Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
13. Wahlperiode
Drucksache 13/6972
18. 02. 97
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. R. Werner Schuster, Adelheid Tröscher,
Gabriele Fograscher, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
— Drucksache 13/6781 —
Projekte der Entwicklungszusammenarbeit mit China
Die China-Reise von Bundespräsident Roman Herzog war laut
Presseberichten für das Bundesministerium für wi rtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Anlaß, die Entwicklungszusammenarbeit mit
diesem Land kritisch zu überprüfen.
Vorbemerkung
Es gab keinerlei Anlaß, die Entwicklungszusammenarbeit mit der
VR China aus Anlaß der China-Reise von Bundespräsident Roman
Herzog zu überprüfen. Gleiches gilt für die dem
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
bekannten Presseberichte, denen zufolge die „angespannte
Haushaltslage" Anlaß für eine derartige Überprüfung gewesen
sei. Es gibt keine wie auch immer geartete Sonderüberprüfung der
bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit der VR China.
Tatsächlich sind in China - wie in anderen Partnerländern auch - seit
1990 eine Vielzahl von Projekten im Rahmen laufender
Evaluierungen von unabhängigen Gutachtern untersucht worden, und
zwar mit durchweg positiven Ergebnissen.
1. Welche einzelnen Projekte der Entwicklungszusammenarbeit im
weitesten Sinne waren Anlaß zu den kritischen Anmerkungen
während der Reise des Bundespräsidenten nach China?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 8. Februar 1997 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich - in kleinerer Schrifttype - den Fragetext.
Die Presseberichte bezogen sich auf Industrieprojekte im
chinesischen Staatssektor, deren Förderung in den 80er Jahren zugesagt
wurde (vgl. beiliegende Tabelle).
2. Welches Finanzvolumen haben die einzelnen angesprochenen
Projekte?
Das Gesamtvolumen beträgt 324,4 Mio. DM FZ, zu Einzelheiten
siehe beiliegende Tabelle.
3. Welchen Zeitraum umfassen diese Projekte?
Siehe beiliegende Tabelle.
4. Welche Projekte der Entwicklungszusammenarbeit wurden davon
für welche Staatsunternehmen zugesagt, und wie lautete jeweils die
Begründung für die Bewilligung?
Bei sämtlichen Projekten der genannten Gruppe (Tabelle) handelt
es sich um Zusammenarbeit mit Staatsunternehmen. Dies schien
aus der damaligen Sicht - Mitte der 80er Jahre - in Anbetracht der
Modernisierungs- und Reformpolitik der chinesischen Regierung
angemessen. Die Fördermittel wurden zur Unterstützung dieser
Zielsetzung zugesagt.
5. Zu welchen dieser Projekte wurden Gutachten der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) angefordert und erstellt, und wie lautete die
Entscheidungsbegründung in dem jeweiligen MW-Gutachten?
In allen Fällen wurden die entsprechenden KfW-Prüfungen
durchgeführt, die zu einem entwicklungspolitisch positiven
Ergebnis führten.
6. Welche weiteren Gutachten wurden zu den einzelnen
angesprochenen Projekten eingeholt, und wie lauteten die Ergebnisse?
Alle Vorhaben beruhen auf chinesischen Studien, die zum Teil
durch deutsche Experten vor MW-Prüfung ergänzt wurden. Alle
Anlagen sind technisch funktionsfähig. Gutachten wurden bisher
nachträglich für das LKW-Vorhaben und das Röhrenwerk Jinxi
durch internationale Unternehmensberater bezüglich
Umstrukturierung der staatlichen Unternehmen vorgenommen.
7. Wann wurden die anläßlich der Reise des Bundespräsidenten an
-
gesprochenen Projekte zuerst und zuletzt auf ihre Nachhaltigkeit
entsprechend den Kriterien und Richtlinien des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
überprüft, und wie lauten die Ergebnisse?
Die erheblichen Umstellungsprobleme der Staatsbetriebe werden
über die laufenden Kontakte der KfW hinaus auch ausführlich im
Rahmen der jährlichen Regierungsverhandlungen erörtert.
8. Welche Projekte wurden aufgrund von Prüfungsberichten geändert
und eingestellt?
In allen Fällen handelt es sich um chinesische
Investitionsvorhaben, für die von unserer Seite Darlehen aufgrund
rechtskräftiger Verträge zur Verfügung gestellt wurden. Anpassungen
der Projektkonzeption aufgrund ergänzender Gutachten wurden
in einigen Fällen durchgeführt. Hierzu: Tabelle, „Bemerkungen".
9. Welche Projekte hat Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl auf seiner
letzten China-Reise 1996 neu zugesagt?
Wie hoch ist das Finanzvolumen für diese Projekte?
In welchem Zeit- und Finanzierungsrahmen werden diese Zusagen
umgesetzt?
Welche Vorprüfungen und Gutachten sind vorgesehen?
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hat anläßlich seiner letzten
China-Reise keine FZ- oder TZ-Projekte zugesagt.
10. Für welche einzelnen Projekte wurden die Mittel für Technische
Zusammenarbeit für China im Haushaltsansatz des Einzelplans 23
für 1997 um 10 Mio. DM erhöht?
