Die der Bundesregierung bekannten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten konzentrieren sich auf die Optimierung der in der Antwort auf die Frage 2 angeführten Verfahren. Die Optimierung betrifft die Leistungssteigerung der Mikroorganismen, Schaffung günstiger Nährstoff- und Standortbedingungen für die Mikroflora, Verbesserung der biologischen Verfügbarkeit der Schadstoffe, Monitoring des Sanierungsverlaufs, Verfahrensbestimmung für eine gegebenenfalls erforderliche Nachbehandlung des sanierten Bodens und Bewertung des Sanierungserfolgs.
Von den Projektträgerschaften des Bundesministeriums für Forschung und Technologie werden derzeit elf FuE-Vorhaben auf dem Gebiet der mikrobiologischen Bodensanierung gefördert. Davon liegen neun Projekte in der Zuständigkeit des Projektträgers Abfallwirtschaft und Altlastensanierung beim Umweltbundesamt und zwei Projekte in der Zuständigkeit des Projektträgers Wassertechnologie beim Kernforschungszentrum Karlsruhe.
Weitere ca. zwanzig Projekte sind zur Förderung beantragt.
Bei den z. Z. geförderten elf Vorhaben ist die Weiterentwicklung von Mietenverfahren bei drei Projekten und die Weiterentwicklung von „in situ"-Verfahren bei acht Projekten Gegenstand der Förderung.
Darüber hinaus wird Forschungsförderung auf dem Gebiet der biologischen Bodensanierung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (u. a. durch den Sonderforschungsbereich Altlasten an der Universität Hamburg-Harburg), von den Ländern und von privaten Unternehmen betrieben.
Die Untersuchungsgegenstände im Rahmen von Verfahrensentwicklungen bzw. -weiterentwicklungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: — Identifizierung und Überwindung limitierender Bedingungen im Systemkomplex Kontamination/Boden/Mikroorganismen, — Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Stoffen, — Eintrag/Etablierung von spezifisch wirksamen einschließlich speziell gezüchteter Mirkoorganismen, — Erprobung des Abbaus weiterer biologisch grundsätzlich metabolisierbarer Schadstoffe, insbesondere aus Rüstungsaltlasten und Altlasten der chemischen Industrie, — Vergleichsuntersuchungen zur Übertragung von Laborversuchsergebnissen auf die Praxis, - Erweiterung der Risiko- und Gefährdungsabschätzung durch biologische Tests und Analyse von Langzeitwirkungen, — Standardisierung von Screeningversuchen, — Standardisierung der Verfahrens- und Erfolgskontrolle, — Entwicklung von Verfahren zur Stoffbilanzierung, — Bestimmung erreichbarer Restkonzentrationen und deren ökologische und toxikologische Bewertung, — Messung, Behandlung und Kontrolle der gasförmigen und ggf. flüssigen Emissionen, — Nachbehandlung sanierter Böden, — Wiederverwendung biologisch sanierter Böden, — Weiterentwicklung der „in situ"- und Mietenverfahren sowie von Reaktoren und Reaktorverfahren.
