Innovationskollegs an ostdeutschen Hochschulen
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Elisabeth Altmann (Pornmelsbrunn), Dr. Manuel Kiper und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN — Drucksache 13/3296 —
Ausgehend von der Annahme, daß in den neuen Bundesländern eine unterdurchschnittlich ausgeprägte Zusammenarbeit von Hochschule bzw. Wissenschaft und Wirtschaft existiert und dies eine Ursache für die Innovationsschwäche bildet, hat das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) bzw. das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) seit Juni 1994 ein Förderprogramm zur Errichtung von Innovationskollegs in den neuen Bundesländern aufgelegt. Ziel des Programms ist es, die Hochschulen in den neuen Bundesländern durch Konzentration und Ergänzung gegebener innovativer Forschungsansätze in ihrem eigenen wissenschaftlichen Profil und als Partner für die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen auch im Unternehmensbereich zu stärken. Dies gilt für Grundlagenforschung wie auch anwendungsbezogene Forschung.
Das auf acht Jahre ausgerichtete, aus Sondermitteln des BMFT bzw. des BMBF finanzierte Programm wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft betreut.
Fragen und Antworten12
Wie viele Mittel stehen für das Programm zur Verfügung?
Für das Programm stehen in den Jahren von 1994 bis 1999 127,5 Mio. DM zur Verfügung.
Wie hoch sind die finanziellen Mittel, mit denen sich einzelne Wirtschaftsunternehmen oder Verbände an den Innovationskollegs beteiligen?
Eine direkte finanzielle Beteiligung von Unternehmen an den Forschungsarbeiten der geförderten Innovationskollegs ist nicht zwingend Bestandteil des Programms. Die bisher getroffenen Kooperationsabsprachen sehen vor, daß die beteiligten Unternehmen eigene Aktivitäten in die Innovationskollegs einbringen.
Da die ersten Innovationskollegs im Oktober 1994, weitere zwölf erst im Oktober 1995 eingerichtet wurden, steht die Zusammenarbeit noch am Anfang. Somit sind quantitative Angaben derzeit nicht möglich. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jedoch eine Umfrage eingeleitet, in der auch nach der Zusammenarbeit mit Unternehmen gefragt wird. Die Daten werden jeweils zum Jahresende, erstmals 1996 erhoben.
An welchen Standorten wurden bzw. werden welche Innovationskollegs errichtet?
- Universitäten Titel
- Humboldt-Universität Berlin — Theoretische Biologie — Kompensations- und Regenerationsmechanismen nach definierten Veränderungen bzw. Schädigungen an Transmissionssystemen und ihre Bedeutung für Hirnfunktion/Hirnleistung
- Technische Universität Chemnitz/Zwickau — Methoden und Materialsysteme für den Nanometerbereich — Bildung eines vernetzten Logistik- und Simulationszentrums
- Technische Universität Cottbus — Ökologisches Entwicklungspotential der Bergbaufolgelandschaften im Lausitzer Braunkohlerevier
- Technische Universität Dresden — Kommunikationssysteme — Thermo- und Magnetofluiddynamik elektrisch leitfähiger Flüssigkeiten
- Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder — Die Transformation von Wirtschafts-Systemen und die Neuordnung der Gesellschaften Mittel- und Osteuropas
- Universität Halle — Neue Polymaterialien durch gezielte Modifizierung der Grenzschichtstrukturen / Grenzschichteigenschaften in heterogenen Systemen — Zellspezialisierung: Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Signaltransfer, Redoxkontrolle und Streßantwort in Pflanzen, Tier und Mensch
- Universität Jena — Bewegungssysteme — Optische Informationstechnik — Glaskeramik mit neuen Eigenschaften
- Universität Leipzig — Phänomene an den Miniaturisierungs-grenzen — Chemisches Signal und biologische Antwort
- Universität Magdeburg — Adaptive mechanische Systeme — Analyse und Interpretation von Bildinformationen auf verschiedenen Organisationsebenen biologischer Systeme
- Universität Potsdam — Formale Modelle kognitiver Komplexität — Mechanismen der gastrointestinalen Bioaktivierung und -inaktivierung — Biomolekulare Erkennungssysteme für die biochemische Analytik
- Universität Rostock — Komplexe und zelluläre Sensor-systeme
Aus welchen Gründen wurden die jeweiligen Standorte der Innovationskollegs gewählt?
Die Beantwortung dieser Frage ist im Zusammenhang mit der Antwort zu Frage 5 zu sehen. Antragsberechtigt waren alle wissenschaftlichen Hochschulen in den neuen Ländern. Von daher kamen als Standort für Innovationskollegs nur Hochschulen und Universitäten in Frage. Darüber hinaus mußte sichergestellt sein, daß an diesen Standorten Rahmenbedingungen gegeben waren, die eine erfolgreiche Arbeit des jeweiligen Innovationskollegs erwarten ließen.
