Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 16/9402
16. Wahlperiode 30. 05. 2008 Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Wolfgang Gehrcke, Inge Höger,
Dr. Hakki Keskin, Jan Korte, Kersten Naumann, Paul Schäfer (Köln), Jörn
Wunderlich und der Fraktion DIE LINKE.
Stattgefundene und geplante Amtshilfe- und Unterstützungsleistungen
der Bundeswehr im Inland (Stand zweites Quartal 2008)
Die Bundesregierung will die Möglichkeiten für Inlandseinsätze der
Bundeswehr erweitern. In diesem Zusammenhang muss auch so genannten Amtshilfe-
und Unterstützungsleistungen erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Denn Erfahrungen wie der Bundeswehreinsatz in Heiligendamm oder der
Einsatz an der Münchner Sicherheitskonferenz zeigen, dass die Grenzen zwischen
Amtshilfe und „Einsatz“ im Sinne des Grundgesetzartikels 87a Abs. 2 in der
Praxis der Bundesregierung fließend sind. Eine Zunahme von
Amtshilfeleistungen, wie sie in der Vergangenheit zu beobachten ist, muss auch unter dem
Aspekt kritisch betrachtet werden, dass die Bundesregierung hiermit eine
Gewöhnung der Öffentlichkeit an den Anblick uniformierter Soldaten im Alltag
anstrebt.
Die Fragesteller haben die Informationspolitik der Bundesregierung
hinsichtlich Inlandseinsätzen wiederholt kritisiert und betont, dass das Parlament
jederzeit in vollem Umfang über solche Einsätze, aber auch über
Amtshilfemaßnahmen informiert werden müsse. Dazu gehört nicht nur, die bevorstehenden
Einsätze abzufragen, sondern es ist notwendig, Auskunft auch über die
zurückliegenden zu verlangen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche bevorstehenden Einsätze der Bundeswehr auf Grundlage von
Artikel 35 Abs. 1 (Amtshilfe) sind zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser
Frage wann und durch wen beschlossen worden?
a) Wer hat die Amtshilfeersuchen zu welchem Zeitpunkt gestellt, und was
ist der jeweilige Wortlaut?
b) Falls die Bundesregierung den Wortlaut nicht veröffentlichen will:
– Worin besteht der wesentliche Inhalt des jeweiligen Ersuchens,
– was ist der beabsichtigte Zweck,
– welche Fähigkeiten, Kapazitäten, Gerätschaften sollen eingesetzt
werden,
– wie viele Soldaten inklusive der zur „Eigensicherung“ abgestellten
werden zum Einsatz kommen,
Drucksache 16/9402 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode– über welche Waffen und welche Munitionierung verfügen diese
Soldaten,
– welche Aufgaben sollen die Soldaten erfüllen,
– an welchem Datum bzw. in welchem Zeitraum und an welchem Ort
bzw. in welcher Region soll der Einsatz stattfinden,
– welche Kosten werden dabei entstehen, und wer kommt für diese auf?
2. Wie viele noch nicht beschlossene Amtshilfeersuchen liegen zum Zeitpunkt
der Beantwortung dieser Frage der Bundeswehr vor (bitte nach dem Schema
der Frage 1 beantworten)?
3. Wie viele Unterstützungsleistungen für Veranstaltungen Dritter durch die
Bundeswehr sind derzeit wann, und durch wen beschlossen worden (bitte
nach dem Schema der Frage 1 beantworten)?
4. Wie viele Ersuchen um Unterstützungsleistungen für Veranstaltungen
Dritter liegen der Bundeswehr zum Zeitpunkt der Beantwortung dieser Frage
vor (bitte nach dem Schema der Frage 1 beantworten)?
5. Welche Amtshilfemaßnahmen hat die Bundeswehr seit der Beantwortung
der letzten diesbezüglichen Anfrage (Bundestagsdrucksache 16/8615)
durchgeführt (bitte nach dem Schema der Frage 1 beantworten)?
6. Welche Unterstützungsleistungen für Veranstaltungen Dritter hat die
Bundeswehr seit der Beantwortung der letzten diesbezüglichen Anfrage
(Bundestagsdrucksache 16/8615) durchgeführt (bitte nach dem Schema der
Frage 1 beantworten)?
7. Welche Amtshilfeersuchen bzw. Anträge auf Unterstützung von
Veranstaltungen Dritter sind seit der Beantwortung der letzten diesbezüglichen
Anfrage (Bundestagsdrucksache 16/8615) abgelehnt worden (bitte die Anträge
nach Schema der Frage 1 erläutern und die Gründe für die Ablehnung
nennen)?
8. Welche Amtshilfeersuchen bzw. Anträge auf Unterstützung von
Veranstaltungen Dritter sind seit der Beantwortung der letzten diesbezüglichen
Anfrage (Bundestagsdrucksache 16/8615) zurückgezogen worden (bitte die
Anträge nach Schema der Frage 1 erläutern), und welche Angaben kann die
Bundesregierung über den Grund für die Zurückziehung machen?
Berlin, den 28. Mai 2008
Dr. Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und FraktionGesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
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ISSN 0722-8333]