Wichtige dabei auftretende Fragestellungen werden im Rahmen von Forschungsvorhaben des Bundesministeriums für Forschung und Technologie bearbeitet. Zu nennen sind: Biologische Umwandlung, Entgiftung und Abbau dioxinartiger Verbindungen Hieran arbeiten: Universität Hamburg, Technische Universität Hamburg-Harburg, Universität Bielefeld, Gesellschaft für Biotechnologische Forschung Braunschweig, Universität Greifswald, Fa. Natex (Hamburg). Es werden dabei die Bakterienstämme Pseudomonas und Streptomyzeten sowie Hefe und Weißfäulnis-Pilze eingesetzt. Enzymatische Halogenierung und Dehalogenierung Hieran arbeiten: Universität Hohenheim, Fraunhofer-Gesellschaft-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (Stuttgart), Fa. Boehringer (Mannheim), Fa. Deutsche Solvay (Rheinberg). Es werden dabei die Bakterienstämme Pseudomonas und Streptomyzeten eingesetzt. Verbesserung des mikrobiellen Abbaus und der Lumineszens-Analytik von Erdölprodukten im Boden Hieran arbeiten: TU Braunschweig, Fa. Biodetox (Ahnsen), Umweltschutz Nord (Ganderkesee), Fa. Spectoscopy Instruments (Cilching). Es werden dabei verschiedene Bakterienstämme eingesetzt. Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen zum mikrobiellen Abbau von Bodenkontaminationen durch Dieselkraftstoff, Mineralöl Hieran arbeitet die Fa. Maschinen- und Anlagenbau Grimma (Leipzig). Es ist das Ziel der Arbeiten, ggf. auch bisher nicht bekannte abbaufähige Organismen aufzufinden. Thermophile Mikroorganismen für die Bodensanierung Hieran arbeitet das Institut für Biotechnologie (Leipzig). Es wird dabei der Bakterienstamm Bacillus eingesetzt. Technische Untersuchungen zur Bodensanierung („in situ", „on site") im Labor- und Technikumsmaßstab Hieran arbeitet die Fa. Forschungszentrum Biotechnologie Berlin. Angaben zu den dabei verwendeten Organismen liegen nicht vor. Biologische Schadstoffeliminierung aus Böden durch Rhizosphären Mikroben Hieran arbeitet die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Es werden dabei der Bakterienstamm Rhizosphären und Mykorrhiza-Pilze eingesetzt.
Außer den hier genannten sind auf dem Gebiet der mikrobiologischen Bodensanierung zahlreiche weitere wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen tätig.
Im Rahmen seines Förderkonzeptes Biotechnologie 2000 beabsichtigt das Bundesministerium für Forschung und Technologie in Kürze die Einrichtung eines Programmschwerpunkts Umweltbiotechnologie. Damit soll die Entwicklung neuer biologischer Verfahren zur Umweltentlastung (einschließlich Verfahren zur Verwertung von Reststoffen und zur Vermeidung von Schadstoffanfall), insbesondere zur Reinigung von Abwasser, Abluft und Böden verstärkt werden.
Eine vollständige Übersicht über die Bakterien, Hefen und Pilze, die bei den Verfahrensentwicklungen zur biologischen Bodensanierung eingesetzt werden, liegt nicht vor. Besondere Bedeutung haben die Kohlenwasserstoffe abbauenden Mikroorganismen.
Insbesondere folgende Gattungen sind zu nennen:
- Bakterien: Achromobacter, Acinetobacter, Actinomyces, Aeromonas, Alcaligenes, Arthrobacter, Azotobacter, Bacillus, Bacterium, Brevibacterium, Caulobacter, Chromobacterium, Clostridium, Corynebacterium, Cytophaga, Desulfovibrio, Erwinia, Flavobacterium, Hyphomicrobium, Leptothrix, Methanobacterium, Methanomonas, Methylococcus, Micrococcus, Microcystis, Micromonospora, Mycobacterium, Nocardia, Proteus, Pseudobacterium, Pseudomonas, Sardina, Serratia, Sphaerotilus, Spirillum, Streptomyces, Thibacillus, Vibrio, Xanthomonas
- Hefen und Pilze: Absidia, Acremonium, Aspergillus, Beauvaria, Botrytis, Candida, Cephalosporium, Chaetomium, Chloridium, Chrysosporium, Cladiosporium, Claviceps, Cochliobolus, Collectrichum, Cryptococcus, Cunningharnella, Cylindrocarpen, Debaryomyres, Dematium, Endomyces, Epicoccum, Geotrichum, Gliocladium, Graphium, Hansenula, Helicostylum, Helminthosporium, Humicola, Monilia, Pseudomonas
Bisherige in- und ausländische Erfahrungen zeigen, daß biologische Sanierungsmaßnahmen im Bodenbereich am wirksamsten sind, wenn die standorteigene Mikroflora z. B. durch Bereitstellung von Nährstoffen (Nitrat, Phosphat) oder einen Elektronenakzeptor (Sauerstoff, Wasserstoffperoxid) stimuliert wird. Vorkulturen zur Aufkonzentrierung der Bakterienpopulationen von verunreinigten Standorten haben sich bewährt. Extern hergestellte Präparate brachten im Vergleich dazu in der Regel keine befriedigenden Ergebnisse.