Der Gesamtansatz der vorläufigen TZ-Rahmenplanung wurde um
10 Mio. DM erhöht. Auf dieser erhöhten Grundlage wurde die
vorliegende Rahmenplanung erstellt. Eine Zurechnung des
Betrages auf einzelne Vorhaben ist nicht möglich. Es ist jedoch
vorgesehen, in diesem Jahr bei den Regierungsverhandlungen die
Schwerpunkte „Berufsbildung" und „Umweltschutz" besonders
stark zu berücksichtigen.
11. Wie hoch ist im einzelnen der Mittelansatz für geplante, aber noch
nicht begonnene Projekte und Maßnahmen der
Entwicklungszusammenarbeit mit China, und seit wann sind diese in der
„Pipeline"?
Von den FZ-Zusagen bis einschließlich 1996 konnten folgende
Projekte noch nicht in Aufträge an die KfW umgesetzt werden:
Projektbezeichnung Jahr der FZ-Vorhaben Stand
VE-Regelung (Mio. DM)
Rehabilitierung thermisches Kraftwerk Banshan 1991 60,0 PPB der MW liegt vor
(Rauchgasentschwefelung)
Kreditprogramme I 1996 65,0 PPB der MW liegt vor
(Verbundfinanzierung plus 65 Mio. MM)
nichtstaatlicher KMU/Umweltschutz
Rehabilitierung thermisches 1991 43,3 in Vorbereitung
Kraftwerk Peking
(Rauchentschwefelung)
Aufforstung Hunan 1995 12,0 in Vorbereitung
Moderne Kohlekraftwerke 1994 141,8 Erster Projektvorschlag
(Verbundfinanzierung plus 283,6 Mio. MM) zurückgezogen, neuer
Vorschlag liegt vor
Aufforstung Jiangxi 1995 12,0 in Vorbereitung
Abwasser Huai-Fluß 1995 60,0 in Vorbereitung
Wolong Naturpark 1994 5,0 in Vorbereitung
Windpark II 1996 19,0 in Vorbereitung
(Verbundfinanzierung plus 19 Mio. MM)
Aufforstung Sichuan 1996 12,0 in Vorbereitung
Aufforstung Shaanxi II 1996 12,0 in Vorbereitung
Von den TZ-Zusagen bis einschließlich 1995 konnten folgende
Projekte noch nicht in Aufträge an die GTZ umgesetzt werden:
Projektbezeichnung Jahr der FZ-Vorhaben Stand
VE-Belegung (Mio. DM)
Managementzentrum Shanghai 1992 3,0 Einvernehmen zu
(CDMC) dto. 1994 3,0 Neukonzeption in 1/97
Aus- und Fortbildung für Berufsschulleiter 1995 6,0 GTZ Projektprüfung läuft
Ausbildungszentrum für 1995 4,5 Durchführungsangebot
Druckereifachkräfte wird z. Z. von GTZ erstellt
Berufsbildung im ländl. Bereich 1995 6,0 Durchführungsangebot
wird z.Z. von GTZ erstellt
Die anläßlich der Regierungsverhandlungen im Mai 1996
vereinbarten Neuvorhaben befinden sich größtenteils noch in der
Vorbereitung.
12. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der während
der Reise des Bundespräsidenten geäußerten Kritik für die
zukünftige Entwicklungszusammenarbeit mit China?
Die zugrunde gelegte Kritik eines einzigen Presseberichts
entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten und kann deshalb
auch keine Grundlage für irgendwelche Konsequenzen sein.
Entsprechend der deutschen Konzeption und nach Absprache mit der
chinesischen Regierung werden seit 1990 keine neuen
Industrieprojekte im chinesischen Staatssektor mehr gefördert. Stattdessen
wird die Zusammenarbeit insbesondere in den
Schwerpunktbereichen Wirtschafts- und Rechtsreform, Berufsbildung
und Umweltschutz konsequent fortgeführt.
Projekte der FZ mit Staatsbetrieben im Industriebereich
Projektbezeichnung Jahr der FZ-Vorhaben Inbetrieb- Bemerkungen
Belegung nahme
Textilveredelung Shaanxi 1985 6,0 1989 90 % Auslastung
No. 3
Röhrenwerk Jinxi 1985 21,7 1991 unzureichende Auslastung
Umstrukturierung mit Studie
unterstützt
Spanplattenanlage Shao Wu 1987 17,9 1991 70 % Auslastung,
Umstrukturierung unterstützt
Spezialrohrwerk Daye 1987 44,2 Ende 1993 32 % Auslastung,
Umstrukturierung unterstützt
Angorawolleverarbeitung 1987 9,4 1992 gescheitert, Angoramarkt ist
zusammengebrochen
Reifenfertigung Guizhou 1987 10,0 Ende 1993 insgesamt gute Auslastung
Fertigung schwerer 1988 65,0 1990 bis Ende unzureichende Auslastung,
LKW 1995 Umstrukturierung unterstützt
Spanplattenanlage Suihua 1989 15,0 Ende 1995 70 % Auslastung,
Umstrukturierung unterstützt
Ammoniakanlage 1989 85,0 Ende 1996
Spanplattenanlage 1989 50,2 1995
Dongfanghong]