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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Veranstaltung des Hauses der Geschichte anläßlich des 25. Todestages von Konrad Adenauer (G-SIG: 12010904)

Form und Inhalt der Darstellung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Fraktion

SPD

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

20.07.1992

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/297629.06.92

Veranstaltung des Hauses der Geschichte anläßlich des 25. Todestages von Konrad Adenauer

der Abgeordneten Freimut Duve, Angelika Barbe, Hans Gottfried Bernrath, Günter Graf, Fritz Rudolf Körper, Uwe Lambinus, Dorle Marx, Peter Paterna, Bernd Reuter, Dieter Schloten, Gisela Schröter, Rolf Schwanitz, Johannes Singer, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Peter Struck, Siegfried Vergin, Gerd Wartenberg (Berlin), Barbara Weiler, Jochen Welt, Hans-Ulrich Klose und der Fraktion der SPD

Vorbemerkung

Aus Anlaß des 25. Todestages von Konrad Adenauer lud das Haus der Geschichte am 27. April 1992 zu einem Wissenschaftlichen Symposium in das Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg ein. Aus der Veranstaltung wurde eine feierliche Hommage, bei der es im wesentlichen darum ging, die facettenreiche Gründungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland unkritisch auf die ausschließliche Leistung eines einzelnen Mannes, nämlich Konrad Adenauers, zu verkürzen. So wurde aus einem wissenschaftlich-historiographischen Auftrag des Hauses der Geschichte die aufwendige Inszenierung einer politisch motivierten Weihestunde.

In einer Regierungserklärung hatte Bundeskanzler Helmut Kohl am 18. März 1987 zum Haus der Geschichte erklärt: „Die deutsche Geschichte soll so dargestellt werden, daß sich die Bürger darin wiedererkennen: offen für kontroverse Deutungen und Diskussionen, offen für die Vielfalt geschichtlicher Betrachtungsmöglichkeiten. In einer freien Gesellschaft gibt es nach unserer Überzeugung kein geschlossenes und schon gar nicht ein amtlich verordnetes Geschichtsbild". Mit der Veranstaltung am 27. April 1992 hat das Haus der Geschichte in eklatanter Weise gegen diese Grundsätze verstoßen und damit das Vertrauen in seine überparteiliche, dem Ganzen verpflichtete Arbeit beschädigt. Die Gründungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland ist ohne Zweifel von Konrad Adenauer stark geprägt gewesen, aber der demokratische Wiederaufstieg Westdeutschlands ist nicht, wie die Veranstaltung versuchte darzustellen, das Werk eines einzelnen gewesen.

Wir fragen daher die Bundesregierung:

Fragen3

1

Sind der Bundesregierung Gründe dafür bekannt, weshalb das Haus der Geschichte ausschließlich Referenten (Historiker, Zeitzeugen, Politiker) eingeladen hatte, die eine kritische Haltung zu Adenauer weitgehend vermissen ließen?

2

Hält die Bundesregierung es mit dem Ziel des Hauses der Geschichte, einen lebendigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte zu leisten, für vereinbar, eine parteipolitisch einseitige Veranstaltung zu organisieren, die in der gefundenen Form besser in den Rahmen der Konrad-Adenauer-Stiftung gepaßt hätte?

3

Wird die Bundesregierung das Parlament darin unterstützen, bei den Verantwortlichen des Hauses der Geschichte darauf hinzuwirken, daß die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland weniger im Stil von parteipolitisch geprägten Weihestunden, sondern in offenen Diskussionsforen dargestellt wird?

Bonn den 29. Juni 1992

Freimut Duve Angelika Barbe Hans Gottfried Bernrath Günter Graf Fritz Rudolf Körper Uwe Lambinus Dorle Marx Peter Paterna Bernd Reuter Dieter Schloten Gisela Schröter Rolf Schwanitz Johannes Singer Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast Dr. Peter Struck Siegfried Vergin Gerd Wartenberg (Berlin) Barbara Weiler Jochen Welt Hans-Ulrich Klose und Fraktion

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