Nach welchen Kriterien wird über die Errichtung von Innovationskollegs entschieden?
Die Anträge wurden von Gutachtern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) begutachtet. Maßstab für die Empfehlung zur Einrichtung der Innovationskollegs war ausschließlich ihre wissenschaftliche Qualität.
Erfolgen in regelmäßigen Abständen Evaluationen der Innovationskollegs?
Jedes Innovationskolleg wurde aufgrund einer Begutachtung eingerichtet. Nach drei Jahren wird jedes Innovationskolleg erneut begutachtet. Im Falle der Weiterförderung erfolgt dann nach weiteren zwei Jahren bei Beendigung des Innovationskollegs eine Schlußbegutachtung.
Darüber hinaus soll der Wissenschaftsrat nach etwa sechs Jahren insgesamt zu dem Programm Stellung nehmen.
Wie viele Beschäftigte sind an den jeweiligen Innovationskollegs tätig (geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselt nach wissenschaftlichem Personal, technischem Personal, studentischen Hilfskräften und sonstigen)?
Zusätzlich zu den aus den Mitteln für das Programm „Innovationskollegs” finanzierten Stellen stehen nach Auskunft der DFG seitens der Hochschulen nochmals Mittel der Grundausstattung in etwa derselben Größenordnung für in den Innovationskollegs tätiges Personal zur Verfügung.
Demnach sind in den Innovationskollegs (finanziert aus den Programmmitteln und aus der Grundausstattung) insgesamt ca. 780 Personen beschäftigt, davon ca. 560 Wissenschaftler, ca. 50 Mitarbeiter des technischen Dienstes (nicht wissenschaftliches Personal) und ca. 170 studentische Hilfskräfte. Da zwölf der 21 eingerichteten Innovationskollegs erst 1995 bewilligt wurden, kann die DFG darüber hinausgehende Daten in der gewünschten Aufschlüsselung nicht geben.
Wie viele dieser Beschäftigten sind zusätzlich eingestellt worden?
Für die Innovationskollegs wurden von der DFG aus Mitteln des Programms insgesamt 390 Stellen bewilligt, davon für Wissenschaftler 281, für Mitarbeiter des technischen Dienstes (nicht wissenschaftliches Personal) 25 und für studentische Hilfskräfte 84. Im übrigen gelten hier die Ausführungen zu Frage 7.
Hat sich die Einrichtung von Innovationskollegs auf die Anzahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung in der ostdeutschen Wirtschaft ausgewirkt? Wenn ja, in welchem Umfang? Wenn nein, warum nicht?
Angesichts der noch kurzen Laufzeit des Programms (siehe Antwort zu Frage 2) kann die DFG hierzu derzeit keine Aussage machen. Auch später wird es schwierig sein, einen direkten Zusammenhang zwischen dieser relativ kleinen und mit Schwerpunkt auf den Hochschulen der neuen Länder liegenden Fördermaßnahme und der Anzahl der in Forschung und Entwicklung Tätigen in der ostdeutschen Wirtschaft zu ziehen.
Angesichts der z. T. stark anwendungsorientierten Thematik einer Reihe von Innovationskollegs kann jedoch grundsätzlich davon ausgegangen werden, daß die Förderung sich auch auf die Zahl der in Forschung und Entwicklung Tätigen in der ostdeutschen Wirtschaft auswirkt.
Hat sich die Einrichtung von Innovationskollegs auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft ausgewirkt? Wenn ja, in welchem Umfang? Wenn nein, warum nicht?
Hier gelten die Ausführungen zur Anwort auf Frage 9, Darüber hinaus ist bei jeder Förderung von Forschung und Entwicklung mit Anwendungsbezug davon auszugehen, daß sich auf längere Sicht Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einstellen.
Welche außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden innerhalb der Innovationskollegs gefördert?
Ein vollständiger Überblick ist der DFG derzeit nicht möglich, da die Förderung im Programm „Innovationskollegs" erst im Oktober 1995 im vollem Umfang begonnen hat. Auch hierzu wird die DFG in der erwähnten Umfrage Daten erheben, die voraussichtlich erstmals zum Jahresende 1996 zur Verfügung stehen werden.
Welche internationalen Kontakte in Forschung und Entwicklung sind durch die Innovationskollegs initiiert oder ausgebaut worden?
Hierzu wird auf die Antwort zu Frage 11 verwiesen. Aussagen über die internationalen Kontakte derInnovationskollegs können. erstmals nach Abschluß der Fragebogenaktion Ende 1996 gemacht werden.