zu
stärken und damit die Grundlagen zu schaffen für ein dauerhaftes,
spannungsfreies Wachstum als zentraler Voraussetzung für neue
wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. Die im Jahreswirtschaftsbericht
dargelegten Maßnahmen wirken in der Summe und lassen sich in
ihrer Wirkung nicht auf einzelne Zeitabschnitte eingrenzen.
Folglich ist es grundsätzlich auch nicht möglich, einzelnen
Maßnahmen exakte quantitative Wirkungen zuzuordnen.
Zu wichtigen im Jahreswirtschaftsbericht 1995 enthaltenen und
bis dato verabschiedeten bzw. eingeleiteten Maßnahmen gehören
u. a. die Verabschiedung des Jahressteuergesetzes 1996, die
Umsetzung des mittelfristigen Förderkonzepts für die neuen Länder,
die Initiative für mehr Existenzgründungen und
unternehmerische Selbständigkeit sowie die Verlängerung des Programms zur
Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen. Bezüglich der
1995 beschlossenen Maßnahmen wird im übrigen auf die
jeweiligen Veröffentlichungen im Bundesgesetzblatt und — soweit
ausgabenwirksam — auf den Bundeshaushalt 1995 verwiesen.
10. Die Bundesregierung gibt in der Antwort auf die Kleine Anfrage der
Gruppe der PDS „Jahreswirtschaftsbericht 1995 der
Bundesregierung" am 24. März 1995 an: „Für 1990 existieren keine
Jahresdurchschnittsangaben, da die Statistik erst im Juli 1990 begonnen
wurde."
Wann kann damit gerechnet werden, daß in der Statistik wichtige
Kennziffern wie die Nettoproduktion im verarbeitenden Gewerbe,
Inlandsprodukt, Sozialprodukt, Volkseinkommen, Wertschöpfung,
Produktionswerte und Vorleistungen nach Wirtschaftsbereichen
sowie Anlageinvestitionen wenigstens bis zur Wende in der DDR
1989 und wann insgesamt vorliegen werden?
Wie beurteilt die Bundesregierung die entsprechenden
Berechnungen der wirtschaftswissenschaftlichen Institute zu statistischen
Angaben für 1989 in der DDR?
Da es nicht die Aufgabe der Bundesstatistik ist,
gesamtwirtschaftliche Ergebnisse „wenigstens bis zur Wende in der DDR 1989... "
vorzulegen, kann auch künftig nicht mit solchen
Veröffentlichungen gerechnet werden.
Selbst wenn dem Statistischen Bundesamt eine solche Aufgabe
übertragen würde, wären die damit insbesondere verbundenen
Bewertungs- und Umrechnungsprobleme in seriöser Weise nicht
zu lösen, die sich durch die Transformation einer
Zentralverwaltungswirtschaft in eine Marktwirtschaft mit weitgehend freier
Preisbildung zwangsläufig ergeben. Daher hat das Amt lediglich
stark aggregierte Angaben in Mark der DDR für das Jahr 1989
und das erste Halbjahr 1990 ausgewiesen.
Aufgrund dieser Einschätzung erübrigt es sich, über derartige
Rückrechnungen wirtschaftswissenschaftlicher
Forschungsinstitute seitens der Bundesregierung zu urteilen.]